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Theater Trier

Theater und Opernhaus in Trier, Deutschland
Theatergebäude am Augustinerhof
Eingangsgebäude und Foyer, im Mai 2007

Das Theater Trier ist ein Dreispartenhaus, das seit 1802 besteht. Im Juni 2013 wurde das Theater vom Deutschen Kulturrat e. V. auf die Rote Liste Kultur gesetzt und als von Schließung bedroht (Kategorie 1) eingestuft,[1] aber im Frühjahr 2014 beschloss der Stadtrat die Weiterführung.[2]

GeschichteBearbeiten

Das Theater der Stadt Trier kann mittlerweile auf eine über 200-jährige Geschichte zurückblicken. Die Spielzeit 2002/2003 stand daher unter dem Motto „200 Jahre Theater Trier – Napoleon ist schuld“. Und in der Tat hat der spätere Kaiser von Frankreich, anlässlich eines Besuchs der besetzten Stadt Trier, am 28. August 1802 verfügt:

„Das Kapuzinerkloster wird bestimmt zur Einrichtung eines Schauspielhauses.“

Heute ist das Theater Trier ein sogenanntes Drei-Sparten-Haus mit 622 Plätzen, das sowohl über ein eigenes Schauspiel-, als auch über ein Ballett- und Musiktheaterensemble verfügt.

Im Orchestergraben spielt das Philharmonische Orchester der Stadt Trier, seit 2018 unter der Leitung von Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach.

Intendant des Theaters war seit 2004 Gerhard Weber, dem, bis zu ihrer Einstellung, auch die künstlerische Leitung der Antikenfestspiele Trier oblag. Weber arbeitete zuvor an der Landesbühne Hannover. Im August 2015 trat Karl M. Sibelius seine Nachfolge an. Nach einem Millionendefizit wurde Sibelius im Juni 2016 die wirtschaftliche und finanzielle Zuständigkeit entzogen und bekam einen Verwaltungsdirektor zur Seite gestellt.[3]

Von 1998 bis 2010 richtete das Theater Trier die Antikenfestspiele in Trier aus, die jährlich Tausende von Besuchern in die Moselmetropole zogen. U.a. mit dem Argument des 2010 eingespielten finanziellen Defizites veranlasste die Stadt Trier die Beendigung des Festivalengagements des Theaters. In Unterstützerkreisen wurde der Stadtverwaltung daraufhin eine parteiische Befürwortung der so gesehenen, 2012 ebenfalls eingestellten Konkurrenz-Veranstaltung Brot & Spiele vorgeworfen. Veranstaltungsorte der Antikenfestspiele des Theaters waren die Porta Nigra, die Kaiserthermen und das Amphitheater.

StandorteBearbeiten

Von 1802 bis 1944 spielte das Theater im Gebäude an der Fahrstraße. Die letzte Vorstellung in diesem Gebäude fand am 16. Juli 1944 statt. Aufgeführt wurde an diesem Tag der Rosenkavalier von Richard Strauss. Danach wurde von den Nationalsozialisten die Schließung aller Theater angeordnet. Am 23. Dezember 1944 wurde das Theatergebäude in der Fahrstraße durch einen Fliegerangriff der Alliierten zerstört.

Nach Kriegsende spielte das Theater behelfsweise bis 1950 im Treveris-Saal, dann von 1950 bis 1964 im Bischof-Korum-Haus in der Rindertanzstraße. Am 12. Januar 1962 wurde der Grundstein für einen Neubau am Augustinerhof gelegt, der bis 1964 nach Plänen des Architekten Gerhard Graubner errichtet wurde. Am 27. September 1964 eröffnete das Theater im Neubau mit einer Premiere von Beethovens Die Weihe des Hauses.[4] Die Hauptbühne hat 20 m Breite und einschließlich Vorderbühne 19 m Tiefe. Sie ist umgeben von einer Seiten- und einer Hinterbühne mit Schiebebühne und eingebauter Drehbühne. Die Bühne wird durch einen gewölbten eisernen Vorhang vom Zuschauerraum getrennt. Der Orchestergraben bietet auf zwei fahrbaren Podien 65 Musikern Platz. Hochgefahren bilden diese Podien die Vorderbühne. Die Bühnenöffnung lässt sich durch ein variables Bühnenportal verkleinern oder vergrößern.[4]

Derzeit (2015) laufen Diskussionen über die Zukunft des Theaters: Aufgrund lange vernachlässigter Bauunterhaltung ist das Gebäude sanierungsbedürftig, die ursprünglich geplanten Bauteile für Werkstätten und Lager wurden nie errichtet, so dass hier erhebliche (Platz-)Probleme bestehen. Im Gespräch waren zunächst Pläne, das Gebäude durch einen Neubau an anderer Stelle oder dem derzeitigen Standort zu ersetzen; allerdings mehrten sich Stimmen, die den Bau als qualitätvolles Beispiel für die Architektur seiner Zeit erhalten möchten, zumal ein Neubau aus Kostengründen vermutlich wesentlich bescheidener ausgestattet würde. Durch Gutachten sollten daher zunächst die Kosten einer Instandsetzung ermittelt werden.[5] Diese Untersuchung ergab, dass eine Sanierung des bestehenden Gebäudes technisch durchaus realisierbar ist. Um den zusätzlichen Platzbedarf zu befriedigen, wurde die Einrichtung eines zweiten Standorts an anderer Stelle vorgeschlagen.[6]

Im September 2016 wurde das Ergebnis eines Gutachtens bekanntgegeben, mit dem die Kosten für eine Erweiterung und Sanierung des bestehenden Theatergebäudes ermittelt werden sollten. Demnach wären für eine reine Sanierung des bestehenden Gebäudes etwa 32 Millionen Euro erforderlich, für Sanierung und Erweiterung würden, je nach Umfang der Erweiterung, bis zu 110 Millionen Euro benötigt. Da diese Summen erheblich höher sind als im Vorfeld angenommen, dürften Erweiterungspläne kaum mehr realistisch sein.[7]

Anfang 2019 fasste der Trierer Stadtrat den Grundsatzbeschluss das bestehende Theater zu sanieren. Der Theaterbau soll dabei im Wesentlichen in seiner jetzigen Form erhalten werden, allerdings ist der Abbruch und Neubau des Foyers erforderlich. Während der Sanierungsphase wird der Betrieb in einem neu zu bauenden Saal verlegt, der nach dem Ende der Sanierung der TUFA zur Verfügung stehen wird.[8]

Intendanten / Direktorien des Trierer TheatersBearbeiten

  • 1802 (August–Oktober): Lasoye
  • 1802 (August–September): Badewitz
  • 1803–1805: Claude Scharff/Desvignes
  • 1805–1806: K.W. Bianchi
  • 1806: Ludwig Dossy
  • 1808: Joseph Piunk
  • 1808: Ludwig Dossy
  • 1809: Madame Chevallier
  • 1810: Ferdinand Moog
  • 1811: Jules Ferrand
  • 1815–1816: Anton Thomalla
  • 1816–1819: Direktorium der AG.
  • 1819–1820: Stoll
  • 1820–1821: Hahn und Klarenbach
  • 1821–1822: Leissring und Horny
  • 1822–1824: Kloss
  • 1824–1825: Carlos
  • 1826: Christl
  • 1826–1828: Friedrich Sebald Ringelhardt
  • 1829–1843: Franz Eisenhut
  • 1843–1844: Neufeld
  • 1845–1846: Eduard Christiany
  • 1846–1848: Gustav Uber und Eduard Lücke
  • 1848–1850: Gustav Uber
  • 1850–1851: Theater geschlossen
  • 1851–1853: Phil. Walburg-Kramer
  • 1853–1855: Werdermann und Pachert
  • 1856–1857: Phil. Walburg-Kramer
  • 1857–1859: Ludwig Kramer
  • 1860–1861: Rosenthal
  • 1861–1862: Heinrich-Franz Müller
  • 1862–1863: Gaudelius
  • 1863–1865: Theater geschlossen
  • 1865–1866: Wilhelm v. Lüde
  • 1866–1869: Schönfeld
  • 1869–1870: F. Engel
  • 1870–1872: Carl Widmann
  • 1872–1873: Amann
  • 1873–1874: Weinberg
  • 1874–1878: August Meffert
  • 1878–1879: F. Engel
  • 1879–1881: R. Schöneck
  • 1881–1882: C. Wegeler
  • 1882–1883: Wilhelm Grundner
  • 1883–1885: August Meffert
  • 1885–1886: Alexander Hirschfeld
  • 1886–1887: Albert Schmidt, Julius Schwerin, Anton von Weber
  • 1887–1888: Julia Schwerin
  • 1888–1891: Wilhelm Grundner
  • 1881–1894: Ferdinand Steinle
  • 1894–1895: A. Berthold
  • 1895–1896: Alexander Hirschfeld
  • 1896–1897: Oskar Hennenberg
  • 1897–1901: Ferdinand Steinle
  • 1901–1903: August Mondel, Hans Manussi (bis November 1902, da zu diesem Zeitpunkt verstorben)
  • 1903–1904: August Mondel
  • 1904–1907: Franz Froneck
  • 1907–1922: Heinz Tietjen
  • 1922–1927: Hellmuth Götze
  • 1927–1932: Ferdinand Skuhra
  • 1932–1933: ohne Intendant/nur Gastspiele
  • 1933–1935: Fritz Kranz
  • 1935–1939: Robert Rohde
  • 1939–1942: Karl-Heinz Kaiser
  • 1942–1944: Rudolf Hesse
  • 1945–1946: Rudolf Hesse
  • 1946–1950: Hans Roolf
  • 1950–1952: Wolfgang Nufer
  • 1952–1959: Rudolf Hesse
  • 1959: Heinz Robertz
  • 1959–1960: Albert Klempin (in Vertretung)
  • 1960–1968: Rudolf Meyer
  • 1969–1975: Walter Pohl
  • 1975–1981: Manfred Mützel
  • 1981–1991: Rudolf Stromberg
  • 1991–1995: Reinhard Petersen
  • 1995–2004: Heinz Lukas-Kindermann
  • 2004–2015: Gerhard Weber
  • 1. August 2015 – 30. November 2016: Karl M. Sibelius [2][9]
  • 1. Dezember 2016 – 31. Juli 2017: Ulf Frötzschner (Schauspieldirektor), Katharina John (Operndirektorin), Marius Klein-Klute (Chefdisponent), Waltraut Körver (Tanzdramaturgin), Herbert Müller (Verwaltungsdirektor), Peter Müller (Technischer Direktor), Victor Puhl (Generalmusikdirektor)
  • 1. August 2017 – 31. Juli 2018: Marius Klein-Klute (Chefdisponent), Waltraut Körver (Tanzdramaturgin), Herbert Müller (Verwaltungsdirektor), Peter Müller (Technischer Direktor), Victor Puhl (Generalmusikdirektor), Caroline Stolz (Schauspieldirektorin)
  • ab 2018 Manfred Langner

Künstlerisches Personal und MitarbeiterBearbeiten

Das Stadttheater Trier beschäftigt über 200 Mitarbeiter. Dazu gehören:

  • Schauspielensemble
  • Musiktheaterensemble mit Opernchor, Extrachor und Kinder- und Jugendchor
  • Ballettensemble
  • Philharmonisches Orchester
  • Maskenbildnerei
  • Dekorationsabteilung
  • Malersaal
  • Schreinerei
  • Damen- und Herrenschneiderei
  • Technik
  • Tontechnik
  • Beleuchtung
  • Requisite
  • Verwaltung
  • Hilfspersonal

GastdarstellerBearbeiten

Das Theater unterhält einen Jugendclub und wird von zahlreichen Statisten sowie Sängerinnen und Sängern des Extrachores Trier unterstützt.

Wiederentdeckungen und UraufführungenBearbeiten

MusiktheaterBearbeiten

In den letzten Jahren widmete sich das Theater in der Reihe "Unbekannte Opern" Werken, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. In Trier fanden mehrere deutsche Erstaufführungen und Uraufführungen statt. Hierzu gehörten:

Sarema (Alexander Zemlinsky) 1995/1996
Merlin (Karl Goldmark) 1996/1997
Blaubart (Jacques Offenbach) 1996/1997
Die Glasmenagerie (Antonio Bibalo) 1996/1997 Uraufführung
Soldaten (Manfred Gurlitt) 1997/1998
Die Geschichte vom kleinen blauen Bergsee und dem alten Adler (Wilfried Hiller) 1997/1998 Uraufführung
Die Kathrin (Erich Wolfgang Korngold) 1998/1999
Koanga (Frederick Delius) 1999/2000 Deutsche Erstaufführung
Trilogie der Sommerfrische (I. Grünauer) 1999/2000 Uraufführung EXPO 2000
Margot la Rouge (Frederick Delius) 2000/2001
Ein Bericht für eine Akademie (J. Klusák) 2000/2001 Deutsche Erstaufführung
Pinocchio (Wilfried Hiller) 2002/2003 Uraufführung
Nordische Ballade (Manfred Gurlitt) 2002/2003 Uraufführung (Inszenierung: Heinz Lukas-Kindermann)
Die unendliche Geschichte (Siegfried Matthus) 2003/2004 Uraufführung (Inszenierung: Heinz Lukas-Kindermann)
Das Orangenmädchen (M. Lingnau/C.Gundlach) 2004/2005 Uraufführung
Die Rheinnixen (Originalfassung) (Jacques Offenbach) 2004/2005 (Inszenierung: Bruno Berger-Gorski)
Quo Vadis (Konstantin Wecker / G. Theobalt) 2004/2005 Uraufführung Antikenfestspiele (Inszenierung: Gerhard Weber)
Fausta – Macht und Ohnmacht Kaiser Konstantins (Heinz Heckmann / Heiner Martini) 2007 Uraufführung (Inszenierung: Hermann Keckeis)
Cusanus – Fragmente der Unendlichkeit (Boudewijn Buckinx / I. Bocken / P. Larsen) 2007/2008 Uraufführung (Inszenierung: Sven Grützmacher)
The Voyage (Philip Glass) 2011 Deutsche Erstaufführung (Inszenierung: Birgit Scherzer)
Ur_ (Anna Thorvaldsdóttir) 2015/2016 Uraufführung (Inszenierung: Thorleifur Örn Arnarsson)

SchauspielBearbeiten

Sindbad der Seefahrer (A. Etzel-Ragusa nach "1001 Nacht") 2002/2003 Uraufführung
Der gestiefelte Kater (A. Etzel-Ragusa nach den Gebrüdern Grimm) 2003/2004 Uraufführung
Metty und die Mettymäuse (Metty Krings) 2004/2005 Uraufführung (Inszenierung: Jürgen Lorenzen)
Der Vogel ist ein Rabe (P. Oppermann) nach Benjamin Lebert 2004/2005 Uraufführung (Inszenierung: Bettina Rehm)
Schafe und Wale (Ahmed Ghazali) 2004/2005 Europäische Erstaufführung (Inszenierung: Jean-Paul Maes)
Nero (Katja Brunner, Martina Clavadetscher, Daniela Janjic, Maria Karaklajić, Laura Naumann, Darja Stocker, Olivia Wenzel) 2015/2016 Uraufführung (Inszenierung: Julia Wissert)
Happy Hour (Lothar Kittstein) 2016/2017 Uraufführung (Inszenierung: Alice Buddeberg)

DiskographieBearbeiten

Sarema – Die Rose vom Kaukasus; Alexander von Zemlinsky (1871–1942)

mit Karin Clark, Laszlo Lukas, Norbert Kleinhenn, Andreas Scheel, Juri Zinovenko, Nick Herbosch, Florian Simson, Chor und Extrachor des Stadttheaters Trier (Einstudierung: Sebastian Laverny), Städtisches Orchester Trier unter der Leitung von István Dénes. Koch International 1996.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten