Vertrag von Arnswalde

Lehnsvertrag aus dem Mittelalter

Der Vertrag von Arnswalde wurde am 1. April 1269 zwischen Herzog Mestwin II. von Pommerellen auf der einen Seite und den Markgrafen Johann II., Otto IV. und Konrad I. von Brandenburg auf der anderen Seite abgeschlossen.

Mit dem Vertrag nahm der souveräne Herzog Mestwin II. seinen Teil am Herzogtum Pommerellen von den brandenburgischen Markgrafen pro forma zu Lehen. Daneben übergab er ihnen als unmittelbare Pfandherrschaft das Land Belgard. Als Gegenleistung übernahmen es die Markgrafen, die Tochter von Herzog Mestwin II., Katharina, zu verheiraten, also insbesondere die Kosten hierfür zu übernehmen. Ferner verpflichteten sich die Markgrafen, Herzog Mestwin II. jährlich 100 Mark Silber oder 100 Maaß Getreide zu geben.

In der Folge wurde zwar Prinzessin Katharina verheiratet, und zwar an den Fürsten Pribislaw II. von Parchim-Richenberg. Doch blieb der Vertrag im Übrigen lediglich eine Episode in der unsteten Politik des pommerellischen Herzogs. Die Brandenburger besetzten im Jahre 1270 Danzig, woraufhin Herzog Mestwin II. Hilfe bei Herzog Boleslaw VI. von Großpolen suchte und mit dessen Hilfe die Brandenburger, seine formellen Suzeräne, wieder aus Danzig vertrieb.[1] Dennoch nahm Herzog Mestwin II. im Jahre 1273 mit dem Vertrag an der Dragebrücke nunmehr seine Lande Schlawe, Rügenwalde und Stolp von den Markgrafen Johann II. und Otto IV. zu Lehen, wodurch vorhergehende Lehnsverträge aufgehoben wurden.[2] In dem Pommerellischen Erbfolgestreit, der nach dem Tode von Herzog Mestwin II. im Dezember 1294 ausbrach, bildete der Vertrag von Arnswalde, der spätestens durch den Vertrag von Kempen 1282 seine juristische Gültigkeit verlor[3], die Anspruchsgrundlage der Brandenburger Markgrafen. Diesen Anspruch gab Markgraf Waldemar im Jahre 1309 auf, als er im Vertrag von Soldin das Herzogtum Pommerellen bzw. seinen Anspruch daran an den Deutschen Orden verkaufte.[4]

Der Vertrag von Arnswalde stellt zugleich die erste urkundliche Nennung von Arnswalde dar. Der in der Neumark gelegene Ort, in der Urkunde „Arnswolde“ geschrieben, war damals wohl erst ein befestigter Platz,[5] also noch keine Stadt.

UrkundentextBearbeiten

  • Max Perlbach (Hrsg.): Pommerellisches Urkundenbuch. Bertling, Danzig 1881–1916, Nr. 238. (Online)

LiteraturBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Bruno Schumacher: Geschichte Ost- und Westpreußens. 7. Aufl. Verlag Weidlich, Würzburg 1987, S. 44.
  2. Richard Roepell: Geschichte Polens, Perthes, Hamburg 1840, S. 552 ff. und Fußnote 31.
  3. K. Zielińska: Zjednoczenie Pomorza Gdańskiego z Wielkopolską pod koniec XIII wieku. Umowa kępińska 1282 r., Toruń 1968
  4. Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, S. 175.
  5. Werner Vogel: Arnswalde. In: Gerd Heinrich (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 10: Berlin und Brandenburg. Mit Neumark und Grenzmark Posen-Westpreußen (= Kröners Taschenausgabe. Band 311). 3., überarbeitete und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1995, ISBN 3-520-31103-8, S. 419.