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Verband der Studierenden der Universität Zürich

Der Verband der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH) ist die öffentlich-rechtliche Körperschaft der Studierenden der Universität Zürich und vertritt diese in ihren bildungspolitischen Anliegen gegenüber der Universität und dem Kanton Zürich. Er bietet ebenfalls Dienstleistungen für seine Mitglieder an.

Verband der Studierenden der Universität Zürich
(VSUZH)
Rechtsform Öffentlich‐rechtliche Körperschaft
Zweck Studierendenschaft, Studentische Vertretung
Sitz Rämistrasse 62, 8001 Zürich, Schweiz[1]
Gründung 1. Oktober 2012
Ort Zürich
Präsident Lukas Buser
Präsidentin Polina Pokrovskaya
Mitglieder ca. 13'000
Website vsuzh.ch

Inhaltsverzeichnis

OrganisationBearbeiten

Die rechtlichen Grundlagen zu den Aufgaben und zur Struktur des VSUZH finden sich in § 17 des Universitätsgesetzes des Kantons Zürich sowie in den Statuten des VSUZH.

Der VSUZH gliedert sich in folgende Organe:

MitgliederBearbeiten

Alle Studierenden der Universität Zürich sind automatisch Mitglied im VSUZH, können jedoch zu Beginn jedes Semesters austreten. Während die Mitglieder gesamthaft kein Organ im eigentlichen Sinne sind, können sie ihre Mitsprache in Form von Initiativen und Referenden, sowie in der Wahl des Rates ausüben.

RatBearbeiten

Der Rat bildet die Legislative des VSUZH und wählt alle weiteren Organe sowie die studentischen Vertretungen in Organe der Universität und des Verbands der Schweizer Studierendenschaften. Er wird alle zwei Jahre (erstmals im Mai 2013) durch sämtliche Studierenden der Universität gewählt, wobei nur Mitglieder das passive Wahlrecht besitzen.[2] Die 70 Sitze des Rates werden im Saint-Laguë Verfahren zugeteilt.

VorstandBearbeiten

Der Vorstand ist die Exekutive des VSUZH und führt das operative Tagesgeschäft.[3] Dies beinhaltet unter anderem die Rechnungsführung, die Vorbereitung der Ratssitzungen, sowie den Kontakt zu den Medien und der Universität. Ebenso bereitet er die Wahlen in den VSUZH vor und führt diese durch. Der Vorstand ist dafür verantwortlich, die Aufgaben und Aufträge zu erfüllen, die ihm vom VSUZH Rat übertragen werden. Dabei kann es sich z. B. um Anfragen, Vernehmlassungen oder Resolutionen handeln, oder um das Organisieren von Aktionen.

Er besteht aus sieben Mitgliedern, inklusive eines üblicherweise zweiköpfigen Co-Präsidiums. In seiner Arbeit wird er durch ein geschäftsführendes Sekretariat sowie eine Kommunikationsstelle unterstützt.

EinsprachekommissionBearbeiten

Die Aufgabe einer Judikative wird durch die Einsprachekommission (ESK) erfüllt. Sie behandelt Einsprachen gegen Beschlüsse der anderen Organe.[4] Entscheide der ESK können an die Rekurskommission der Zürcher Hochschulen, und von da an das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich, weitergezogen werden.

Studentische KommissionenBearbeiten

Der Rat bildet zur Bearbeitung bestimmter Themen und zur Erfüllung bestimmter Aufgaben verschiedene Kommissionen. Kommissionen existieren beispielsweise zu Geschäftsprüfung, Rechnungsprüfung, Dienstleistungen, Bildungspolitik, etc.

GeschichteBearbeiten

Als Quelle zur Geschichte dienen die Bücher "Wir sind, was wir erinnern" (Studierendenrat der Universität Zürich, 2008) und "Geschichte der Studentenschaft an der Universität Zürich" (Hans Erb, 1937).[5]

Die allgemeine Studentenversammlung und die studentischen Korporationen (1833 – 1919)Bearbeiten

Bei der Gründung der Universität 1833 war eine organisierte Studierendenschaft nicht vorgesehen. Bald bildete sich jedoch eine lose, ab und zu tagende Versammlung der Studierenden heraus — die Allgemeine Studentenversammlung (AStV). Während ihres fünfzigjährigen Bestehens nahm sie immer stärker an organisierter Form an, und wurde trotz fehlender offizieller Grundlage als glaubwürdige Stimme der Studierenden gesehen. Da sich doch de facto nur Verbindungsstudenten beteiligten (welche nur einen fünftel der Studierendenschaft ausmachten), beschloss die AStV 1888 ihre Auflösung.

Die nächsten Jahrzehnte blieben aber dennoch geprägt vom Gegensatz zwischen inkorporierten Verbindungsstudenten und den “wilden” restlichen Studierenden. Während dieser chaotischen Zeit gab es trotz mehrerer Anläufe und komplexer Kompromisslösungen kein Organ, welches für alle Studierenden sprechen konnte. Die Inkorporierten, welche die klare Minderheit stellten, sahen ihre Delegiertenkonvente – welche Frauen übrigens explizit ausschliessen – als einzig legitime Vertretung der Studierenden. Diese parallele Existenz der inkorporierten und nichtinkorporierten Studierendenschaften endete mit der Gründung der Studentenschaft.

Die Studentenschaft der Universität Zürich (1919 – 1978)Bearbeiten

1919 erliess der kantonale Erziehungsrat auf Initiative der Studierenden hin das erste Reglement über die Organisation der Studentenschaft. Die somit gegründete Studentenschaft der Universität Zürich (SUZ) unterschied sich in zwei wesentlichen Punkten von all ihren Vorgängerorganisationen: die Zwangsmitgliedschaft aller Immatrikulierten Studierenden (und die dazugehörigen semesterlichen Mitgliederbeiträge) sowie die Gleichbehandlung von inkorporierten und nichtinkorporierten Studierenden.

Durch ihre neue finanzielle Stabilität und Legitimation konnte die SUZ auch erreichen, was vorher nicht möglich war. So bot sie ein Reisebüro, die Zürcher Studierendenzeitung (ZS), Darlehen und Stipendien, Studierendenläden (durch die Zentralstelle ZSUZ), Wohnungsvermittlung und viele weitere Dienstleistungen an.

Nach 1968 wurde die SUZ zunehmend von der politischen Linken dominiert, was ihr viele Feinde verschaffte. 1977 reichten zwei Studenten einen Rekurs gegen die Pflichtgebühr der SUZ ein, mit dem Argument, für eine solche Zwangsmitgliedschaft bestehe keine gesetzliche Grundlage. Als der Regierungsrat die Rekurse guthiess, war das Schicksal der SUZ besiegelt. Nach über 50 Jahren wurde die Studentenschaft aufgelöst. Der Regierungsrat versuchte zwar, auf Verordnungsbasis eine neue Körperschaft mit Austrittsrecht zu gründen, doch diese wurde von den Studierenden nicht als legitim gesehen, und schlussendlich durch das Bundesgericht aufgrund fehlender gesetzlicher Grundlage aufgelöst.

Viele der Dienstleistungen der SUZ leben aber weiter: die ZS wird durch einen eigenen Verein getragen, die Darlehenskasse sowie die Zentralstelle der Studentenschaft wurden als Stiftungen ausgegliedert (wobei die ZSUZ 40 Jahre später Konkurs anmelden musste) und aus der Wohnungsvermittlung wurde die heutige WOKO.

VSU und StuRa (1978 – 2012)Bearbeiten

Um weiterhin studentische Delegierte in Gremien der Universität wählen zu können, wurde der direkt gewählte Erweiterte Grosse Studentenrat (EGStR) geformt, welcher jedoch ein reines Wahlgremium ohne politische Vertretungsfunktion war. Die Aufgabe der politischen Vertretung der studentischen Interessen wurde inoffiziell durch einen privatrechtlichen Verein übernommen: den Verband der Studierenden an der Universität Zürich (VSU). Obwohl der VSU eine klar linke Gruppierung war, was die Beziehungen zur Universität und zur Erziehungsdirektion natürlich erschwerte, galt er lange als Anspruchpartner für Medien und übernahm de facto die Aufgaben der SUZ.

Das Mandat des VSU endete aus zwei Gründen: erstens verschlechterte sich die finanzielle und personelle Situation des Vereins ab den 1990er Jahren immer schneller. Die Mitgliederzahlen sanken von Tausenden zu Hunderten, der Vorstand war kaum zu besetzen. 2005 wurde der Verein schlussendlich aufgelöst. Die Rechtsnachfolge des VSU wurde übrigens von einem Verein übernommen, der heute noch an der Uni aktiv ist: die kritische Politik, besser bekannt als kriPo.

Zweitens wurde 1994 der EGStR durch eine Totalrevision seiner Allgemeinen Geschäftsordnung in den Studierendenrat (StuRa) umgewandelt. Der signifikante Unterschied: der StuRa war kein reines Wahlgremium mehr, sondern hatte nun offiziell die Aufgabe, die Studierenden politisch zu vertreten. Diese Aufgabe erledigte er auch trotz fehlender Rechtspersönlichkeit und finanzieller Abhängigkeit von der UZH erfolgreich, jedoch mit dem stetigen Ziel, wieder ein verfasste Studierendenschaft – eine öffentlich-rechtliche Körperschaft – zu gründen.

Der VSUZH (2012 – heute)Bearbeiten

Nach 35 Jahren ohne verfasste Repräsentation der Studierenden stimmte der Kantonsrat am 29. August 2011 mit 99 Ja, 72 Nein und 0 Enthaltungen einem Antrag zu, den Verband der Studierenden der Universität Zürich (VSUZH) als öffentlich-rechtliche Körperschaft im Universitätsgesetz zu verankern. Neu mit Austrittsrecht, unabhängigen Fachvereinen und ohne allgemeinpolitisches Mandat. Als die Änderung am 1. Oktober 2012 in Kraft trat, existierte offiziell wieder eine verfasste Studierendenschaft. Die Statuten wurden durch den Universitätsrat genehmigt, die ersten Wahlen durchgeführt, und an der konstituierenden Sitzung vom 28. Mai 2013 nahm der VSUZH seine Arbeit auf.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. vsuzh.ch/de/info/kontakt
  2. [1] § 10ff. Statuten
  3. [2] § 14 Statuten
  4. [3] § 7 Statuten
  5. [4] Download PDF auf der Website des VSUZH