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Alpen-Pestwurz

Art der Gattung Pestwurzen (Petasites)
Alpen-Pestwurz
Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus)

Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Pestwurzen (Petasites)
Art: Alpen-Pestwurz
Wissenschaftlicher Name
Petasites paradoxus
(Retz.) Baumg.

Die Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus (Retz.) Baumg.,[1] Syn.: Petasites niveus (Vill.) Baumg.) auch Geröll-Pestwurz, Schnee-Pestwurz oder Schneeweiße Pestwurz genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Pestwurzen (Petasites) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Inhaltsverzeichnis

BeschreibungBearbeiten

 
Illustration aus Atlas der Alpenflora
 
Gestielte Laubblätter
 
Ausschnitte eines Blütenstandes mit Makroaufnahme der Blütenkörbe
 
Fruchtende Alpen-Pestwurz

Vegetative MerkmaleBearbeiten

Die Alpen-Pestwurz wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht zur Blütezeit Wuchshöhen von 8 bis 30 Zentimetern, bis zur Fruchtreife strecken sich die Internodien und es wird eine Wuchshöhe von bis zu 60 Zentimetern erreicht.[1]

Die Stängelblätter sind rotbraun bis violett überlaufen und schuppenförmig. Die Grundblätter erscheinen erst gegen Ende der Blütezeit. Die Grundblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der Blattstiel ist seitlich zusammengedrückt, nicht gerippt und auf der Oberseite abgeflacht. Die einfache Blattspreite der Grundblätter ist bei einer Breite von bis zu 30 Zentimetern meist länger als breit, dreieckig bis herzförmig und buchtig gezähnt. Ihre Unterseite ist dicht schneeweiß-filzig und nicht verkahlend.[1]

Generative MerkmaleBearbeiten

Die Blütezeit reicht von April bis Juni. Die körbchenförmigen Teilblütenstände stehen in dichten traubigen Gesamtblütenständen zusammen. Die spitzen Hüllblätter sind fast bis zum oberen Ende behaart. Die Blütenkörbchen enthalten nur weißrötlichen Röhrenblüten.

Die Achänen besitzen einen weißen Pappus (Haarkrone).

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 60.[2]

VorkommenBearbeiten

Das Verbreitungsgebiet der Alpen-Pestwurz umfasst die Alpen, den Schweizer Jura, die Pyrenäen, den Balkan und die Karpaten von der Tallage bis in Höhenlagen von 2700 Metern. In den Allgäuer Alpen steigt sie nahe der Widdersteinhütte in Vorarlberg bis zu einer Höhenlage von 2020 Meter auf.[3]

Die Alpen-Pestwurz ist in den Kalkgebirgen der gesamten Alpen weit verbreitet. In Österreich ist sie häufig außer in den Bundesländern Wien und Burgenland.

Die kalkstete Art bevorzugt feinerdereiche steinige Hänge, Bachschotter und sickerfeuchten Felsschutt sowie Föhrenwälder. Sie ist die Charakterart der Schnee-Pestwurz-Flur (Petasitetum paradoxi) aus dem Verband Petasition paradoxi.[2]

Die Alpen-Pestwurz besiedelt extreme Standorte. Sie ist ein Schuttüberkriecher, indem sie schlaffe, streckungsfähige oberirdische Triebe über den losen Schutt legt. Damit reagiert sie sehr flexibel gegenüber Schuttbewegungen. Die Pestwurz ist ein Rohbodenpionier und trägt zum Verfestigen des Bodens bei. Sie stellt damit ein wichtiges Initialstadium in der natürlichen Sukzessionsabfolge hin zum subalpinen Arven-Lärchenwald dar. Mit ihrer tiefreichenden und stark verzweigten Pfahlwurzel ist diese Art ein sehr guter Schuttfestiger.[4] Dennoch wird die Art durch natürliche Ereignisse wie Muren, Rutschungen oder Felsstürze oft ins Alpenvorland herabgeschwemmt.

LiteraturBearbeiten

  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  • P. Mertz: Pflanzengesellschaften Mitteleuropas und der Alpen. Erkennen, bestimmen, bewerten. Ecomed Verlagsgesellschaft, Landsberg/Lech, 2000 ISBN 3-609-19380-8.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Petasites paradoxus (Retz.) Baumg., Alpen-Pestwurz. In: FloraWeb.de.
  2. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001 ISBN 3-8001-3131-5. Seite 947–948.
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 613.
  4. Heinrich Jenny-Lipps: Vegetationsbedingungen und Pflanzengesellschaften auf Felsschutt. Phytosoziologische Untersuchungen in den Glarner Alpen. Diss. Zurich Technischen Hochschule, 1930, S. 182 (PDF).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Alpen-Pestwurz (Petasites paradoxus) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien