Steinfische

Familie der Ordnung Drachenkopfartige

Die Steinfische (Synanceiidae) sind eine Familie von Meeresfischen aus der Ordnung der Barschartigen (Perciformes). Sie sind vor allem dadurch bekannt, dass einige ihrer Arten zu den giftigsten Fischen überhaupt gehören. Das in den Rückenflossenstacheln sitzende Gift ist extrem schmerzhaft und kann auch für den Menschen tödlich sein. Sie leben im tropischen Indopazifik und im Roten Meer.

Steinfische
Arabischer Steinfisch (Synanceia nana)

Arabischer Steinfisch (Synanceia nana)

Systematik
Acanthomorphata
Stachelflosser (Acanthopterygii)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Drachenkopfverwandte (Scorpaenoidei)
Familie: Steinfische
Wissenschaftlicher Name
Synanceiidae
Kaup, 1873

MerkmaleBearbeiten

Steinfische werden je nach Art 8 bis 60 cm lang, haben einen plumpen oder langgestreckten Körper, große Brustflossen, einen sehr großen, abgeflachten Kopf und ein nach oben gerichtetes, großes Maul. Die Haut ist unbeschuppt, mit warzigen Drüsen versehen, rau und oft algenbewachsen. Der Knochenkamm auf den Kopfseiten („Panzerwangen“) reicht bis zum Vorkiemendeckel. An der Lachrimale besitzen Steinfische einen säbelartigen Knochen, den Tränensäbel, den sie als Defensivwaffe einsetzen können. Er wird dazu von seiner Ruheposition an der Unterseite der Lachrimale in eine arretierte Position an die Seite bewegt.[1]

LebensweiseBearbeiten

Steinfische leben als einzelgängerische Bodenbewohner, meist als Fels getarnt, in relativ flachem Wasser in Korallen- und Felsriffen, auf Sand-, Geröll- und Weichböden. Einige Arten gehen auch in Flussmündungen. Als ortsfeste, hervorragend getarnte Lauerjäger ernähren sie sich von kleinen Fischen, Kopffüßern und Krebstieren, die sie durch plötzliches Aufreißen des Mauls einsaugen. Die Tiere sind schlechte Schwimmer. Ihre Larven sind pelagisch.

Stich und GiftwirkungBearbeiten

In Drüsen an der Basis der Stachelstrahlen der Rückenflosse wird ein aus einer Mischung verschiedener Proteine bestehendes Nervengift produziert, das zu den gefährlichsten tierischen Giften zählt und für Menschen mitunter auch tödlich sein kann, es gibt hierzu allerdings kaum nennenswerte Statistiken. Der Stich eines Steinfisches führt meist zu extremsten Schmerzen in der Einstichstelle.[2]

BehandlungBearbeiten

Vorläufige Erste-Hilfe Maßnahmen sind in der Regel das Entfernen der Stachel und das Eintauchen der Stichwunde in heißem Wasser,[3][4][5] was das Gift denaturiert und schmerzlindernd wirken kann.[6] Bei andauernden Schmerzen ist eine notärztliche Behandlung nötig. Diese erfolgt meist mit der Verabreichung eines Gegengifts, welches vom Blut von Pferden, welche mittels der Verabreichung kleiner Dosen Steinfischgift immunisiert wurden, gewonnen wird.[7] Manche Quellen schlagen zur Schmerzlinderung Lokalanästhetika wie Lidocain vor.[8]

SystematikBearbeiten

Die Steinfische werden bei Nelson (2006) als Unterfamilie zu den Skorpionfischen (Scorpaenidae) gestellt. Die meisten andere Autoren sehen sie, wie auch Nelson in der 1994er Ausgabe seines Standardwerks zur Fischsystematik, als eigenständige Familie.

Nach der phylogenetischen Untersuchung von Smith, Everman und Richardson stehen die Steinfische eindeutig außerhalb der Skorpionfische und bilden mit den Wespenfischen (Apistidae), den Samtfischen (Aploactinidae), den Eschmeyeridae, den Gnathanacanthidae, den Indianerfischen (Pataecidae), den Perryenidae und den Stirnflossern (Tetraroginae) ein monophyletisches Taxon. Die nahe Verwandtschaft der acht Familien wird nicht nur durch molekularbiologische Daten gestützt, sondern auch durch die Morphologie der Fischlarven, der adulten Tiere, unter anderem besitzen alle Taxa den Tränensäbel, und der ähnlichen Lebensweise als gut getarnte Lauerjäger tropischer Flachmeere.[9]

Es gibt 36 Arten in neun Gattungen und drei Unterfamilien.

 
Filament-Teufelsfisch (Inimicus filamentosus)
 
Trachicephalus uranoscopus

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Smith, W.L., Everman, E. & Richardson, C. (2018): Phylogeny and Taxonomy of Flatheads, Scorpionfishes, Sea Robins, and Stonefishes (Percomorpha: Scorpaeniformes) and the Evolution of the Lachrymal Saber. Copeia 106(1):94-119. 2018 doi:10.1643/CG-17-669
  2. Steinfisch bereitet Schmerz. Abgerufen am 3. April 2020.
  3. Geoffrey K. Isbister: Managing injuries by venomous sea creatures in Australia. doi:10.18773/austprescr.2007.073 (org.au [abgerufen am 9. Januar 2021]).
  4. Stonefish sting Information | Mount Sinai - New York. Abgerufen am 9. Januar 2021 (englisch).
  5. KM Poon, Chun Ho Vember Ng, ML Tse: A 10-year retrospective review of stonefish sting injury in Hong Kong. In: Hong Kong Journal of Emergency Medicine. Band 27, Nr. 5, 1. September 2020, ISSN 1024-9079, S. 300–303, doi:10.1177/1024907919851999 (doi.org/10.1177/1024907919851999 [abgerufen am 9. Januar 2021]).
  6. F. Ongkili Darlene, Cheah Phee-Kheng: Hot water immersion as a treatment for stonefish sting: A case report. In: Malaysian Family Physician: the Official Journal of the Academy of Family Physicians of Malaysia. Band 8, Nr. 1, 30. April 2013, ISSN 1985-207X, S. 28–32, PMID 25606265, PMC 4170453 (freier Volltext).
  7. Stonefish Antivenom. NPS Medicinewise, August 2019, abgerufen am 9. Januar 2021 (englisch).
  8. Elijah W. Stommel, Michael R. Watters: Marine Toxins and Assorted Biological Toxins. In: Current Therapy in Neurologic Disease (Seventh Edition). Mosby, Philadelphia 2006, ISBN 978-0-323-03432-6, S. 354–358, doi:10.1016/b978-0-323-03432-6.50083-0 (sciencedirect.com [abgerufen am 9. Januar 2021]).
  9. W. L. Smith, E. Everman, C. Richardson: Phylogeny and Taxonomy of Flatheads, Scorpionfishes, Sea Robins, and Stonefishes (Percomorpha: Scorpaeniformes) and the Evolution of the Lachrymal Saber. In: Copeia. Band 106, Nr. 1, 2018, S. 94–119. doi:10.1643/CG-17-669.

WeblinksBearbeiten

Commons: Synanceiidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien