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Albert III. (Adalbert IV. nach anderer Benennung und Zählweise) (* ca. 1182/1187; † 22. Juli 1253) war der letzte Graf von Tirol aus dem Geschlecht der Albertiner und Vogt von Trient. Ab 1210 war er auch Vogt von Brixen.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Er war der Sohn Graf Heinrichs I. von Tirol († 14. Juni 1190) und der Edlen Agnes von Wangen, Tochter von Graf Adalbero I.

Bei seiner ersten Erwähnung am 24. Juni 1190 nach dem Tod seines Vaters ist er noch minderjährig.[1] Ende Januar 1202 erscheint er erstmals selbständig bei einem Friedensschluss des Patriarchen von Aquileia mit den Grafen von Görz..[2] 1210 erhielt er von Bischof Konrad (I.) von Brixen die Vogtei über das Hochstift Brixen und übernahm die bisherigen Herrschaftsrechte in Nori- und Eisacktal der Grafen von Andechs-Meranien, die diese 1209 wegen ihrer Ächtung im Zusammenhang mit der Ermordung von König Philipp von Schwaben verloren hatten. Albert III. nahm ca. vom Frühjahr 1219 bis Frühsommer 1220 am Kreuzzug von Damiette teil (5. Kreuzzug 1217–1221). In diesem Zeit erscheint er in keiner Urkunde im Alpenraum. Bei Damiette (Ägypten) hat er an den Deutschen Orden zwei Höfe verschenkt, die seine Angehörigen erst nach seinem Tod übergeben.[3]

Albert hatte keine Söhne; deshalb legte er die Erbberechtigung seiner beiden Töchter fest und verheiratete seine Tochter Elisabeth († 10. Oktober 1256) mit Herzog Otto II. von Andechs-Meranien († 19. Juni 1248), seine Tochter Adelheid († nach 20. Okt. 1278)[4] mit Graf Meinhard von Görz († 1258) und schloss mit seinen Schwiegersöhnen gegenseitige Erbverträge. So erwarb er nach dem Tod seines Schwiegersohnes Otto 1248 den Tiroler Besitz der Andechser und im selben Jahr den der Grafen von Eppan von der Burg Hocheppan.

1252 griffen Graf Albert III. von Tirol und Graf Meinhard III. von Görz das Stiftland der Kirche von Salzburg an. Bei Greifenburg wurden sie von Herzog Bernhard von Kärnten und dessen Sohn Philipp von Spanheim, Elekt von Salzburg, besiegt und gefangen genommen. Gegen Abtretung wichtiger Besitzungen in Oberkärnten, hohem Lösegeld und Geiselstellung der beiden Söhne Meinhards bzw. Enkel Alberts kamen die beiden wieder frei. Die Söhne Meinhard und Albert von Meinhard III. waren allerdings bis 1259/1261 in Geiselhaft auf der Burg Hohenwerfen.

Albert III. starb am 22. Juli 1253 im Kirchenbann wegen Streitigkeiten mit dem Bischof von Freising. Papst Innozenz IV. verlangte mit einem empörten Schreiben vom 15. März 1254 die Leiche des exkommunizierten Grafen aus dem christlichen Friedhof auszugraben und wegzuschaffen[5] Ob diese Anordnung des im gleichen Jahr verstorbenen Papstes befolgt wurde ist nicht bekannt. Das Verzeichnis der vom Schloss Tirol später in die Fürstengruft von Stams übertragenen Leichname nennt jedenfalls Graf Albert III. von Tirol. Sein Erbe traten seine Schwiegersöhne Meinhard III. von Görz (ab da meist mit Zusatztitel "von Tirol I.") und Gebhard IV. von Hirschberg, der zweite Gemahl Elisabeths, an. (Gebhards Ehe blieb kinderlos, so konnte Meinhards gleichnamiger Sohn später auch Gebhards Erbe erwerben.)

Albert hatte in Verbindung mit seinen Besitzungen die Vereinigung der Grafschaften im Gebirge zum Land Tirol fortgesetzt. 1254 wurde dieses Gebilde als „dominium“ oder „comecia Tyrolis“ bezeichnet.

FamilieBearbeiten

Albert war (ab ca. 1211)[6] verheiratet mit Uta von Frontenhausen-Lechsgemünd († 1254), Tochter des Grafen Heinrich II. († 1208). Nachkommen:

LiteraturBearbeiten

  • Alfons Huber: Albert II. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 205–207.
  • Eduard Widmoser: Albert II. (III.). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 133 (Digitalisat).
  • Philipp Jedelhauser: Die Abstammung von Bischof Bruno von Brixen, Graf von Kirchberg (Iller) mit Exkurs zu Gräfin Mathilde von Andechs, Ehefrau von Graf Engelbert III. von Görz sowie Stammtafel der Grafen von Görz, in: Adler, Zeitschrift für Genealogie und Heraldik, 28. Band, April/September 2016, Wien, S. 277–341; Datierung Geburt Alberts S. 282f., Problematik Todesdatierung von Adelheid von Tirol S. 289, Anm. 61, Geiselhaft Söhne Meinhards III. S. 288f., Stammtafel Grafen von Görz S. 322.
  • Justinian Ladurner: Albert III. und der letzte der ursprünglichen Grafen von Tirol, in: Zeitschrift des Ferdinandeums für Tirol und Vorarlberg, dritte Folge, vierzehntes Heft, Innsbruck 1869, S. 6–146; zu Todesdatierung Alberts S. 128f., Übertragung nach Stams S. 132.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Franz Huter: Tiroler Urkundenbuch, I. Abt., Band 1, Innsbruck 1937, Nr. 459, S. 253f., dat. Bozen, 1190 Juni 24.
  2. Hermann Wiesflecker: Die Regesten der Grafen von Görz und Tirol, Pfalzgrafen in Kärnten, I. Band, Innsbruck 1949, Nr. 317, S. 86f., dat. St. Quirino bei Cormons, 1202 Januar 27 oder 31.
  3. Udo Arnold, Marian Tumler: Die Urkunden des Deutschordenszentralarchivs in Wien, Regesten I-III, in: Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens 60/I-III, Marburg 2006-2009, Nr. 392, dat. Schloß Tirol, 1253 September 18, Meinhard Graf von Görz-Tirol u. a. geben vereint dem Deutschen Orden zwei Höfe in Runschile, die Graf Albert von Tirol bei Damiette dem Deutschen Haus geschenkt habe,....
  4. Hermann Wiesflecker: Die Regesten der Grafen von Görz und Tirol, Herzöge in Kärnten, II. Band, Innsbruck 1952, Nr. 245, S. 67, dat. 1278 Oktober 20: Alhaid Gräfin von Tirol, dem Tode nahe, macht Testament und vermacht dem Deutschhaus... ( zur Problematik der Datierungen in der Literatur siehe S. 289, Anm. 61 bei Ph. Jedelhauser).
  5. Hermann Wiesflecker, Band I. wie oben, Nr. 612, S. 160, Lateran, 1254 März 15.
  6. Wiesflecker, Band I., Nr. 358, S. 98,Tirol, ca. 1211, (Folgende Zeugen bestätigen, wie Graf Albertus von Tirol namens seiner Gemahlin und namens seiner Schwester....... sein Eigengut Schloß Sumersberg...)
VorgängerAmtNachfolger
Heinrich I.Graf von Tirol
12021253
Meinhard I.