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Museum Ulm (2015)

Das 1924 gegründete Museum Ulm (früher Ulmer Museum)[1] ist ein Museum für Kunst, Archäologie sowie Stadt- bzw. Kulturgeschichte in Ulm. Zu seinen Ausstellungen gehören die Archäologische Sammlung mit Funden aus der Ur- und Frühgeschichte des Ulmer Raums (darunter der „Löwenmensch“), Malerei und Skulptur der Spätgotik und Renaissance sowohl aus Ulm als auch aus Oberschwaben. Auch Zeugnisse des Kunsthandwerks vom 16. bis zum 19. Jahrhundert aus der Ulmer Handwerks-, Zunft- und Stadtgeschichte werden gesammelt und präsentiert. Gründungsdirektor und erster Fach-Kunsthistoriker des Museums Ulm war ab 1. April 1924 der Konservator und Hochschullehrer Julius Baum. Damit, so Erwin Treu, begann „dessen eigentliche Geschichte“. Es „entstand aus einer Rumpelkammer ein Institut“.[2]

Inhaltsverzeichnis

SammlungBearbeiten

UrgeschichteBearbeiten

 
Der Löwenmensch, 1939 bei einer archäologischen Grabung im Hohlenstein-Stadel des Lonetales entdeckt, wird in einer aufwändig gestalteten Kammer des Ulmer Museums aufbewahrt und präsentiert

Die archäologische Dauerausstellung des Museums wurde 2014 neu gestaltet, nachdem weitere Fragmente der 35.000 bis 41.000 Jahre alten Skulptur aus Mammut-Elfenbein am ursprünglichen Fundort im Lonetal geborgen werden konnten. Die teils tierische, teils menschliche Figur wird als Löwenmensch bezeichnet und stellt einen aufrecht stehenden Menschen mit dem Kopf und den Gliedmaßen eines Höhlenlöwen dar. In einem äußerst aufwändigen Restaurierungsprozess in den Jahren 2012/13 wurde die Figur aus über 300 Bruchstücken komplett neu zusammengesetzte und offenbart nun viele bis dahin nicht gekannte weitere Details.

Präsentiert wird neben dem Löwenmenschen vom Hohlenstein-Stadel auch sein Umfeld auf der Schwäbischen Alb. Zahlreiche alt- bis jungsteinzeitliche Exponate, unter anderem die Funde aus der benachbarten Bocksteinhöhle, werden gezeigt. Dazu gehört vor allem das Exponat eines Neandertaler-Oberschenkelknochens. Dies ist der bisher einzige Knochen dieser Menschenform in Baden-Württemberg. Dazu kommen mesolithische Bestattungen aus der Bocksteinhöhle und aus dem Hohlenstein-Stadel.[3]

Mittelalter und NeuzeitBearbeiten

 
Jörg Stocker: Kreuztragung (Ulmer Museum)
 
Nicht nur August Mackes Aquarell Mit gelber Jacke aus dem Jahre 1913 gehört zu den Beständen des Ulmer Museums, sondern auch andere repräsentative Werke des 20. und 21. Jahrhunderts.

Präsentiert werden im Museum Ulm viele wichtige Vertreter der Ulmer Schule. Die ganze Entwicklung der spätgotischen Kunst von Meister Hartmann und Hans Multscher über Martin Schaffner, Michel Erhart, Hans Schüchlin, Jörg Stocker, Niklaus Weckmann, Bartholomäus Zeitblom bis Daniel Mauch wird im Museum durch wertvolle Exponate demonstriert. Auch die Oberschwäbische und Allgäuer Kulturlandschaft der Spätgotik ist vertreten durch Werke von Bernhard Strigel und anderen, was gute direkte Vergleichsmöglichkeiten und Stilstudien zulässt.

Auch repräsentative Werke des 20. und 21. Jahrhunderts gehören zur Ulmer Sammlung, etwa Paul Klee, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke und Franz Marc.

Das Museum präsentiert immer wieder thematische Sonderausstellungen, die die komplizierten Zusammenhänge der Ulmer Spätgotik sichtbar machen. Forschungsschwerpunkte bilden dabei die Ulmer Künstlerfamilien um Hans Multscher, Jörg Syrlin (der Ältere), Jörg Syrlin (der Jüngere), Michel Erhart, Gregor Erhart und Daniel Mauch.

Seit dem 14. November 1999 ist eine Neurepräsentation im Erweiterungsbau zum Thema „Europäische und amerikanische Kunst nach 1945“ zu sehen. Zusätzlich wird in Wechselausstellungen Graphik des 20. Jahrhunderts mit Klassischer Moderne präsentiert.[4]

Freunde des Ulmer Museums e. V.Bearbeiten

Der Verein „Freunde des Ulmer Museums e. V.“ wurde 1982 in Ulm gegründet. Er unterstützt die speziellen Belange des Museums Ulm und fördert dessen wissenschaftliche Arbeit.

Sonderausstellungen (Auswahl)Bearbeiten

  • 1995: Der Löwenmensch. Der gegenläufige Spannungsbogen von gestern und heute: der Löwenmensch, 32.000 Jahre zurück: zur neuesten Technologie: das Jüngste und das Älteste. In Zusammenarbeit mit dem Museum für Moderne Kunst München, 20. Januar – 5. März
  • 2003: Tamara Grcic – Videos, Filme, Installationen, 20. Juli – 28. September
  • 2003: Ulmer Bürgerinnen & Söflinger Klosterfrauen, 30. August – 23. November
  • 2004: Carol Rama - Appassionata, 12. September - 14. November
  • 2004: Arno Schmidt, Vier mal Vier – Fotografien aus Bargfeld, 4. Dezember 2004 – 30. Januar 2005
  • 2005: Emil Nolde, Blickkontakte, frühe Portraits, 2. April – 15. August
  • 2005: Leiko Ikemura, Skulptur-Malerei-Zeichnung, 12. Februar – 24. April
  • 2006: Charlotte Salomon, Leben? Oder Theater? In Zusammenarbeit mit dem Joods Historisch Museum, Amsterdam, (Stationen: 16. März – 3. Juni 2007 Taxispalais, Innsbruck; 22. Oktober 2006 – 11. Februar 2007 Ulmer Museum; 12. Oktober 2005 – 15. Januar 2006 Sprengel Museum, Hannover; 11. März 2005 – 16. Mai 2005 Kunstsammlungen Chemnitz; 18. Juni – 22. August 2004 Das Städel, Frankfurt)
  • 2007: Die Kunst- und Wunderkammer des Christoph Weickmann, Reflektionen über eine Sammlung, 17. Februar – 29. April 2007
  • 2008: Michaela Melián: Speicher, 19. April – 22. Juni 2008
  • 2009: Kosmos und Marionette. Paul Klee und die Romantik, 8. März – 17. Mai 2009
  • 2011: Die Weissenhofer: Radical Research – Die Wurzeln der Wissenschaft, 3. April – 29. Mai 2011
  • 2015: MACK. Das Licht meiner Farben, 11. September 2015 – 10. Januar 2016
  • 2017: Walt Disney - Fantasien werden niemals alt, 20. Mai – 17. September 2017
  • 2017: Erwarten Sie Wunder! Das Museum als Kuriositätenkabinett und Wunderkammer, 20. Mai – 15. Oktober 2017

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Kataloge des Ulmer Museums. 1981-
  • Erwin Treu (Hrsg.): Ulmer Museum, Katalog I: Bildhauerei und Malerei vom 13. Jahrhundert bis 1600, Ulm 1981
  • Brigitte Reinhardt (Hrsg.): Michel Erhart & Jörg Syrlin d. Ä. – Spätgotik in Ulm. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1718-1

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Jürgen Kanold: Zwischenruf: Das Ulmer Museum heißt jetzt Museum Ulm. swp.de, 10. Mai 2017, abgerufen am 9. Juni 2017.
  2. Erwin Treu, Geschichte des Ulmer Museums, in: Ulmer Museum. Kataloge des Ulmer Museum, Katalog I, Bildhauerei und Malerei vom 13. Jahrhundert bis 1600, Ulm 1981, S. 12
  3. Eiszeitarchäologie auf der Schwäbischen Alb. Die Fundstellen im Ach- und Lonetal und in ihrer Umgebung, hrsg. von Nicholas J. Conard, Michael Bolus, Ewa Dutkiewicz und Sibylle Wolf, Kerns Verlag Tübingen, 2015, S. 255, ISBN 978 3 935751 24 7
  4. Ulm Stadtinformation

Koordinaten: 48° 23′ 49″ N, 9° 59′ 41″ O