Typikon (griechisch Τυπικόν) bezeichnet die schriftliche Festlegung liturgischer oder sonstiger Vorschriften, die für das Leben geistlicher, besonders monastischer Gemeinschaften, vor allem des byzantinischen Ritus, notwendig sind. Getrennt oder kombiniert begegnen vom Stifter festgelegte Ordnungen des klösterlichen Lebens (typika ktetorika) und Ordnungen für den Gottesdienst im Jahreskreis („Synaxaria“). Die orthodoxen Kirchen und die katholischen Ostkirchen des byzantinischen Ritus folgen vor allem im liturgischen Alltag und im Fasten solchen, ursprünglich häufig monastischen, Typika.

Als „Typikon“ (alternativ „[Kanonarion-]Synaxarion“) bezeichnet man auch die liturgische Ordnung von Kathedralen, etwa der Hagia Sophia in Konstantinopel (altes „Typikon der Großen Kirche“ aliasSynaxarium ecclesiae Constantinopolitanae“), oder von Klöstern. Solche Schriften begegnen als Anhänge oder Teile im Gottesdienst gebrauchter biblischer und hagiographischer Lesebücher, schließlich auch als eigenständige Werke.

Weiteste Verbreitung fand das liturgische Typikon der palästinischen Laura Mar Saba.[1] In mehrfach überarbeiteter Konstantinopler Form wurde es zur Leitlinie der Kirchen byzantinischer Tradition bis heute.

Wegen der schwierigen Verbindung klösterlicher Übungen mit der Situation in den Pfarrkirchen wurden im 19. Jahrhundert im Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel adaptierte Neubearbeitungen erstellt, die unter dem Namen „Typikon der Großen Kirche Christi“ umlaufen, und zwar 1838 und 1851 durch Konstantinos Byzantios und 1888 durch Georgios Biolakes. Davon existieren auch slawische und rumänische Übertragungen.

LiteraturBearbeiten

  • Andreas-Abraham Thiermeyer: Das Typikon-Ktetorikon und sein literarhistorischer Kontext. In: Orientalia Christiana Periodica 58 (1992), S. 475–513.
  • John Klentos: The typology of the typikon as liturgical document, in: The Theotokos Evergetis and Eleventh-century Monasticism. (BBTT 6,1) Ed. by Margaret Mullet – Anthony Kirby. Belfast 1994, 294–305.
  • Konstantinos Terzopoulos: Some Notes on the Slavic Translation of Konstantinos Byzantios' Typikon. In: Θεολογία 75,2 (Athen 2004) 496–527.
  • Martin Lüstraeten: Die handschriftlichen arabischen Übersetzungen des byzantinischen Typikons. Zeugen der Arabisierung und Byzantisierung der melkitischen Liturgie (Jerusalemer Theologisches Forum 31). Aschendorff, Münster 2017. ISBN 978-3-402-11039-3.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Vgl. J. Thomas: The imprint of Sabaitic Monasticism. In: The Sabaite Heritage in the Orthodox Church from the 5th century to the present (Orientalia Loevaniensia Analecta 98). Leuven 2001, 77–82. Die korrekte Titelfassung: ... τῆς ἐν Ἱεροσολύμοις ἁγίας Λαύρας τοῦ ... πατρὸς ἡμῶν Σάββα, wird in der Neuzeit häufig missverständlich verkürzt auf: Τυπικὸν τοῦ ὁσίου καὶ θεοφόρου πατρὸς ἡμῶν Σάββα, Typikon des hl. Sabbas. Das Typikon geht auf das mittelalterliche Kloster, nicht auf dessen spätantiken Gründer zurück.

WeblinksBearbeiten