Vila de Liquiçá

Stadt in Osttimor

Vila de Liquiçá (Liquiçá) ist die Hauptstadt der osttimoresischen Gemeinde Liquiçá und des Verwaltungsamts Liquiçá. Sie hat 5.152 Einwohner (2010).[2]

Vila de Liquiçá
Vila de Liquiçá (Osttimor)
Vila de Liquiçá
Vila de Liquiçá
Koordinaten 8° 36′ S, 125° 20′ OKoordinaten: 8° 36′ S, 125° 20′ O
Sucos Liquica.png
Basisdaten
Staat Osttimor

Gemeinde

Liquiçá
Höhe 28 m
Einwohner 5152 (2010)
Kultur
Partnerstädte Flag of Australia.svg Moonee Valley, Australien[1]
Blick auf Liquiçá. Im Zentrum Dato, links der Fluss Gularkoo, rechts der Fluss Laklo
Blick auf Liquiçá. Im Zentrum Dato, links der Fluss Gularkoo, rechts der Fluss Laklo

GeographieBearbeiten

 
Klimadiagramm von Liquiçá[3]

Liquiçá liegt an der Küste der Straße von Ombai, einer Verlängerung der Sawusee, auf einer Meereshöhe von 87 m. Sie liegt 32 km westlich von der Landeshauptstadt Dili. Das Zentrum der Stadt, mit Verwaltungssitz des Gemeindeadministrators und der katholischen Kirche, befindet sich im Suco Dato (Verwaltungsamt Liquiçá), zwischen den Mündungen der Flüsse Laklo und Gularkoo. Hier befinden sich die Ortsteile Dato, Leopa und Camalelara. Jenseits des Gularkoos dehnt sich die Stadt auf dem Gebiet des Sucos Maumeta (Verwaltungsamt Bazartete) bis zum Fluss Carbutaeloa aus. Pissu Lete im Suco Lauhata, am Ostufer des Carbutaeloa, kann noch als Vorort Liquiçás angesehen werden, ebenso westlich des Laklos Kalapa und Camalehohoru (Suco Dato).[4][5] Dato und der südlich gelegene Suco Loidahar werden in den offiziellen Statistiken Osttimors als „urban“ definiert.[6]

Den Großteil des Jahres ist das Klima in Liquiçá heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit, allerdings wenig Niederschlägen. Nur in der Regenzeit fällt Regen zwischen November und April. Die Flüsse führen nur in dieser Zeit Wasser, dann aber tragen sie reißend Felsen und Erde mit. Das Temperaturmaximum beträgt 32,5 °C im November, die niedrigste Temperatur im Juli 22,4 °C.[7]

GeschichteBearbeiten

Ehemaliger Sitz des portugiesischen Administrators in Liquiçá
1910
2003

Liquiçá war eines der traditionellen Reiche Timors, die von einem Liurai regiert wurden. Es erscheint auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[8][9] Zusammen mit Luca herrschte es nach europäischen Quellen im 16. Jahrhundert über den Osten Timors. Hier wird Liquiçá als Likusaen bezeichnet. Der Name leitet sich von der alten Bezeichnung „Liku Saen“ ab, der „Python“ bedeutet.[10] Noch 1886 zahlte die zu den Niederlanden gehörende Insel Alor Tribut in Form von Reis, Mais, Baumwolle und anderem.

Während der Rebellionen in Portugiesisch-Timor zwischen 1860 und 1912 war der Liurai von Liquiçá ein loyaler Verbündeter der portugiesischen Kolonialherren, der mehrmals Truppen zur Niederschlagung der Rebellionen zur Verfügung stellte.[11] 1889 wurde der portugiesische Posten in Liquiçá erneuert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Portugiesisch-Timor von den Japanern besetzt (siehe Schlacht um Timor). In Liquiçá und Maubara wurde ab Ende Oktober 1942 die gesamte verbliebene portugiesischstämmige Bevölkerung in Lagern interniert. Die Bedingungen in dem Camp waren schlecht, Nahrungsmittel knapp und die Hygienebedingungen aufgrund von Wassermangel unzureichend. Viele Portugiesen starben deswegen. Zwar gab es einen portugiesischen Arzt, dem später zwei japanische Ärzte zugeteilt wurden, aber es fehlte an Medikamenten. Im ersten Jahr bewachten japanische Soldaten das Lager, später japanische Kempeitai, zusammen mit timoresischen Wachen und Spionen.[11]

Während der indonesischen Invasion griffen im Juni 1976 indonesische Truppen Liquiça an.[12] Ende 1979 gab es in Vila de Liquiçá ein sogenanntes Transit Camp, in denen die Besatzer osttimoresische Zivilisten internierten.[13] 1999 war Liquiçá Schauplatz zweier besonders schwerer Verbrechen während der Unruhen zur Zeit des Unabhängigkeitsreferendums.

Pfarrkirche São João de Brito
2015
2016

Der damalige Distrikt Liquiçá ein Zentrum der Gewaltwelle vor und nach dem Unabhängigkeitsreferendum und Schauplatz von Einschüchterungen, Vergewaltigungen und Mord durch pro-indonesische Milizen. Am 5. April wurde die Vila de Liquiçá von der Miliz Besi Merah Putih (BMP) angegriffen. Mindestens sieben Menschen starben, 150 Häuser wurden niedergebrannt, mehr als tausend Menschen suchten Schutz in der Hauptkirche und dem angrenzenden Pfarrheim, wo sie am Tag darauf von den Milizen Besi Merah Putih und Aitarak unter Beteiligung von indonesischer Polizei und Soldaten umzingelt wurden. Bei dem folgenden Kirchenmassaker von Liquiçá starben je nach Quelle zwischen 61 und 200 Menschen. Später wurden die Einwohner von Luculai, Loidahar und Darulete nach Vila de Liquiçá zwangsdeportiert. Hier zwang man sie mit Einschüchterungen und Misshandlungen die Autonomielösung im Referendum zu unterstützen, die einen Verbleib Osttimors bei Indonesien vorsah. Männer wurden, wenn sie nicht flohen, für die Milizen zwangsrekrutiert. Außerdem mussten die Menschen die Flagge Indonesiens setzen und Wachposten einrichten. Mädchen und junge Frauen mussten auf Feiern der Milizen tanzen. Etwa 150 Menschen flohen nach Dili, wo sie Zuflucht im Haus des Politikers Manuel Carrascalão suchten, das aber am 17. April selbst von den Milizen angegriffen wurde (Siehe: Massaker im Haus von Manuel Carrascalão).[13] Am 4. Juli 1999 griff die pro-indonesische Miliz Besi Merah Putih (BMP) einen Hilfskonvoi in Liquiçá an, der von Mitarbeitern von UNAMET und dem UNHCR begleitet wurde. Von den 77 Personen im Konvoi wurden mehrere einheimische Mitarbeiter schwer verletzt und die Fahrzeuge mit Stangen und Steinen zerstört. 62 Mitglieder des Konvois retteten sich in die Polizeistation. Später konnten sie nach Dili zurückkehren. Indonesische Polizisten und Mitglieder des Geheimdienstes, die anwesend waren, griffen nicht ein. Im Gegenteil. Eine Woche nach dem Vorfall begann die indonesische Polizei mit Ermittlungen gegen einen UN-Mitarbeiter wegen angeblichen Waffenbesitz.[13][14] Am 18. Juli folgte ein Angriff der BMP auf Vila de Liquiçá, worauf erneut Menschen in die Berge flohen.[13] Während der Ausschreitungen durch die Milizen wurden die meisten Gebäude Vila de Liquiçás zerstört, nur wenige Bauten aus portugiesischer und indonesischer Zeit sind übrig geblieben. Am 13. Oktober wurde zur Wiederherstellung der Ordnung eine australische Infanteriekompanie in der menschenleeren Stadt stationiert. Erst nach und nach kehrten die Einwohner zurück.[13]

Am 1. und 2. Januar 2008 kam es hier und in den Sucos Maumeta, Dato und dem benachbarten Luculai zu schweren Überschwemmungen. Menschen wurden nicht verletzt, aber 300 Familien verloren ihr Dach über dem Kopf.[15] Ende Januar 2012 wurden durch starke Regenfälle die Schule und 18 Häuser zerstört.

PolitikBearbeiten

Es gibt keine Stadtverwaltung für die gesamte Siedlung. Jedes Verwaltungsamt hat seinen eigenen Administrator, in den einzelnen Sucos werden von den Einwohnern der Chefe de Suco und die Suco-Räte gewählt. Darüber steht der Administrator der Gemeinde Liquiçá

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

 
Frauen- und Kindergemeindezentrum

In der Stadt befinden sich insgesamt eine Vorschule, fünf Grundschulen, zwei Präsekundärschulen und zwei Sekundärschulen. Außerdem befinden sich hier ein kommunales Gesundheitszentrum, eine Polizeistation und ein Hubschrauberlandeplatz.

In Dato liegen der ehemaliger Sitz des portugiesischen Administrators von Liquiçá der Sitz des heutigen Gemeindeadministrators, die katholische und die presbyterianische Kirche. Am 23. Dezember 2018 wurde ein chinesischer Tempel in Liquiçá. Bereits in der portugiesischen Kolonialzeit gab es einen in der Stadt.

WeblinksBearbeiten

Commons: Vila de Liquiçá – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Webseite des Außenministeriums Osttimors (Memento vom 15. Mai 2013 im Internet Archive)
  2. Direcção Nacional de Estatística: Preliminary Result of Census 2010 English (Memento des Originals vom 6. September 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dne.mof.gov.tl (PDF; 3,2 MB)
  3. Seeds of Life
  4. Landkarte des Ministeriums für Staatsadministration, 2015.
  5. Timor-Leste GIS-Portal (Memento vom 30. Juni 2007 im Internet Archive)
  6. Finanzministerium von Osttimor: Liquiça Suco Reports
  7. Liquiçá District Development Plan 2002/2003 (Memento des Originals vom 8. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.estatal.gov.tl (englisch; PDF; 376 kB)
  8. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história (Memento des Originals vom 13. November 2001 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/oecussi.no.sapo.pt
  9. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR (Memento vom 21. Februar 2004 im Internet Archive)
  10. Suai Media Space: Koba Lima − Suai
  11. a b History of Timor – Technische Universität Lissabon (Memento des Originals vom 24. März 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/pascal.iseg.utl.pt (PDF; 824 kB)
  12. „Part 3: The History of the Conflict“ (PDF; 1,4 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  13. a b c d e „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (Memento des Originals vom 28. November 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cavr-timorleste.org (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  14. ETAN: July 4 Militia Attack on the Humanitarian Team in Liquiça: Another Slap in the Face to the UN (Sommer 1999) ISSN 1088-8136
  15. Relief Web, 7. Januar 2008, Timor-Leste: Humanitarian update, 21 Dec - 07 Jan 2008