Albin Kurti

kosovarischer Studentenführer
Albin Kurti (2017)

Albin Kurti (* 24. März 1975 in Priština, SFR Jugoslawien) ist ein kosovarischer Politiker (LVV). Zwischen 2004 und 2015 war er[1] und seit 2018 ist er erneut[2] Parteivorsitzender der Lëvizja Vetëvendosje! (LVV).

Bei der Parlamentswahl am 6. Oktober 2019 war Kurti landesweit der Kandidat mit den meisten erhaltenen Stimmen (183.868).[3] Seine Partei erhielt ebenfalls die meisten Stimmen (220.811 bzw. 26,15 %).[4]

Kurti gehört zu den populärsten Figuren in der kosovarischen Politik. In den 1990er Jahren war er Studentenführer, später Polithäftling. Bis 2010 war er politischer Aktivist und führte die LVV als Bewegung an. Seit die LVV 2010 zu einer Partei umgeformt wurde, ist er deren wichtigstes Aushängeschild, neben Visar Ymeri, Shpend Ahmeti und Albana Gashi.

LebenBearbeiten

Albin Kurti wurde als Sohn von Zaim Kurti und Arife Kurti (geborene Tahiri) im damaligen jugoslawischen Pristina geboren.[5] In seiner Geburtsstadt besuchte er von 1981 bis 1989 die obligatorische achtjährige Grundschule und danach zwischen 1989 und 1993 eine weiterführende Schule.

Da die (kosovo-)albanischen Professoren und Studenten der Universität Prishtina von 1991 bis 1996 den Lehrbetrieb in privaten Räumen verfolgten (siehe auch Abschnitt „Geschichte“ der Universität Prishtina), musste auch Albin Kurti ab 1993 das Fach Elektrotechnik auf diese Weise studieren.

Später wurde er Leiter der Unabhängigen Studentenunion der Universität Prishtina (SIUUP) und einer der Organisatoren des studentischen Widerstandes gegen die serbische Besetzung des Kosovo. 1997 schloss er sich der Guerillatruppe UÇK an; von 1997 bis 1999 organisierte er Studentenproteste in Pristina und anderen größeren Städten des Kosovo. Dabei wurde er 1997 zum Vizepräsidenten der Studentenbewegung und zum Hauptorganisator der gewaltlosen Studentenproteste von 1997 und 1998 gewählt.[6] Als Adem Demaçi der politische Vertreter der Befreiungsarmee des Kosovo (UÇK) wurde, arbeitete Kurti in dessen Büro.

Während dieser Zeit sammelte er als einer der international bekannteren Mitglieder des kosovarischen Widerstandes gegen Serbien politische Auslandserfahrung in Washington, New York, Brüssel, Kopenhagen und beim Europäischen Parlament in Straßburg; Kurti traf sich mit hochrangigen Vertretern Westeuropas und der USA wie Robin Cook, Klaus Kinkel, Hubert Védrine und Bill Clintons Sondergesandten für den Balkan, Robert Gelbard.

Im März 1999 stellte Kurti alle Aktivitäten ein. Im April 1999 wurde er während des Kosovokrieges von der serbischen Polizei in Pristina verhaftet. Ein serbisches Bezirksgericht in Niš verurteilte ihn im März 2000 wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ zu 15 Jahren Haft wegen Bedrohung der nationalen Integrität der Bundesrepublik Jugoslawien und Gründung einer Vereinigung mit feindlicher Tätigkeit im Zusammenhang mit Terrorismus.[7]

Nach dem Machtwechsel in Serbien im September 2000 wurde Kurti von der neuen Regierung Serbiens am 7. Dezember 2001 auf internationalem Druck hin freigelassen. Mit einer Demonstration des Kosovo Action Network, der Vorläuferorganisation von Lëvizja Vetëvendosje!, am 10. Juni 2004 gegen die UN-Resolution 1244, die den Aufenthalt der UN-Mission im Kosovo begründet, begann Kurtis Karriere als Widerständler gegen die internationale Präsenz im Kosovo.[8]

Am 12. Juni 2010 wurde Kurti in Pristina wegen Vergehen bei einer Demonstration am 10. Februar 2007 verhaftet, kurz zuvor hatte er die Teilnahme seiner Bewegung Lëvizja Vetëvendosje! an den nächsten Parlamentswahlen angekündigt. Am 14. Juni 2010 begann der Prozess gegen Kurti in Pristina.[9]

Ende Februar 2015 trat Visar Ymeri als einziger Kandidat zur Wahl des Parteivorsitzenden an. Er wurde mit über 96 % gewählt und trat damit die Nachfolge von Albin Kurti an.[1]

Albin Kurti kandidierte 2018 erneut um den Parteivorsitz, den er konkurrenzlos mit 99 % der abgegebenen Stimmen für sich entscheiden konnte.[10]

Er trat bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 6. Oktober 2019 als Spitzenkandidat für die Lëvizja Vetëvendosje! an.[11] Seine Partei erhielt 26,15 % der Stimmen und wurde somit erstmals stärkste politische Kraft im Land.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Albin Kurti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Parteiheft Nr. 445. (Nicht mehr online verfügbar.) vetevendosje.org, 27. Februar 2015, archiviert vom Original am 14. März 2015; abgerufen am 13. März 2015 (albanisch, PDF-Datei, 369 kB).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vetevendosje.org
  2. Albin Kurti kryetar i Lëvizjes Vetëvendosje, me 98.82% të votave të fituara - Telegrafi. In: Telegrafi. 21. Januar 2018 (telegrafi.com [abgerufen am 21. Januar 2018]).
  3. Rezultatet përfundimtare nga QNR – Rezultatet e kandidatëve. Abgerufen am 7. November 2019 (albanisch).
  4. Rezultatet përfundimtare nga QNR – Rezultatet sipas subjekteve. Abgerufen am 7. November 2019 (albanisch).
  5. Unë Albin Kurti, biri i Zaim dhe Arife Kurtit! (Ich, Albin Kurti, der Sohn von Zaim und Arife Kurti!). Lajm, 15. September 2017, archiviert vom Original am 5. Januar 2019; abgerufen am 16. September 2017 (albanisch).
  6. Enver Robelli: Ein Rebell gegen die Diebe. Der Politiker Albin Kurti ist der Hoffnungsträger der kosovarischen Jugend. Tageanzeiger, 13. Juni 2017, abgerufen am 7. November 2019.
  7. Kosova Albanian student leader jailed for 15 years. Archiviert vom Original am 6. April 2016; abgerufen am 7. November 2019.
  8. Can Karpat: Albin Kurti: The Youthful Symbol of Non-Violence. 24. Januar 2006, archiviert vom Original am 30. September 2007; abgerufen am 7. November 2019.
  9. Arrestohet Albin Kurti pasi publikoi hyrjen në politikë. Alsat-M, 12. Juni 2010, archiviert vom Original am 23. April 2012; abgerufen am 7. November 2019 (albanisch).
  10. Albin Kurti është rizgjedhur në krye të Vetëvendosjes me rreth 99 % të votave. Radio Televizioni Shqiptar, 22. Januar 2018, abgerufen am 7. November 2019 (albanisch).
  11. Kopf-an-Kopf-Rennen bei Richtungswahl im Kosovo. Deutsche Welle, 4. Oktober 2019, abgerufen am 7. November 2019.