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Tatian

christlicher Apologet

Tatian (lat. Tatianus) war ein christlicher Apologet des 2. Jahrhunderts († ca. 170 n. Chr.)[1] ostsyrischer Herkunft,[2] daher auch Tatian der Assyrer genannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben und WirkenBearbeiten

Tatian war in Rom Schüler Justin des Märtyrers,[3] der ihn zum Christentum bekehrte,[4] überwarf sich aber mit diesem und ging in seine syrische Heimat zurück. Er verwarf dort jeden hellenistischen Einfluss, gründete eine enkratitische Gemeinschaft und erwarb sich eine streng asketische Anhängerschaft, die Ehe sowie Fleisch- und Weingenuss verwarf. Dies trug ihm den Vorwurf ein, Gnostiker gewesen zu sein.

Das bekannteste Werk unter seinen zahlreichen Schriften ist das Diatessaron, worin er unter Berücksichtigung aller vier kanonischen Evangelien eine einheitliche Lebens- und Wirkungsgeschichte Jesu erzählt.

Erhalten ist von ihm eine 176 geschriebene Ἐπιστολὴ πρὸς Ἕλληνας (Oratio ad Graecos / Rede an die Griechen), eine leidenschaftliche, maßlose Streitschrift gegen die griechische Kultur.[5]

Unter dem Titel Tatian ist eine althochdeutsche Übersetzung des Diatessaron bekannt, siehe hierzu Althochdeutscher Tatian.

Dagegen sind mehrere andere Schriften, darunter ein Buch der Probleme über schwierige Stellen des Alten Testaments, nicht überliefert.

LiteraturBearbeiten

  • Heinz-Günther Nesselrath (Hrsg.): Gegen falsche Götter und falsche Bildung. Tatian, Rede an die Griechen. Eingel., übers. u. mit interpretierenden Essays versehen v. Peter Gemeinhardt, Marie-Luise Lakmann, Heinz-Günther Nesselrath, Ferdinand R. Prostmeier, Adolf Martin Ritter, Holger Strutwolf u. Andrei Timotin. Mohr Siebeck, Tübingen 2016. Scripta Antiquitatis Posterioris ad Ethicam REligionemque pertinentia XXVIII
  • Tatianos: Oratio ad Graecos. Rede an die Griechen. Hrsg. und neu übersetzt von Jörg Trelenberg. Mohr Siebeck, Tübingen 2012. (80-seitige Einführung zu Leben, Werk und Theologie des Autors; griechischer Text mit deutscher Übersetzung; mehrere Aufsätze des Herausgebers zu Spezialfragen; Bibliographie und umfangreiche Register.)
  • Herrmann Adalbert Daniel: Tatianus der Apologet. Ein Beitrag zur Dogmengeschichte. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle (Saale) 1837.
  • Theodor Zahn: Forschungen zur Geschichte des neutestamentlichen Kanons und der altkirchlichen Literatur. Teil 1. Tatian’s Diatessaron. Deichert, Erlangen 1881.
  • Otto Bardenhewer: Geschichte der altkirchlichen Literatur. Band 1, Freiburg / Br. 1902; S. 242–262.
  • Klaus-Gunther WesselingTatian der Syrer. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 11, Bautz, Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6, Sp. 552–571.
  • Ulrich Mell: Christliche Hauskirche und Neues Testament. Die Ikonologie des Baptisteriums von Dura Europos und das Diatessaron Tatians, NTOA 77, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2010 ISBN 978-3-525-53394-9.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Friedhelm Winkelmann: Geschichte des frühen Christentums, München 2007 (4. Auflage), S. 74.
  2. Nach eigenem Bekunden, vgl. seine Oratio ad Graecos 42.
  3. Friedhelm Winkelmann: Geschichte des frühen Christentums, München 2007 (4. Auflage), S. 74.
  4. Eusebius, Kirchengeschichte 4,29.
  5. Ältere Ausgaben von Otto im Corpus Apologetarum, 6. Abteil., 3. Ausg.; Jena 1882, und von Schwartz, Leipzig 1888. Für die inzwischen maßgebliche Ausgabe s. das Literaturverzeichnis.