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Signalstelle C Am Betteck am linken Bildrand, Blick talwärts
Wahrschauer am Bankeck, 1. April 1955

Wahrschau am Mittelrhein bezeichnet das Lotsen des Schiffsverkehrs durch das Mittelrheintal mit Hilfe von Lichtsignalanlagen. Dieser Abschnitt des Rheins ist aufgrund starker Strömung, enger Kurven und Untiefen für Schiffe sehr gefährlich.

Wahrschauen bedeutet in der See- und Binnenschifffahrt „Achtung“ oder „Vorsicht“ gebieten.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Kapitäne der Rheinschiffe von speziellen Wahrschaustationen vor Gefahren gewarnt. 1972 wurde auf Lichtsignalanlagen umgerüstet, die von den Signalstellen Bankeck, Betteck und Ochsenturm bedient wurden. Seit 1993 konnten die Signalstellen zwar zentral gesteuert werden, die Überwachung an den drei Stationen war aber nach wie vor nötig. Erst mit Inbetriebnahme der Radarüberwachung im Jahr 1997 geschieht beides von der Revierzentrale Oberwesel aus, einer Betriebsstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes Bingen.

Inhaltsverzeichnis

Strecke Oberwesel – Sankt GoarBearbeiten

 
Vorsignal gegenüber der Kraus-Aue bei Rüdesheim 1972

Auf der Strecke zwischen Oberwesel und Sankt Goar wird seit 1972 der Schiffsverkehr mit Lichtsignalanlagen nach § 12.02 der Rheinschifffahrtspolizeiverordnung (RheinSchPV) geregelt. Diese Regelung ist notwendig, da durch das enge und kurvenreiche Tal kein ausreichender Sichtkontakt für die Schiffe besteht und auch der direkte Sprechfunkverkehr zwischen den Schiffen nicht störungsfrei durchgeführt werden kann. Früher wurden die Schiffer mit Flaggensignalen „gewahrschaut“.

Ursprünglich war eine fünf Kilometer lange Strecke zwischen Oberwesel und Sankt Goar in vier Wahrschauabschnitte unterteilt. Seit der Änderung der RheinSchPV vom 29. November 2012 gibt es nun mit Wirkung vom 1. Dezember 2013 auf ca. sieben Kilometer sieben neu gegliederte Abschnitte:[1]

  1. km 548,50 – km 549,50,
  2. km 549,50 – km 550,57,
  3. km 550,57 – km 551,30, Ochsenturm Oberwesel bis unterhalb Tauberwerth
  4. km 551,30 – km 552,40, Tauberwerth bis oberhalb Geisenrücken (Felsen in der Flussmitte und Fahrwasserteilung)
  5. km 552,40 – km 553,60, Geisenrücken bis Betteck
  6. km 553,61 – km 554,34, Betteck bis Loreley
  7. km 554,34 – km 555,43, ab Signalstelle E, an der Bank

Schiffe, die in die Wahrschaustrecke einfahren, müssen sich über Funk bei der Revierzentrale melden. Diese stellt dann entsprechend der Schiffsgröße die Signale für die Bereiche, die die Schiffe durchfahren. Die Bergfahrt meldet sich unterhalb des Bankecks und die Talfahrt oberhalb des Ochsenturms. Vor dem Umfahren des Bankecks und des Bettecks müssen die Bergfahrer gegebenenfalls die Talfahrt abwarten. Die Talfahrt ist in diesem Abschnitt und vorangehend bereits ab Bingen (km 530) nachts nur Fahrzeugen mit Radar erlaubt.

SignalstellenBearbeiten

Die Signalstellen befinden sich alle am linken (also westlichen) Ufer, werden von der Revierzentrale in Oberwesel gesteuert und mit vier Landradarstationen überwacht. Die Zentrale ist über UKW-Kanal 18 erreichbar und rund um die Uhr besetzt. Die Radarstationen befinden sich in Oberwesel, gegenüber dem Kammereck, gegenüber der Loreley und an der Signalstation E An der Bank.

Signalstelle Standort Fluss-km sichtbar für zeigt an
A Am Ochsenturm 550,57 Talfahrt weißes Licht: Talfahrt frei; 2 rote Lichter: Talfahrt gesperrt
B Am Kammereck 552,80 Talfahrt weißes Licht: Verband von über 110 Meter Länge passiert das Betteck zu Berg; 2 rote Lichter: Talfahrt gesperrt
C Am Betteck 553,61 Bergfahrt Talfahrt in den Abschnitten 1 bis 3 auf drei Signalfeldern
D Gegenüber der Loreley (Lützelsteine) 554,34 Bergfahrt Talfahrt in den Abschnitten 1 bis 3 auf drei Signalfeldern; 2 rote Lichter: Bergfahrt gesperrt
E An der Bank 555,43 Bergfahrt Talfahrt in den Abschnitten 3 und 4 auf zwei Signalfeldern; 2 rote Lichter: Bergfahrt gesperrt

Die Signalfelder zeigen mit ein bis drei leuchtenden Balken den entgegenkommenden Talverkehr in den jeweiligen Abschnitten an:

  Keine Talfahrt
  Mindestens 1 Einzelfahrer bis 110 m Länge
  Mindestens 1 Einzelfahrer über 110 m Länge oder 1 Verband bis 110 m Länge
  Mindestens 1 Verband über 110 m Länge

BeispieleBearbeiten

Signalstelle E An der Bank bei St. Goar für die Bergfahrt mit Lotsenmuseum.
Angezeigt wird: Mindestens ein zu Tal kommender Einzelfahrer bis 110 m in Abschnitt 4 sowie mindestens ein Talfahrer über 110 m oder ein Verband bis 110 m in Abschnitt 3.
Signalstelle C Am Betteck für die Bergfahrt.
Angezeigt wird: mindestens ein Talfahrer bis 110 m in Abschnitt 3, keine Talfahrt in den Abschnitten 2 und 1.

Wahrschau 1910Bearbeiten

 
Mäuseturm 1910 mit Flaggenstöcken für die Wahrschau
 
Wahrschaustation Wirbelley bei Lorchhausen 1969
 
Die Wahrschaustation in Koblenz-Pfaffendorf

In der Rheinschiffahrts-Polizeiverordnung von 1910 ist die Wahrschau auf der Strecke von Bingen bis Sankt Goar geregelt. Wahrschauer waren an folgenden Stellen eingerichtet:

Die zu Berg fahrenden Schiffe wurden durch Aufziehen von Flaggen oder Körben auf die Talfahrt aufmerksam gemacht. Ein zu Tal fahrendes Schiff wurde mit einer roten Flagge angekündigt, ein Schleppzug mit einer weißen Flagge, ein Floß mit einer weißen und einer roten Flagge.

Die Wahrschauer für das zweite Fahrwasser am Binger Loch und für das linksseitige Fahrwasser oberhalb des Kammerecks zeigten anstelle der Flaggen gleichfarbige Körbe.

Wenn am Betteck oder am Bankeck neben der gewöhnlichen Flagge noch eine kleine rote Flagge gezeigt wurde, bedeutete dies, dass sich der angekündigte Talfahrer in Sicht des Wahrschaupostens befindet.

  • Eine weitere Wahrschaustation befand sich in Pfaffendorf vor der Koblenzer Schiffbrücke, die mit Unterbrechungen bis 1947 in Betrieb war. Wenn die Schiffbrücke in Koblenz offen war, gab sie den Schiffen mit einer Fahne die Durchfahrt frei.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Günther J. Janowitz: Warum ist es am Rhein so schön, ein Buch für Kenner und Liebhaber – Technik, Romantik, Natur, Geschichte, Kunst, Schifffahrt in zwei Jahrtausenden – neuartige Rheinlauf-Karten von Mainz bis Köln. Verlag Sera-Print, Einhausen 2000, ISBN 3-926707-09-7.
  • Karl-Heinz Lautensack: Rheinschif(f)fahrt gestern und heute. Selbstverlag, 2003, ISBN 3-00-012331-8.
  • Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest: Kompendium der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest. Organisatorische und technische Daten, Binnenschifffahrt, Aufgaben, Wasserstraßen. Eigenverlag, Mainz Juni 2007.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Veröffentlichung zur neuen Lichtwahrschau Oberwesel – St. Goar Rhein-km 548,50 – 555,43 auf ELWIS.de (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.elwis.de, PDF-Datei