Studitenorden

Ordensgemeinschaft

Der Studitenorden (Ordenskürzel: MSU für Monaci Studiti Ucraini) ist eine neuzeitliche ukrainisch-katholische Mönchsgemeinschaft, die vor allem in der Westukraine verankert ist und die Univ'ska Lavra als ihr Zentrum hat.[1]

GeschichteBearbeiten

Die Ordensgeschichte hat seine Wurzeln beim Typikon von Theodor Studites, dass für das Studionkloster verfasst wurde und eine Erweiterung der Mönchsregel des Basilius' darstellte. Das Typikon wurde durch den griechischen Mönch Mykhailo im Jahre 1073 in die Ukraine gebracht. Theodosius von Petchersk verbreitete es, wodurch es von allen Klöstern in der Kiewer Rus angenommen wurde. Auf Grund einiger geschichtlicher Umstände ging diese Tradition jedoch verloren.[2]

Auf Grund der starken Latinisierung im Orden der Basilianer des hl. Josaphat, dem damals einzigem Mönchsorden der Ukraine, wollte der Metropolit von Lemberg, Andrej Scheptyzkyj (1865–1944), die östliche Klostertradition nach Theodor Studites wiedererneuern. Der unmittelbare Grund für die Gründung des Studitenordens, war jedoch, dass viele Bauern sich zu spontanen Gebetsgruppen formierten, mit dem Wunsch nach einem Ordensleben, aber auf Grund von Armut nicht in den Orden der Basilianer des hl. Josaphat eintreten konnten (eine Mitgift war notwendig).[2]

Das erste Kloster des modernen Studitenordens wurde 1904 in Sknyliv gegründet. Die Regel des Ordens, die aus dem Jahr 1906 stammt, orientiert sich bewusst an der ostkirchlichen Mönchstradition des hl. Theodor Studites.

Nachdem die ukrainisch-katholischen Kirche im Jahr 1946 zwangsweise in die Russisch-Orthodoxe Kirche eingegliedert wurde, konnten die Ordensgemeinschaften der Studiten nur noch in der Emigration weiterbestehen. Dies änderte sich im Jahr 1990, als die ukrainisch-katholische Kirche sich neu konstituierte.

Heute hat der Studitenorden sein Zentrum in Lemberg. Der bekannteste Angehörige des Ordens ist der 2017 verstorbene ukrainische Großerzbischof Ljubomyr Husar, der den Studitenorden von 1977 bis 1991 leitete.[3]

ApostolatBearbeiten

Der ukrainische Studitenorden hat sich besonders dem Apostolat der Katechese und Erziehungsarbeit von Kindern und Jugendlichen verpflichtet. Zudem werden jährlich Kinder und Jugendlich aus Tschernobyl im Exerzitienhaus in Jaremtscha aufgenommen. Zu den weiteren Tätigkeiten des Ordens zählen die Viehhaltung, Bienenzucht und Heilpflanzenkunde. Das Verlegen von religiöser Literatur und zudem die Leitung einer Werkstatt für kirchlich-sakrale Kunst.

Das tägliche Leben im Studitenorden wird von acht Stunden Gebet, acht Stunden Arbeit und acht Stunden Erholung geprägt.

LiteraturBearbeiten

  • Julien Leroy: Studitisches Mönchtum. Spiritualität und Lebensform. Verlag Styria, Graz/Wien/Köln 1960.
  • Oliver Delouis: Théodore Stoudite, figure de l’Union des Églises ? Autour de la renaissance d’un monachisme stoudite en Galicie (Ukraine) au XXe s. In: O. Delouis, A. Couderc, P. Guran (Hrsg.): Héritages de Byzance en Europe du Sud-Est à l’époque moderne et contemporaine (Mondes Méditerranéens et Balkaniques 4), Athen 2013, S. 431‑480.

FußnotenBearbeiten

  1. Lavra - Життя дочірніх монастирів Лаври. Abgerufen am 2. Juli 2020.
  2. a b Lavra - Студійське Чернецтво. Abgerufen am 28. Juni 2020.
  3. Katholische Nachrichtenagentur, 1. Juni 2017.

WeblinksBearbeiten