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Tunnel Widderstall

Eisenbahntunnel in Deutschland

Der Tunnel Widderstall ist ein etwa 962 m langer[1] Eisenbahntunnel der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. Er liegt im Bereich des Weilers Widderstall der baden-württembergischen Gemeinde Merklingen und trägt daher seinen Namen.

Tunnel Widderstall
Verkehrsverbindung Neubaustrecke Wendlingen–Ulm
Ort Widderstall
Länge 962 m
Anzahl der Röhren 1
Größte Überdeckung bis 10
Bau
Bauherr Deutsche Bahn
Baubeginn 2013
Fertigstellung 2016 (Rohbau, geplant)
Planer Wayss & Freytag Ingenieurbau AG
Betrieb
Betreiber DB Netz
Freigabe Dezember 2022 (geplant)
Lage
Tunnel Widderstall (Baden-Württemberg)
Red pog.svg
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Koordinaten
Westportal 48° 31′ 43″ N, 9° 42′ 25″ O
Ostportal 48° 31′ 36″ N, 9° 43′ 10″ O

Der Tunnel ist im Rohbau fertiggestellt (Stand: 2017).[2]

Lage und VerlaufBearbeiten

Das Bauwerk entsteht parallel zur Bundesautobahn 8.[1] Das Westportal liegt bei Baukilometer 55,104, das Ostportal bei 56,023.[3] Die Trasse verläuft im Tunnel in Richtung Ostportal weitgehend in einer Geraden, die ab Kilometer 55,796 in eine 374 m lange Überhöhungsrampe für einen Bogen von 2948 m Radius übergeht. Die Gradiente fällt im Tunnel durchgehend mit einem Gefälle von 10,502 Promille zum Ostportal hin ab.[3]

Technische AusführungBearbeiten

Der zweigleisige Tunnel erhält im Querschnitt ein Maulprofil und wird in offener Bauweise errichtet.[1] Die Überdeckung beträgt bis zu 10 m.[4] Insgesamt sollen 93 Ortbetonblöcke mit einer Regellänge von 10,00 m und zwei Portalblöcke von ca. 16,50 m entstehen.[4]

GeschichteBearbeiten

PlanungBearbeiten

Das Bauwerk wurde 2008 mit einer Länge von 962 m planfestgestellt.[3]

Bei Abschluss der Finanzierungsvereinbarung der Neubaustrecke wurde mit Rohbaukosten von rund 23,4 Millionen Euro je Kilometer für den Tunnel gerechnet.[5]

Am Ostportal des Tunnels soll ein 40 m hoher Mast für GSM-R und öffentlichen Mobilfunk entstehen.[6]

Ausschreibung und VergabeBearbeiten

Der Bauauftrag wurde am 7. Juli 2012 im Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union ausgeschrieben. Der zu vergebende Bauauftrag sollte am 15. November 2012 beginnen und am 30. April 2016 abgeschlossen werden. Die Vergabe erfolgte in einem Verhandlungsverfahren, zu dem bis 23. Juli 2012 Teilnahmeanträge eingehen sollten.[1] Der Auftrag über Ausführungsplanung und Bau des Tunnels wurde Anfang Dezember 2012 an eine Arbeitsgemeinschaft unter Führung von Wayss & Freytag vergeben. Das Auftragsvolumen umfasst rund 37 Millionen Euro.[7]

Formal wurde die Vergabe am 23. Oktober 2014 bekanntgemacht. Auftragnehmer des Auftrags über 36.689.572,75 Euro ist die Bietergemeinschaft Wayss & Freitag Ingenieurbau AG/HOCHTIEF Solutions AG/ALPINE Bau Deutschland AG.[8]

Die Gesamtkosten des Bauwerks wurden Anfang September 2015 mit 48 Millionen Euro angegeben.[9]

BauBearbeiten

Im Februar 2013 wurde damit begonnen, das Baufeld von der Vegetation zu befreien, im Anschluss daran wurde im März 2013 die Baustelle eingerichtet.[10] Die Hauptbaumaßnahme begann am 8. April 2013 mit dem vorübergehenden Rückbau eines über dem Tunnel liegenden Autobahnparkplatzes. Die Wiedereröffnung des Parkplatzes ist für März 2015 geplant.

Im Februar 2015 waren rund 80 Prozent[11] ausgehoben und etwa 140 m des Gewölbes fertig.[12] Anfang September 2015 war die Hälfte der Blöcke des Tunnels hergestellt und die ersten Segmente überdeckt.[13]

Laut Angaben der Deutschen Bahn seien beim Bau des Tunnels eine Reihe kleiner Karstlöcher gefunden worden, die einzeln erkundet und verfüllt hätten werden müssen.[14] Mitte Mai 2015 wurde bekannt, dass im Bereich der südlichen Baugrubenböschung[15] eine 15 Meter lange, 10 Meter breite und 12 Meter hohe Karsthöhle angeschnitten wurde. Die nicht mit anderen Höhlen verbundene Höhle wurde als "Trassenhöhle" ins Höhlenkataster Schwäbische Alb eingetragen und mit Steinen, Geröll und Beton aufgefüllt. Es sei laut Bahnangaben der erste große Hohlraum im Bereich der Abschnitte Albhochfläche und Albabstieg gewesen.[16]

Der gesamte Tunnel sollte im November 2015 fertiggestellt werden.[17] Die Fertigstellung verzögerte sich aufgrund von Karstphänomenen.[18] Das östliche Portal und damit der Tunnel im Rohbau wurde im August 2016 fertiggestellt.[19] Die Inbetriebnahme wird mit der für Dezember 2021 geplanten Eröffnung der gesamten Schnellfahrstrecke erfolgen.

Insgesamt 442.000 sollen Kubikmeter ausgebrochen werden.[11]

LiteraturBearbeiten

  • Stefan Kielbassa: Bahnprojekt Stuttgart–Ulm: Tunnel Widderstall. In: Tunnel. Nr. 5. Bauverlag BV GmbH, August 2016, ISSN 0722-6241, S. 18–26 (deutsch, englisch).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d D-Stuttgart: Tunnelbauarbeiten. Dokument 2012/S 129-214642 vom 7. Juli 2012 im Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union.
  2. Steinbühltunnel: Innenschale fertiggestellt. In: bahnprojekt-stuttgart-ulm.de. 20. November 2017, abgerufen am 20. November 2017.
  3. a b c Übersichtshöhenplan PFA 2.3: km 53.415 … 58,992. Anlage DB 2.4, Blatt 1 des Planfeststellungsbeschlusses des Regierungspräsidiums Tübingen vom 12. November 2008 (Aktenzeichen 15-3/0513.2-21). Dokument mit Freigabe vom 23. September 2005.
  4. a b Matthias Breidenstein, Stefan Kielbassa, Herwig Ludwig: Ein Überblick über die Tunnel der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. In: Tunnel. Offizielles Organ der STUVA. Band 32, Nr. 2. Bauverlag BV GmbH, März 2013, ISSN 0722-6241, S. 28–40.
  5. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Winfried Hermann, Dr. Anton Hofreiter, Dr. Valerie Wilms, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/4001 – Aktuelle Entwicklungen bei der geplanten Neubaustrecke Wendlingen–Ulm (PDF-Datei; 105 kB). Drucksache 17/4293 vom 17. Dezember 2010.
  6. Deutsche Bahn stellt zwei 40 Meter hohe Funkmasten auf. In: Schwäbische Zeitung. 21. September 2017, S. 21.
  7. Bahnprojekt Stuttgart–Ulm e. V. (Hrsg.): Bau des Tunnels Widderstall an der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm von Bahn beauftragt (PDF-Datei; 124 kB). Presseinformation Nr. 046/2012 RW vom 11. Dezember 2012.
  8. Deutschland-Stuttgart: Tunnelbauarbeiten. Dokument 2014/S 204-362031 vom 23. Oktober 2014 im Supplement zum Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union.
  9. Niko Dirner: Widderstall-Tunnel halb fertig. In: Südwest Presse. 4. September 2015, ZDB-ID 1360527-6, S. 19 (swp.de).
  10. Neubaustrecke Wendlingen–Ulm: Bahn bereitet Baufeld für Tunnel Widderstall bei Merklingen vor (Memento vom 8. März 2013 im Webarchiv archive.today) Presseinformation der Deutschen Bahn vom 13. Februar 2013
  11. a b Neubaustrecke: Nächster Abschnitt hat es in sich. In: Augsburger Allgemeine. 12. Februar 2015, S. 33.
  12. Bahn vergibt weiteren Auftrag an der Neubaustrecke. In: Südwest Presse. 12. Februar 2015, ZDB-ID 1360527-6, S. 22 (swp.de).
  13. Ralf Heisele: Nichts für Warmduscher. In: Geislinger Zeitung. 4. September 2015, S. 19.
  14. Holger Gayer, Christian Milankovic: 'Warten Sie ab, wie schnell wir hier noch werden'. In: Stuttgarter Zeitung. Nr. 78, 4. April 2015, S. 23 (online).
  15. Entdeckt: Karsthöhle bei Widderstall. In: Schwäbische Zeitung. 13. Mai 2015, S. 23 (unter anderem Titel online).
  16. Joachim Striebel: Beim Bau der Bahntrasse Höhle angeschnitten. In: Südwest Presse. 15. Mai 2015, ZDB-ID 1360527-6, S. 20.
  17. Jetzt geht’s los: Baubeginn Neubaustrecke Wendlingen–Ulm Augsburger Allgemeine vom 30. März 2013
  18. Deutschland-Stuttgart: Bauarbeiten für Eisenbahnlinien. Dokument 2016/S 127-228076. In: Supplement zum Elektronischen Amtsblatt der Europäischen Union. 5. Juli 2016, abgerufen am 9. Juli 2016.
  19. Landtagsabgeordnete Rivoir und Binder uneins. In: Südwest Presse vom 12. August 2016.