St. Joseph (Mettlach)

Kirchengebäude in Deutschland

Die Kapelle St. Joseph in Mettlach ist ein neugotischer Sakralbau des frühen Historismus in der Saar-Region.[1] Die ursprünglich 1864 in Wallerfangen errichtete Kapelle wurde 1878/1879 abgetragen und nach Mettlach transloziert, wo sie 1882 mit kleinen Veränderungen wieder aufgebaut wurde.[1] Seit dem Frühjahr 2013 ist sie nach zehnjähriger Renovierung wieder zugänglich.[2][3]

Kapelle St. Joseph, Mettlach

GeschichteBearbeiten

 
Neogotische Kapelle am Schloss Villeroy vor der Abtragung in den Jahren 1878/1879 (Archiv des Museums Wallerfangen)

Céphalie Thierry geborene de Lasalle, eine Enkelin von Barbe de Galhau, ließ die Kapelle 1864 am Familiensitz in Wallerfangen – heute bekannt als „Schloss Villeroy“ – erbauen. Architekt war Franz Georg Himpler, der später in Amerika Karriere machte. Als Vorbild diente die gotische Sainte-Chapelle in Paris, auch wenn die Ausmaße weitaus bescheidener blieben. Die Kapelle wurde von den Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus genutzt, die im nahen Krankenhaus tätig waren. Als ein neues Krankenhaus an anderer Stelle in Wallerfangen in Betrieb genommen wurde, blieb die Kapelle ungenutzt.[1]

Der Erbe des Schlosses Villeroy, Ernest Villeroy, überließ die Kapelle seinem Onkel Eugen von Boch, der sie für sein neues Krankenhaus in Mettlach nutzen wollte. Von Boch, Leiter des Keramikunternehmens Villeroy & Boch, ließ die Kapelle in Wallerfangen abtragen, per Treidelschiff auf der Saar nach Mettlach transportieren und dort neu aufbauen. Die neu angelegte Krypta sollte als Familiengruft dienen. Im Inneren wurde die Kapelle ergänzend mit farbenprächtigen Keramikfliesen ausgestattet.[1]

Inschrift über dem Ausgang[Anm. 1]
Dieser Bau ist im Jahr 1864 durch Frau Wittwe Thiery, geb. von Lassalle,
als Hauscapelle in Wallerfangen errictet und im Jahr 1879 durch Eug. Boch
und seine Gattin Octavie geb. Villeroy ueber ihre Familiengruft zum Gebrauche
der barmherzigen Schwestern des H. Carl Boromaeus hierher verlegt worden.

Die mit der Zeit aufgetretenen, kriegs- und witterungsbedingten Bauschäden wurden ab 2003 umfassend behoben. Der in den 1950er Jahren im Inneren aufgebrachte weiße Putz wurde entfernt, die beschädigten Fliesen und die Wand- und Deckenmalereien wurden ausgebessert oder erneuert. Die mehr als eine Million Euro teuren Renovierungsarbeiten dauerten zehn Jahre. Neben der Besitzerfamilie von Boch-Galhau beteiligten sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Bund und das Land an den Kosten.[4] Im Herbst 2013 wurde die Familie von Boch für die Renovierung der Kapelle und der Abtei in Mettlach in der Kategorie Private Eigentümer mit dem 7. Saarländischen Denkmalpflegepreis ausgezeichnet.[5]

AusstattungBearbeiten

 
Kirchenschiff in Richtung Altar
 
Kirchenschiff in Richtung Empore und Orgel

Die innen knapp fünf Meter breite Kapelle hat 70 Sitzplätze.[2] Der schmale vierachsige Bau mit dreiseitigem Chor ist verhältnismäßig hoch mit einem steilen Dach. Die Eingangsfassade ist aufwändig gestaltet.[1] Das zentrale Bleiglasfenster des Chors ist bunt gehalten, die beiden seitlichen Chorfenster und die zehn Maßwerkfenster an den Seitenwänden sind nur leicht getönt. Über dem Eingang befindet sich ein symmetrisch aufgebautes Maßwerkfenster.[6]

Das Deckengewölbe ist strahlend blau ausgemalt.[2] Ein zwei Meter hoher, bunter Fliesensockel bedeckt die Seitenwände einschließlich des Chorraums; er besteht aus „Mettlacher Platten“ von Villeroy & Boch, die im 19. Jahrhundert in ganz Europa vertrieben wurden.[4] Zwischen Fliesensockel und Decke befinden sich sorgsam restaurierte historistische Gemälde.

Zur Ausstattung gehören weiterhin eine Orgelempore über dem Eingangsbereich, Kreuzwegstationen aus Terrakotta, große Statuen der hl. Maria und des hl. Joseph im Chor, eine kretische Ikone aus dem 15. Jahrhundert, ein neugotischer Altar sowie ein Bodenmosaik im Altarbereich.[6][1]

LageBearbeiten

Die Kapelle St. Joseph liegt etwas versteckt. Die Adresse ist Bahnhofstraße 9, der Zugang ist möglich über die Einfahrt zum benachbarten Krankenhaus, Saaruferstraße 10. Neben der Kapelle steht ein 1901 errichtetes Denkmal für Eugen von Boch und seine Frau Octavie geborene Villeroy.

GalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Arthur Fontaine: Die St. Josef-Kapelle in Mettlach und ihr Kreuzweg, 2. Auflage, Norderstedt 2017.
  • Marco Mrziglod: Die Kapelle St. Joseph in Mettlach, Freilegung der Wandmalerei als Möglichkeit der Erhaltung unter konservierungsethischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten, Fachhochschule Köln, Fachbereich Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgut, Diplomarbeit 2010.
  • Rupert Schreiber: Ein neugotisches Kleinod mit "bewegter" Geschichte, Die Kapelle St. Josef in Mettlach, in: Saargeschichten, 2, 2017, Heft 47, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend e. V. und dem Landesverband der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes e.V., S. 17–23.
  • Rupert Schreiber: Fromme Fliesen für St. Josef, Die kostbare Ausgestaltung des Innenraumes der Grabkapelle von Boch in Mettlach, in: Saargeschichten, 4, 2017, Heft 49, hrsg. vom Historischen Verein für die Saargegend e. V. und dem Landesverband der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes e.V., S. 30–35.

WeblinksBearbeiten

Commons: St. Joseph (Mettlach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f K. Marschall: Die Kapelle St. Joseph in Mettlach. (PDF; 634 kB) 2011, abgerufen am 4. Oktober 2016.
  2. a b c Traudi Brenner: Farbenprächtiges Kleinod. In: Saarbrücker Zeitung. 29. April 2013, abgerufen am 6. September 2020.
  3. „Sainte-Chapelle an der Saar“. Wochenspiegel, 19. April 2013
  4. a b St. Joseph Kapelle auf den Seiten von Villeroy & Boch (Memento vom 23. Mai 2012 im Internet Archive)
  5. Saarländischer Denkmalpflegepreis 2013 (Memento vom 27. November 2013 im Internet Archive)
  6. a b Kapelle St. Joseph auf den Seiten des Kunstlexikon Saar

AnmerkungenBearbeiten

  1. Man beachte die Orthographiefehler: „Thiery“ statt „Thierry“, „Lassalle“ statt „Lasalle“, „errictet“ statt „errichtet“, „Boromaeus“ statt „Borromaeus“, „Carl“ statt „Karl“. „Wittwe“ hingegen ist eine seinerzeit gängige Schreibweise.

Koordinaten: 49° 29′ 41,9″ N, 6° 35′ 45,5″ O