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Conrad Felixmüller

deutscher Maler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit

Leben und WirkenBearbeiten

 
Hubert Rüther: Conrad Felixmüller
 
Conrad Felixmüller (rechts) und Max Schwimmer (1950)
 
Gedenktafel am Haus Kösterstraße 3, in Berlin-Zehlendorf
 
Gedenktafel am Haus, Rönnestraße 18, in Berlin-Charlottenburg
 
Tafel am Haus von Conrad Felixmüller in Tautenhain

Conrad Felixmüller war der Sohn des Dresdner Fabrikschmiedes Ernst Emil Müller und dessen Ehefrau Maria Carolina. Er wuchs als Conrad Felix Müller auf. Auf Anraten eines Kunsthändlers nahm er 1924 den Künstlernamen „Felixmüller“ an.

Expressionistische AnfängeBearbeiten

Nachdem er 1911 ein Musikstudium aufgegeben hatte, begann er im Herbst 1912 ein Studium an der Dresdner Kunstakademie. Im darauf folgenden Jahr entwickelte sich eine intensive Freundschaft zu Peter August Böckstiegel, der 1919 Conrads Schwester Hanna Müller heiratete. 1914 wurde er Meisterschüler von Carl Bantzer. Seine grafischen Techniken Holzschnitt, Kupfer- und Stahlstich sowie Radierung eignete sich Felixmüller autodidaktisch an.

Bereits 1915 machte er sich als freischaffender Künstler selbständig und stellte 1916 in der Galerie Sturm (Berlin) und 1917 in der Galerie Hans Goltz (München) aus. Im Jahr 1917 verweigerte er den Militärdienst und wurde als Krankenwärter zwangsverpflichtet. Ab 1918 wurde er zwei Jahre durch den Wiesbadener Kunstsammler Heinrich Kirchhoff finanziell gefördert. In dieser Zeit hielt er engen Kontakt nach Wiesbaden, wo er sich wiederholt aufhielt und sein Werk Familienbildnis Kirchhoff (1920; heute Museum Wiesbaden) entstand. 1919 wurde er Gründungsmitglied und Präsident der Dresdner Sezession Gruppe 1919 mit Lasar Segall, Otto Dix und Otto Griebel und Mitglied der Novembergruppe. Von 1919 bis 1924 war er Mitglied in der KPD.[1]

Sachlich-realistische PhaseBearbeiten

Er verfasste Bildbeiträge für die linken Zeitschriften Die Aktion und Menschen, stellte das Leben der Menschen im Ruhrgebiet in Bildern dar. 1928 gewann er den Großen Preis des Sächsischen Kunstvereins (Dresden) und stellte 1929 in der Berliner Galerie Gurlitt aus.

VerfemungBearbeiten

Zum Förderer in der Zeit des Nationalsozialismus wurde Hanns-Conon von der Gabelentz. Im Jahr 1933 wurden seine Werke in der Ausstellung „Entartete Kunst“ in Dresden geächtet. Im Jahr 1934 zog er nach Berlin-Charlottenburg. 1936 waren rund 40 seiner Werke Teil der nationalsozialistischen Ausstellung „Entartete Kunst“, Felixmüller wurde aus dem Verein Berliner Künstler ausgeschlossen. Im Jahr 1937 wurden seine Bilder aus allen öffentlichen Sammlungen entfernt. Die Nationalsozialisten vernichteten zwischen 1938 und 1939 insgesamt 151 seiner Werke. 2012 tauchte beim Schwabinger Kunstfund ein Aquarell „Paar in Landschaft“ (1924) auf.[2] Im Jahr 1941 verlegte er seinen Wohnsitz wegen der drohenden Bombardierung nach Darmsdorf. Sein Berliner Domizil wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört, und er zog 1944 nach Tautenhain bei Leipzig. Nach kurzem Kriegsdienst (1944/45) kam er 1945 in Sowjetische Kriegsgefangenschaft.[3]

RehabilitierungBearbeiten

Im Jahr 1949 wurde Felixmüller zum Professor an der Pädagogischen Fakultät der Universität Halle berufen. Hier lehrte er bis 1961 und ging nach seiner Emeritierung wieder zurück nach Berlin-Köpenick. Im Jahr 1967 siedelte er aus der DDR nach Berlin-Zehlendorf (West-Berlin) über, wo er, nur wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag, am 24. März 1977 starb.

Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Zehlendorf.[4] Am Grabstein befindet sich eine Relieftafel, die den Künstler an der Staffelei zeigt. Geschaffen hat sie der Bildhauer Heinz Spilker. Auf Beschluss des Berliner Senats ist die letzte Ruhestätte von Conrad Felixmüller (Feld 019/293-4) seit 2001 als Ehrengrab des Landes Berlin gewidmet. Die Widmung ist vorläufig auf den üblichen Zeitraum von zwanzig Jahren befristet.[5]

Conrad Felixmüller war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[6]

PrivatesBearbeiten

 
Das Ehrengrab von Conrad Felixmüller auf dem Friedhof Zehlendorf

Felixmüller heiratete 1918 Londa Freiin von Berg (1896–1979). Aus der Ehe gingen zwei Söhne (Lukas Felix Müller, Titus) hervor.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

Felixmüllers Gesamtwerk umfasst etwa 2.500 Arbeiten aus Malerei, Zeichnung und Graphik. In seinen Werken bildet der Mensch das Hauptmotiv. Felixmüller verstand sich als sozialkritischer Expressionist, seine Bilder spiegeln kraftvoll Szenen des täglichen Lebens wider. Charakteristisches Merkmal seiner Darstellungen waren die hervorgehobene Stirn und die großformatigen Augen. Felixmüllers Werke spiegeln eine äußerst individuelle Prägung des Expressiven Realismus wider.[7] Im Laufe der 1920er-Jahre wendet er sich zunehmend Motiven aus dem familiären Umfeld zu. Felixmüllers auch künstlerisch bedeutender schriftlicher Nachlass liegt seit 1980 im Deutschen Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg.

AuszeichnungenBearbeiten

AusstellungenBearbeiten

Seine Werke wurden bereits zu Lebzeiten in zahlreichen Ausstellungen in beiden Teilen Deutschlands als auch im Ausland gezeigt.

KatalogeBearbeiten

  • Emilio Bertonati: Neue Sachlichkeit in Deutschland. Herrsching 1988, ISBN 3-88199-447-5.
  • Jutta Hülsewig-Johnen: Conrad Felixmüller – Peter August Böckstiegel: Arbeitswelten. Dresden/Bielefeld 2006/07, ISBN 3-87909-900-6.
  • Ulrich Krempel (Hrsg.): Conrad Felixmüller: die Dresdner Jahre, 1910–1934. Ausstellung in der Gemäldegalerie Neue Meister Dresden und im Sprengel-Museum Hannover, Köln 1997.
  • Ingrid Mössinger und Thomas Bauer-Friedrich (Hrsg.): Conrad Felixmüler. Zwischen Kunst und Politik. Textbeiträge von Thomas Bauer-Friedrich, Katharina Heider, Jutta Penndorf und Barbara Wiegand-Stempel. Kunstsammlungen Chemnitz, Chemnitz 2013.

LiteraturBearbeiten

  • Hellmuth Heinz: Conrad Felixmüller und Dresden. Zum 75. Geburtstag. In: Sächsische Heimatblätter, Heft 4/1972, S. 156–159
  • Wolfgang Maier-Preusker: Buch- und Mappenwerke mit Grafik des Deutschen Expressionismus. Ausstellungskatalog für Hansestadt Wismar 2006.
  • Claus Pese: Mehr als nur Kunst. Das Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum, Ostfildern-Ruit 1998 (Kulturgeschichtliche Spaziergänge im Germanischen Nationalmuseum, Bd. 2), S. 99–104.
  • Gabriele Werner: Conrad Felixmüller: Liebespaar vor Dresden; anlässlich der Ausstellung „Conrad Felixmüller. Die Dresdner Jahre“ vom 13. Juli bis 7. September 1997 im Albertinum, In: Dresdner Kunstblätter, 41.1997, S. 130–134
  • Heinz Spielmann (Hrsg.): Conrad Felixmüller: Monographie und Werkverzeichnis der Gemälde. Köln 1996
  • Gerhart Söhn (Hrsg.): Conrad Felixmüller. Das Graphische Werk 1912 - 1977. Düsseldorf, 1987
  • Dieter Gleisberg: Felixmüller, Conrad. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Conrad Felixmüller. In: Birgit Dalbajewa (Hrsg.): Neue Sachlichkeit in Dresden. Sandstein Verlag, Dresden 2011, ISBN 978-3-942422-57-4, S. 204–207.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Conrad Felixmüller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ernst Barlach Haus (Hrsg.): Conrad Felixmüller »Glückseligkeit und Kampfesmut«. 13. Oktober 2013 – 2. Februar 2014. (Kurzbeschreibung der Ausstellung) S. 5, 6–7.
  2. Lost Art Staatsanwaltschaft Augsburg
  3. Ernst Barlach Haus (Hrsg.): Conrad Felixmüller »Glückseligkeit und Kampfesmut«. 13. Oktober 2013 – 2. Februar 2014. (Kurzbeschreibung der Ausstellung) S. 4–5, 6–7.
  4. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 673.
  5. Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: Ehrengrabstätten des Landes Berlin (Stand: November 2018) (PDF, 413 kB), S. 20 (Zugriff am 17. März 2019). Vorlage – zur Kenntnisnahme – über die Anerkennung und weitere Erhaltung von Grabstätten namhafter und verdienter Persönlichkeiten als Ehrengrabstätten Berlins. Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 14/1607 vom 1. November 2001, S. 1 (Zugriff am 17. März 2019).
  6. kuenstlerbund.de: Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903 / Felixmüller, Conrad (abgerufen am 6. April 2018)
  7. Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation, Hirmer, München 1994, S. 368.
  8. Jacobuskirche zu Tautenhain