Thomas Würtenberger (Kriminologe)

deutscher Rechtswissenschaftler und Kriminologe

Thomas Würtenberger (* 7. Oktober 1907 in Zürich; † 18. November 1989 in Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Strafrechtler und Kriminologe.

LebenBearbeiten

Thomas Würtenberger war ein Sohn des Malers Ernst Würtenberger (1868–1934) und der ältere Bruder des Kunsthistorikers Franzsepp Würtenberger (1900–1998).

Würtenberger begann seine akademische Karriere im nationalsozialistischen Deutschland im Badischen Kultusministerium als Referatsleiter für Hochschulwesen. Er war Angehöriger der SA und ab 1937 auch Mitglied der NSDAP. Würtenberger wurde 1942 Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsgeschichte an der Universität Erlangen. Zudem leitete er ab 1943 die Dozentenschaft und wurde NS-Dozentenbundführer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er 1946 Professor an der Universität Mainz und wechselte 1955 als Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht, Kriminologie und Rechtsphilosophie an die Universität Freiburg im Breisgau, wo er bis zu seiner Emeritierung 1973 lehrte. Das Freiburger "Institut für Kriminalistik und Strafvollzugskunde", das er seit seiner Berufung leitete, wurde auf sein Betreiben 1956 in "Institut für Kriminologie und Strafvollzugskunde" umbenannt. Zu seinen Freiburger Assistenten gehörten die Kriminologen Günther Kaiser und Stephan Quensel. Zwischen 1962 und 1973 saß Würtenberger im Bundesjustizministerium dem Fachausschuss Strafrecht und Strafvollzug vor. Seit 1971 war Würtenberger Mitglied des Kuratoriums und Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht.[1] Würtenberger galt als Experte für das Delikt der Kunstfälschung.

Söhne von Thomas Würtenberger sind der Staatsrechtler Thomas Würtenberger (* 1943) und der Verwaltungsjurist Julian Würtenberger (* 1957).

LiteraturBearbeiten

  • Heinz Müller-Dietz: Würtenberger, Thomas Emil, Strafrechtslehrer, Rechtsphilosoph und Kriminologe. In: Fred Ludwig Sepaintner (Hrsg.): Baden-Württembergische Biographien. Band 6. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-17-031384-2, S. 519 ff.
  • Imanuel Baumann: Dem Verbrechen auf der Spur. Eine Geschichte der Kriminologie und Kriminalpolitik in Deutschland 1880 bis 1980. Wallstein-Verlag, Göttingen 2006, ISBN 3-8353-0008-3, S. 237 ff. (zugl. Dissertation, Universität Freiburg/B. 2004).
  • Rüdiger Herren, Diethelm Kienapfel, Heinz Müller-Dietz (Hrsg.): Kultur, Kriminalität, Strafrecht. Festschrift für Thomas Würtenberger zum 70 Geburtstag am 7. Oktober 1977. Verlag Duncker & Humblot, Berlin 1977, ISBN 3-428-03978-5.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Aktualisierte 2. Auflage. Fischer, Frankfurt/M. 2007, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 688.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Günther Kaiser: Thomas Würtenberger. 7.10.1907-18.11.1989. In: Max-Planck-Gesellschaft. Berichte und Mitteilungen. Nr. 4/1990, S. 120 (Die Angabe bei Ernst Klee, Personenlexikon zum Dritten Reich, wonach Würtenberger Direktor des MPI gewesen sei, ist falsch).