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Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung

Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft
(Weitergeleitet von ZMT Bremen)

Das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen ist das größte deutsche Forschungszentrum für die Ökologie tropischer Meere und Küsten.

Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)
Das ZMT erforscht die Ökologie tropischer Küstensysteme (z. B. Korallenriffe, Mangrovenwälder, Seegraswiesen).
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Land Bremen
Rechtsform des Trägers: gGmbH seit 2012
Mitgliedschaft: Leibniz-Gemeinschaft
Standort der Einrichtung: Bremen
Art der Forschung: Grundlagenforschung, Angewandte Forschung
Fächer: Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften
Fachgebiete: Ozeanographie, Ökologie, Tropische Meeresbiologie, Chemie, Sozioökonomie
Leitung: Hildegard Westphal (WissenschaftlicheDirektorin), Nicolas Dittert (Kaufmännischer Direktor)
Mitarbeiter: über 210
Homepage: www.leibniz-zmt.de

Es wurde 1991 vom Verein zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in der Freien Hansestadt Bremen (VFwF e. V.), als An-Institut der Universität Bremen, gegründet.

Im Mai 2006 hat der Wissenschaftsrat die Aufnahme des ZMT in die Leibniz-Gemeinschaft (WGL) empfohlen. Seit dem 1. Januar 2009 ist das ZMT vollständiges Mitglied der WGL. Das ZMT ist außerdem Mitglied im Leibniz-Verbund Biodiversität, im Konsortium Deutsche Meeresforschung und im Nordwest-Verbund Meeresforschung.

Die Wissenschaftler des ZMT erfassen und bewerten die regionalen und globalen Auswirkungen von weltweitem Klimawandel, Städtebau, Tourismusprojekten usw. auf Mensch und Biodiversität in tropischen Küstenregionen und ihren Ökosystemen, um an diesen eine umweltgerechte Entwicklung zu sichern, da sie durch oben genannte Entwicklungen besonders in Anspruch genommen werden.

MissionBearbeiten

Die Mission des ZMT ist:

  • Planung und Durchführung von Partnerschaftsprojekten zum besseren Verständnis mariner tropischer Ökosysteme im Hinblick auf ihren Schutz und ihrer nachhaltigen Entwicklung.
  • Ausbildung und Lehre auf dem Gebiet aquatischer Tropenökologie und im Aufbau wissenschaftlicher Kapazität im Rahmen von Kooperationen mit tropischen Partnerländern. Dazu gehört der Master-Studiengang für Marine Tropenökologie (International Studies in Aquatic Tropical Ecology) ISATEC in Kooperation mit der Universität Bremen.
  • Koordination und Kommunikation zwischen Wissenschaftlern, Institutionen und Organisationen im Hinblick auf tropenökologische Themen. Das ZMT bietet regelmäßige Veranstaltungen zu Meeresbiologischen Themen für die Öffentlichkeit und Fachpublikum an.

HintergrundBearbeiten

Die wichtigsten tropischen Küstenökosysteme, wie Korallenriffe, Mangrovenwälder und Seegraswiesen, stehen als Übergangsbereich zwischen Land und Wasser untereinander in engen physikalischen, biologischen und geochemischen Wechselbeziehungen. In den Marinen Ökosystemen der tropischen Regionen der Erde ist die Diversität an Organismen riesig. Korallenriffe gelten als die „Regenwälder der Meere“ was sich auf die vergleichbare Artenvielfalt und den Strukturenreichtum der beiden Systeme bezieht. Mangroven dienen dem Küstenschutz und sind für die lokale Bevölkerung eine wichtige Lebensgrundlage.

Angesichts eines steigenden Bevölkerungsdrucks in tropischen Ländern ist die Rolle der Artenvielfalt in Riffen von großer Bedeutung. Nach einer Internationalen Studie, wird sich innerhalb der nächsten 50 bis 100 Jahre die Anzahl der Menschen in Ländern mit Korallenriffen verdoppeln. Der zunehmende Verlust an Biodiversität in Riffen schwächt damit deren Nutzer und ihre Ressourcen.[1]

Das ZMT versucht mit seiner wissenschaftlichen Forschung die tropischen marinen Ökosysteme besser zu verstehen. In weiteren Schritten können aus den Erkenntnissen zum Beispiel über die Gad der Degradation von Riffen Maßnahmen zu deren Schutz eingeleitet werden.

GeschichteBearbeiten

1991 gründete die Freie Hansestadt Bremen das Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT). Initiator und Gründungsdirektor war Gotthilf Hempel. Hempel war bereits 1980 Gründungsdirektor des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven. Venugopalan Ittekkot folgte Gotthilf Hempel und prägte über 10 Jahre lang das ZMT. In dieser Zeit entstanden tiefe Kooperationen mit Wissenschaftlichen Einrichtungen in Indonesien und Brasilien. Das ZMT expandiert stetig. Das ZMT wurde 2009 in die Leibniz-Gemeinschaft (WGL) aufgenommen.[2] Aus dem ZMT wurde eine gGmbH, die fortan selbst wirtschaften musste. 2010 kam Hildegard Westphal als neue Direktorin an das ZMT. 2010/2011 wurde das Institut umstrukturiert und besteht heute aus vier wissenschaftlichen Abteilungen und einer Infrastrukturabteilung.

2015 berichtete der Bund der Steuerzahler von Steuerverschwendung im Rahmen des Projektes „Nachhaltigkeitsanalyse für die Intensivkultur von Pilgermuscheln in der Sechura-Bucht im Norden Perus“, dass am ZMT durchgeführt wurde.[3]

Seit Beginn des Jahres 2017 änderte das ZMT seinen Namen von Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie in Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung.[4] Man wolle damit, so das ZMT, "der wachsenden interdisziplinären Breite Rechnung tragen, die sowohl Sozial- wie Naturwissenschaften" umfasse. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Institutes begann 2005 mit der Sozial-ökologische Systemanalyse (Marion Glaser) als erste sozialwissenschaftliche Arbeitsgruppe am ZMT. Neu hinzu kamen seit 2010 die Arbeitsgruppen "Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe" (Tim Rixen), "Geoökologie und Karbonatsedimentologie" (Hildegard Westphal), "Tropische Marine Mikrobiologie" (Astrid Gärdes), "Institutionen und Verhaltensökonomik" (Achim Schlüter), "Submariner Grundwasserabfluss" (Nils Moosdorf) und "Entwicklungs- und Wissenssoziologie" (Anna-Katharina Hornidge). 2017 arbeiteten rund 200 Gastwissenschaftler, Doktoranden, Technische Mitarbeiter und Professoren am Institut.[5]

Nicolas Dittert wurde 2017 kaufmännischer Direktor des ZMTs. Zuvor war er als Verwaltungsleiter am MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen tätig.[6]

Forschung für die PraxisBearbeiten

Das ZMT sieht seine Aufgabe auch in der Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktische Anwendungen des Meeresschutzes. So züchten Forscher des ZMT quasi Ersatzteile für Korallen mit denen die Wiederbelebung von Korallenriffen gelingen soll. Auf Kacheln wachsen Fragmente von Korallen. Im Aquarienhandel kam dieses Verfahren schon länger zum Einsatz und die gezüchteten Kolonien können in die geschädigten Riffe verpflanzt werden. In Indonesien versuchte das ZMT im Nationalpark Bunaken im Norden von Sulawesi ohne Erfolg Korallen anzupflanzen. Im Erfolgsfall kann die Verpflanzung jedoch einem beschädigten Riff „Starthilfe“ geben.

Lehre und AusbildungBearbeiten

In Kooperation mit der Universität Bremen ist das ZMT in der Ausbildung und Lehre auf dem Gebiet aquatischer Tropenökologie engagiert.

Das ZMT betreut den Master-Studiengang für Marine Tropenökologie (International Studies in Aquatic Tropical Ecology) ISATEC in Kooperation mit der Universität Bremen.

2013 wurde die Graduiertenschule SUTAS (Sustainable Use of Tropical Aquatic Systems) eingerichtet. Mit interdisziplinärem Blickwinkel widmet sich SUTAS vor allem sozio-ökologischen Fragestellungen in tropischen Küstenregionen. Mit der Graduiertenschule will das ZMT den Bogen seiner Forschung von der Ökologie über die marinen Ressourcen bis hin zu Gesundheitsfragen spannen. 2012 bekam das Institut im Leibniz-Wettbewerbsverfahren den Zuschlag für die Finanzierung dieser Graduiertenschule. Promovierende verschiedener Fachrichtungen arbeiten zusammen an Themen aus einer Zielregion, wodurch ein interdisziplinäres Austausch und ein breites Verständnis der tropischen Küstensysteme möglich werden soll. 2013 startete die erste Gruppe auf Sansibar, wo das ZMT bereits seit Jahren tätig ist. Die Graduiertenschule ist offen für verwandten Forschungsthemen aus weiteren tropischen Regionen. Im Konsortium, das sich für SUTAS zusammengefunden hat, umfasst neben dem ZMT, die Universitäten Bremen und Oldenburg, die Jacobs University Bremen, das Leibniz-Institute Senckenberg am Meer und BIPS (Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie) sowie das International Ocean Institute (IOI). Außerdem gehören die Forschungseinrichtungen der Zielländer (für den aktuellen Arbeitsschwerpunkt das Institute of Marine Sciences und die State University of Zanzibar) zu den Partnern.

Seit dem 1. September 2012 ist das ZMT auch Ausbildungsbetrieb für Fachangestellten als Kauffmann/Kauffrau für Bürokommunikation, Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste sowie Fachinformatiker.

ArbeitsbereicheBearbeiten

Die Abteilungen des ZMT tauschen ihre jeweiligen Forschungsergebnisse aus und arbeiten in Projekten zusammen.

Abteilungen und Arbeitsgruppen:[7]

  • Biogeochemie und Geologie (Hildegard Westphal)
    • Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe (Tim Rixen)
    • Ökologische Biogeochemie (Tim Jennerjahn)
    • Geoökologie und Karbonatsedimentologie (Hildegard Westphal)
    • Tropische Marine Mikrobiologie (Astrid Gärdes)
    • Submariner Grundwasserabfluss (Nils Moosdorf)

KooperationenBearbeiten

 
Fischverarbeitung in Indonesien. Das ZMT forscht interdisziplinär zu Ressourcen, Nutzung, Schutz und Biologie von marinen Systemen mit Schwerpunkt auf Südostasien.
 
Traditionelle Fischerei in Sulawesi (Aufnahme 1935). Die Abteilung Sozialwissenschaften forscht zur Umweltgeschichte u. a. in Sulawesi.

Das ZMT unterhält Kooperationen zu Instituten und Einrichtungen weltweit. Schwerpunkt sind Meeresbiologische Institute und Universitäten in tropischen und subtropischen Regionen.

Nach China hält das ZMT enge Verbindungen. In der chinesischen Küstenstadt Qingdao wurde im Februar 2011 ein neues Zentrum für die meereswissenschaftliche Forschung ins Leben gerufen: die Ocean University of China (OUC).

Das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) mit dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) haben ihre langjährige trilateriale Kooperation mit der Eröffnung des Zentrums für die Deutsch-Chinesische Kooperation in den Meereswissenschaften 2011 vertieft.

Mit zwei Projekten beteiligt sich das ZMT seit April 2011 an einem dem Verbundvorhaben CARIMA, das den Einfluss von natürlichen und vom Menschen verursachten Faktoren auf den Monsun in Zentralasien untersucht. Neben weiteren deutschen Forschungseinrichtungen der Meeres- und Geowissenschaften ist auch das State Key Laboratory of Marine Geology in Shanghai beteiligt. Finanziert wird das Vorhaben vom BMBF im Rahmen des Programmes Forschung und nachhaltige Entwicklung im Bereich der Erdsystemforschung.

AusstattungBearbeiten

Das ZMT verfügt über mehrere Chemie- und Biolabore sowie Meerwasserversuchsanlagen für Experimente und die Auswertung von im Freiland entnommenen Proben. Für die Feldarbeit in verschiedenen Ländern stehen wissenschaftliche Geräte zur Probenentnahme und Dokumentation bereit.

Das ZMT nahm Anfang 2011 seine erweiterte experimentelle Meerwasseraquarienanlage MAREE (MARine Experimental Ecology) in Betrieb. Das ZMT verfügt als einzige Einrichtung in Deutschland über 24 Mesokosmen. Das ZMT plant die Durchführung einer Reihe von experimentellen Studien, die in dieser Form bisher nicht möglich waren. Mit der Anlage können ergänzende Laborexperimente unter kontrollierten Bedingungen gestaltet werden.[8] MAREE besitzt fünf unabhängige Wasserkreisläufe und insgesamt mehr als 60 Hälterungsaquarien für die Durchführung von wissenschaftlichen Experimenten. Die Anlage ist so ausgerüstet, dass eine Reihe von Umweltbedingungen wie Temperatur, Nährstoff- und Lichtverfügbarkeit sowie der Säuregehalt und die Wasserströmung variiert werden können. Darüber hinaus sollen ab 2011 ökophysiologische Experimente unternommen werden, um den Stoffwechsel von Meerestieren in Bezug auf Umweltveränderungen zu verstehen. Ein wichtiger MAREE-Forschungsbereich soll die die wissenschaftliche Optimierung der Nachzucht von wirtschaftlich und ökologisch wichtigen Meeresorganismen (zum Beispiel Anemonenfische, Seeigel, Korallen) werden.

Finanzierung und OrganisationBearbeiten

Das ZMT im Rahmen der Leibniz-Gemeinschaft durch den Bund und Länder. Zudem werden Drittmittel eingeworben. Viele Projekte werden von BMBF oder der DFG teilfinanziert.

ProfessurenBearbeiten

  • Agostino Merico, AG Systemökologie, Theoretische Ökologie und Modellierung, Gruppenleiter,
  • Martin Zimmer, AG Mangrovenökologie, Ökologie, Gruppenleiter
  • Achim Schlüter, Institutionen und Verhaltensökonomie, Sozialwissenschaften, Gruppenleiter
  • Hildegard Westphal AG Geoökologie und Karbonatsedimentologie, Biogeochemie und Geologie, Gruppen- und Abteilungsleiterin, Direktorin des ZMT (seit Dezember 2010)
  • Matthias Wolff, AG Ressourcenmanagement, Theoretische Ökologie und Modellierung, Gruppenleiter
  • Anna-Katharina Hornidge, (Entwicklungs- und Wissenssoziologie), Gruppen- und Abteilungsleiterin
  • Nils Moosdorf (Submariner Grundwasserabfluss, Gruppenleiter)

Ehemalige ProfessorenBearbeiten

  • Christian Wild, ehemals Gruppenleiter AG Korallenriffökologie, heute Universität Bremen

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 14. Januar 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zmt-bremen.de
  2. Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT). Abgerufen am 9. Oktober 2018 (deutsch).
  3. Jonas Rosenberger: Die neun skurrilsten Steuerprojekte 2015. deutsche-handwerks-zeitung.de. 17. März 2015. Abgerufen am 14. Juli 2019.
  4. Neuer Name ab 2017: ZMT heißt jetzt Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung
  5. Neuer Name ab 2017: ZMT heißt jetzt Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung. In: idw-online.de. Abgerufen am 5. Januar 2017.
  6. Zmt baut Leitungsebene aus: Dr. Nicolas Dittert wird kaufmaennischer Direktor des bremer Leibniz Zentrums für Marine Tropenforschung. ZMT. 16. Januar 2017. Abgerufen am 14. Juli 2019.
  7. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 19. November 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zmt-bremen.de
  8. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 24. Februar 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zmt-bremen.de

Koordinaten: 53° 6′ 28,2″ N, 8° 50′ 45,5″ O