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World Reference Base

internationales Bodenklassifikationssystem

Die World Reference Base for Soil Resources (Abkürzung WRB) ist ein internationales Bodenklassifikationssystem zur Benennung von Böden und zur Erstellung von Legenden für Bodenkarten. Sie ist weltweit anwendbar und dient dazu, Informationen über Böden und deren Eigenschaften über regionale und nationale Grenzen hinweg auszutauschen.

Entstehung und HintergrundBearbeiten

Seit Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in vielen Staaten Systeme, um Böden zu beschreiben und in Klassen einzuteilen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde aber immer deutlicher, dass diese Entwicklung zu mehreren Problemen geführt hatte:

  • Durch die unabhängige Entwicklung der nationalen Klassifikationssysteme war ein internationales Verständigungsproblem entstanden. Einzelne Begriffe tauchten in verschiedenen Klassifikationen auf, hatten aber je andere Bedeutungen. So steht die Podsolierung in Deutschland für die Verlagerung von Aluminium, Eisen und Humus. In Russland beinhaltet sie aber zusätzlich die Verlagerung von Ton. Daneben existierten für ein und denselben Boden die unterschiedlichsten Namen.
  • Die nationalen Systeme sind an die Gegebenheiten des jeweiligen Landes angepasst. So kam es, dass sie zwar hochspezifisch für ihre Ursprungsgebiete sind, Böden anderer Zonen aber kaum behandeln. In den meisten Klassifikationssystemen fehlen sogar ganze Themenbereiche. Als Beispiel können hier die international wichtigen Bodentypen der Frost- oder Salzböden genannt werden, die in der Deutschen Bodensystematik gar nicht vorkommen. Kein System war damals in der Lage, alle Böden der Welt befriedigend zu behandeln.
  • Obwohl jedes System Schwächen hat und nicht weltweit einsatzfähig ist, weisen doch alle große, nicht abweisbare Stärken auf. Da sie optimal an die landesüblichen Böden angepasst sind, enthalten sie eine enorme Detailtreue. Wären sie einfach abgeschafft worden, so hätte dies einen Verlust an Daten und Beschreibungsmöglichkeiten bedeutet. Böden sind so komplexe Erscheinungen, dass eine benutzerfreundlich gehaltene Klassifikation für den weltweiten Einsatz kaum die Genauigkeit der nationalen Systeme erreichen kann.
  • Dazu kamen nationale Interessen, da kein Staat bereit war, seine in Jahrzehnten gewachsene und an allen Bildungseinrichtungen gelehrte Klassifikation einfach aufzugeben.

Die USA begannen damit, ihre Klassifikation radikal umzugestalten, um mit ihr alle Böden weltweit abzudecken. Ihr neues System wurde 1960 im Entwurf vorgestellt und 1975 unter dem Namen Soil Taxonomy in erster Auflage veröffentlicht. Trotz starker Bemühungen von Seiten der USA wurde es bis 2014 international nicht offiziell angenommen.

Von 1971 bis 1981 publizierte die FAO zusammen mit der Unesco die Weltbodenkarte im Maßstab 1 : 5 Millionen in 10 Blättern. Die Legende zu dieser Karte wurde 1974 veröffentlicht und wurde als FAO-Bodenklassifikation bekannt. An ihrer Erarbeitung wirkten unter Führung von Rudi Dudal Bodenkundler aus zahlreichen Staaten mit, darunter auch aus Deutschland. Viele Ideen bestehender Systeme flossen ein, z. B. das Prinzip der diagnostischen Horizonte aus dem Entwurf zur Soil Taxonomy. 1988 wurde dann eine Revidierte Legende herausgegeben.

1982 richtete die International Soil Science Society (ISSS; jetzt: International Union of Soil Sciences, IUSS)[1] die Arbeitsgruppe International Reference Base for Soil Classification (IRB) ein. Vorsitzender wurde Ernst Schlichting. Die Arbeitsgruppe sollte ein internationales Bodenklassifikationssystem entwerfen, das stärker bodengenetisch ausgerichtet war als die FAO-Bodenklassifikation. Sie präsentierte zwei Entwürfe, einen 1982 und einen 1990.

1992 beschloss die IRB-Arbeitsgruppe die Ausarbeitung eines neuen Systems mit dem Namen World Reference Base for Soil Resources (WRB). Es sollte eine Weiterentwicklung der Revidierten Legende der FAO-Bodenklassifikation sein unter Berücksichtigung bodengenetischer Aspekte aus der IRB. Otto Spaargaren (International Soil Reference and Information Centre) und Freddy Nachtergaele (FAO) wurden mit der Erarbeitung eines Entwurfs beauftragt. Dieser wurde 1994 auf dem 15. Bodenkundlichen Weltkongress in Acapulco präsentiert. Auf demselben Kongress wurde die WRB anstelle der IRB als Arbeitsgruppe der ISSS eingerichtet. Auf dem 16. Bodenkundlichen Weltkongress in Montpellier 1998 wurde schließlich die 1. Auflage der WRB veröffentlicht. Noch auf demselben Kongress legte die ISSS die WRB als internationales Referenzsystem für Bodenklassifikation fest. (2014 erhielt dann die US Soil Taxonomy ebenfalls den Status eines Referenzsystems.) 2006 erschien eine neue, stark überarbeitete Fassung der WRB, in die Verbesserungsvorschläge aus acht Jahren Praxiserfahrung einflossen, und 2007 wurde dazu eine korrigierte Version herausgegeben. Von der Version aus dem Jahre 2006 existiert auch erstmals eine offizielle deutschsprachige Übersetzung. Zum 20. Bodenkundlichen Weltkongress erschien die Version 2014. 2015 gab es hierzu ein Update. Im Gegensatz zur Version von 2006 ist sie nicht nur für die Benennung einzelner Bodenprofile geeignet, sondern auch zur Erstellung von Bodenkartenlegenden.

Eine Besonderheit der WRB ist, dass sie nicht die nationalen Klassifikationen ersetzen sollte. Sie stellt eine internationale Sprache dar, um Erkenntnisse aus der Bodenkunde weltweit eindeutig zu veröffentlichen und leichter auszutauschen. Dies geht auch aus dem Namen hervor, denn WRB steht für World Reference Base oder zu deutsch: weltweite Referenzbasis.

Die WRB ist auch in Deutschland anerkannt, wenn auch primär die Deutsche Bodensystematik (KA5) verwendet und an den Hochschulen gelehrt wird. In deutschsprachiger Fachliteratur werden zuweilen die WRB-Bezeichnungen parallel zu denen der Deutschen Bodensystematik angegeben. Eine eindeutige Übersetzbarkeit der deutschen Bodenbezeichnungen in jene der WRB gibt es nicht. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ermöglicht mit dem kostenfreien Ableitungsschlüssel[2] eine programmgestützte Ableitung des WRB-Namens aus Geländedaten nach KA5 und Laborwerten. Autoren dieses Tools sind Einar Eberhardt (BGR), Peter Schad (Technische Universität München) sowie Carsten Lehmann und Roland Harhoff (BGR).

Einen ähnlichen Ansatz eines Referenzrahmens haben der französische Référentiel pédologique und die Klassifikation der Böden der Schweiz (KlaBS). Die Soil Taxonomy dagegen ist hierarchisch aufgebaut und nutzt auch Eigenschaften, die keine Bodeneigenschaften im engeren Sinne sind (z. B. das Bodenfeuchteregime).

Die Herausgeber der WRBBearbeiten

Die WRB wird von der gleichnamigen Arbeitsgruppe[3] der International Union of Soil Sciences (IUSS) herausgegeben. Gegenwärtiger Vorsitzender ist Peter Schad (Technische Universität München, seit 2010). Stellvertretender Vorsitzender ist Stephan Mantel (International Soil Reference and Information Centre, Niederlande, seit 2018).

Vorsitzender zum Zeitpunkt des Erscheinens der ersten Auflage 1998 (und damit Erstherausgeber) war Seppe Deckers (Belgien), zum Zeitpunkt der zweiten Auflage 2006 Erika Michéli (Ungarn) und zum Zeitpunkt der dritten Auflage 2014 Peter Schad (Deutschland).

Die Arbeitsgruppe WRB verfügt über eine eigene homepage, die derzeit am Lehrstuhl für Bodenkunde der Technischen Universität München angesiedelt ist.[4] Dort finden sich:

  • die aktuell gültigen Dokumente der WRB 2015 zum Herunterladen, also das englische Original sowie die Übersetzungen (bis jetzt: französisch, spanisch, russisch, georgisch und slowenisch – die polnische Übersetzung ist nur in Buchform erhältlich),
  • eine Erklärung des Systems,
  • Fotos von Profilen aller Referenzbodengruppen, die heruntergeladen werden können und bei Nennung des Bildautors verwendet werden dürfen (weitere Fotos sind auf der World of Soils page der IUSS zu finden, siehe Weblinks),
  • eine Darstellung der Geschichte der WRB,
  • Hinweise auf vergangene und bevorstehende Workshops,
  • Links zu anderen Institutionen, die für die WRB von Bedeutung sind.

Die WRB 2015[5]Bearbeiten

Der Aufbau der WRBBearbeiten

Grundlage der Klassifikation sind diagnostische Horizonte (diagnostic horizons), diagnostische Eigenschaften (diagnostic properties) und diagnostische Materialien (diagnostic materials). Diagnostische Materialien sind Materialien, die bodenbildende Prozesse maßgeblich beeinflussen. Sie sind entweder vom Ausgangsgestein ererbt oder durch bodenbildende Prozesse entstanden. Diagnostische Eigenschaften sind typische Ergebnisse von bodenbildenden Prozessen oder spezielle Bedingungen der Bodenbildung. Diagnostische Horizonte sind typische Ergebnisse von bodenbildenden Prozessen, die über eine bestimmte Mindestmächtigkeit hinweg horizontal auftreten. Die diagnostischen Horizonte, Eigenschaften und Materialien werden zusammen auch als Diagnostika (diagnostics) bezeichnet.

Die Diagnostika tragen Namen (z. B. argic Horizont, stagnic Eigenschaften, fluvic Material). Die WRB verwendet keine Horizontsymbole (also keine Ah-Horizonte, Bt-Horizonte etc.). Horizonte, die keine diagnostischen Horizonte sind, verbleiben somit ohne Namen. Für die Benennung von Horizontfolgen in internationalen Publikationen werden die Horizontsymbole der FAO Guidelines for Soil Description (2006) empfohlen.

Die Klassifikation ist in zwei Ebenen aufgeteilt:

Auf der ersten Ebene werden Referenzbodengruppen (reference soil groups – RSG) unterschieden, von denen es 32 gibt (1998: 30).

Auf der zweiten Ebene stehen Qualifier, die die Referenzbodengruppe weiter differenzieren. Die WRB 2015 verfügt über insgesamt 185 verschiedene Qualifier. Dabei werden zwei Arten von Qualifiern unterschieden:

  1. Principal Qualifier, welche die typischen Ausprägungen einer RSG kennzeichnen. Sie sind hierarchisch in der Reihenfolge ihrer Bedeutung geordnet und stehen vor dem Namen der RSG.
  2. Supplementary Qualifier, die weitere Eigenschaften benennen. Sie sind nicht hierarchisch gegliedert und werden in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. Sie stehen hinter dem Namen der RSG in Klammern und mit Kommas voneinander getrennt.

Die Bezeichnungen der RSGs und der Qualifier werden groß geschrieben. Sie werden nicht in andere Sprachen übersetzt, um weltweit einheitliche Bodennamen zu gewährleisten.

Die verwendeten Namen für die Bodentypen sind überwiegend Kunstnamen, die ihre Wurzeln im Latein, der griechischen Sprache, sowie unter den modernen Sprachen vor allem im Russischen haben.

Aufgrund der praktisch nicht-hierarchischen Einteilung besteht die Möglichkeit, mehrere Tausend verschiedene Bodenuntereinheiten anzusprechen.

Wird die aktuelle WRB mit der Legende der alten FAO-Weltbodenkarte verglichen, so fällt auf, dass die Referenzbodengruppen stärker bodengenetisch definiert sind und Aussagen über Nutzungspotentiale und Nutzungseinschränkungen teils auf die Qualifier-Ebene verlagert wurden. Die früheren Soil Phases sind überwiegend direkt in die Klassifikation eingegangen. So wurden z. B. Böden mit duripan phase zu Durisols, und Böden mit stony phase haben den Skeletic Qualifier.

Bodenbenennung mit der WRBBearbeiten

Die Einordnung eines Bodens in die jeweilige RSG erfolgt anhand eines Schlüssels, in dem in einer fest definierten Reihenfolge nach dem Vorhandensein und der Tiefenlage von Diagnostika gefragt wird. Außerdem wird nach Einzelmerkmalen gefragt, etwa bestimmten Tongehalten oder Basensättigungen. Die Einordnung in eine RSG erfolgt anhand des ersten vollständig erfüllten Kriteriensatzes.

Für jede RSG gibt es eine Liste mit verfügbaren Qualifiern. Die kürzeste Liste (Nitisols, Gypsisols) enthält 35, die längste (Cambisols) 68 Qualifier. Aus den verfügbaren Qualifern müssen alle zutreffenden dem Bodennamen hinzugefügt werden. Die Reihenfolge der Principal Qualifier ist von rechts nach links. Je weiter oben in der Liste ein Principal Qualifier steht, desto weiter rechts (desto näher am Namen der RSG) steht er. Demselben Prinzip folgend werden die Supplementary Qualifier angegeben, und zwar von links nach rechts. Je weiter am Anfang des Alphabets ein Supplementary Qualifier steht, desto weiter links (desto näher am Namen der RSG) steht er. Trifft kein anderer Principal Qualifier der Liste zu, erhält der Boden den Principal Qualifier Haplic („gewöhnlich“). Einige Qualifier sind mit einem / voneinander getrennt. In diesem Fall wird nur einer verwendet. Entweder schließen sie sich gegenseitig aus (z. B. Eutric / Dystric für hohe und niedrige Bassensättigung) oder der vorangestellte schließt den nachfolgenden ein (z. B. Dolomitic / Calcaric für dolomitisches und kalkhaltiges Bodenmaterial). Auch generell werden redundante Qualifier nicht verwendet. Hat also ein Boden z. B. den Calcaric Qualifier (primäres Carbonat von 20 bis 100 cm), wird auf die Verwendung des Eutric Qualifier (hohe Basensättigung) verzichtet.

Die Qualifier können mit Hilfe von Specifiern noch in ihrer Aussage verfeinert werden, zum Beispiel wenn sich ein Qualifier nur auf einen Teil des Bodenprofils bezieht. Die Specifier werden als Vorsilbe(n) vor die entsprechenden Qualifier gehängt. Besonders wichtig sind die tiefenbezogenen Specifier, deren Verwendung jedoch optional ist:

  • Epi-: nur innerhalb von ≥0 bis ≤50 cm,
  • Endo-: nur unterhalb von ≥50 cm,
  • Amphi-: beginnend zwischen >0 und <50 und endend zwischen >50 und <100 cm,
  • Ano-: beginnend bei 0 und endend zwischen >50 und <100 cm,
  • Kato-: beginnend zwischen >0 und <50 und endend bei ≥100 cm,
  • Panto-: von 0 bis ≥100 cm.

Erstellung von Kartenlegenden mit der WRBBearbeiten

Während die Benennung eines einzelnen Bodens (eines Bodenprofils) die Auflistung sämtlicher zutreffenden Qualifier verlangt, wird die Detailliertheit von Bodenkarten vom Maßstab bestimmt. Die WRB unterscheidet vier Maßstabsniveaus:

  • erstes Maßstabsniveau: nur die RSG,
  • zweites Maßstabsniveau: die RSG plus der erste zutreffende Principal Qualifier,
  • drittes Maßstabsniveau: die RSG plus die ersten beiden zutreffenden Principal Qualifier,
  • viertes Maßstabsniveau: die RSG plus die ersten drei zutreffenden Principal Qualifier.

Die Zuordnung der Maßstabsniveaus zu wirklichen Maßstäben (z. B. viertes Maßstabsniveau für Maßstäbe von 1 : 250 000 bis 1 : 1 000 000) ist nur bedingt möglich, da die Wahl des Maßstabsniveaus stark von der Homogenität bzw. Heterogenität der Landschaft abhängt.

Die Principal Qualifier werden vor den Namen der RSG gesetzt, und zwar nach denselben Regeln wie bei der Benennung von Bodenprofilen. Darüber hinaus ist es auf allen Maßstabsniveaus erlaubt, optional weitere Qualifier hinter den Namen der RSG zu setzen, in Klammern und mit Kommas voneinander getrennt. Dies können Principal Qualifier sein, die auf der Liste weiter unten stehen und auf dem betreffenden Maßstabsniveau eigentlich noch nicht berücksichtigt werden. Es können aber auch Supplementary Qualifier sein. Damit können die Ersteller der Karten Merkmale, die ihnen als wichtig erscheinen, der Leserschaft mitteilen. Da in verschiedenen nationalen Bodenklassifikationssystemen unterschiedliche Merkmale als besonders wichtig angesehen werden, wird auf diese Weise die Bewahrung nationaler Traditionen ermöglicht ohne die einheitliche Struktur der Legenden zu verletzen.

Die WRB ermuntert ausdrücklich dazu, nicht nur einen einzigen Boden auf einer Kartiereinheit darzustellen, sondern immer eine Assoziation von Böden. Hierfür gelten folgende Bezeichnungen:

  • dominant: der Boden nimmt >50 % der Fläche ein,
  • codominant: der Boden nimmt 25 – 50 % der Fläche ein,
  • assoziiert: der Boden nimmt 5 – 25 % der Fläche ein.

Bei der Benennung codominanter und assoziierter Böden in der Kartiereinheit ist es erlaubt, weniger Principal Qualifier zu verwenden als es dem Maßstabsniveau entspricht. Die Verwendung von Specifiern ist wegen der erforderlichen Generalisierungen meistens nicht möglich. Bei Kartenlegenden stehen die RSGs im Plural, sonst immer im Singular.

Die Gliederung des WRB-DokumentsBearbeiten

Das WRB-Dokument umfasst fünf Kapitel und vier Anhänge.

Kapitel 1 bringt eine kurze Darstellung von Hintergrund und Grundlagen. Hierzu gehören auch Tabellen der diagnostischen Horizonte sowie der RSGs. Letztere ist nachfolgend wiedergegeben. Kapitel 2 benennt die Regeln für die Bodenklassifikation und für die Erstellung von Kartenlegenden. Es wird dringend empfohlen, dieses kurze Kapitel vor Anwendung der WRB zu lesen. Im Kapitel 3 sind die diagnostischen Horizonte, Eigenschaften und Materialien dargestellt mit einer allgemeinen Beschreibung, den diagnostischen Kriterien sowie weiteren Hinweisen. Für die Entscheidung, ob ein bestimmtes Diagnostikum vorliegt, sind jedoch ausschließlich die diagnostischen Kriterien maßgebend. Kapitel 4 enthält den Bestimmungsschlüssel für die RSGs sowie für jede RSG die Liste der verfügbaren Principal und Supplementary Qualifier. Im Kapitel 5 sind die Qualifier definiert. Als nächstes kommt das Literaturverzeichnis.

Darauf folgen vier Anhänge. Anhang 1 beschreibt kurz die 32 RSGs. Anhang 2 benennt die für die WRB erforderlichen Labormethoden. Dabei handelt es sich nur eine Benennung der Methoden, nicht um Laboranleitungen. Anhang 3 verzeichnet die Codes für die RSGs, die Qualifier und die Specifier sowie die Regeln für die Abfolge der Codes zur Benennung von Böden und zur Erstellung von Kartenlegenden. Anhang 4 enthält ein Korngrößendreieck, in dem die Bereiche der Bodenartenqualifier mit unterschiedlichen Grautönen markiert sind.

Liste der Referenzbodengruppen der WRB 2015Bearbeiten

Die Liste der Referenzbodengruppen umfasst 32 Böden, die hier in der Reihenfolge des WRB-Schlüssels wiedergegeben sind. Eine solche Liste findet sich auch im Kapitel 1 des WRB-Dokuments. Außerdem sind die Codes gemäß Anhang 3 des WRB-Dokuments aufgeführt:

Organische Böden

  • HS Histosol (mit mächtigen Horizonten aus organischem Material)

Anthropogene Böden

  • AT Anthrosol (vom Menschen zur Verbesserung der Fruchtbarkeit verändert und lange Zeit genutzt)
  • TC Technosol (enthalten hohe Anteile an künstlichen oder vom Menschen aus großer Tiefe geholten Substraten)

Böden mit eingeschränkter Durchwurzelung

  • CR Cryosol (von Permafrost geprägt)
  • LP Leptosol (flachgründig über anstehendem Gestein oder sehr skelettreich)
  • SN Solonetz (im Unterboden Tonanreicherung und hohe Gehalte an austauschbarem Natrium)
  • VR Vertisol (hohe Gehalte an quellenden und schrumpfenden Tonmineralen, wodurch bei wechselfeuchtem Klima eine Durchmischung des Bodens ausgelöst wird)
  • SC Solonchak (von leichtlöslichen Salzen geprägt)

Durch speziellen Eisen- und/oder Aluminiumchemismus geprägte Böden

  • GL Gleysol (mit Redoxprozessen, ausgelöst durch aufsteigendes Grundwasser (oder aufsteigende Reduktgase), einschließlich Unterwasserböden und Gezeitenböden)
  • AN Andosol (mit Allophanen und/oder Al-Humus-Komplexen, oft aus Pyroklasten entstanden)
  • PZ Podzol (im Unterboden Anreicherungen von Eisen- und Aluminiumverbindungen und/oder organischen Stoffen)
  • PT Plinthosol (konkretions- oder netzartige Anreicherung von Eisenoxiden, in manchen Fällen ausgehärtet)
  • NT Nitisol (gut ausgebildete Struktur mit glänzenden Aggregatoberflächen, hohe Eisenoxidgehalte, meist kaolinitisch)
  • FR Ferralsol (Dominanz von Kaolinit und Oxiden, nährstoffarm, jedoch physikalisch stabil)
  • PL Planosol (jahreszeitlich grobporenarmer Unterbodenhorizont mit markant höheren Tongehalten als die oberen Horizonte, abrupter Übergang zwischen tonärmeren und tonreicheren Horizonten, dadurch ausgelöster Wasserstau mit Redoxprozessen)
  • ST Stagnosol (jahreszeitlich grobporenarmer Unterbodenhorizont, dadurch ausgelöster Wasserstau mit Redoxprozessen, jedoch ohne markanten Tongehaltsunterschied)

Ausgeprägte Humusanreicherung im mineralischen Oberboden

  • CH Chernozem (dunkler bis schwarzer, humoser, gut strukturierter, basenreicher Oberboden und weiter unten sekundäres Carbonat)
  • KS Kastanozem (dunkler, humoser, basenreicher Oberboden und weiter unten sekundäres Carbonat)
  • PH Phaeozem (dunkler, humoser, basenreicher Oberboden, sekundäres Carbonat höchstens in sehr großer Tiefe, durchgängig hohe Basensättigung)
  • UM Umbrisol (dunkler, humoser Oberboden, mit niedriger Basensättigung)

Böden mit Anreicherung von Salzen oder Siliziumverbindungen, typisch für Trockengebiete

Böden mit Tonanreicherung im Unterboden

  • RT Retisol (netzartige Verzahnung von Tonverarmungs- und Tonanreicherungshorizont)
  • AC Acrisol (Tonanreicherungshorizont mit geringer Kationenaustauschkapazität, geringe Basensättigung im Unterboden)
  • LX Lixisol (Tonanreicherungshorizont mit geringer Kationenaustauschkapazität, hohe Basensättigung im Unterboden)
  • AL Alisol (Tonanreicherungshorizont mit hoher Kationenaustauschkapazität, geringe Basensättigung im Unterboden)
  • LV Luvisol (Tonanreicherungshorizont mit hoher Kationenaustauschkapazität, hohe Basensättigung im Unterboden)

Wenig differenzierte Böden

  • CM Cambisol (mit verbrauntem oder verlehmtem oder anderweitig durch Bodenbildung veränderten Horizont)
  • AR Arenosol (stark sandig)
  • FL Fluvisol (verhältnismäßig gering entwickelt, noch geschichtet, aus jungem Fluss-, See- oder Meeressediment)
  • RG Regosol (wenig bis gar nicht entwickelte Böden)

VorgehensbeispieleBearbeiten

Nachfolgend werden Beispiele für die Bodenbenennung und für die Erstellung von Kartenlegenden gegeben. Weitere Beispiele findet man im WRB-Dokument, Kapitel 2.

Beispiel für eine Bodenbenennung mit der WRBBearbeiten

Unser Beispielboden habe folgende Merkmale:

Geländebeschreibung: Ein aus Löss entwickelter Boden zeigt einen markanten Tongehaltsanstieg in etwa 60 cm Tiefe und Toncutane im tonreicheren Horizont. Aufgrund der Landschaftsgeschichte gehen wir davon aus, dass Dreischichttonminerale dominieren. Im Feld wird im Unterboden ein pH-Wert von etwa 6 gemessen. Der untere Bereich des tonärmeren Oberbodens ist stark aufgehellt. Im Tonanreicherungshorizont sind Rost- und Bleichflecken mit zusammen etwa 30 % Flächenanteil zu beobachten, die intensiven Farben im Aggregatinnern. Im Frühjahr treten reduzierende Verhältnisse auf. Der Boden wird jährlich gepflügt. Der Humusgehalt im Oberboden ist relativ gering.

Laboranalysen: Die Laboranalysen bestätigen die hohe Kationenaustauschkapazität pro kg Ton im Tonanreicherungshorizont und die hohe Basensättigung im Unterboden. Im Oberboden finden wir 20 % Ton, 10 % Sand und 70 % Schluff, im Unterboden 35 % Ton, 10 % Sand und 55 % Schluff.

Die Benennung erfolgt in vier Schritten.

Frage 1: Liegen diagnostische Horizonte, Eigenschaften oder Materialien vor?

Folgende Diagnostika liegen vor:

  • albic material (im aufgehellten Horizont)
  • argic Horizont (Tonanreicherungshorizont)
  • stagnic properties (im Tonanreicherungshorizont)
  • reducing conditions (im Tonanreicherungshorizont)

Frage 2: Zu welcher RSG gehört der Boden?

Man geht den Schlüssel RSG für RSG durch. Der vorliegende Boden ist kein Histosol, kein Anthrosol, kein Technosol etc. Schließlich landet man bei den Luvisols. Das ist die erste RSG im Schlüssel, deren Kriterien der Beispielboden vollständig erfüllt.

Frage 3: Welche Qualifier liegen vor?

Von den Principal Qualifiern treffen Stagnic (stagnic properties und reducing conditions) und Albic (Aufhellung) zu. Stagnic steht weiter oben in der Liste, somit heißt der Boden bis jetzt Albic Stagnic Luvisol. Von den Supplementary Qualifiern treffen Siltic (schluffig von 0–60 cm), Loamic (lehmig ab 60 cm), Aric (gepflügt), Cutanic (Toncutane) und Ochric (geringe Humusgehalte) zu. Bringt man letztere in alphabetische Reihenfolge, so lautet der Name des Bodens Albic Stagnic Luvisol (Aric, Cutanic, Loamic, Ochric, Siltic).

Frage 4: Welche Specifier können zur Bildung von Subqualifiern verwendet werden?

Wenn der Boden von 0–60 cm Siltic und ab 60 cm Loamic ist, so kann man unter Verwendung der tiefenbezogenen Specifier Ano- und Endo- die Subqualifier Anosiltic und Endoloamic bilden. Die stagnic properties treten nur im Unterboden auf und das albic material nur im mittleren Bereich, somit kann man hierfür die Subqualifier Endostagnic und Amphialbic verwenden.

Nunmehr lautet der Bodenname: Amphialbic Endostagnic Luvisol (Aric, Cutanic, Endoloamic, Ochric, Anosiltic).

Die Verwendung der Codes aus dem Anhang 3 des WRB-Dokuments erlaubt uns folgende Kurzschreibweise: LV-stn.abm-ai.ct.lon.oh.sia.

Beispiel für die Erstellung von Kartenlegenden mit der WRBBearbeiten

Unser Beispielboden Amphialbic Endostagnic Luvisol (Aric, Cutanic, Endoloamic, Ochric, Anosiltic) soll 60 % der Fläche der Kartiereinheit einnehmen. Die anderen 40 % seien von einem Eutric Endoluvic Amphialbic Stagnosol (Humic, Endoloamic, Anosiltic) eingenommen. Somit lautet der Name der Kartiereinheit:

Erstes Maßstabsniveau:

  • dominant: Luvisols
  • codominant: Stagnosols

Zweites Maßstabsniveau:

  • dominant: Stagnic Luvisols
  • codominant: Albic Stagnosols

Drittes Maßstabsniveau:

  • dominant: Albic Stagnic Luvisols
  • codominant: Luvic Albic Stagnosols

Viertes Maßstabsniveau:

  • dominant: Albic Stagnic Luvisols
  • codominant: Eutric Luvic Albic Stagnosols

Die Verwendung der tiefenbezogenen Specifier ist bei Kartenlegenden wegen der erforderlichen Generalisierungen nicht empfehlenswert.

Im vierten Maßstabsniveau sind drei Principal Qualifier vorgesehen. Unser dominanter Boden hat aber nur zwei.

Auf jedem Maßstabsniveau können optionale Qualifier hinzugefügt werden. Wer z. B. in besonderem Maße den Kohlenstoffhaushalt beschreiben will, kann bereits im ersten Maßstabsniveau schreiben:

  • dominant: Luvisols (Ochric)
  • codominant: Stagnosols (Humic)

Wer auf die Genese Bezug nehmen will, kann diese auch im ersten Maßstabsniveau schon deutlicher wiedergeben:

  • dominant: Luvisols (Stagnic)
  • codominant: Stagnosols (Luvic)

Die Kombination von beidem im zweiten Maßstabsniveau würde lauten:

  • dominant: Stagnic Luvisols (Ochric)
  • codominant: Albic Stagnosols (Luvic, Humic)

LiteraturBearbeiten

  • IUSS Working Group WRB: World Reference Base for Soil Resources 2014. (= World Soil Resources Reports. 106). Update 2015. FAO, Rome 2015, ISBN 978-92-5-108369-7 (PDF; 2,3 MB).
  • P. Schad, S. Dondeyne: World Reference Base for Soil Resources. In: R. Lal (Hrsg.): Encyclopedia of Soil Science. 3. Auflage. CRC Press, New York 2017, S. 2650–2653.
  • W. Zech, P. Schad, G. Hintermaier-Erhard: Böden der Welt. 2. Auflage. Springer-Spektrum, Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-36574-4.
  • W. Amelung, H.-P. Blume, H. Fleige, R. Horn, E. Kandeler, I. Kögel-Knabner, R. Kretschmar, K. Stahr, B.-M. Wilke: Scheffer/Schachtschabel Lehrbuch der Bodenkunde. 17. Auflage. Heidelberg 2018, ISBN 978-3-662-55870-6.
  • W. E. H. Blum, P. Schad, S. Nortcliff: Essentials of Soil Science. Soil formation, functions, use and classification (World Reference Base, WRB). Borntraeger Science Publishers, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-443-01090-4.
  • IUSS Working Group WRB: World Reference Base for Soil Resources 2006. (= World Soil Resources Reports. 103). FAO, Rome 2006, ISBN 92-5-105511-4.
  • World Reference Base for Soil Resources, by ISSS–ISRIC–FAO. (= World Soil Resources Reports. 84). FAO, Rome 1998, ISBN 92-5-104141-5.
  • FAO–UNESCO: Soil map of the world. Volume 1, Legend. Paris 1974.
  • FAO: Guidelines for Soil Description. Prepared by R. Jahn, V. Asio, H.-P. Blume, O. Spaargaren and P. Schad. Rome 2006, ISBN 92-5-105521-1 (PDF).
  • H.-P. Blume, P. Schad: 90 Years of Soil Classification of the IUSS. In: IUSS Bulletin. 126, 2015, S. 38–45 (PDF).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 90 years of soil classification of the IUSS. In: IUSS Bulletin. 126, S. 38–45.
  2. Ableitung des WRB-Namens (2015) Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.
  3. IUSS Working Groups
  4. WRB homepage
  5. WRB 2015