Zakhar Bron

russischer Violinist

Zakhar Nukhimovich Bron (deutsche Transkription Sachar Nuchimowitsch Bron, russisch Захар Нухимович Брон, [zɐ'xar nu'ximɔwitʃ brɔn][1]; * 17. Dezember 1947 in Uralsk, UdSSR) ist ein russisch-sowjetischer Violinist und bedeutender Violinpädagoge. Seit 1989 lebt er in Westeuropa.

Zakhar Bron (2016)

Werdegang Bearbeiten

Zakhar Bron stammt aus einer jüdischen Familie. Seine Eltern flohen in den 1930er Jahren vor den Nationalsozialisten in die Sowjetunion. Bron wurde 1947 als Sohn einer polnischen Pianistin und eines rumänischen musikbegeisterten Ingenieurstudenten im westlichen Kasachstan geboren.[2] Sein erster Musiklehrer in seiner Heimatstadt erkannte sein Talent und empfahl ihn an die seinerzeit beste Geigenschule, die Stoljarski-Schule für Musik im ukrainischen Odessa. Bron lebte in dieser Zeit bei einer Gastfamilie und der Pädagoge Arthur Sisserman bildete ihn grundlegend aus. Danach reiste er gemeinsam mit seinem Vater nach Moskau, wo ihn Boris Goldstein in die Geigenklasse am Gnessin-Konservatorium sowie bei sich zu Hause aufnahm. 1966 wurde er Schüler von Igor Oistrach am Tschaikowsky-Konservatorium. Nachdem Bron 1971 sein Meisterschülerstudium abgeschlossen hatte, erhielt er eine Aspirantur, die durch den obligatorischen Wehrdienst in der Roten Armee unterbrochen wurde.[3] Im Jahr 1971 war er Preisträger (12. Platz) beim Concours Musical Reine Elisabeth in Brüssel;[4] 1977 teilte er sich mit dem US-Amerikaner Peter Zazofsky den dritten Preis beim Internationalen Henryk-Wieniawski-Violinwettbewerb im polnischen Posen.[5]

Tätigkeit als Lehrer Bearbeiten

Von 1974 bis 1988 lehrte Bron am Glinka-Konservatorium in Nowosibirsk. Aus finanziellen Gründen war er auch als Lehrer an der Kreismusikschule tätig.[3] In Sibirien unterrichtete er u. a. Vadim Repin, Maxim Vengerov und Natalia Prischepenko. Durch die internationalen Erfolge seiner Schüler wurde er der Violinlehrer über die Grenzen hinaus bekannt. Eine pädagogische Zukunft, etwa in Leningrad, realisierte sich nicht. Durch seine Kontakte mit dem Pianisten Justus Frantz u. a. wurde er nach Westdeutschland eingeladen. Noch vor dem Zerfall der Sowjetunion erhielt er 1989 eine Professur an der Musikhochschule Lübeck. Gemeinsam mit seinen Schülern zog er nach Lübeck, die dort durch Sponsoren ihre Musikausbildung beenden konnten. Über Lübeck erhielt er Zulauf von Schülern aus der ganzen Welt.[3]

1991 übernahm er auf Bitten des russischen Cellisten Mstislaw Rostropowitsch den Telefónica-Lehrstuhl für Violine an der neugegründeten Escuela Superior de Música Reina Sofía in Madrid.[3] Von 1997 bis zu seiner Emeritierung zum Sommersemester 2014 war er ordentlicher Professor an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.[6] Weitere Verpflichtungen führten ihn u. a. an die Royal Academy of Music London, das Rotterdams Conservatorium und die Hochschule für Musik und Theater Zürich.[7] Neben den erfolgreichen russischen Musikern Vadim Repin und Maxim Vengerov gehören zu seinen Schülern zum Beispiel David Garrett, Daniel Hope, Mayuko Kamio, Daishin Kashimoto, Tamaki Kawakubo, Igor Malinovsky, Gwendolyn Masin, Sayaka Shoji, Kirill Troussov und Soyoung Yoon.[3] Hope erinnerte sich 2009 zurück: „Von dem phänomenalen Zakhar Bron unterrichtet zu werden ist wie ein Hauptgewinn im Lotto.“[8]

In Zürich wurde 2010 die Zakhar Bron School of Music zur Förderung musikalischer Talente gegründet, deren Ehrenpräsident er ist. In Interlaken, Kanton Bern, installierte er das Zakhar Bron Chamber Orchestra (2011) für seine Nachwuchsmusiker und die Geigenakademie Zakhar Bron Akademie (2013).

Kontroverse Bearbeiten

Bron nimmt aufgrund seiner Erfolge als Violinlehrer weltweit zahlreiche Jurortätigkeiten wahr. In jüngster Zeit wurde er dafür von Norman Lebrecht kritisiert,[9] dass seine Schüler aus Wettbewerben erfolgreich hervorgehen würden, denen er als Juror angehört wie der Shanghai Isaac Stern International Violin Competition, dem Monte-Carlo Music Masters und der International Competition „Young Virtuosos“ in Sofia.[10] 2015 gewannen seine Schüler fünf der sechs vergebenen Preise der von ihm initiierten „International Boris Goldstein Violin Competition“.[10] Im Februar 2018 legte Fabio Luisi sein Amt als Vorsitzender des Violinwettbewerbs Premio Paganini aus Protest nieder, nachdem die örtliche Kulturbeauftragte Elisa Serafini bekundet hatte, den Jurorenkreis verändern und Bron zum Botschafter des Wettbewerbs ernennen zu wollen.[11]

Ehrungen Bearbeiten

Bibliografie Bearbeiten

  • Samuel Applebaum, Mark Zilberquit, Zakhar Bron u. a.: The Way They Play. Book 14. Paganinia Publication Inc., Neptune City, N.J. 1986, ISBN 0-86622-010-0, S. 65–114.

Weblinks Bearbeiten

Commons: Zakhar Bron – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Wie man Захар Брон ausspricht. In: Forvo, das Aussprache-Wörterbuch, abgerufen am 12. Februar 2022.
  2. Volker Blech: Zakhar Bron – der große Virtuosenmacher in der Geigenwelt. In: Berliner Morgenpost. 2. Februar 2015, abgerufen am 13. Februar 2022.
  3. a b c d e Laudatio von Michail Pawlowitsch Schischkin für Prof. Zakhar Bron.
  4. Queen Elisabeth Competition 1937–2013: Violine, Piano, Voice, Composition. (PDF; 359 kB) In: Concours Reine Elisabeth. Concours Musical International Reine Elisabeth de Belgique asbl, 25. Juni 2013, S. 19, archiviert vom Original am 12. Juli 2019; abgerufen am 12. Februar 2022 (englisch).
  5. 7th International Henryk Wieniawski Violin Competition Poznań, 13-27 November 1977. In: wieniawski.com, abgerufen am 13. Februar 2022.
  6. Newsletter 3/2014 der Musikhochschule Köln (Memento vom 26. Oktober 2016 im Internet Archive).
  7. Martina Wohlthat: Talentschmiede. In: NZZ Digital. 3. Dezember 2007, abgerufen am 13. Februar 2022.
  8. Daniel Hope: Wann darf ich klatschen. Ein Wegweiser für Konzertgänger. Mit Wolfgang Knauer. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2009, ISBN 978-3-498-00665-5, S. 148.
  9. Vgl. Rebecca Schmid: International Boris Goldstein Violin Competition responds to criticism. The event was accused of favouring students of its founder and jury chair, Zakhar Bron, writes Rebecca Schmid. In: thestrad.com, 2. Februar 2015, abgerufen am 13. Februar 2022.
  10. a b Norman Lebrecht: You vote for my pupil, I’ll vote for yours – the truth about music competitions (Memento vom 23. Juni 2018 im Internet Archive). Who will break the stranglehold of the Fifa-style music professors? In: spectator.co.uk, 23. Juni 2018, abgerufen am 13. Februar 2022. Unter verändertem Titel: Playing dirty? Who will break the stranglehold of the Fifa-style music professors? Who will break the stranglehold of the Fifa-style music professors? In: spectator.co.uk, 23. Juni 2018, abgerufen am 13. Februar 2022.
  11. Matteo Macor: Scontro sul Premio Paganini Luisi rompe con il Comune. In: La Repubblica. 1. Februar 2018, abgerufen am 12. Februar 2022.
  12. Auskunft des Bundespräsidialamtes.