Alexander Dorner

deutscher Kunsthistoriker und Hochschullehrer

Alexander Dorner (* 19. Januar 1893 in Königsberg i. Pr.; † 2. November 1957 in Neapel) war ein deutscher Kunsthistoriker und Hochschullehrer. Er gilt als einer der innovativsten und einflussreichsten Museumsdirektoren des 20. Jahrhunderts.

LebenBearbeiten

Als Sohn des Theologen August Johannes Dorner besuchte Dorner das Collegium Fridericianum. Nach dem Abitur studierte er an der Albertus-Universität Königsberg und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin Geschichte, Kunstgeschichte und Archäologie. Nach den Kösener Corpslisten 1930 wurde er 1912 Mitglied des Corps Littuania.[1] Da er weder in Passauers Corpstafel der Littuania zu Königsberg (1935) noch in den Kösener Corpslisten 1960 aufgeführt ist, dürfte er Anfang der 1930er Jahre aus dem Corps ausgeschieden sein. Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg (1914–1918) und seiner Promotion zum Dr. phil. im Jahr 1919 in Berlin war Dorner ab 1919 am Provinzialmuseum Hannover tätig, in den Jahren 1925 bis 1937 als dessen Direktor. 1920 habilitierte er sich und war von da bis 1937 Privatdozent für Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule Hannover, 1928 wurde er zum a.o. Professor ernannt.

Zwischen Herbst 1926 und Februar 1928 richtete Dorner, gemeinsam mit El Lissitzky, das Kabinett der Abstrakten ein.[2] Von 1929 bis 1934 war er Präsident der Kestner-Gesellschaft in Hannover. 1936 trat Dorner nach der Aktion Entartete Kunst aus Gewissensgründen als Museumsdirektor zurück und emigrierte als Gegner des Nationalsozialismus im Sommer 1937 mit Unterstützung seines Doktorvaters Adolph Goldschmidt in die Vereinigten Staaten. In Rhode Island war er von 1937 bis 1941 Museumsdirektor der Rhode Island School of Design. Von 1941 bis 1948 lehrte er als Professor für Kunstgeschichte und Ästhetik an der Brown University in Providence. 1943 erhielt er die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten. Ab 1948 lehrte er am Bennington College in Vermont.

 
Dorners Grabmal

Dorner starb mit 64 Jahren auf einer Reise bei Neapel. Beigesetzt wurde er auf Hannovers Stadtfriedhof Stöcken (Abt. A 28).

BedeutungBearbeiten

Dorners entscheidende Leistung waren die zusammen mit Justus Bier als Leiter der Kestner-Gesellschaft seit 1930 aufgebauten Installationen zum neuen Raumverständnis der Moderne.[3] Dazu gehörten das Abstrakte Kabinett von El Lissitzky, nachgebaut im Sprengel-Museum, und der Raum der Gegenwart von László Moholy-Nagy. Er rettete Kunstwerke des sowjetisch-russischen Konstruktivisten und Suprematisten Kasimir Malewitsch vor der stalinistischen wie der nationalsozialistischen Diktatur, als sie 1933 in Deutschland vernichtet werden sollten, eine Rückkehr in die Sowjetunion aber auch keine Sicherheit mehr bot.[4]

Dorners Witwe Lydia Dorner initiierte 1968 in Hannover die Rekonstruktion des durch die Nationalsozialisten zerstörten Kabinetts der Abstrakten.[2]

PrivatesBearbeiten

Dorner war in erster Ehe verheiratet mit Karola von Broich. Seine zweite Frau war Ella Grotewold. Die dritte Ehe schloss er mit Lydia Nepto.

SchriftenBearbeiten

  • Als Dorners Hauptwerk gilt das Buch The Way beyond Art – The Work of Herbert Bayer (New York 1949), deutsche Übersetzung von Lydia Dorner (Überwindung der "kunst"), Hannover 1959.
  • 100 Jahre Bauen in Hannover. Zur Jahrhundertfeier der Technischen Hochschule. Edler & Krische, Hannover 1931.
  • 100 Jahre Kunst in Hannover, 1750–1850, 1932

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Technische Hochschule Hannover: Catalogus professorum, Hannover 1956, S. 49
  • W. Schmied: Wegbereiter der modernen Kunst. 50 Jahre Kestnergesellschaft, 1967, S. 253
  • Ines Katenhusen: Kunst und Politik. Hannovers Auseinandersetzung mit der Moderne in der Weimarer Republik, in der Reihe Hannoversche Studien, Bd. 5, Hannover 1998, S. 260f.
  • Ulrike Wendland: Biographisches Handbuch deutschsprachiger Kunsthistoriker im Exil. Leben und Werk der unter dem Nationalsozialismus verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler. Teil 1: A–K. Saur, München 1999, ISBN 3-598-11339-0 (zugl. Dissertation, Universität Hamburg, 1996).
  • Samuel Caumann: Das lebende Museum. Erfahrungen eines Kunsthistorikers und Museumsdirektors. Fackelträger, Hannover 1958.
  • Jürgen Claus: Das Medienmuseum – Was bleibt. In: Jürgen Claus: Chippppkunst. Ullstein Materialien, Frankfurt/Main, Berlin 1985, S. 138–146.
  • Monika Flacke-Knoch: Museumskonzeptionen in der Weimarer Republik. Die Tätigkeit Alexander Dorners im Provinzialmuseum Hannover. Jonas-Verlag für Kunst und Literatur, Marburg 1985, ISBN 3-922561-43-8 (Kulturwissenschaftliche Reihe. Bd. 3; zugleich Dissertation, Universität Hamburg, 1984).
  • Willibald Reichertz: Ostdeutsche als Dozenten an der Technischen Hochschule Hannover (1831–1956). In: Ostdeutsche Familienkunde. Zeitschrift für Familiengeschichtsforschung. ISSN 0472-190X, Bd. 18, 2007 (= Jg. 55), Heft 3, S. 109–120.
  • Ines Katenhusen: Ein Museumsdirektor auf und zwischen den Stühlen. Alexander Dorner (1893–1957) in Hannover. In: O. Peters, Ruth Heftrig, B. Schellewald (Hrsg.): Kunstgeschichte im „Dritten Reich“. Theorien, Methoden, Praktiken, Akademie-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004448-4, S. 156–170.
  • Ines Katenhusen: 150 Jahre Niedersächsisches Landesmuseum Hannover. In: Heide Grape-Albers (Hrsg.): Das Niedersächsische Landesmuseum Hannover. Festschrift zum Jahr des Doppeljubiläums, Hannover: 2002, ISBN 3-929444-29-1, S. 18–94.
  • Hugo Thielen: Dorner, Alexander Adalbert, in: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 98 u.ö.
  • Ines Katenhusen, Hugo Thielen: Dorner, (1) Alexander Adalbert. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 138f.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. KCL 1930, 88, 748
  2. a b Ines Katenhusen: Kabinett der Abstrakten. In: Stadtlexikon Hannover, S. 332
  3. Justus Bier: Abstrakte Kunst in Hannover. In: Museumskunde, 1930, S. 71–73.
  4. S. Cauman das lebende museum, Hannover 1958, S. 124 f. Danach soll Dorner den New Yorker Museumsdirektor Alfred Barr bei einem Besuch in Hannover 1935 veranlaßt haben, Gemälde Malewitschs in einen Regenschirm einzurollen und in die USA zu bringen; ein späteres Restitutionsverfahren endete erst 1999, siehe The Modern Gets to Keep Malevich Works, New York Times vom 19. Juni 1999, abgerufen am 17. April 2017