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GeschichteBearbeiten

Gründung 1837Bearbeiten

 
Friedrich Carl Freiherr von Zu Rhein (Grafik von Roller, 1847)

Im Juni 1837 gründete eine Gruppe spätromantischer Dichter in der Junemannschen Weinwirtschaft in München die Zwanglose Gesellschaft. Die Idee dazu hatte Franz von Elsholtz, der sich als Verfasser von Komödien einen Namen gemacht hatte, zusammen mit dem dichtenden Diplomaten Friedrich Apollonius von Maltitz und dem Verwaltungsbeamten Friedrich Freiherr von Zu Rhein. Diese Dichter wollten der Pflege von Literatur und dem Austausch untereinander einen geselligen Rahmen geben ohne die Regeln eines Vereins.

1837 bis 1852Bearbeiten

 
Erstürmung der Improvisierleier durch die Zwanglosen (Aquarell von Franz Graf von Pocci)
 
Satirische Darstellung der Künstlerfeste, Franz Graf von Pocci um 1840

Die Mitglieder der Gründungsphase sind aus schriftlichen Dokumenten nicht lückenlos nachzuweisen, können jedoch zum Teil aus den frühen Zeichnungen des Grafen Pocci rekonstruiert werden. Es waren dies neben den drei genannten Stiftern Friedrich Beck, Sebastian Franz von Daxenberger, Ernst Ehrenbaum, Ernst Förster, Wilhelm Freiherr von Gumppenberg, Franz von Kobell, Carl Friedrich Philipp von Martius, Hans Ferdinand Maßmann, Karl Friedrich Neumann, Franz Graf von Pocci, Ludwig Steub sowie Friedrich Wilhelm von Thiersch. Wahrscheinlich gehörten der Gesellschaft bereits frühzeitig auch Eduard von Schenk an, ferner der spätere bayerische Justizminister Karl von Kleinschrod, der Maler und Schriftsteller Alois Büssel, der Regierungsrat und Schriftsteller Eduard Fentsch, der Oberappellationsrat Christian Carl von Glück, der Philologe Franz von Paula Hocheder,[1] der Forstmeister Karl Freiherr von Mettingh, der spätere Reichsrat Julius Freiherr von Niethammer, der Botaniker Joseph Gerhard Zuccarini, der kgl. Geheime Rat von Ritter, der Geologe Karl Emil von Schafhäutl, der Advokat Anton von Schauß, der Germanist Johann Andreas Schmeller, der Pandektist Johann Adam von Seuffert, der Historiker Johann Michael von Soeltl, der Jurist Otto Freiherr von Völderndorff, der Staatsrat Carl Weichselbaumer. Seit 1843 waren auch der Dichter Friedrich Güll und der Maler Moritz von Schwind Mitglieder der Gesellschaft.[2]

Seit 1853Bearbeiten

Bis zum Jahr 1852 besaß die Gesellschaft keine Satzung. Unter Zwanglosigkeit wurde der damals ungewöhnliche Verzicht auf Adelstitel, akademische Ränge im Umgang miteinander angesehen. Ebenso war es den Mitgliedern freigestellt, zu den Treffen zu kommen oder nicht. Die Idee war, alle in München dichterisch oder schriftstellerisch Tätigen zu zwanglosen Zusammenkünften zu versammeln. Die einzige Verpflichtung war, dass jedes Mitglied mindestens einmal ein eigenes oder ein für ihn interessantes Werk zum Vortrag brachte.

Nachdem das Bayerische Vereinsgesetz vom 26. Februar 1850 ein Vereinsstatut erzwang, galt gemäß Par. 1 der Vereinssatzung vom 24. November 1852: „Die Zwanglose Gesellschaft besteht zu dem Zweck gegenseitiger Mittheilungen eigener und fremder Leistungen auf dem Gebiete der schönen Literatur“.[3] 1854 wurde der Kreis erweitert, so dass auch Wissenschaftler, Künstler, Ärzte, Musiker und Juristen Mitglieder werden konnten,[4] so u. a. Bernhard von Gudden, der Psychiater König Ludwigs II, der sogar für kurze Zeit Geschäftsführer der Zwanglosen war. Politik und Religion waren die einzigen Themen, die bei den Zusammenkünften der „Zwanglosen“ nicht diskutiert wurden. So konnten katholische und protestantische Mitglieder ohne Reibereien miteinander „...Reime schmieden und Verse leimen“.

JetztzeitBearbeiten

Die „Zwanglose Gesellschaft“ existiert weiterhin als ein traditionsreicher Herrenclub, in den Neumitglieder nur nach Vorstellung durch einen „Paten“ und nur einstimmig im Wege der Kugelung aufgenommen werden.[5]

Geschäftsführer ist seit Oktober 2019 Dieter Adam; von 1985 bis 2012 war Heinrich Künzler Geschäftsführer der Gesellschaft (verst. 2. September 2015), von 2012 bis 2019 Jürke Grau.

Die Zwanglosen treffen sich jeden Mittwoch; das Stiftungsfest wird traditionsgemäß um den Dreikönigstag begangen.[6] Die von den Mitgliedern der Gesellschaft bei den allwöchentlichen Treffen während der Vortragszeit gehaltenen obligaten Vorträge werden dem Archiv der Zwanglosen Gesellschaft in der Handschriften-Abteilung der Bayerischen Staatsbibliothek übergeben. Die Zwanglosen sind kein eingetragener Verein.

FestschriftenBearbeiten

Eine erste Festschrift zum 100-jährigen Bestehen mit vielen Details der Vereinsgeschichte, Aufsätzen, Gedichten, Fotografien und z. T. farbigen Zeichnungen, u. a. von Pocci, erschien 1937[7], eine zweite Festschrift 1987 zum 150-jährigen Bestehen[8] Broschüre zum 175. Jubiläumsfest, am 22. Juni 2012 in der Alten Münze, München, 2012.

Bedeutende MitgliederBearbeiten

 
Boltzmanns Bild in der Dibner-Kollektion

Zeitangabe = Dauer der Mitgliedschaft

 
Felix Dahn
  • Felix Dahn, Historiker, Dichter, Jurist, 1859–1863
 
Max von Pettenkofer ca. 1860

GeschäftsführerBearbeiten

 
Ernst Förster (1856)

WeblinksBearbeiten

Homepage der Zwanglosen Gesellschaft, München.

  Commons: Zwanglose Gesellschaft München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Franz Steininger: Zur Erinnerung an Dr. Franz von Paula Hocheder, München 1856, S. 10.
  2. Gustav Rohmer: Die Zwanglose Gesellschaft in München 1837–1937; als Manuskript gedruckt, C.H.Beck'sche Buchdruckerei, Nördlingen 1937, Seite 6.
  3. Wulf, Wülfing: Handbuch literarisch-kultureller Vereine, Gruppen und Bünde 1825–1933. Metzler, Stuttgart 1988, S. 502–510.
  4. Zwanglose Gesellschaft: Statuten und Geschäftsführung der Zwanglosen Gesellschaft Beschlossen in der Generalversammlung vom 22. Febr. 1866, Druck der Dr. Wild'schen Buchdruckerei (Parcus) 1866, Bayerische Staatsbibliothek, Signatur Bavar. 2535 cgf; BVB-ID: BV021006615.
  5. Wolfgang Görl in der Süddeutschen Zeitung vom 9./10. Juni 2012, München, S. R4, zum 175. Jubiläum der Zwanglosen Gesellschaft im Jahre 2012.
  6. Zwanglose Gesellschaft: Zur Erinnerung an das Stiftungsfest der Zwanglosen Gesellschaft am Dreikönigstag, 6. Januar 1930, Verlag C.H.Beck, München 1930, 44 Seiten.
  7. Gustav Rohmer: Die Zwanglose Gesellschaft in München 1837–1937; als Manuskript gedruckt, C.H.Beck'sche Buchdruckerei, Nördlingen 1937, 166 Seiten.
  8. Zwanglose Gesellschaft: Hundertfünfzig Jahre Zwanglose Gesellschaft München 1837–1987, Universitätsdruckerei und Verlag Dr. C. Wolf und Sohn KG, München 1987, 159 Seiten.