Wilhelm Pötters

deutscher Romanist

Wilhelm Pötters (* 28. August 1941 in Sevelen) ist ein deutscher Romanist. 

Leben und WerkBearbeiten

Nach dem 1961 am Friedrich-Spee-Gymnasium in Geldern erworbenen Abitur studierte Pötters Romanische und Deutsche Philologie, Allgemeine Sprachwissenschaft, Philosophie und Pädagogik an den Universitäten Bonn, Köln, Grenoble und Lissabon. 1970 wurde er an der Universität zu Köln promoviert mit einer Dissertation über einen Vergleich des Wortschatzes der iberoromanischen Sprachen. Frucht seines Engagements in der universitären Lehre ist eine zusammen mit Annegret Bollée verfasste, ab 1974 in mehreren Auflagen erschienene Einführung in die französische Sprachwissenschaft. Er habilitierte sich 1981 in Köln mit einer – Boccaccio concessivo überschriebenen – Arbeit zu Syntax und Textstruktur in den Novellen des Decameron, die er in zwei separaten Bänden veröffentlichte. Seit dieser zugleich linguistisch und literaturwissenschaftlich angelegten Studie hat er mit einem ähnlichen interdisziplinären Ansatz andere zentrale Werke der mittelalterlichen italienischen Literatur gedeutet.

Von 1971 bis 1982 war Pötters im Romanischen Seminar der Universität zu Köln als Wissenschaftlicher Assistent und im dortigen Dekanat der Philosophischen Fakultät als Akademischer Rat tätig. Von 1982 bis 2003 vertrat er an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg den romanistischen Lehrstuhl für Sprachwissenschaft von Theodor Berchem. Dann besetzte er diesen Lehrstuhl bis zu seiner Pensionierung 2006, lehrte dort aber noch bis 2013 und lehrt seit 2008 auch wieder in Köln. Einen 1993 an ihn ergangenen Ruf an die Universität Leipzig auf eine Professur für „Geschichte der romanischen Sprachen und Literaturen im Mittelalter“ lehnte er ab.

Er ist Ehrenmitglied der Società Dantesca Italiana in Florenz.

Pötters erregte Aufsehen mit der These, dass in die ursprüngliche Struktur der um 1230/40 in Sizilien entstandenen Gedichtform des Sonetts und im Zyklus der Laura-Gedichte von Francesco Petrarca eine Definition der Kreiszahl Pi und der Schlüsselzahl des Goldenen Schnitts (1/Phi) eingearbeitet ist. In zahlreichen Studien – so zuletzt 2018 in einer umfangreichen mathematisch-kosmologischen Exegese von Dantes Divina Commedia – hat er nachgewiesen, dass die Dichter-Philosophen des italienischen Mittelalters für die beiden irrationalen Zahlen Pi und Phi, deren Unbestimmbarkeit sie mit der Unerreichbarkeit der von ihnen besungenen donna in allegorische Beziehung setzten, erstaunlich genaue Näherungswerte kannten. Indem sie diese Zahlen zu ästhetischen Prinzipien der Komposition ihrer poetischen Texte erhoben, sahen sie sich in der Lage, mit den entsprechenden Konzepten Kreisform und Harmonische Teilung zwei zentrale vom Deus geometra in seinem schöpferischen Werk verwendete Instrumente in der eigenen Arbeit nachzuahmen.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • Unterschiede im Wortschatz der iberoromanischen Sprachen. Beitrag zu einer vergleichenden spanisch-portugiesischen Semantik, Kleikamp, Köln 1970.
  • (mit Annegret Bollée) Sprachwissenschaftlicher Grundkurs für Studienanfänger Französisch. Materialien zur Einführung in die französische Sprachwissenschaft. Narr, Tübingen 1974, 7. Auflage 1995.
  • Chi era Laura? Strutture linguistiche e matematiche nel „Canzoniere“ di Francesco Petrarca. Mulino, Bologna 1987.
  • Begriff und Struktur der Novelle. Linguistische Betrachtungen zu Boccaccios „Falken“. Niemeyer, Tübingen 1991.
  • Negierte Implikation im Italienischen. Theorie und Beschreibung des sprachlichen Ausdrucks der Konzessivität auf der Grundlage der Prosasprache des Decameron. Niemeyer, Tübingen 1992.
  • Nascita del sonetto. Metrica e matematica al tempo di Federico II. Longo, Ravenna 1998.
  • Circolarità e armonia. Principî geometrici nella poesia medievale – Dai Siciliani a Dante, in: Claudio Bartocci/Piergiorgio Odifreddi, La matematica. Vol. 3: Suoni, parole, forme. Einaudi, Turin 2011, 703–762.
  • Chi era Beatrice? Teoria e allegoria del cosmo nella poesia di Dante. Aracne Editrice, Canterano (RM) 2018.

LiteraturBearbeiten

  • Philologische Grenzfälle oder die Quadratur des Kreises. Festschrift für Wilhelm Pötters. Hrsg. von Joachim Christl, Sandra Ellena und Andrea S. Landvogt. Ibidem, Stuttgart 2005, 2012.

WeblinksBearbeiten