Airbus A30X

Flugzeugtyp des Herstellers Airbus

Airbus A30X ist der Projektname für die Entwicklung des Nachfolgemodells der Airbus-A320-Familie. Weitere Projektbezeichnungen sind bzw. waren Next Generation Single Aisle (NGSA)[1] und Airbus NSR (New Short Range).[2] Für das Serienflugzeug ist dann mit einer üblichen Bezeichnung nach dem Airbus-Schema zu rechnen. Am weitesten bekannt wurde bei Airbus die Übertragung eines Projektnamens in die Serienbezeichnung beim Projekt A3XX in A380.

EntwicklungszeitraumBearbeiten

Nach ersten offiziellen Angaben aus dem Jahr 2003 war die A30X als A300-600R-Nachfolger geplant und sollte im Jahr 2014 bis 2015 in Dienst gestellt werden.[3] In späteren offiziellen Aussagen ist die A30X als A320-Nachfolger genannt.[4] Im Jahr 2008 wurde der Programmstart der A30X für 2014 und eine Indienststellung im Jahr 2018 bekannt gegeben.[4] Die Indienststellung wurde von John Leahy, Chief Operating Officer bei Airbus, sukzessive auf 2024[4] und zuletzt auf 2030Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren[5][6] verschoben.

Die Gründe für die Verschiebung sind zum einen technologisch bedingt, da für die A30X neue Technologien untersucht werden, die voraussichtlich bis Mitte der 2020erVorlage:Zukunft/In 5 Jahren noch nicht zur Verfügung stehen werden, wie beispielsweise die neue Triebwerkstechnologie Open Rotor/Propfan. Zum anderen gab Airbus im Dezember 2010 eine Modellpflege der Modelle A319, A320 und A321 in der neuen Variante neo (New Engine Option) bekannt, die neben Sharklets auch neue, moderne Turbofan-Triebwerke erhält und ab Ende 2015 ausgeliefert wurden.[7] Durch die Entscheidung zur Entwicklung dieser verbesserten Version der A320-Familie hat Airbus Zeit für die Entwicklung eines vollständig neuen A320-Nachfolgers gewonnen, ohne Gefahr zu laufen, dass durch eine veraltete A320-Familie Marktanteile an die Konkurrenz abgegeben werden.

TechnologieBearbeiten

Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch keine festen Entscheidungen bzgl. neuer Technologien bekannt. Ein wichtiger Aspekt wird die Untersuchung neuer Triebwerkstechnologie sein. Möglich sind ein Open Rotor oder ein „Advanced“ Turbofan mit sehr großem Bypass-Verhältnis.[8][9] Airbus erwartet ca. 30–40 % Treibstoffeinsparung im Vergleich zu einem typischen Schmalrumpfflugzeug des Jahres 2010 unter Verwendung eines Open Rotors und weiterer (nicht genau spezifizierter) neuer Technologien am Flugzeug.[10]

Daneben werden folgende Technologien für die A30X in Erwägung gezogen[8]:

BrennstoffzellensystemBearbeiten

Zusammen mit Parker Aerospace untersucht Airbus den Einsatz eines Brennstoffzellensystems als APU-Ersatz. Ein Flugversuch mit diesem System sollte 2015 stattfinden.[11]

Neben dem reinen APU-Ersatz kann das Brennstoffzellensystem weitere Aufgaben übernehmen, wie beispielsweise die Bereitstellung von Frischwasser (als Endprodukt des chemischen Prozesses der Brennstoffzelle) oder die Verhinderung von Bränden durch die Bereitstellung von Schutzgas zur Tankfüllung (Tank-Inertisierung).[11]

LaminarflügelBearbeiten

In dem europäischen Forschungsprojekt CleanSky Smart Fixed-Wing Aircraft entwickeln Airbus und weitere Projektpartner einen Laminarflügel. Die Ergebnisse dieses Projekts könnten laut Jens Koenig, Koordinator von Airbus im CleanSky-Projekt, für die Tragflächen der A30X Anwendung finden. Es soll eine Flügel-Widerstandsreduktion von 25 % im Reiseflug erreicht werden, was zu einer Gesamtwiderstandsreduktion von 5–6 % und einer Reduktion im Treibstoffverbrauch von 6 % führen würde.[11][12]

Die Technologie wird seit Oktober 2017 an einem A340-Testflugzeug erprobt.[13] Dafür sollten die Flügel außerhalb der Triebwerke beidseitig ersetzt werden. Linker und rechter Flügel sollten die gleiche Geometrie erhalten, jedoch zur Untersuchung von Struktur- und Fertigungskonzepten unterschiedlich aufgebaut sein. Im Projekt sollten Lösungen für gute Oberflächenqualitäten und genaue Oberflächentoleranzen, geringe Welligkeit der Oberfläche und die Verhinderung der Verschmutzung untersucht werden. Diese Eigenschaften sind wichtig für die Aufrechterhaltung der Laminarströmung.[11]

EndmontageBearbeiten

Während die A320 noch an unterschiedlichen Standorten endmontiert wird, soll für die zukünftige Nachfolgebaureihe die gesamte Endmontage in Hamburg stattfinden.[14][15][16]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Flug Revue: Airbus: Künftiger A320-Nachfolger wird alleine in Hamburg endmontiert. (Memento vom 10. Februar 2013 im Webarchiv archive.today) 10. August 2009, abgerufen am 29. Oktober 2018.
  2. flightglobal.com: The 737 story: Smoke and mirrors obscure 737 and Airbus A320 replacement. 7. Februar 2006, abgerufen am 2. September 2011.
  3. Flightglobal: Airbus reveals long-term plan for new ‘regional people-mover’. 9. Dezember 2003, abgerufen am 2. September 2011.
  4. a b c Handelsblatt: Airbus will neue A320 im Jahr 2014 starten. 8. Juli 2008, abgerufen am 11. August 2009.
  5. Aero.de: Neues Airbus Single Aisle-Programm wohl nicht vor 2030. 8. April 2011, abgerufen am 2. September 2011.
  6. Flightglobal: No viable all-new single-aisle before 2030 – Leahy. 6. April 2011, abgerufen am 21. Dezember 2011.
  7. Flightglobal: A320neo entry advances to 2015 with PW as lead engine. 5. April 2011, abgerufen am 2. September 2011.
  8. a b Flightglobal: Airbus outlines future A30X concepts (Memento vom 14. Mai 2010 im Internet Archive). 11. Mai 2011.
  9. Aviation Week: Airbus Refines A30X Design (Memento vom 21. Januar 2012 im Internet Archive). 8. Februar 2009.
  10. Flightglobal: Airbus details A30X thinking, dismisses Boeing ‘all-new airplane’ talk. 12. Mai 2010, abgerufen am 9. September 2011.
  11. a b c d e f Flightglobal: Smart wing design takes shape for next-generation narrowbody. 26. Juli 2011, abgerufen am 2. Dezember 2011.
  12. AIN online: Clean Sky To Test Laminar Flow On Modified Airbus A340. Abgerufen am 9. Oktober 2014.
  13. European laminar flow research takes a new step with Airbus’ BLADE Flight Lab Abgerufen am 11. Oktober 2017
  14. Focus: A320-Nachfolger soll in Deutschland montiert werden. 10. August 2009, abgerufen am 11. August 2009.
  15. Spiegel Online: A320-Nachfolger wird komplett in Hamburg montiert. 10. August 2009, abgerufen am 11. August 2009.
  16. Reuters: Deutschland pocht auf mehr Airbus-Arbeitsanteile. 10. August 2009, abgerufen am 11. August 2009.

WeblinksBearbeiten