Arthur Loosli

Schweizer Konzertsänger und Kunstmaler

Arthur Loosli (* 23. Februar 1926 in La Chaux-d’Abel (Sonvilier)) ist ein Schweizer Konzertsänger und Kunstmaler

Arthur Loosli als Konzertsänger an einem Liederabend
Arthur Loosli beim Kupferstechen 1999

LebenBearbeiten

Arthur Loosli kam in La Chaux-d’Abel, einem Weiler in der Gemeinde Sonvilier im Berner Jura, als zweites von sieben Kindern eines Gesamtschullehrers und einer Bäuerin zur Welt. Die Natur der Freiberge mit den Weiden und Tannen, den sagenumwobenen Mooren und den Kalksteinvorkommen prägten ihn.

1942 bis 1946 absolvierte er das Lehrerseminar in Bern, wo er bis 1983 auch wohnte. Dann wechselte er nach Muri bei Bern und 1996 nach Steffisburg. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Loosli spürte schon früh in sich das Verlangen, «so wie ein Seismograph unterirdische Regungen aufzeichnet, durch die kritzelnde Hand Zeichen und Bilder aus der seelischen Innenwelt ans Tageslicht zu fördern».[1] Nach dem Abschluss im Lehrerseminar studierte er an der Kunstgewerbeschule Bern von 1946 bis 1949. Danach folgten Studienaufenthalte in Paris, Florenz, Venedig und Stockholm. 1953 erhielt er einen Lehrauftrag für Zeichnen und Kunstgeschichte am Gymnasium Thun. Diese Stelle hatte er bis zur ordentlichen Pensionierung inne.

 
Arthur Loosli (rechts) anlässlich der Preisverleihung 1959 in ’s-Hertogenbosch
 
Arthur Loosli als Ottokar im Freischütz C.M.von Weber am Stadttheater Bern 1958

1950 begann Loosli seine Ausbildung zum Konzertsänger an den Konservatorien von Bern, Venedig und Stockholm. Erst nahm er Gesangsunterricht bei Felix Loeffel in Bern. Dann folgten weitere Studien bei Mariano Stabile in Venedig (1958) und Arne Sunnegaard in Stockholm (1958–1959). 1959 gewann er im Fach Bassbariton beim internationalen Vokalistenwettbewerb in ’s-Hertogenbosch in Holland den ersten Preis. Gleichzeitig erhielt er auch den Jos Orelio-Preis.

KunstmalerBearbeiten

 
Arthur Loosli: Die Welt des Zeichners - Spiel und Traum

Loosli's Vielseitigkeit zeigt sich sowohl in den Themenbereichen wie in den angewandten Techniken, mit denen er seine Werke gestaltete. Es sind Zeichnungen mit Feder, Kugelschreiber, Bleistift und Kohle, Sgraffiti, Radierungen, Kupferstiche, Malereien, Siebdrucke, Holz- und Keramikskulpturen.[2] Loosli wählte Objekte, meist aus der Vielfalt der alten Kunst und der Natur, die er mit humorvollen Einfällen[3] verformen und umwandeln wollte: Kathedralen erstarren zum Schneckenhaus und zum Fels, verwandeln sich in Fabelwesen und laufen oder fliegen davon; Wasser als Element, das geheimnisvolle Schiffe trägt und verschlingt, die Arche blockiert oder die Sicht in die Weiten der Unendlichkeit freigibt. Und immer wieder überrascht Loosli mit grenzenloser Fantasie und seinem Schalk, führt Betrachtende auch zur Täuschung und dadurch zu erhöhter Neugierde.

In der handschriftlichen Äusserung Die Welt des Zeichners – Spiel und Traum beschreibt Loosli, wie er sich als Zeichner wahrnimmt.[4]

Ab 1952 beteiligte er sich an Ausstellungen im In- und Ausland, so in Galerien in Bern, Zürich, München, Paderborn, Mannheim, Hamburg, New York, dann an Kunstmessen in Basel, Düsseldorf und der Biennale Saint Paul (Minnesota) und in Museen wie dem Kunstmuseum Thun, Kunsthaus Glarus und Kunsthaus Zug. 1994 beteiligte er sich an der Ausstellung Cultura Svizzera in der Palazzina Presidenziale, Florenz.[5]

Loosli widmete sich auch Buch-Illustrationen und der Herausgabe eigener Bücher mit Zeichnungen, Aquarellen, Radierungen, Federzeichnungen und auch eigenen Texten.

KonzertsängerBearbeiten

 
Arthur Loosli singt im Radiostudio Bern 1964 in einer Direktsendung mit Eugen Huber am Klavier

1958 begann Loosli seine Konzerttätigkeit im In- und Ausland aufzubauen. An Liederabenden widmete er sich Liederzyklen von Franz Schubert, Robert Schumann, Othmar Schoeck. In der Rezension zum Liederabend mit Franz Schuberts Winterreise schrieb der Der Bund am 27. Februar 1961: «Wie sehr die Wiedergabe aus ganz persönlicher Auseinandersetzung mit dem Werk erwachsen ist, liess sich besonders deutlich am ‹Lindenbaum› nachempfinden, dem keine Spur harmloser Gefühlsseligkeit anhaftete, der vielmehr - ohne jede dramatisierende Übertreibung - eine geheimnisvolle Neuheit des Ausdrucks erhielt, die man diesem allbekannten Lied kaum mehr zutraute.»

Sein Repertoire umfasste auch Oratorien von Händel, die Passionen und das Magnificat von J. S. Bach, das Requiem und die Messen von Mozart, die Die Schöpfung und Die Jahreszeiten von Haydn, Elias von Mendelssohn, die Requien von Verdi und Antonín Dvořák, La damnation de Faust von Berlioz und Werke vieler zeitgenössischer Komponisten bis zum War Requiem von Benjamin Britten.

 
Arthur Loosli als Hamor in Jephtha von G. F. Händel am Stadttheater Bern 1964

In der Berner Tagwacht vom 20. April 1965 war zur Aufführung der Johannes-Passion von Bach zu lesen: «Da stand zunächst mit weitem Abstand der Christus von Arthur Loosli im Zeichen einer markanten Persönlichkeit, wie er sich mit der Figur und dem musikalischen Gehalt identifizierte, reichte an die bedeutendsten Vorbilder heran.» Zur gleichen Aufführung schrieben die Tages-Nachrichten am 20. April 1965: «Ich habe noch nie einen Christussänger erlebt, nicht einmal Dietrich Fischer-Dieskau, der sich so in die Worte Christi in der Passion hinein versenkte und sich stimmdarstellerisch so mit dem gesungenen Wort identifizierte wie Arthur Loosli. Eine grossartig vollendete Leistung dieses ungemein begabten Sängers.» Der Bund berichtete am 10. Mai 1967 zur h-Moll-Messe von J. S. Bach von der «klangschönen und geistig überlegenen Durchformung der Bass-Soli» durch Arthur Loosli.

Das Berner Tagblatt vom 19. Januar 1967 schrieb zur Aufführung der Elegie, op. 36 von Othmar Schoeck: Arthur Loosli, Bass-Bariton, verhalf dem Werk zu einer wohl kaum übertreffbaren Wiedergabe. Seine stimmlichen Fähigkeiten vereinigten sich mit einer literarischen Empfindsamkeit von unmittelbar zwingender Eindringlichkeit. Er vermied jeden übertriebenen Affekt, gestaltete in kraftvoller Schlichtheit und erreichte damit eine lyrische Atmosphäre von vollkommener Ausgewogenheit zwischen Ton und Wort.

In der Schweiz sang er in Landorten wie auch in den wichtigen Musikzentren. Im Ausland gab er Konzerte in Rom, Bergamo, Bari, Brescia, Genua, Lucca, Mantua, Parma, Padua und Ravenna, in Amsterdam, Brüssel, Besan, Stuttgart, Mannheim, Nürnberg, Stockholm und beim Festival von Breslau.

Im Radiostudio Bern und an Konzertorten schweizweit fanden vor allem von 1956 bis etwa 1980 Aufführungen statt, welche direkt ausgestrahlt und aufgezeichnet wurden. Im Laufe der Zeit wurden über 120 Aufnahmen digitalisiert. Darunter befinden sich das Oratorium Christus von Franz Liszt, die Choralpassion von Hugo Distler, die Kammeroper Mozart und der graue Bote von Armin Schibler und die Haslikantate zu einer Alpensage von Jean Daetwyler.

Die Gründung des Berner Bachchors 1966 erfolgte auf die Initiative der beiden Brüder Arthur und Theo Loosli. Letzterer übernahm dann auch die Chorleitung.

Verbindung zweier KünsteBearbeiten

1974 entstand die Schallplattenaufnahme des Liederzyklus’ Winterreise von Franz Schubert mit Karl Grenacher am Klavier. Dem Textbuch sind 48 Federzeichnungen des Sängers Loosli beigegeben. In der gleichen Besetzung wurde 1980 der Schwanengesang von F. Schubert aufgenommen, diesmal mit 14 Bleistiftzeichnungen. Vier Jahre zuvor erschien der Liederzyklus Unter Sternen von Othmar Schoeck zu Gedichten von Gottfried Keller, ebenfalls mit einer Bild- und Textbeilage durch Arthur Loosli.

Bildwerke Arthur LooslisBearbeiten

PublikationenBearbeiten

  • Orbis immaginatus. Sechs graphische Zyklen. Verlag Galerie Schindler, Bern 1966.
  • Arthur Loosli zeichnet Kathedralen. Zeichnungen und Graphik. Verlag Stämpfli, Bern 1968.
  • Motive. Zeichnungen und Texte. Verlag Stämpfli, Bern 1971.
  • Signum. Zeichnungen und Texte. Akzentverlag, Bern 1975.
  • Phantastisches aus der Schweiz. Federzeichnungen. Literaturzeitschrift Drehpunkt. Basel 1976,
  • Tschipo. Zeichnungen zu Texten von Franz Hohler. Luchterhand-Verlag, Darmstadt 1978.
  • Zoologische Findlinge. Tierbuch von Franz Hohler mit Zeichnungen und Aquarellen. Zytglogge-Verlag, Bern 1979.
  • Der Granitblock im Kino. Illustrationen zu Texten von Franz Hohler. Luchterhand-Verlag, Darmstadt 1981.
  • Piranesiana. Variationen zu Radierungen von Piranesi. Buch mit Zeichnungen und Texten. Zytglogge-Verlag, Bern 1982.
  • La Frode. Originalradierungen zum Novellenband von Leonardo Sciascia. Editione Taurus, Catania 1982.
  • Tschipo und die Pinguine. Zeichnungen zum Kinderroman von Franz Hohler. Ravensburger Buchverlag, 1985.
  • Tschipo in der Steinzeit. Zeichnungen zum Kinderroman von Franz Hohler. Ravensburger Buchverlag, 1995.
  • Auf den Spuren der Zwerge. Federzeichnungen zum Text von Max Waibel. Verlag Krebser, Thun, 1998.
  • Capriccio. Kupfersticheleien. Zytglogge-Verlag, 2001.

TonträgerBearbeiten

CD-Aufnahmen

  • Franz Schubert: Winterreise. Arthur Loosli (Bass-Bariton), Karl Grenacher (Klavier). Mit Textbuch und 48 Federzeichnungen. Akzentverlag und Jecklin JS 268-2, 1974.
  • Robert Schumann: Heinrich Heine-Lieder. Arthur Loosli (Bass-Bariton), Hans Walter Stucki (Klavier). Akzent WA 3152-2, 1989. Sonographic
  • Jan Dismas Zelenka: Missa Circumcisionis. Arthur Loosli (Bass), Thurgauer Barockensemble, Raimund Rüegge (Dir.) Swiss pan 510013. 1982.
  • Böhmische Pastorellen. Arthur Loosli (Bass), Thurgauer Barockensemble, Raimund Rüegge (Dir.) Swiss pan 510030. 1985.
  • Festliche Musik aus Böhmen. Arthur Loosli (Bass), Thurgauer Barockensemble, Raimund Rüegge (Dir.) Swiss pan 510047. 1992.
  • Geistliche Chormusik der Böhmischen Klassik. Arthur Loosli (Bass), Thurgauer Barockensemble, Raimund Rüegge (Dir.) Swiss pan 510043. 1989.
  • Othmar Schoeck: Nachhall op. 70. Arthur Loosli (Bass-Bariton), Kammerensemble von Radio Bern, Leitung Theo Loosli, Karl Grenacher (Klavier). Jecklin Disco 535-2. 1973.
  • Othmar Schoeck: Elegie op. 36. Arthur Loosli (Bass-Bariton), Berner Kammerensemble, Theo Hug (Ltg.). Jecklin Disco 510-2. 1967.
  • Othmar Schoeck: Unter Sternen op. 55. Arthur Loosli (Bariton), Franz Kienberger (Klavier). Radio DRS, Studio Bern 2002.

LP-Aufnahmen

  • Franz Schubert: Schwanengesang. Arthur Loosli (Bass-Bariton), Karl Grenacher (Klavier). LP mit illustriertem Textheft von 1980. Akzent Aufnahme: Sonographic AG, WA 3129.
  • Johann Sebastian Bach: Johannes-Passion. Arthur Loosli (Bass, als Christus), Berner Bach-Chor, Kammerensemble Bern, Theo Loosli (Dir.). EMI 157-99 860/62. 1979
  • Antonín Dvořák: Requiem. Arthur Loosli (Bass), Orchestre de la suisse romande, François Pantillon (Dir.). Live-Aufnahme von Radio Lausanne. 1966.
  • Modest Mussorgsky: Boris Godunov. Arthur Loosli (Bass), Berner Symphonieorchester, François Pantillon (Dir.) Konzert-Aufnahme in Biel 1968.
  • Othmar Schoeck: Wanderung im Gebirge. op. 45 / Das stille Leuchten. op. 60 / Unter Sternen. op.55. Arthur Loosli (Bass-Bariton), Karl Grenacher (Klavier). EMI SHZC 4004.
  • Jean Daetwyler: Haslikantate. Arthur Loosli (Bass-Bariton), Chor Gymnasium Thun, Kammerorchester Concertino Basel, Bernhard Grossenbacher (Dir.). Aufnahme Radio DRS 1982. Oreade 30-830, 1983.
  • Michael Glinka: La Vie pour le Tsar. Arthur Loosli (Bass), Orchestre et Chœurs des Gymnases de Neuchâtel, Georges-Henri Pantillon (Dir.). Gallo 30-449. 1985.

HörbeispielBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Arthur Loosli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Thun - Ein Lesebuch, S. 168.
  2. Margrit Kunz: Eine breite Palette an Kunstwerken. Berner Zeitung, 4. Juni 2018
  3. Doris Bussmann: Der Künstler sagt: «Dä het gschaffet!» Berner Zeitung, 7. Februar 2011
  4. Die Handschrift Die Welt des Zeichners – Spiel und Traum befindet sich in Privatbesitz der Familie Loosli.
  5. Arthur Loosli: Capriccio - 7x7 Kupfersticheleien. Zytglogge-Verlag, Gümligen 2001