Zweiter Punischer Krieg

zwischen Römern und Karthagern 218 v. Chr. bis 201 v. Chr. ausgetragener Krieg
Die Reiche der Römer und Karthager vor dem Zweiten Punischen Krieg

Der Zweite Punische Krieg wurde von 218 v. Chr. bis 202 v. Chr. zwischen Römern und Karthagern (lateinisch Punier) ausgetragen. Der karthagische Feldherr Hannibal aus dem Geschlecht der Barkiden brachte Rom zunächst durch eine Reihe taktisch geschickt geführter Schlachten an den Rand der Niederlage. Die Römer gingen daraufhin zu einem langjährigen Abnutzungskrieg über und trugen den Krieg erfolgreich auf karthagisches Territorium. Schließlich siegten sie endgültig in der Schlacht von Zama unter ihrem Feldherrn Scipio dem Älteren. Der Krieg entschied den Kampf der beiden Städte um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum endgültig zugunsten Roms.

QuellenlageBearbeiten

Aufgrund der vollständigen Zerstörung Karthagos im Dritten Punischen Krieg im Jahr 146 v. Chr. existieren keine historischen Quellen, die den Kriegsverlauf und dessen Hintergründe aus karthagischer Sicht beschreiben. Historiker können sich daher nur auf Werke griechischer und römischer Autoren der Antike – vor allem des Polybios und Livius – stützen und müssen diese vorsichtig interpretieren: Die großen Niederlagen, die das römische Reich im Laufe des Zweiten Punischen Krieges erlitt, wurden durch römische Historiker so interpretiert, dass sie die römische politische und soziale Ordnung grundsätzlich nicht in Frage stellten. Auch in den katastrophalen Niederlagen musste Roms Größe belegt und ein Sündenbock gefunden werden. Das gilt insbesondere für die verheerende Niederlage, die Rom in der Schlacht von Cannae erlitt.

Ausbruch des KriegesBearbeiten

Nach dem Ersten Punischen Krieg musste Karthago seine Besitzungen auf Sizilien und später auch auf Sardinien und Korsika an Rom abtreten. Um diesen Verlust zu kompensieren, hatte die nordafrikanische Stadt ihren Einflussbereich auf der iberischen Halbinsel ausgebaut. Besonders aktiv tat sich bei diesem Kolonisierungsunternehmen die Familie der Barkiden hervor: Hamilkar Barkas und dessen Söhne Hannibal Barkas und Hasdrubal Barkas sowie der Schwiegersohn Hasdrubal der Schöne. Bis zum Ausbruch des Zweiten Punischen Krieges war es vor allem Hasdrubal Barkas, der seiner Familie eine eigenständige Machtbasis errichtete. Er errang militärisch und diplomatisch die Oberhoheit über mehrere iberische Stämme. Im Jahre 227 v. Chr. gründete er die Stadt Carthago Nova (Cartagena), die in der Folge als Zentrum der barkidischen Macht in Spanien fungierte.

Der oftmals romfreundliche Geschichtsschreiber[1] Polybios unterstellt den Barkiden eine gegen Rom gerichtete Spitze in ihrer Spanienpolitik. Karthago habe die neue Provinz vor allem für einen Revanchekrieg gegen Rom gewonnen. Entschieden dagegen spricht allerdings der sogenannte Ebro-Vertrag, den Hasdrubal im Jahre 226 v. Chr. mit den Römern abgeschlossen hatte. In diesem wurde ein spanischer Fluss namens Iber (eventuell der Ebro) als Grenze zwischen der römischen und der karthagischen Interessensphäre in Spanien festgesetzt. Verschiedene Geschichtswerke über Hannibal, die einen pro-karthagischen Standpunkt vertraten, sind hingegen verloren gegangen. Dazu zählen die Werke des Sosylos und des Silenos von Kaleakte.

Über das römische Interesse an einem erneuten Krieg mit den Puniern kann nur spekuliert werden: Vermutlich bestand in erster Linie ein spezielles Interesse an der prosperierenden Iberischen Halbinsel und nicht an einem groß angelegten Krieg im gesamten westlichen Mittelmeer. Die Römer wandten eine ähnliche diplomatische Strategie wie im Ersten Punischen Krieg an, indem sie eine einzelne Stadt als Anlass für einen Krieg vorschoben. Die Stadt Sagunt lag weit südlich des Ebro und damit in dem Karthago zugesprochenen Gebiet. Als sich der karthagische General Hannibal, der seinem ermordeten Schwager Hasdrubal nachgefolgt war, an die Eroberung Sagunts machte, versuchten römische Gesandte ihm dies zu verbieten: Die Stadt sei angeblich mit Rom verbündet. Tatsächlich unternahmen die Römer während der acht Monate langen Belagerung nichts zugunsten ihrer vermeintlichen Alliierten und warteten ab, bis Sagunt 219 v. Chr. gefallen war. Hannibal wusste, dass Rom Schutzmacht der Saguntiner war, jedoch hatte er keine andere Wahl als die Stadt zu erobern, da es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Übergriffen auf karthagisches Territorium durch die Saguntiner gekommen war. Nun drohte Rom den Puniern mit Krieg, sollte ihnen Hannibal nicht ausgeliefert werden. Die Ratsherren von Karthago lehnten diese Forderung aber ab, woraufhin die römische Kriegserklärung erfolgte.

KriegsverlaufBearbeiten

Von der Überschreitung des Ebro bis zur Schlacht von Cannae (218–216 v. Chr.)Bearbeiten

 
Hannibals Feldzug gegen die Römer

Im Vergleich zum Beginn des letzten Krieges hatten sich die militärischen Voraussetzungen der beiden Kontrahenten faktisch umgekehrt: Rom war nun die beherrschende maritime Macht, während Karthago in Spanien zur Landmacht geworden war. Damals war der Krieg letztlich durch die stärkere römische Flotte entschieden worden, so dass Hannibal vor einem Dilemma stand, da sich nichts an diesem Ungleichgewicht geändert hatte. Deshalb entschied er sich für eine offensive Strategie, in der dieser Nachteil nicht zum Tragen kam: Um einem Angriff auf Spanien oder Nordafrika zuvorzukommen, plante Hannibal den Einmarsch in Italien.

Hannibal führte vorab Verhandlungen mit den keltischen Stämmen, deren Gebiet er durchqueren musste, um nach Italien durchzudringen. Dennoch war schon der Zug über die Pyrenäen von zahlreichen Kämpfen gegen die einheimischen Stämme bestimmt. Die Kelten in Südfrankreich konnte Hannibal größtenteils überzeugen, dass er sie nicht als Gegner betrachten würde, nur an der Rhone leistete ein keltischer Stamm kurzen und vergeblichen Widerstand. Schließlich machten sich die Karthager mit wahrscheinlich 50.000 Fußsoldaten, 9000 Reitern und 37 Elefanten an die Überquerung der Alpen.

Nach differierenden Angaben von Polybios und Titus Livius überquerte Hannibal vermutlich die Alpen über das Rhonetal und/oder der Isère. Der Übergang über das Gebirge war für Hannibals Truppen sehr verlustreich. Feindliche Stämme der Allobroger bedrängten die Karthager, während schlechtes Wetter in den Bergen Verluste nach sich zog, vor allem unter den Elefanten. Ende 218 v. Chr. erreichte Hannibal schließlich die Po-Ebene. Die Region wurde zu dieser Zeit von Stammesfehden unter den Kelten und Aufständen gegen Rom erschüttert. Hannibal gelang es, zahlreiche der Stämme militärisch oder diplomatisch an sich zu binden.

Der Konsul und Feldherr Publius Cornelius Scipio hatte vergeblich versucht, Hannibal an der Rhone abzufangen. So hatte er sich mit einem Großteil seiner Truppen eingeschifft, um die Karthager in der Po-Ebene zu erwarten. Beim Gefecht am Fluss Ticinus kam es zu einem ersten kurzen Gefecht zwischen den Truppen Hannibals und Scipios. Die Römer wurden besiegt. Hannibal zog weiter hinter den Römern her und bot eine Schlacht an. Doch Scipio zögerte, was zur Folge hatte, dass Teile seiner eigenen keltischen Alliierten das römische Heer verließen. Am Fluss Trebia traf Hannibal im Dezember auf die vereinigten konsularischen Heere des Scipio und des Tiberius Sempronius Longus. Den Karthagern gelang ein überragender Sieg, während die Römer hohe Verluste zu verzeichnen hatten.

217 v. Chr. zog Hannibal weiter nach Süden. Mit zahlreichen Versprechungen versuchte er, italienische Stämme auf seine Seite zu ziehen. In der Schlacht am Trasimenischen See traf Hannibal auf die Legionäre unter dem neuen Konsul Gaius Flaminius. Er umzingelte die Legionen und die Schlacht ging für Rom verloren. 15.000 Römer fielen, unter ihnen Flaminius. Ebenso viele Legionäre gerieten in Gefangenschaft. Hannibal entließ die gefangenen Soldaten der römischen Bundesgenossen, ohne Lösegeld zu fordern. Damit erhoffte er sich, die Italier zum Überlaufen bewegen zu können.

Der römische Senat veranlasste die Wahl eines Diktators, um Hannibal aufzuhalten. Gewählt wurde Fabius Maximus, der mit zwei Legionen losmarschierte. Maximus hatte aus dem Schicksal seiner Vorgänger gelernt und wich einer Schlacht aus. Er wollte Hannibal durch Abwarten zermürben. Der Karthager zog weiter in Richtung Campanien, um am Fluss Volturnus (heute Volturno) das Winterquartier aufzuschlagen. Hier wollte Maximus den Gegner zur Schlacht zwingen. Doch Hannibal entkam mit einer Kriegslist und zog nach Gerunium. Hier baute er sein Winterquartier.

Im Vorfeld attackierten die Römer unter ihrem Magister equitum Marcus Minucius Rufus die Punier und gewannen kleinere Gefechte. Mittlerweile hatte sich die Stimmung in Rom gegen den Diktator gewandt, der als Cunctator (Zauderer) verspottet wurde. Die römische Volksversammlung hatte sich von Rufus’ unbedeutenden Erfolgen blenden lassen und ernannte ihn deshalb verfassungswidrig zum zweiten Diktator. Die Wahl sorgte für Unstimmigkeiten zwischen den beiden Feldherren. Als Hannibal aus seinem Quartier ausbrach und Rufus’ Truppen bedrängte, drohte dessen Vernichtung. Doch es gelang Maximus, Rufus zu Hilfe zu eilen, woraufhin Hannibal wieder in sein Lager zurückkehrte. Allerdings rückte Rufus nach seiner Schlappe freiwillig wieder ins zweite Glied zurück. Wenig später endete die Amtszeit der Diktatoren.

216 v. Chr. wollte Hannibal die Römer zur Schlacht zwingen und eroberte deshalb die Magazine der Stadt Cannae. Rom hatte mittlerweile eine neue gewaltige Armee zusammengezogen. Die beiden Konsuln Lucius Aemilius Paullus und Gaius Terentius Varro hatten den Auftrag, eine Entscheidungsschlacht gegen Hannibal zu wagen. Sie geboten über etwa 80.000 Fußsoldaten und 6000 Reiter, während Hannibal nur über 40.000 Infanteristen und 10.000 Kavalleristen verfügte. Problematisch für die römische Armee war aber die unterschiedliche Taktik ihrer beiden Feldherrn: Während Paullus zu einem vorsichtigen Vorgehen gegen die Punier riet, drängte Varro auf ein offensives Vorgehen.

Am 2. August kam es zur Schlacht von Cannae. Die Römer griffen das karthagische Zentrum an, worauf Hannibal die Mitte seiner Infanteristen langsam zurückweichen ließ, sodass die römischen Fußsoldaten schließlich halbmondförmig umstellt waren. Gleichzeitig überflügelte die karthagische Kavallerie die römische Reiterei, vernichtete diese und stand nun im Rücken der gegnerischen Infanterie. Die zahlenmäßig immer noch überlegenen Römer waren umzingelt und wurden auf engstem Raum zusammengedrängt. Die Römer wurden vernichtend geschlagen, der Konsul Paullus fiel im Kampf. Fast 50.000 römische Legionäre fielen in der Schlacht. Cannae ging in die Kriegsgeschichte als Musterbeispiel einer Umfassungsschlacht ein und ist an Militärakademien bis heute Unterrichtsthema.

Hannibals Kriegsziel war die Reduzierung Roms auf eine latinische Mittelmacht. Dazu galt es aber zunächst, das starke Bundesgenossensystem Roms zu zerstören. Deshalb marschierte Hannibal nach dem Triumph von Cannae auch nicht gegen Rom, wozu seine militärischen Kapazitäten auch kaum gereicht hätten. Wiederum wurden die Kriegsgefangenen der römischen Alliierten entlassen. Tatsächlich traten auch einige Gemeinden in der Folgezeit zu Hannibal über, doch blieb der Kern des römischen Machtbereichs erhalten. Entscheidend war, dass Rom zu keinem Zeitpunkt bereit war, über einen Frieden mit Hannibal zu verhandeln. Schon bald sollte sich erweisen, dass Hannibal trotz seiner drei großen Siege auf dem Schlachtfeld nur wenige Optionen hatte.

Von der Schlacht von Cannae bis zum Fall Capuas (216–211 v. Chr.)Bearbeiten

Die wichtigste Stadt, die nach Cannae zu Hannibal überging, war Capua. In den folgenden Jahren war er damit beschäftigt, in zahlreichen Scharmützeln und Belagerungen den römischen Einfluss in Italien zu untergraben. Wichtige Städte wie Neapel und Nola blieben aber den Römern treu und verhinderten, dass Hannibal einen geschlossenen Machtraum in Süditalien errichten konnte.

Der karthagische Feldherr konnte allerdings einige diplomatische Erfolge erzielen: Er schloss 215 v. Chr. ein Bündnis mit dem Makedonenkönig Philipp V., das sich aber als wenig effektiv erweisen sollte. In der mächtigen griechischen Stadt Syrakus auf Sizilien kam es nach dem Tod Hierons II. zu einem Umschwung zu Gunsten Karthagos. Hierons Enkel Hieronymous erhielt von den Puniern das Versprechen der Herrschaft über die ganze Insel. Des Weiteren stellte sich in Nordafrika der ostnumidische König Massinissa auf die Seite Karthagos, während sich sein westnumidischer Rivale Syphax mit Rom verbündete.

Karthago versuchte, nach seinen Erfolgen in Italien in seinen alten Besitzungen wieder Fuß zu fassen: Auf Sardinien erlitten die Karthager aber eine vernichtende Niederlage. Um dem neuen Verbündeten Syrakus zur Hilfe zu kommen, landeten auf Hannibals Rat starke karthagische Kräfte auf Sizilien, doch setzten sich die römischen Truppen unter Marcus Claudius Marcellus durch und eroberten 212 v. Chr. Syrakus (zusätzliche Bekanntheit errang dieser Sieg durch die Tötung des Archimedes).

Bereits vor Hannibals Alpenübergang hatte Publius Cornelius Scipio seinen Bruder Gnaeus mit einem Heer nach Nordspanien geschickt. Dieser konnte sich nach seiner Landung in Empúries nördlich des Ebro festsetzen. Nach der verlorenen Schlacht an der Trebia brachte Publius seinem Bruder Verstärkungen mit. In diesem einen Punkt war Hannibals Strategie nicht voll aufgegangen, da die barkidische Basis in Spanien nun doch von römischen Truppen bedroht wurde. Bis 211 v. Chr. konnten die beiden Scipionen den römischen Einfluss nach Süden ausdehnen. Dann gelang es Hasdrubal Barkas, die Heere der Römer zu trennen und sie in zwei aufeinander folgenden Schlachten zu schlagen, wobei Publius und Gnaeus den Tod fanden. Trotz dieses Erfolges sah sich Hasdrubal jedoch nicht in der Lage, die Römer völlig aus Spanien zu vertreiben.

212 v. Chr. gelang es Hannibal, Tarent für seine Seite zu gewinnen. Die Stadtfestung wurde aber nach wie vor von den Römern gehalten, so dass Hannibal zu einer langwierigen Belagerung gezwungen war. Währenddessen wurden seine Alliierten in Capua von römischen Truppen eingeschlossen. Zwischen beiden Schauplätzen hin- und hergerissen, unternahm Hannibal schließlich einen Scheinangriff auf Rom, um Capua zu retten („Hannibal ante portas“). Er konnte damit die Stadt aber nicht vor dem Fall bewahren, was schwere politische Auswirkungen für ihn nach sich zog: Hannibal war angetreten, um Roms Einfluss auf die Italiker zu beenden, und war nun nicht in der Lage gewesen, seinen wichtigsten Verbündeten zu schützen. Dies wurde von antiken Historikern wohl zu Recht als die Peripetie (Umschwung) des Krieges angesehen. Jedenfalls verringerten danach die Römer ihre Kontingente.

Vom Fall Capuas bis zur Schlacht von Zama (211–202 v. Chr.)Bearbeiten

Hannibal gab seine Sache auf dem italienischen Schauplatz nicht auf und erhielt neue Mittel und Truppen aus Karthago. In den folgenden Jahren zog er quer durch Süditalien, wo es zu zahlreichen Gefechten und Belagerungen kam. Keine Seite konnte dabei aber einen entscheidenden Vorteil erringen.

 
Scipio Africanus Major

In Spanien hatte der gleichnamige Sohn des gefallenen Publius Cornelius Scipio das Kommando über die verbliebenen römischen Truppen übernommen. Der 25-Jährige, der später den Ehrennamen Scipio Africanus Major tragen sollte, wurde mit den Vollmachten eines Konsuls ausgestattet, obwohl er noch nie ein vergleichbares Amt bekleidet hatte. Es gelang ihm im Jahr 209 v. Chr., die karthagische Regionalhauptstadt Carthago Nova (Cartagena) im Handstreich zu erobern.

Immerhin war es Hasdrubal Barkas gelungen, wie sein Bruder Hannibal die Alpen zu überqueren, um diesem dringend benötigten Nachschub zu bringen. Die Vereinigung der karthagischen Heere misslang aber durch taktische Fehler Hasdrubals. Durch eine unnötige Belagerung der Stadt Placenta, dem heutigen Piacenza, verlor er wertvolle Zeit. Zudem fielen den Römern die Boten in die Hände, mit denen er seinem Bruder den Plan zur Vereinigung der beiden Heere mitteilte. Nach einem siebentägigen Gewaltmarsch stellte der römische Konsul Claudius Nero das Heer Hasdrubals im Jahre 207 v. Chr. In der Schlacht am Metaurus verlor Hasdrubal sein Leben und Hannibal die letzte Hoffnung, das Kriegsglück noch zu seinen Gunsten zu wenden. Der Kopf des Bruders wurde Hannibal in sein Heerlager geschickt.

Der junge Scipio errang schließlich 206 v. Chr. einen entscheidenden Sieg in Spanien über Hannibals jüngsten Bruder Mago, was diesen im Folgejahr zur Aufgabe der Iberischen Halbinsel zwang. Der Numidierkönig Massinissa wandte sich daraufhin gegen seine bisherigen karthagischen Verbündeten. Scipio entschied sich zur Invasion Nordafrikas und schlug die Karthager in einer Feldschlacht. Diese riefen nun ihren noch immer in offener Feldschlacht unbesiegten Feldherrn Hannibal aus Italien zurück.

Scipio drang weiter auf Karthago vor und 202 v. Chr. trafen sein Heer und das Hannibals bei Zama aufeinander. Die Karthager verfügten über mehr Infanteristen als die Römer, doch fehlte ihnen nach dem Überlaufen des Massinissa die benötigte Kavallerie, mit der Hannibal zuvor seine großen Siege erringen konnte. So endete in der Schlacht von Zama die Rolle Karthagos als Großmacht.

Der Krieg in Iberien (218–206 v. Chr.)Bearbeiten

Nach einem missglückten Abfangversuch Publius Cornelius Scipios an der Rhone schickte dieser seinen Bruder Gnaeus mit einem Teil des Heeres nach Iberien. Dort landete er bei Emporion, nördlich des Ebro. Die nächsten Wochen und Monate verbrachte er damit, das Gebiet zwischen dem Ebro und den Pyrenäen zu einer Basis für künftige Operationen im Süden Iberiens auszubauen. Schon recht früh sicherten ihm die dort ansässigen iberischen Stämme ihre Unterstützung zu. Bald kam es zur ersten Schlacht mit Hanno, dem karthagischen Kommandanten der Gebiete nördlich des Ebro. In einer Schlacht konnte Gnaeus Hanno besiegen, was einen Abfall vieler weiterer iberischer Stämme nördlich des Ebros zur Folge hatte.

Während des Winters erhielt Hasdrubal unterdessen Unterstützung aus Afrika. Im nächsten Jahr marschierte er nach Norden, um sich Gnaeus zu stellen. Dieser ging jedoch nicht auf eine Landschlacht ein und schickte seine Schiffe zur Ebromündung, wo es zum Gefecht mit der karthagischen Flotte kam. Die Römer errangen einen großen Sieg. Rund 25 von den 40 karthagischen Schiffen wurden versenkt oder fielen in die Hände der Römer.

Im Jahr 217 v. Chr. schickte der römische Senat Gnaeus’ Bruder Publius Cornelius Scipio mit 20 Schiffen nach Iberien. In den folgenden Jahren schafften es die Scipionen, weitere Stämme zum Überlaufen zu bewegen, jedoch unternahmen sie bis zum Jahr 211 keine weiteren großen Offensiven südlich des Ebro, schlichtweg aus dem Grund, dass ihre Armee den Karthagern zahlenmäßig unterlegen war. Im Winter 212/11 v. Chr. wurden die Armeen der beiden Brüder durch 20.000 Keltiberer verstärkt. Mit diesen neuen Truppen wollten die Scipionen nun große Operationen auch südlich des Ebros durchführen. Jedoch machten die Brüder den Fehler, ihre Armeen aufzuteilen. So führte Gnaeus ein Drittel des Heeres gegen Hasdrubal Barkas und Publius den Rest gegen Mago und Hasdrubal, den Sohn des Gisko. So waren die beiden Römer ihren karthagischen Kontrahenten stark unterlegen. Publius verlor in der folgenden Schlacht gegen die Karthager und ihre iberischen Verbündeten nicht nur einen Großteil seiner Armee, sondern auch sein Leben. Als diese Nachricht bei Gnaeus eintraf, desertierten daraufhin viele seiner iberischen Verbündeten und er musste sich zurückziehen. Er wurde jedoch von den Karthagern eingeholt und erfuhr dasselbe Schicksal wie sein Bruder. So konnten die Punier ihre verlorenen Gebiete südlich des Ebro in den kommenden Wochen zurückerobern.

Im Jahr 210 v. Chr. übernahm deshalb der gleichnamige Sohn Publius Cornelius Scipios das Kommando in Iberien. Seine Aufgabe bestand darin, den völlig demotivierten Legionären neuen Mut einzuflößen und die Basis der Römer nördlich des Ebro wieder aufzubauen. Scipios Spione berichteten, dass die Hauptstadt des Punischen Iberiens, Neu-Karthago, nur von einer recht kleinen Garnison bewacht wurde. Zudem befand sich die nächste karthagische Armee etwa 10 Tagesmärsche von der Hauptstadt entfernt. So entschied sich Scipio die reiche Beute versprechende Stadt anzugreifen. Innerhalb von sieben Tagen konnte er von der Ebromündung nach Neu-Karthago gelangen und 209 v. Chr. in einem harten Kampf die Stadt erobern.

Ein Jahr später konnte er Hasdrubal, den Bruder Hannibals, in einer Schlacht besiegen, welcher daraufhin zur Unterstützung seines Bruders nach Italien zog.

Bei Ilipa kam es 206 v. Chr. zur Entscheidungsschlacht zwischen den Karthagern und den Römern, in der letztere triumphierten. Nach dieser Niederlage war Iberien für die Punier nicht mehr zu halten. Das Engagement der Römer in Hispanien war für den Krieg wohl mitentscheidend. Nicht nur wurden hier die Kräfte der Punier gebunden, die sonst Hannibal bei seinem Kampf in Italien unterstützt hätten, sondern relativierten die anfänglichen Erfolge der Römer die vernichtenden Niederlagen in Italien in gewissen Maße und trug dazu bei die Stadt am Tiber zu einer Fortführung des Krieges zu motivieren.[2]

Tabellarische ÜbersichtBearbeiten

Aus der nachstehenden Tabelle sollten verschiedene Fragen geklärt werden können:

  • Wie konnten die teilweise enormen Verluste der Kriegsparteien kompensiert werden? Zeitliche Ereignisse können von materiellen getrennt werden.
  • Welche Rolle spielte das Kriegsglück bzw. erfolgreiche Bündnispolitik? Verlustzahlen werden vom militärischen Erfolg getrennt darstellbar.
  • Wann ist der Faktor Zeit mit der jeweiligen Lage der Kriegsparteien im Verlauf des Krieges entscheidend? Eine Wertung der Resultate gestattet die Einordnung in ein Kriegsziel.
  • Man kann den Daten sogar entnehmen, dass es zu jeder Zeit eine seegestützte Überlegenheit der römischen gegenüber den punischen Streitkräften gab.
(Leer stehende Zellen bedeuten ungeklärte Sachverhalte.)
Jahr
v. Chr.
Name der Schlacht Art Römische
Truppen
Römische
Gefallene
Römische
Gefangene
Punische
Truppen
Punische
Gefallene
Punische
Gefangene
Sieger Bedeutung
2187 Saguntum Belagerung 4viele 4viele 3wenige 1keine Karthago 4entscheidend
2186 Lilybaeum II Seeschlacht 1keine 01700 Rom 4entscheidend
2185 Rhone Feldschlacht 46000 1keine Karthago 2wichtig
2184 Ticinus Feldschlacht 04000 3wenige 06000 3wenige 1keine Karthago 1gering
2183 Trebia Feldschlacht 43000 20000 26000 1keine Karthago 3erheblich
2182 Cissa Feldschlacht 22000 1keine 11500 06000 02000 Rom 4entscheidend
2181 Trasimenischer See Feldschlacht 40000 15000 15000 30000 01500 1keine Karthago 3erheblich
2172 Ager Falernus Feldschlacht 04000 1499mehr als 1000 4000einige tausend 3wenige 1keine Karthago 1gering
2171 Geronium Feldschlacht 40000 50000 3wenige -- patt -- 1gering
2162 Cannae Feldschlacht 86000 70000 10000 50000 08000 1keine Karthago 3erheblich
2161 Nola I Belagerung 3wenige 1keine Rom 1gering
2153 Nola II Belagerung 3wenige 1keine Rom 1gering
2152 Ibera Feldschlacht 33000 4viele 1keine 29000 Rom 2wichtig
2151 Cornus Feldschlacht 20000 1keine 16500 14999sehr viele Rom 4entscheidend
2143 Nola III Feldschlacht 1keine 4viele Rom 2wichtig
2142 Beneventum I Feldschlacht 18000 1keine 18200 16001mehr als 16000 Rom 3erheblich
2141 Syrakus Belagerung 1keine 4viele 4viele Rom 2wichtig
2125 Tarentum I Belagerung 05000 4999fast alle 10000 3wenige Karthago 2wichtig
2124 Capua I Belagerung 40000 30000 1keine Karthago 2wichtig
2123 Beneventum II Feldschlacht 3wenige 1keine Rom 1gering
2122 Silarus Feldschlacht 15000 14000 01000 26000 3000einige tausend 1keine Karthago 3erheblich
2121 Herdonia I Feldschlacht 18000 15500'15–16 tausend 25000 2sehr wenige 1keine Karthago 3erheblich
2112 Obere Baetis Feldschlacht 53000 20001mehr als 20000 48500 1keine Karthago 1gering
2111 Capua II Feldschlacht 3wenige 1keine Rom 1wichtig
2102 Herdonia II Feldschlacht 20000 12000 25000 3wenige 1keine Karthago 2wichtig
2101 Numistro Feldschlacht -- patt -- 1gering
2093 Asculum Feldschlacht 20000 03000 -- patt -- 2wichtig
2092 Tarentum II Belagerung 2sehr wenige 1keine 4viele Rom 2wichtig
2091 Neu Karthago Belagerung 35000 1keine 25000 06000 10000 Rom 2wichtig
2081 Baecula Feldschlacht 35000 1keine 25000 06000 10000 Rom 2wichtig
2072 Grumentum Feldschlacht 00500 1keine 08000 00700 Rom 1gering
2071 Metaurus Feldschlacht 30000 20000 1keine 37500'35–40 tausend 20000 Rom 2wichtig
2061 Ilipa Feldschlacht 48000 1keine 74000 Rom 4entscheidend
2041 Crotona Feldschlacht 20000'4 Legionen -- patt -- 1gering
2032 Große Felder Feldschlacht 30000 1keine 30000 2999 fast alle Rom 3erheblich
2031 Cirta Feldschlacht 1keine Rom 2wichtig
2021 Zama Feldschlacht 42700 01500 1keine 53000 20000 15000 Rom 4entscheidend

Fazit: Die 5 erheblichen Siege Karthagos können in der Summe die 5 entscheidenden Siege Roms nicht wett machen, selbst wenn die Siege Karthagos deutlicher erscheinen mögen. Dies liegt vor allem an der logistischen Überlegenheit Roms von Anbeginn der Auseinandersetzung an. (siehe → Saguntum, Lilybaeum II und Seeherrschaft im Allgemeinen).

FriedensschlussBearbeiten

Nach der Niederlage riet Hannibal dem karthagischen Rat zur Aufnahme von Friedensverhandlungen. Im Namen des römischen Senates führte Scipio die Verhandlungen, die zum Friedensdiktat von 201 v. Chr. führten: Karthago musste die Kriegsflotte bis auf zehn Triremen ausliefern und alle Kriegselefanten aufgeben. Es verlor alle Besitzungen außerhalb Nordafrikas und musste Kontributionen von 10.000 Talenten Silber (360 t Silber) innerhalb von 50 Jahren zahlen. Als Machtdemonstration ließ Scipio Hunderte karthagische Schiffe vor den Toren der Stadt verbrennen.

Am schwerwiegendsten für die politische Zukunft des Punischen Staates sollte sich aber das Verbot der eigenständigen Kriegsführung ohne Erlaubnis Roms erweisen. Gleichzeitig musste Karthago nämlich die Unabhängigkeit des Königreichs Numidien unter dem römischen Verbündeten Massinissa anerkennen, welches in Zukunft nach Belieben gegen seinen Nachbarn vorgehen konnte. Die Punier hatten ihre außenpolitische Souveränität eingebüßt und waren fortan auf den Status einer Mittelmacht begrenzt. Überdies musste Karthago mit Rom ein Bündnis schließen und sich verpflichten, den Römern im Bedarfsfall Kriegshilfe zu leisten.

Fünfundfünfzig Jahre später endete der karthagische Staat im Dritten Punischen Krieg.

LiteraturBearbeiten

  • Sir Nigel Bagnall: Rom und Karthago – Der Kampf ums Mittelmeer. Siedler, Berlin 1995, ISBN 3-88680-489-5.
  • Ursula Händl-Sagawe: Der Beginn des 2. Punischen Krieges. Ein historisch-kritischer Kommentar zu Livius Buch 21. (= Münchener Arbeiten zur Alten Geschichte. 9). Ed. Maris, München 1995, ISBN 3-925801-15-4. (Zugleich: München, Univ., Diss., 1992: Ein historisch-kritischer Kommentar zu Livius, Buch 21)
  • Herbert Heftner: Der Aufstieg Roms. Vom Pyrrhoskrieg bis zum Fall von Karthago (280–146 v. Chr.). 2., verbesserte Auflage. Pustet, Regensburg 2005, ISBN 3-7917-1563-1.
  • Alfred Klotz: Appians Darstellung des Zweiten Punischen Krieges. Schöningh, Paderborn 1936.
  • Anne Kubler: La mémoire culturelle de la deuxième guerre punique (= Schweizerische Beiträge zur Altertumswissenschaft. Band 45). Schwabe, Basel 2018, ISBN 978-3-7965-3770-7 (zur Nachwirkung im kulturellen Gedächtnis).
  • Karl-Heinz Schwarte: Der Ausbruch des Zweiten Punischen Krieges – Rechtsfrage und Überlieferung. (= Historia Einzelschriften. 43). Steiner, Wiesbaden 1983, ISBN 3-515-03655-5. (Zugleich: Bonn, Univ., Habil.-Schr., 1980/81)
  • Jakob Seibert: Hannibal. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1993, ISBN 3-534-12029-9 (umfassende Darstellung).
  • Klaus Zimmermann: Karthago – Aufstieg und Fall einer Grossmacht. Theiss-Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2281-4.
  • Klaus Zimmermann: Rom und Karthago. 2., durchgesehene Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-23008-2.

WeblinksBearbeiten

Commons: Zweiter Punischer Krieg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Pedro Barceló: Kleine römische Geschichte. Sonderausgabe, 2., bibliographisch aktualisierte Auflage. Primus Verlag, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-25096-7, S. 29.
  2. Zimmermann, Klaus.: Karthago : Aufstieg und Fall einer Grossmacht. Wiss. Buchges, [Darmstadt] 2010, ISBN 978-3-534-22790-7.