Umlaufberg

erhöhtes Gelände in einer Flussschlinge, die nach deren Durchbruch zurückgeblieben ist

Ein Umlaufberg ist das deutlich erhöhte Gelände innerhalb der Flussschlinge eines Talmäanders, das nach deren Durchbruch zurückgeblieben ist.[2][3] Das oft nur noch von einem kleinen Wasserlauf entwässerte oder völlig trocken liegende Tal der vormaligen Flussschlinge wird Umlauftal genannt.[2][3] Bisweilen wird auch deutlich höherliegendes, von einer Flussschlinge umgebenes Terrain so bezeichnet, obwohl dieses nicht vollständig von der umliegenden Hochfläche isoliert ist.[4]

Blick in ein Umlauftal des Neckars nördlich von Rottweil sowie auf Umlaufberge mit der Neckarburg (ganz rechts auf dem Foto).[1] Rechts daneben eine Karte mit Verzeichnung des Standortes, der Blickrichtung des Fotografierenden (roter Pfeil), und dem dortigen mutmaßlichen früheren Verlauf des Neckars (blaue Strichellinie).
Umlaufberg Lützelberg in Schelklingen, Schwäbische Alb: Abgeschnürter Mäander des Riß-kaltzeitlichen Ur-Donautals am Nordrand des Hochsträß.
The Rincon, ein 3,4 × 2,1 km großer abgeschnürter Mäander des Colorado River mit Umlaufberg, Glen Canyon, Utah, aufgenommen an Bord der ISS. Der Berg und das Umliegende Plateau bestehen aus Sandsteinen der Obertrias und des Unterjura (Chinle-Formation, Wingate-Sandstein und Kayenta-Formation)[5]

EntstehungBearbeiten

Bei mäandrierenden Flüssen erodieren die äußeren Ufer der Flussbiegungen, dort entstehen sogenannte Prallhänge. Das erodierte Geschiebe wird bei sogenannten frei mäandrierenden Flüssen am Ufer der Kurveninnenseite wieder sedimentiert, dort entstehen Gleithänge. Durch diesen Prozess wird der Flusslauf immer weiter seitlich ausgelenkt, es entstehen ausgeprägte Flussschlingen, die Mäander. Bei mäandrierenden Flüssen im Bereich von Hochflächen schneidet sich der Fluss durch Tiefenerosion zugleich auch in das Gelände ein. Die resultierende Talform wird Tal- oder Zwangsmäander genannt. Bei freien Mäandern wie bei Zwangsmäandern können sich zwei benachbarte Flussschlingen so weit einander annähern, dass es zwischen ihnen zum Durchbruch und mithin zu einer Laufverkürzung kommt. Bei einem zwangsmäandrierenden Fluss wird dadurch der vorher umkurvte Ausläufer der Hochfläche, der Mäandersporn, isoliert und nunmehr als Umlaufberg bezeichnet. Da der verkürzte Fluss sich aufgrund der Erhöhung des Gefälles dort verstärkt in die Hochfläche einschneidet, fällt der als Umlauftal bezeichnete Talabschnitt des Altarms in relativ kurzer Zeit weitgehend trocken.[6]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Umlaufberge und -täler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Umlaufberg – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. für weitere Einzelheiten zur Lokalität siehe:
    • Naturschutzgebiet Neckarburg. Info-Faltblatt des LUBW, 2. überarbeitete Auflage, Freiburg i. Br. 2015 (LUBW-Publikationsdienst).
    • Manfred Schöttle, Georg Burgmeier, Klaus J. Busch, Hugo Genser, Thomas Huth, Peter Spatz: Geotope im Regierungsbezirk Freiburg. Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Karlsruhe 2005. (LUBW-Publikationsdienst), S. 42.
  2. a b Umlaufberg. Spektrum Online-Lexikon der Geographie, 2001, abgerufen am 29. August 2020.
  3. a b Umlaufberg. Spektrum Online-Lexikon der Geowissenschaften, 2000, abgerufen am 29. August 2020.
  4. vgl. Theresia Markut: Der Umlaufberg im Thayatal – ein Berg voller Leben. In: Abhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich. Band 38 (Nationalparks in Österreich. GEO-Tag der Artenvielfalt 2010), 2012, S. 169–213 (online (PDF) auf ZOBODAT).
  5. Paul B. Anderson, Grant C. Willis, Thomas C. Chidsey, Jr., Douglas A. Sprinkel: Geology of Glen Canyon National Recreation Area, Utah-Arizona. S. 309–347 in: D. A. Sprinkel, T. C. Chidsey, Jr., P. B. Anderson (Hrsg.): Geology of Utah’s parks and monuments. Publication 28 (third edition). Utah Geological Association, Salt Lake City (UT) 2010 (ResearchGate), S. 342.
  6. Hans Murawski, Wilhelm Meyer: Geologisches Wörterbuch. 12. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8274-1810-4, S. 176.