Arndt-Verlag
Rechtsform Imprint
Gründung 1963
Sitz Kiel
Leitung Dietmar Munier
Branche Verlagswesen, Revisionismus

Der Arndt-Verlag (Eigenschreibweise: ARNDT-Verlag) gehört zur Verlagsgruppe des rechtsextremen Verlegers Dietmar Munier. Ein Schwerpunkt des Verlagsprogramms liegt auf Geschichtsrevisionismus.

VerlagsgeschichteBearbeiten

Der Arndt-Verlag wurde ursprünglich 1963 vom Namensgeber Heinz von Arndt gegründet, der zunächst der Deutschen Reichspartei und später der NPD angehörte. 1983 übernahm der Verleger Dietmar Munier den Arndt-Verlag und gliederte ihn in seine Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH mit Sitz in Martensrade ein. Munier baute Arndt zu einem der größten und wichtigsten rechtsextremen Verlage in Deutschland auf.[1][2]

VerlagsprogrammBearbeiten

Das Programm umfasst das gesamte Spektrum geschichtsrevisionistischer Literatur sowie Erlebnis- und Zeitzeugenberichte. Auch einige moderne Schriften, so die Broschüre Ausländer Stopp – Handbuch gegen Überfremdung des ehemaligen NPD-Vorsitzenden Günter Deckert, wurden über den Arndt-Verlag veröffentlicht. Das Gros der Autoren stammt aus dem rechtsextremen Lager. Unter anderem veröffentlichten Franz W. Seidler, Gustav Sichelschmidt, Wilfred von Oven und Günter Zehm[3] über Arndt. Bekanntester Autor ist der einflussreiche Holocaustleugner David Irving, der dort seine umstrittenen Biografien über Joseph Goebbels und Hermann Göring sowie sein Werk Die Geheimwaffen des Dritten Reichs veröffentlichte.[4] Auch Videos mit Vorträgen bekannter Rechtsextremisten sind im Verlagsprogramm enthalten.[5] Erfolgreiche Titel waren unter anderem das Buch Gespräche über Deutschland des Honecker-Vertrauten Hermann von Berg. Das geschichtsrevisionistische Buch Ein Weltkrieg wird programmiert von Dirk Kunert erschien als Lizenzausgabe im Ullstein Verlag.[6]

Seit einigen Jahren versucht der Verlag, auch auf dem Markt für rechte Musik Fuß zu fassen. Angeboten werden vor allem Balladenzusammenstellungen, so die Kompilationsreihen Balladen des nationalen Widerstands und Unser Kampf, auf dem sich Musik unter anderem von Frank Rennicke, Annett, Sturmwehr und Rheinwacht befindet.[1]

Neben dem Arndt-Verlag ist der Pour le Mérite-Verlag der Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH angegliedert.[7][8][9]

Beobachtung durch den VerfassungsschutzBearbeiten

In Anbetracht seines Programmes wird der Arndt-Verlag vom Verfassungsschutz beobachtet und in verschiedenen Verfassungsschutzberichten der Länderbehörden Sachsens (2001) und Schleswig-Holsteins (2007, 2009, 2010) erwähnt.[4][10][2] Er versuche, so der Verfassungsschutz Schleswig-Holstein, „den Lesern ein positives Bild über den Terror der Nationalsozialisten zu vermitteln“.[11] Das Bundesamt für Verfassungsschutz erwähnt den Arndt-Verlag in seinen Berichten zu 2009, 2010, 2011 und 2012.[12] Bildbände würden „die NS-Zeit beschönigen“ und die Militärtechnik des „Dritten Reichs“ verherrlichen, Texte noch 2011 einen Anspruch Deutschlands auf das Sudetenland formulieren.[13]

VerbreitungBearbeiten

Der Großteil des Verlagsprogramms wird nicht im Buchhandel angeboten, sondern über Versandkataloge vertrieben. In den Vorworten der Kataloge propagiert Munier immer wieder seine eigenen rechten Ansichten und greift Mitglieder der jeweiligen Bundesregierung scharf an.[7]

NamensgleichheitBearbeiten

Dieser Verlag ist nicht zu verwechseln mit dem Arndt-Verlag in Bretten, dessen Sortiment als Fachverlag auf die Thematik „Vögel“ ausgerichtet ist.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Nadja Münch und Gabriele Nandlinger: Arndt-Verlag. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Glossar der Bundeszentrale für politische Bildung im Dossier Rechtsextremismus 2010. BIKnetz, archiviert vom Original am 22. Oktober 2014; abgerufen am 22. Oktober 2014.
  2. a b Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein: Verfassungschutzbericht 2010 des Landes Schleswig-Holstein, S. 57. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 3. April 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/www.schleswig-holstein.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Universität Jena: „Rechtsextremer im Nadelstreifenanzug“. In: Spiegel Online. 11. Mai 2001, abgerufen am 1. November 2014.
  4. a b Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2001. 2002, S. 78 (Online [PDF]).
  5. Anton Maegerle: „Junge Freiheit“-Autoren und ihr politisches Umfeld. trend onlinezeitung, Dezember 2003, abgerufen am 22. Oktober 2014.
  6. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste. Drucksache 12/6081, 8. November 1993 (Online [PDF]).
  7. a b Artikel über „Arndt-Verlag“ im Lexikon Rechtsextremismus von Belltower.News
  8. Katja Eddel: Die Zeitschrift MUT – ein demokratisches Meinungsforum?: Analyse und Einordnung einer politisch gewandelten Zeitschrift. Springer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-531-93368-9, S. 109.
  9. Registerinformationen des Registergerichts: Pour le Mérite Verlag für Militärgeschichte, Zweigniederlassung der Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH. Hauptniederlassung: Lesen & Schenken Verlagsauslieferung und Versandgesellschaft mbH. Amtsgericht Kiel, HRB 1827 PL. Abgerufen im Unternehmensregister am 16. Dezember 2018.
  10. Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein: Verfassungschutzbericht 2009 des Landes Schleswig-Holstein, S. 74 ff. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 9. Juli 2014; abgerufen am 24. Oktober 2014.
  11. Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein: Verfassungschutzbericht 2007 des Landes Schleswig-Holstein, S. 56ff. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 9. Juli 2014; abgerufen am 22. Oktober 2014.
  12. Verfassungsschutzbericht 2009, S. 136 ff., Verfassungsschutzbericht 2010, S. 114, Verfassungsschutzbericht 2011, S. 115, 117 und Verfassungsschutzbericht 2012, S. 129.
  13. Bundesverfassungsschutz: Verfassungsschutzbericht 2012, S. 130.