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Studionkloster, byzantinische Miniatur, 11. Jhd.
Ostansicht der Kirche des Studionklosters im heutigen Zustand

Das Studionkloster in Konstantinopel (auch Stoudionkloster oder Studioskloster genannt) war eines der wichtigsten Klöster im Byzantinischen Reich.

Inhaltsverzeichnis

LageBearbeiten

Das Kloster lag nahe der Propontis-Küste an der Straße vom Großer Palast nach Hebdomon innerhalb der Theodosianischen Mauern Konstantinopels im Viertel Psamathia am Fuße des siebten Hügels der Stadt.

GeschichteBearbeiten

Nach dem byzantinischen Lexikographen Suidas lag am Platz des späteren Klosters bereits eine Pfarrkirche.[1] Das Kloster wurde um 453/454 nach Christus erbaut und war eine Gründung des oströmischen Konsuls Patricius Studios. Im Jahr 463 wurde es fertiggestellt und den Akoimeten übergeben und Johannes dem Täufer geweiht.[1]

765 wurden die Mönche im byzantinischen Bilderstreit vertrieben, trotzdem blieb das Kloster bestehen und Abt Sabbas vertat das Kloster beim siebten ökumenischen Konzil in Nicäa im Jahr 787. Bedeutung erlangte das Kloster jedoch erst, nachdem Mönche aus Sakudion bei Bursa kurz nach 798 von Sarazenen vertrieben wurden und Zuflucht im Studionkloster fanden. Diese Mönche (darunter vor allem Theodor Studites) waren im Bilderstreit entschiedene Vertreter der Bilderverehrung und machten mit ihrer Mönchsregel (Typikon), die Traditionen Palästinas mit denen Konstantinopels verband, das Kloster zum Vorbild für viele byzantinische Klöster, aber auch darüber hinaus: In Süditalien, auf dem Berg Athos, aber seit dem Patriarchen Alexios I. Studites (1025–1043) auch in Russland, fand die Mönchsregel des Studionklosters weite Verbreitung. Noch um 1900 wurde bei Lemberg der ukrainisch-katholische Studitenorden gegründet, der sich auf die Mönchsregel des Studionklosters beruft.

Das Kloster wuchs in der Folge rasch und beherbergte bald bis zu 700 Mönche,[1] die Studiten genannt wurden. Kennzeichnend das studitische Mönchtum sind die Unterwerfung gegenüber den Anweisungen des Abtes, das gemeinsame Leben im Kloster (Koinobion) und der Widerstand gegen Bedrohungen des kirchlichen Lebens (z. B. den Ikonoklasmus). Eremitentum, Stylitentum und extravagante körperliche Askese (z. B. Tragen von Ketten) gelten als minder wertvoll.

Der Abt Theodor Studites führte das Kloster zur Blüte. Unter seiner Herrschaft wurde die Kirche mit einer neuen Bilddekoration ausgestattet. Zum Kloster gehörte in dieser Zeit auch ein Xenodocheion, das als Pilgerherberge, aber auch als Krankenhaus, Altersheim und Armenhaus diente. 818 kam es jedoch zum Bruch des Abtes mit Leo V., der Studites nach Prinkipo verbannte, wo der 826 starb. Erst 844 wurden die sterblichen Überreste von Studites in das Kloster überführt.[2]

1204 wurde das Kloster von den Kreuzfahrern bei der Eroberung Konstantinopels und der Errichtung des Lateinischen Kaiserreichs zerstört. Die Mönche verließen das Kloster. 1293 erfolgte der Wiederaufbau, dem eine zweite Blüte in der Endphase des Byzantinischen Reichs folgte. Die Kirche erhielt ein neues Dach und das Kloster wurde durch eine starke Mauer eingefasst.[3] Dank des Reliquienbesitzes war das Kloster beliebter Wallfahrtsort und fand rasch neue Mönche.

1555, hundert Jahre nach dem Ende Kaiserreichs, wurde das Studionkloster von den Osmanen aufgelöst. Die Gebäude dienten zu Beginn des 16. Jahrhunderts als Steinbruch für den Topkapı Sarayı. Die Kirche wurde durch den İmrahor (Oberstallmeister) Iljaz Bej Mirahori unter Sultan Bayezid II. in die İmrahor-Moschee umgewandelt. 1782 wurde die Moschee bei einem Brand zerstört und 1820 wieder aufgebaut. 1894 wird das Bauwerk bei einem schweren Erdbeben erneut schwer beschädigt.[3]

Bereits 1908/09 fanden erste Grabungen statt. Dabei wurde die Krypta freigelegt und ein Kalksteinrelief gefunden. 1920 wurde die Moschee dann bei einem Feuer endgültig zerstört und nicht wieder saniert.

ArchitekturBearbeiten

Die Klosterkirche war ursprünglich eine dreischiffige Emporenbasilika mit dreiteiligem Narthex, polygonaler Apsis und Synthronon. Sechs Stufen führten zu einer kreuzförmigen Krypta mit Tonnengewölbe hinab. Die Basilika befindet sich nach den Bränden und dem Erdbeben im Zustand einer Ruine.[1] Klostergebäude und Kirche bildeten ein Atrium, das ursprünglich bon Kolonnaden umgeben war und heute bis auf die ursprünglich viertürige Nordwand zerstört ist.[1] Von den Klostergebäuden ist außer einer Zisterne kaum etwas erhalten.[1][3] Die Mauern der Kirche bestanden aus drei Lagen Werksteinen und fünf lagen Ziegeln, die der für die byzantinische Baukunst typische Bänderung führte.

BedeutungBearbeiten

Die Bedeutung des Klosters gründet sich auch auf seine Schreibschule (die noch 1350 existierte) und die Bibliothek. Viele liturgische Dichtungen und dogmatische Werke sind im Studionkloster entstanden.

Neben dem Patriarchen Alexios I. Studites kam auch der Patriarch Antonios III. Studites (974–980) aus dem Kloster. Isaak Komnenos, der spätere Kaiser Isaak I., wurde hier auf Anordnung des Kaisers Basileios II. erzogen; er und der Kaiser Michael VII. zog sich nach ihrer Abdankung im Jahr 1059 beziehungsweise 1078 hierhin zurück.

LiteraturBearbeiten

  • Evelyn Patlegean: Les Stoudites, l’empereur et Rome. In: Bisanzio, Roma e l’Italia nell’alto medioevo, Band 1, Spoleto 1988, S. 429–460.
  • Olivier Delouis: Saint-Jean-Baptiste de Stoudios à Constantinople. La contribution d’un monastère à l’histoire de l’Empire byzantin (v. 454–1204). 1–2. Diss. [masch.] Université Paris-I 2005. 584 S. [1].

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion, Konstantinupolis, Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Wasmuth, Tübingen 1977, ISBN 3-8030-1022-5, S. 147
  2. Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion, Konstantinupolis, Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Wasmuth, Tübingen 1977, ISBN 3-8030-1022-5, S. 149
  3. a b c Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion, Konstantinupolis, Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Wasmuth, Tübingen 1977, ISBN 3-8030-1022-5, S. 150

Koordinaten: 40° 59′ 46″ N, 28° 55′ 43,1″ O