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Leben und WirkenBearbeiten

Lehmbruck wurde als viertes Kind einer Bergarbeiterfamilie geboren. Nach der Volksschule besuchte er bis zum Tod seines Vaters im Jahre 1899 auf Empfehlung seines Lehrers die Kunstgewerbeschule Düsseldorf. In dieser Zeit verdiente er mit Illustrationen wissenschaftlicher Bücher und mit Dekorationsarbeiten seinen Lebensunterhalt. 1901 begann er an der Düsseldorfer Kunstakademie ein Studium unter Karl Janssen, dessen Meisterschüler er wurde.

Im Jahr 1906, nach Abschluss seines Studiums, wurde er Mitglied der Vereinigung der Düsseldorfer Künstler und der Société nationale des beaux-arts in Paris, an deren jährlichen Ausstellung im Grand Palais er ab 1907 teilnahm.

 
Armory Show, 1913

1908 heiratete er Anita Kaufmann, ein Jahr später wurde sein Sohn Gustav Wilhelm geboren. Mit Unterstützung des Kunstsammlers Carl Nolden verlegte er 1910 seinen ständigen Wohnsitz nach Paris, wo er im Herbst des gleichen Jahres erstmals am fortschrittlichen Salon d’Automne teilnahm. Hier machte er auch die Bekanntschaft mit Alexander Archipenko und anderen Künstlern. Werke von ihm wurden in Ausstellungen in Berlin, Köln, München und 1913 in der Armory Show in New York gezeigt. 1913 wurde sein zweiter Sohn Manfred Lehmbruck in Paris geboren. Ein Jahr später kam es in der Galerie Paul Levesque in Paris zur ersten großen Ausstellung, die ausschließlich seinen Werken gewidmet war. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte Lehmbruck nach Deutschland zurück, zog nach Berlin und arbeitete in einem Atelier in der Fehlerstraße 1 in Berlin-Friedenau unweit der Bronzegießerei Noack. 1914 wurde er als Sanitäter im Hilfslazarett Berlin-Friedenau verpflichtet. Mitte Januar 1916 Zulassung als Kriegsmaler in Straßburg, anschließend Freistellung vom Kriegsdienst aufgrund einer amtlich bescheinigten Schwerhörigkeit. Im selben Jahr hatte er in der Kunsthalle Mannheim, dank dessen Leiters Fritz Wichert, seine erste große Einzelausstellung.[2]

 
Grabstätte von Anita und Wilhelm Lehmbruck

Ab Dezember 1916 lebte und arbeitete er in Zürich, wo 1917 sein dritter Sohn Guido geboren wurde. Während der Kriegsjahre schuf er Werke, die man zu den Höhepunkten seines Schaffens zählt. Anfang 1919 kam er wegen eines Porträtauftrags zurück nach Berlin. Die Ernennung zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, die ihm an die Zürcher Adresse mitgeteilt wurde, hat er vermutlich nicht mehr erfahren. Am 25. März 1919 setzte er, zunehmend an Depressionen leidend, seinem Leben ein Ende. Er ist auf dem Waldfriedhof in Duisburg-Wanheimerort neben seiner Ehefrau Anita bestattet, wo ihr Grab noch heute besucht werden kann.[3]

Bildhauerisches WerkBearbeiten

 
Wilhelm Lehmbruck: Der Gestürzte. 1915/1916

Lehmbrucks bildhauerisches Werk dreht sich hauptsächlich um den menschlichen Körper und ist sowohl vom Naturalismus als auch vom Expressionismus beeinflusst. Die meisten seiner Skulpturen drücken Leid und Elend aus und sind anonymisiert, es sind also keine individuellen Gesichtszüge oder Ähnliches erkennbar. Beispielhaft sei auf die überlängte und stark abstrahierte Figur Der Gestürzte verwiesen.

Wilhelm Lehmbrucks Kniende war Blickfang und Einstimmung auf der documenta 1 (1955) und der documenta III im Jahr 1964 in Kassel. Es entstanden vier Steingüsse unter Lehmbrucks Anleitung. Die Skulptur wurde 1937 in München und andernorts unter dem Titel Entartete Kunst gezeigt[4] und anschließend zerstört. Die Berliner Kniende verblieb im Kronprinzenpalais, im damals weltweit ersten Museum für zeitgenössische Kunst, und wurde zur Münchner Ausstellung nicht überführt. Durch Bombenangriffe auf das Palais 1945 zerstört, waren die erhaltenen Überreste bis 2015 in der Ausstellung Die Schwarzen Jahre im Museum für Gegenwart ausgestellt. Die zwei erhaltenen Steingüsse stehen heute im Museum of Modern Art in New York und im Dresdner Albertinum.[5]

Lehmbruck zählt mit seinen Arbeiten neben Ernst Barlach und Käthe Kollwitz zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

NachwirkungBearbeiten

Sein Werk wird heute im Duisburger Wilhelm Lehmbruck Museum präsentiert. Dieses wurde von seinem Sohn Manfred Lehmbruck, einem renommierten Museumsarchitekten, erbaut.

In Köln, Mannheim-Feudenheim, Hamburg-Billstedt, im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und in weiteren Städten sind Straßen[6] nach Wilhelm Lehmbruck benannt.

Außerdem ist nach ihm der Asteroid Lehmbruck benannt.

PreiseBearbeiten

Seit 1966 wird zu Ehren des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck an international bedeutende Künstler alle fünf Jahre der Wilhelm-Lehmbruck-Preis verliehen. Der Preis ist derzeit mit 10.000 Euro dotiert und mit einer Einzelausstellung im Lehmbruck-Museum verbunden.[7] Ab 2020 wird das gesamte Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro vom Landschaftsverband Rheinland getragen werden. Der Preis wird dann umbenannt in Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg, gefördert vom LVR.[8]

Als Ergänzung zur Verleihung des großen Wilhelm Lehmbruck-Preises hat die Stadt Duisburg seit 1976 das „Wilhelm-Lehmbruck-Stipendium“ gestiftet.[9]

LiteraturBearbeiten

WerkverzeichnisseBearbeiten

  • Paul Westheim: Wilhelm Lehmbruck Das Werk Lehmbrucks in 84 Abbildungen mit einem Porträt von Ludwig Meidner Potsdam-Berlin Gustav Kiepenheuer Verlag 1919
  • Erwin Petermann [Hrsg.]: Die Druckgraphik von Wilhelm Lehmbruck. Verzeichnis. Stuttgart: Hatje, 1964
  • Gerhard Händler: Wilhelm Lehmbruck. Die Zeichnungen der Reifezeit. Stuttgart: Hatje, 1985, ISBN 3-7757-0188-5
  • Margarita C. Lahusen: Wilhelm Lehmbruck. Gemälde und großformatige Zeichnungen. München: Hirmer, 1997, ISBN 3-7774-6370-1.
  • Dietrich Schubert: Wilhelm Lehmbruck. Catalogue raisonné der Skulpturen (1898–1919). Worms: Wernersche Verlagsgesellschaft, 2001, ISBN 3-88462-172-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Künstler. Wilhelm Lehmbruck. Deutsche Gesellschaft für Medaillenkunst e.V., abgerufen am 29. November 2014.
  2. mannheim.de: Die Ausstellung „Badische Bildhauer“, Februar 1923@1@2Vorlage:Toter Link/www.mannheim.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Zugriff am 5. April 2010.
  3. Wilhelm Lehmbruck (Memento des Originals vom 27. November 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.duisburg.de, /www.duisburg.de, abgerufen am 1. November 2011.
  4. „Bild der Knienden“ in München, in DIE ZEIT, Magazin, Nr. 26 v. 19. Juni 1987, S. 6.
  5. Wilhelm Lehmbruck "Die Kniende" (Memento des Originals vom 25. Mai 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kulturstiftung.de
  6. Lehmbruckstr. im dt. Straßenverzeichnis (Memento des Originals vom 3. November 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.strassenfotos.de abgerufen am 2. November 2013.
  7. Der Wilhelm-Lehmbruck-Preis (Memento des Originals vom 23. März 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.duisburg.de, auf der Seite des Lehmbruck-Museums, abgerufen am 28. Juli 2012.
  8. Pressemeldung: LVR fördert Lehmbruck Museum. Landschaftsverband Rheinland, 11. April 2019, abgerufen am 12. April 2019.
  9. Das Wilhelm-Lehmbruck-Stipendium (Memento des Originals vom 23. März 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.duisburg.de auf der Website der Stadt Duisburg, abgerufen am 28. Juli 2012.
  10. Raimund Stecker ist mit der Werkbiografie nicht sehr zufrieden, siehe seine Rezension in Literarische Welt, 11. April 2015, S. 4