Theodor Zwinger III.

Schweizer Mediziner

Theodor Zwinger III. (* 26. August 1658 in Basel; † 22. April 1724 ebenda) war ein Schweizer Mediziner und Hochschullehrer.

Theodor Zwinger, Stich von Johann Georg Seiller nach Gregor Brandmüller

LebenBearbeiten

 
Wappen von Theodor Zwinger III. (Wellcome Sammlung).

Zwinger stammte aus einer bedeutenden Basler Gelehrtenfamilie. Sein Vater war der Basler Theologieprofessor Johannes Zwinger. Er studierte ab 1675 in Basel und erwarb dort 1680 mit der Dissertation De paedotrophia die Doktorwürde als Dr. med.

Anschliessend verbrachte er zwei Jahre in Frankreich, so unter anderem in Paris und Strassburg. Nach seiner Rückkehr durchlief er eine Karriere als Hochschullehrer an der Universität Basel. Zunächst übernahm er 1684 die Professur der Rhetorik, drei Jahre später den Lehrstuhl der Physik, 1703 den der Anatomie und Botanik, 1711 den Lehrstuhl der theoretischen und praktischen Medizin. Er wirkte als Stadtarzt, war mehrmals Dekan und 1711/1712 Rektor.

Diverse hochdotierte Angebote lehnte Zwinger ab, so unter anderen von den Herrscherhäusern Baden-Durlach, Hessen-Kassel, Preussen und Württemberg. Lediglich als die Stadt Freiburg im Breisgau in der Not der Epidemie 1710 ihn um Hilfe anrief, folgte Zwinger diesem Ruf nach Freiburg.

Zwinger wurde 1685 zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.[1] 1706 wurde er Mitglied der Königlich-Preussischen Akademie der Wissenschaften.[2] Er machte sich um die Kinderheilkunde und den Physikunterrichts in Basel verdient. Weiter pflegte er einen umfangreichen Briefwechsel, unter anderem mit Johann Jakob Scheuchzer.[3]

Ein Bruder Zwingers war der Theologe Johann Rudolf Zwinger. Ein Sohn war der Anatom Johann Rudolph Zwinger. Sein Neffe Johann Rudolf Mieg war zugleich einer seiner Schüler.

EhrungenBearbeiten

Nach ihm ist die Pflanzengattung Zwingera Hofer aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) benannt.[4]

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • Der Sichere und Geschwinde Arzt. 1684. 7. Auflage 1748 (online).
  • Theatrum Botanicum. 1696 (Kräuterbuch; online).
  • Epitome totius medicinae. London 1701, sowie Basel 1706.
  • Specimen physicae eclectico-experimentalis. Basel 1707.
  • Fasciculus dissertationum medicorum selectiorum. Basel 1710.
  • Theatrum praxeos medicœ. Basel 1710. Teil 2 (online).
  • Pœdoiatreia practica, seu Curatio morborum puerilium. Basel 1722 (online).

LiteraturBearbeiten

  • Julius PagelZwinger, Theodor (Arzt). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 45, Duncker & Humblot, Leipzig 1900, S. 547.
  • Hubert Steinke: Zwinger, Theodor. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Louis-Gabriel Michaud: Zwinger (Théodore), dit le Jeune, in: Biographie universelle ancienne et moderne, t. 45, 1843–1865, 2. Auflage, S. 648.
  • Heinrich Buess, Marie-Louise Portmann, Peter Molling: Theodor Zwinger III (1658–1724): Ein Basler Arzt und Kinderarzt der Barockzeit. Helbling & Lichtenhahn, Basel 1962, ISBN 978-3-7965-1640-5.[5]
  • Beat Friolet: Theodor Zwinger (1658–1724) – Basler Professor, Schöpfer des Begriffs «Pädiatrie» und Konsiliararzt in Delémont. In: Schweizerische Ärztezeitung, 2001;82: Nr. 5 (online).
  • Marie-Louise Portmann (Hrsg.): Die Korrespondenz von Th. Zwinger III. mit J. J. Scheuchzer 1700–1724. Basel/Stuttgart 1964.
  • Marie-Louise Portmann: Der Basler Arzt Theodor Zwinger III (1658–1724) und seine Arbeit über ein langes Leben. In: Gesnerus. Band 42, 1985, S. 353–358.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mitgliedseintrag von Theodor Zwinger bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 30. Mai 2016.
  2. Theodor Zwinger. Mitglieder der Vorgängerakademien. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 30. Mai 2016.
  3. Michael Kempe: Postalische Kommunikationen. Medizin in der Korrespondenz von Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733). In: Gesnerus, 61 (2004) S. 177–197.
  4. Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen – Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5 doi:10.3372/epolist2018.
  5. Ch. Wittmer: Besprechung. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte . Bd. 13, 193, Heft 2.