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Wiesbadener Straße (Berlin)

zwei Kilometer lange Straße in Berlin

Die Wiesbadener Straße ist eine rund zwei Kilometer lange Straße in Berlin. Sie beginnt in Ost-West-Richtung am Friedrich-Wilhelm-Platz im Ortsteil Friedenau, Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Nach Überqueren der Bezirksgrenze zum Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf führt sie durch den Ortsteil Wilmersdorf bis zur Mecklenburgischen Straße / Breiten Straße, wo sie die Ortsteilgrenze zu Schmargendorf erreicht.

Wiesbadener Straße
Wappen
Straße in Berlin
Wiesbadener Straße
Die evangelische Kirche Zum Guten Hirten auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz am östlichen Ende der Wiesbadener Straße
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Friedenau,
Wilmersdorf
Angelegt vor 1873
Hist. Namen Schmargendorfer Straße,
Kasseler Straße
Anschluss­straßen Friedrich-Wilhelm-Platz,
Breite Straße
Querstraßen (Auswahl)
Stubenrauchstraße,
Laubacher Straße,
Südwestkorso,
Rüdesheimer Straße,
Binger Straße,
Mecklenburgische Straße
Plätze Friedrich-Wilhelm-Platz,
Schillerplatz
Bauwerke Kirche Zum Guten Hirten,
Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr, ÖPNV
Technische Daten
Straßenlänge 2000 Meter

Ortsteile, Benennung, erste BebauungBearbeiten

Die ursprüngliche Trasse dieser Straße soll ein alter Weg von Friedenau über die Flur von Wilmersdorf nach Schmargendorf gewesen sein.[1] Auf einer Landkarte von 1869, also vor der Gründung von Friedenau, ist er noch nicht verzeichnet.[2]

  • In Friedenau wurde die vom Ortszentrum nach Schmargendorf führende Straße ab 26. Oktober 1872 offiziell Schmargendorfer Straße genannt.[3] Die Straße wurde westlich des Friedrich-Wilhelm-Platzes um 1890 in Kasseler Straße umbenannt und erhielt um 1902 ihren heutigen Namen, benannt nach der Stadt Wiesbaden.[4] Der östliche Teil hingegen, seit 1891 durch eine Kirche städtebaulich abgetrennt, wurde nie umbenannt und trägt den alten Namen bis heute.
  • In Wilmersdorf wird die Straße bereits auf einem Stadtplan von 1893 als Wiesbadener Straße bezeichnet.[5] Um 1905 wurde an der Südseite der Straße westlich der Binger Straße ein Wiesbadener Platz ausgewiesen[6] und etwa 20 Jahre später wieder aufgehoben. Der Abschnitt war bis mindestens 1908[7] noch völlig unbebaut, auch 1913 standen lediglich zwei Häuser an der Grenze zu Friedenau.[8] Der Luisenstädtische Bildungsverein führt auf, dass die Straße in Wilmersdorf amtlich erst am 19. August 1909 diesen Namen erhielt,[4] während das Adressbuch „für 1908“ auch geplante Straßenbenennungen angibt, die voraussichtlich erst während der Nutzungszeit des Adressbuchs wirksam werden, damit sich die Suchenden dann auch daran orientieren können.
  • In Schmargendorf verlief ursprünglich der westliche Teil der Straße. Auf der Grenze wurde die Norderneyer Straße[6][8] angelegt, vielleicht auch teilweise nur geplant. Diese besteht heute nur noch in ihrem südlichen Abschnitt und erreicht die Wiesbadener Straße nicht mehr, stattdessen verläuft hier der unauffällige Franz-Cornelsen-Weg. Um 1939 kam dieser Abschnitt zum Ortsteil Wilmersdorf.

Auf einem Luftbild von 1928[9] ist erkennbar, dass die Wiesbadener Straße noch im Jahr 1928 lediglich auf dem Teil östlich der heutigen Autobahnüberbauung bereits ausgebaut war. Westlich davon befand sich ein kleinräumig genutztes Gebiet mit vielen Wegen, wahrscheinlich eine Kleingartenkolonie. Die Wiesbadener Straße führt als einer von vielen schmalen Wegen hindurch, die Norderneyer Straße existiert in diesem Bereich gar nicht. Die Stadtpläne aus jener Zeit, auf denen in diesem Gebiet nur wenige Straßen verzeichnet sind, stellen lediglich den damaligen Planungsstand dar.

VerlaufBearbeiten

Vom Friedrich-Wilhelm-Platz zur Laubacher Straße (Friedenauer Gebiet)Bearbeiten

 
Wiesbadener /Ecke Rheingaustraße

Die Wiesbadener Straße beginnt am Friedrich-Wilhelm-Platz in Höhe der Kirche Zum Guten Hirten. Sie kreuzt am Schillerplatz die Stubenrauchstraße. Ursprünglich war dieser Platz in Form eines Rondells angelegt worden und hatte in den Anfängen der Gemeinde Friedenau den Namen Schmargendorfer Platz. Er war – wie auch die Wiesbadener Straße – Teil der Friedenauer Carstenn-Figur, einer regelmäßigen städtebaulichen Anordnung von Straßen und Plätzen, dessen Pendant der heutige Renée-Sintenis-Platz (bis 1967 Wilmersdorfer Platz) östlich des Friedrich-Wilhelm-Platzes ist. Anlässlich des 100. Todestages des Dichters Friedrich Schiller erhielt er im Mai 1905 seinen heutigen Namen. Zu dieser Zeit war er zu einem – mit gärtnerischen Anlagen versehenen – Schmuckplatz umgestaltet worden. Um Ende der 1950er Jahre einen besseren Verkehrsfluss zu gewährleisten (insbesondere dem der damaligen BVG-Omnibus-Linie 17 zum S-Bahnhof Grunewald), wurde 1957 die Wiesbadener Straße verbreitert und im rechten Winkel über die Stubenrauchstraße geführt. Ursprünglich war 1960 vorgesehen, den Schillerplatz amtlich aufzuheben, was aber dann doch unterlassen wurde. Heute zeugt noch der kleine Schiller-Park als kleine viergeteilte Grünanlage von der ehemaligen Form des Platzes.

Weiter westlich passiert die – hier mit Platanen bestandene – Straße auf der südlichen Seite den Sportplatz der Rheingau-Oberschule zwischen Homuth- und Rheingaustraße. Unweit von hier in der Rheingaustraße 8 lebte der Lyriker Rainer Maria Rilke. Die Wiesbadener Straße verlässt an der (verkehrstechnisch komplizierten) Doppelkreuzung Laubacher Straße und Südwestkorso den Ortsteil Friedenau. Auf dem – die Wiesbadener Straße kreuzenden – Südwestkorso wurden Mitte der 1980er Jahre als Modellversuch im Zuge der „Veloroute K“ die ersten Fahrradstreifen Berlins angelegt, die sich seitdem bewährt haben.

Von der Laubacher zur Mecklenburgischen Straße (Wilmersdorfer Gebiet)Bearbeiten

Hinter der Kreuzung mit dem Südwestkorso verlässt die Wiesbadener Straße den Ortsteil Friedenau und durchläuft im Ortsteil Wilmersdorf das Rheingauviertel. Teile dieser Ortslage mit dem nur wenige Meter entfernten Rüdesheimer Platz wurde um 1905 von Georg Haberland unter ästhetischen Aspekten und – angeregt durch die reformerischen Ideen aus der englischen Architektur im Landhausstil geplant – um 1910 fertiggestellt. Diese Wohnsiedlung um den Rüdesheimer Platz gilt als vorbildliche Frühform einer aufgelockerten Bauweise im Grünen.

Weiter führt die Wiesbadener Straße ab der Rüdesheimer Straße teilweise an Gärten und lockerer Bebauung vorbei – unter anderem befindet sich an der Aßmannshauser Straße das IBZ Berlin – und kreuzt die Johannisberger und die Binger Straße bis hin zur Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße, einem Wohnkomplex, der den Zubringer (ehemals: A 104) zum Berliner Stadtring tunnelartig überdeckt und zwischen 1976 und 1980 erbaut wurde. Das Hauptgebäude dieser Überbauung erreicht eine Gesamtlänge von 600 Metern und eine maximale Höhe von 46 Metern. Es hat in den mittleren Riegeln 14 Geschosse und beinhaltet 1064 Wohneinheiten. Damit zählt es zu den größten zusammenhängenden Wohnkomplexen Europas. In der angrenzenden Randbebauung sind weitere 694 Wohneinheiten untergebracht, was eine Gesamtanzahl von 1758 Wohneinheiten auf dem Areal ergibt. Es wurden hierbei insgesamt 120 verschiedene Grundrissvarianten realisiert.

Auf den letzten 400 Metern der Wiesbadener Straße befindet sich nördlich ein kleines Einkaufszentrum, bevor sie dann an der Kreuzung Mecklenburgische und Breite Straße endet. Weiter in Richtung Westen erreicht man dann über die Breite Straße den Ortskern von Schmargendorf.

VerkehrBearbeiten

Die Wiesbadener Straße wird auf voller Länge von der Omnibus-Linie 186 durchfahren. An der Bundesallee liegt der U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz. Hier verkehren die Züge der Linie U9 (zwischen Osloer Straße und Rathaus Steglitz). Am U-Bahnhof Rüdesheimer Platz fahren die Züge der Linie U3, die zwischen Warschauer Straße und Krumme Lanke verkehren.

Die Wiesbadener Straße ist eine beliebte Verbindung für Radfahrer von der Innenstadt in den nahegelegenen Grunewald, weil das Verkehrsaufkommen hier geringer ist als auf vergleichbaren Straßen.

LiteraturBearbeiten

  • Hermann Ebling: Friedenau – Aus dem Leben einer Landgemeinde, 1871–1924. Zinsmeister und Grass, Berlin 1986, ISBN 3-9801309-0-8.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schmargendorfer Straße (Wilmersdorf). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  2. Landkarte von 1869 mit einzelnen Nachträgen bis 1899 (Memento des Originals vom 13. April 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.alt-berlin.info auf Alt-berlin.info
  3. Schmargendorfer Straße (Friedenau). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  4. a b Wiesbadener Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  5. Stadtplan von 1893@1@2Vorlage:Toter Link/www.alt-berlin.info (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf Alt-berlin.info
  6. a b Stadtplan von 1907 auf Blocksignal.de
  7. Wiesbadener Straße. In: Berliner Adreßbuch, 1908, Teil V, Wilmersdorf, S. 584.
  8. a b Wiesbadener Straße. In: Berliner Adreßbuch, 1913, Teil V, Wilmersdorf, S. 539.
  9. Luftbild von 1928 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Berlin

Koordinaten: 52° 28′ 18″ N, 13° 19′ 8″ O