Theo Grumbach

deutscher Maler und Zeichner
Theo Grumbach, um 1999

Theo Grumbach (* 18. Dezember 1924 in Lieser, Mosel; † 24. Januar 2000 in Bernkastel-Kues) war ein deutscher Maler und Zeichner. Sein der Nachkriegsmoderne zuzuordnendes Werk wurzelt überwiegend im Expressionismus.

LebenBearbeiten

Nach dem Schulbesuch in seinem Geburtsort Lieser und einer Berufsausbildung als Winzer (1939 bis 1940) war Grumbach Soldat an der Ostfront (1942 bis 1944). Anschließend geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft mit überwiegender Zwangsarbeit im Bergbau des Donbass (Ukraine). Schwer erkrankt kehrte er 1948 in seine Heimat zurück.

1950 bis 1953 machte Grumbach eine Berufsausbildung als Kirchenmusiker, bis 1975 war er als Organist, Musiklehrer und Chorleiter tätig, nebenberuflich als Winzer. 1953 heiratet er Anna Horbert (1925–2006), aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor.

WerkBearbeiten

Grumbach begann Mitte der 1950er Jahre als Autodidakt mit der Malerei – angeregt von den Künstlern Josef Junk (1919–1994) und Bert Dörr (1920–1981) aus dem benachbarten Bernkastel-Kues. Anfang der 1960er Jahre entstanden Alltags-, aber auch mythische und biblische Szenen, technisch umgesetzt als gespachtelte, mehrfach geschichtete Ölaufträge mit feinsten Lasuren.

„Theo Grumbach bleibt das seltsame Naturtalent als das wir ihn kennen. Der in ländlich biederer Abgeschiedenheit eines stillen Weinortes an der Mosel, fern von jeglicher Kunstbetriebsamkeit Lebende, der allein der Orgelmusik und dem Weinbau hingegeben ist, malt … seine bis an die Grenzen des Abstrakten reichenden menschlein-versponnenen Bilder mit dem technischen Raffinement erfahrener Akademie-Virtuosen“[1]

Ende der 1960er Jahre verschob Grumbach seinen thematischen Fokus auf gesellschaftliche Zustände und seine eigenen Lebenserfahrungen, sein Malstil wurde expressiver und plakativer. Acryl ersetzt Öl, Elemente von Pop-Art und Neorealismus flossen ein.

 
Selbstporträt am Klavier

Theo Grumbach, […] ein zeit- und sozialkritischer Expressionist […] hält sich an eine hart konturierte, farbkräftige Gegenständlichkeit in seinen Kunstharz- und Ölbildern, die durchweg mit Collagen kombiniert sind. Seine Themen reichen von ‚Metall-Veteranen‘ bis zur ‚Rhapsodie in Blue‘ und haben zumeist einen Zug ins Fantastische und Surrealistische“[2]

„Radikal änderte sich sein Stil. Die stille Versunkenheit und Ästhetik der frühen Malerei, die sich in feiner, subtiler Figuration und knapper Zeichensprache äußerte, war der harten Wirklichkeit nicht angemessen. Wir treffen in seinen Arbeiten auf groteske Verzerrungen, bizarres Chaos und Hässlichkeiten […], jenseits von schönem Schein und Kunstbehaglichkeit. Sie sprechen für eine aggressive Offenheit.“[3]

Seit 1960 war Grumbach Mitglied der Gesellschaft für Bildende Kunst, Trier, und der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen, Prüm, und nahm regelmäßig an deren Jahresausstellungen teil. 1964 fertigte Grumbach zehn Schwarz-Weiß-Linolschnitte, neben der Beteiligung an den späteren Mappenwerken seine einzigen Druckgrafiken.

1972 gründete er mit Bert Dörr, Josef Junk und Johannes Maria Dietz (1930–2015) die „Quadriga BKS“. Die Künstlergruppe organisierte die kommunale „Galerie 555“ in Bernkastel-Kues, gab zwei gemeinsame Grafikmappen heraus und führte eine Vielzahl gemeinsamer Ausstellungen im In- und Ausland durch. Unter anderem initiierte das Auswärtige Amt 1972 eine Werkschau der „Quadriga BKS“ in den Deutschen Kulturinstituten Ankara und Izmir (Türkei).

Ende der 1970er Jahre nahm Grumbach Landschaften und Architekturen in seinen Blick: Stadt, Dorf, Hof, Feld, Weinberg und Mensch. Die Arbeiten dieser Werkphase waren unkomplizierter als das bisher Gemalte, dennoch eigenwillig und nie idyllisierend. Das Öl kehrte auf seine Malplatten zurück, oft auch in Mischtechniken.

„[…] Grumbachs Farben und sein kräftiger Farbauftrag entsprechen nicht unbedingt dem, was wir von harmonisierenden Heimatbildern erwarten. Grumbachs Farben sind ausdrucksstark, bisweilen schonungslos, sie führen ein starkes Eigenleben. Da tut sich dann plötzlich eine ganz neue Heimat auf. Die Häuser scheinen zu schwanken, drohend richten sich Berge auf, und selbst die süßen, vertrauten Trauben scheinen zur Nacht fern und unheimlich. Auch Grumbachs Weinflaschen haben nichts von weinseeliger Sorglosigkeit. Fast drohend stehen sie im Bild. Und im altehrwürdigen Trier tanzen zur Nacht die Narren ums mittelalterliche Marktkreuz.“[4]

1980 bis 1995 waren zahlreiche Einzelausstellungen seinem Werk gewidmet, unter anderem im Weinkulturellen Zentrum Bernkastel-Kues, in der Katholischen Akademie Trier, im Haus Beda Bitburg, in „Pro linguis“ Hamburg und auf Schloss Vianden, Luxemburg. 1981 bis 1984 entstand eine Serie von etwa 100 Zeichnungen und Skizzen, in denen Grumbach seine Gewalterfahrungen ohne Verrätselung und Verfremdung direkt thematisierte.

„Grumbach Skizzen und Zeichnungen sprechen eine klare Sprache. Sie bedürfen keiner Bildtitel. Sie gehen unter die Haut. Was wir sehen, sind häßliche Seiten des Menschseins. Grumbach konfrontiert uns mit seinen Erlebnissen aus dem Krieg, den Lagern, der Gefangenschaft. Wir sehen hilfloses, schutzloses Ausgeliefertsein. Es sind Bilder mit einer Drastik, die ihresgleichen sucht […] Es sind emotional wirkmächtige Bilder.“[5]

„Man kann behaupten, daß auch für Grumbachs Ausbruch der Erinnerung gilt: Die Umstände bedingten die Entlassung seiner Kriegserinnerungen aufs Papier. Sie traten im Kontext des gesellschaftlichen Diskurses leibhaftig aus der Gefangenschaft in den Alltag […] Möglicherweise waren die Skizzen und Zeichnungen der letzte Schritt einer ganz persönlichen Trauerarbeit, die Konfrontation mit dem, was er ‚seine Wahrheit‘ nannte. Sie war wichtig, nicht nur des inneren Friedens willen.“[6]

Theo Grumbach verstarb im Januar 2000 nach langer, schwerer Krankheit und hinterließ ein vielgestaltiges und sehr umfangreiches Œuvre von ca. 3000 Exponaten. Eine Gedächtnisausstellung war im Jahr 2014 im SWR-Studio Trier zu sehen. Gemälde von Theo Grumbach befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen unter anderem in der Landeskunstsammlung Rheinland-Pfalz, Mainz und im Stadtmuseum Simeonstift Trier.

WerkeBearbeiten

Literatur (chronologisch)Bearbeiten

  • Eo Plunien (=epl): Frau Corinth und die Maler von der Mosel. In: Die Welt. 18. April 1980.
  • Hans-Joachim Kann: Quadriga BKS. In: Begegnungen II. Kunst in Rheinland-Pfalz. Ein Jahrbuch des Berufsverbandes Bildender Künstler Rheinland-Pfalz. Landau 1981, S. 146–156.
  • Maria Blahak: Der malende Einsiedler steht mitten im Leben. Über Theo Grumbach. In: Trierischer Volksfreund. 19. Juni 1999.
  • Eva-Maria Reuther: Theo Grumbach. Der malende Realist. In: Jahrbuch des Landkreises Bernkastel-Wittlich. 2005, ISBN 3-924182-42-6, S. 282–285.
  • Mana Binz: Rede zur Eröffnung der Ausstellung „Landschaftsmalerei von Theo Grumbach“. Unveröff. Manuskript, gehalten im Weinkulturellen Zentrum Bernkastel-Kues. Lieser 1. Oktober 2006.
  • Hubert Portz: Tanz, Seele, tanz! Johannes Maria Dietz, Bert Dörr, Theo Grumbach und Josef Junk. 40 Jahre Quadriga BKS. Landau 2012, ISBN 978-3-939427-11-7.
  • Hubert Portz: Unterwegs im Weinberg des Herrn. Der Maler Theo Grumbach. Bruchstücke eines gemalten Lebens. [Mit Werkverzeichnis, Stand 2012]. Landau 2013, ISBN 978-3-939427-15-5.
  • Hubert Portz: Ohne Liebe geht es nicht! Die Frau im künstlerischen Werk von Josef Junk, Bert Dörr, Johannes Maria Dietz und Theo Grumbach. In: Jahrbuch des Landkreises Bernkastel-Wittlich. 2013, ISSN 1863-6004, S. 286–294.
  • Hubert Portz: Theos Malbude. Kreißsaal der Nachkriegsmoderne. Schwerpunkt frühe Werke von Theo Grumbach. Katalog zur Ausstellung in der SWR-Galerie Trier 8.5-11. Juli 2014. Hochstadt 2014.
  • N.N.: Theo Grumbach. Vorreiter der Moderne. In: Grenzecho (Eupen/ Belgien). 13. Mai 2014.
  • Hans-Peter Linz: Ein bescheidener aber effektiver Maler. Bildband zeigt die Werke des in Lieser geborenen Künstlers Theo Grumbach. In: Trierischer Volksfreund. 24. Juni 2014.
  • Joseph Groben: Theo Grumbach 1924–2000. In: Das Moseltal. Dichtung – Malerei – Musik. Trier 2015, ISBN 978-3-942429-17-7, S. 244–245.
  • Hubert Portz: In die Hölle und zurück. Spätentlassene Bilder von Theo Grumbach und seine Weise, Kriegstraumen den Biss zu nehmen. In: Jahrbuch des Landkreises Bernkastel-Wittlich. 2017, ISSN 1863-6004, S. 205–209.
  • Joseph Groben: Theo Grumbach. In: Das stille Tal der Kyll. Geschichte - Dichtung - Malerei - Musik. Trier 2018, ISBN 978-3-942429-99-3, S. 318–319.

FilmdokumentationenBearbeiten

Quadriga BKS. Film von Rainer Schirra, Südwestfunk Baden-Baden, 1975 (18 Minuten).

Kulturlandschaft Mosel. Film von Rainer Schirra u. Wolf H. Habermehl, Südwestfunk Baden-Baden, 1980 (44 Minuten).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Carl Gockel (=luc): Ausstellung Trierer Künstler 1962. Hrsg.: Trierische Landeszeitung 1962.
  2. Eo Plunien (=epl): Frau Corinth und die Maler von der Mosel. In: Die Welt. 18. April 1980.
  3. Hubert Portz: Unterwegs im Weinberg des Herrn. Der Maler Theo Grumbach. Bruchstücke eines gemalten Lebens. Landau 2013, ISBN 978-3-939427-15-5, S. 51.
  4. Eva-Maria Reuther: Theo Grumbach. Der malende Realist. In: Jahrbuch des Landkreises Bernkastel-Wittlich. 2005, ISBN 3-924182-42-6, S. 285.
  5. Hubert Portz: In die Hölle und zurück. Spätentlassene Bilder von Theo Grumbach und seine Weise, Kriegstraumen den Biss zu nehmen. In: Jahrbuch des Landkreises Bernkastel-Wittlich. 2017, ISSN 1863-6004, S. 209.
  6. Hubert Portz: In die Hölle und zurück. Spätentlassene Bilder von Theo Grumbach und seine Weise, Kriegstraumen den Biss zu nehmen. In: Jahrbuch des Landkreises Bernkastel-Wittlich. 2017, ISSN 1863-6004, S. 208.