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Chrischona International (vormals Pilgermission St. Chrischona bis Mai 2014[1]) war ein evangelischer Gemeindeverband in pietistischer Tradition. 2019 wurde die Verbandsarbeit eingestellt und einige der Aufgaben an den Verein Theologisches Seminar St. Chrischona (tsc) übergeben.[2]

Chrischona International
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Gründung 1840
Gründer Christian Friedrich Spittler
Sitz St. Chrischona, Schweiz
Personen René Winkler (letzter Direktor)
Aktionsraum Schweiz, Deutschland, Frankreich, Südafrika, Namibia und Luxemburg
Schwerpunkt Pietistischer Gemeinschaftsverband und theologische Ausbildungsstätte
Methode Aufbau lokaler christlicher Gemeinschaften
Motto Jesus erleben – Menschen fördern – Dem Nächsten dienen
Website www.chrischona.org
Auflösung 2018

2018 gab es knapp 200 Gemeinden in der Schweiz, Deutschland, Frankreich, Südafrika, Namibia und Luxemburg. Die Gemeinden bestehen weiterhin. Sie werden wöchentlich von ungefähr 20'000 Besuchern frequentiert. Sie sind immer noch Teil ihrer nationalen Verbände. Nur die internationale Verbandsarbeit wurde beendet.

Der Ursprung und das Zentrum von Chrischona International befand sich im Weiler St. Chrischona, auf dem gleichnamigen Berg in der Gemeinde Bettingen bei Basel.

Inhaltsverzeichnis

GlaubeBearbeiten

Chrischona International hat keine eigenen Bekenntnisse formuliert, sondern erkannte die altkirchlichen und reformatorischen Bekenntnisse an und vertrat die theologischen Positionen der Evangelischen Allianz und die Lausanner Verpflichtung.[3]

In den Chrischona-Gemeinden wird ein evangelischer Glaube evangelikaler Prägung vertreten.[3]

In der Schweiz sind die knapp 100 Chrischona-Gemeinden Mitglied im Verband Evangelischer Freikirchen und Gemeinden in der Schweiz (VFG).

In Deutschland ist das Chrischona-Gemeinschaftswerk ein freies Werk innerhalb der Evangelischen Kirche und gehört dem Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband (Gemeinschaftsbewegung) an.[3] Zum Chrischona-Gemeinschaftswerk gehören 69 Gemeinden und einige Werke, etwa die Chrischona-Service-Gesellschaft und das Freizeit- und Tagungszentrum Flensunger Hof in Mücke.

Die Verbreitung der christlichen Werte in der von St. Chrischona vertretenen Ausprägung wird durch ein eigenes theologisches Seminar gefördert, das früher Pilgermission St. Chrischona hiess und heute den Namen Theologisches Seminar St. Chrischona trägt.[3]

GeschichteBearbeiten

Der erste Kirchenbau auf der Bettinger Anhöhe stammt aus dem 7. Jahrhundert. Der Name St. Chrischona wurde erstmals 1356 erwähnt und verweist wahrscheinlich auf das Grab einer Heiligen Christiana. Christiana wurde 1504 heiliggesprochen und war Anlass für den heutigen spätgotischen Bau, welcher im Dreissigjährigen Krieg zerstört wurde.[4]

Gründung und AnfangszeitBearbeiten

Am 8. März 1840 gründete Christian Friedrich Spittler in der auf seine Veranlassung wiederaufgebauten ehemaligen Wallfahrtskirche St. Chrischona die Pilgermission St. Chrischona[4] mit dem Ziel, erwerbstätige Menschen, die sich für den Verkündigungs-, Seelsorge- und Missionsdienst berufen fühlen, auszubilden.

Nebst der Not in fernen Ländern bewegte ihn auch die von ihm beobachtete geistige Not der entkirchlichten Menschen in der Heimat. Sein Leitgedanke war: «Wenn wir dafür sorgen, dass die Heiden Christen werden, so dürfen wir nicht versäumen, auch darauf bedacht zu sein, dass die Christen keine Heiden werden.» Er schulte junge Männer, um sie als «Pilgermissionare» in die Welt zu senden.

Nach Spittlers Tod 1867 übernahm Carl Heinrich Rappard dieses Erbe als Inspektor bis 1909. Zusammen mit seiner Frau Dora Rappard, der «Mutter von Chrischona», gestaltete er die Ausbildungsstätte zur ersten Evangelistenschule im deutschen Sprachraum um. 1888 war Rappard Mitbegründer der Gnadauer Gemeinschaftskonferenz. 1895 gründete Chrischona in Kooperation mit Hudson Taylor die China Inland Mission. 1909 wurde Friedrich Veiel neuer Inspektor und Leiter der Pilgermission, diese Funktionen übte er 38 Jahre lang aus. Im gleichen Jahr wurde in einem geradezu progressiven Schritt auch die «Bibelschule für Töchter» errichtet.

1869 entstand in der Schweiz die erste Chrischona-Gemeinde in Mattwil im Kanton Thurgau, die damals noch Gemeinschaft hiess; Markus Hauser war deren erster Prediger. 1878 wurde in Lich bei Giessen die erste Chrischona-Gemeinde in Deutschland gegründet. 1913 erfolgte eine erste Gründung im Elsass, 1966 im südlichen Afrika und 1992 in Luxemburg.[5]

Mit der Zeit wurden auch Ferien-, Jugend- und Altenheime angegliedert. St. Chrischona engagierte sich mit Literaturarbeiten und gründete 1919 einen eigenen Verlag, den Brunnen Verlag in der deutschen Stadt Giessen.

Diakonissen-MutterhausBearbeiten

1925 wurde das Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona gegründet, und 20 Schwestern traten ein. Die Diakonissen leben in einer verbindlichen Glaubens-, Lebens- und Dienstgemeinschaft. Zeitweise gehörten 324 Schwestern zu dieser Gemeinschaft,[6] im Jahr 2015 sind es noch rund 100.[7] Seit der Umstrukturierung der Organisation und der Gründung der «Stiftung Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona (DMH)» im Jahre 2009 konzentriert sich der Auftrag des DMH auf die Bereiche Altenpflege, Ausbildung (Altenpflegeschule Manoah, Lörrach) und auf die Förderung sozial-missionarischer Projekte (2008: Lechaim e. V., Lörrach[8] und 2007 basecamp e. V., Prenzlau).[9][10][11] Die Leitung des Diakonissen-Mutterhauses St. Chrischona liegt in den Händen der Oberin. Im Jahr 2015 ist das Schwester Ursula Seebach.[12] Im Mai 2015 wurde der neue theologische Leiter, Pfarrer Friedhelm Geiß, eingeführt. Zu seinen Hauptaufgaben wird es gehören, einen Mehrgenerationen-Wohnpark zu gestalten, der bis 2019 auf St. Chrischona bei Basel entstehen soll.[13]

Zeit nach 1933Bearbeiten

Die Nazizeit 1933 bis 1945 war eine schwierige Zeit für die Chrischonagemeinden und deren Mitglieder in Deutschland. Sie bewegten sich – wie andere Kirchen auch – zwischen viel Anpassung und wenig Widerstand und Verfolgung. Das Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete das Ende einer blühenden Gemeindearbeit in West- und Ostpreussen. 1947–1967 war Hans Staub Direktor der Pilgermission. 1967–1991 folgte ihm Edgar Schmid, 1991–2001 Karl Albietz. Ein grosszügiges Konferenzzentrum wurde auf St. Chrischona gebaut, das am 10. Mai 1992 eingeweiht wurde. 1994 wurde eine Studienreform am Theologischen Seminar durchgeführt, und ein erstes Jugendmeeting unter dem Namen CREA! konnte auf St. Chrischona stattfinden.[14]

Im März 2012 löste René Winkler den bisherigen Direktor des Verbandes, Markus Müller, ab; er gab sein Amt als Leiter der Chrischona-Gemeinden Schweiz an Peter Gloor weiter.[15]

Seit 2016 ist es bei Chrischona Schweiz offiziell möglich, dass auch Frauen Gemeindepastorinnen werden können, sofern die Gemeindeleitungen damit einverstanden sind.

AuflösungBearbeiten

Am 1. Januar 2019 wurde die Verbandsarbeit von Chrischona International beendet und der Verein „Chrischona International“ in „Theologisches Seminar St. Chrischona“ (tsc) umbenannt. Viele der Organisationen, welche vormals zu Chrischona International gehört haben, haben sich dem tsc-Netzwerk angeschlossen. Dieses konzentriert sich auf die theologische Aus- und Weiterbildung.

DirektorenBearbeiten

  • Christian Friedrich Spittler (1782–1867), Gründer und Leiterfigur 1840–1860
  • Carl Heinrich Rappard (1837–1909), Inspektor und Leiter 1860–1909
  • Friedrich Veiel (1866–1950), Inspektor und Leiter 1909–1947
  • Hans Staub (1898–1967), Direktor 1947–1967
  • Edgar Schmid (1923–2003), Direktor 1967–1991
  • Karl Albietz, Direktor 1991–2001
  • Markus Müller, Direktor 2001–2012
  • René Winkler, Direktor 2012–2018[16]

VerbandBearbeiten

Zum Verband gehörten:[17]

  • die Chrischona-Gemeinden in der Schweiz (etwa 100 Gemeinden), Deutschland (60), Frankreich (20), Luxemburg, Namibia und Südafrika (6)
  • das Theologische Seminar St. Chrischona (TSC)
  • der Chrischona-Campus mit dem Konferenzzentrum
  • das Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona
  • die Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel (amzi)
  • der Brunnen Verlag (Gießen) sowie rund 47 Buchhandlungen (davon 13 ALPHA Buchhandlungs-Filialen und 18 Franchise-Partner) in Deutschland. Im Juni 2017 wurde Brunnen Gießen und Alpha von Francke Marburg und Kawohl Wesel übernommen.[18]
  • 1921 wurde der Brunnen Verlag Basel gegründet.[19] Seit dem 1. Juli 2016 rückte die nicht zur Chrischona gehörenden „Asaph AG Schweiz“ und die „Asaph GmbH Lüdenscheid“ noch näher zusammen: Die Asaph AG hat sich in Fontis AG umbenannt (Sitz in Kreuzlingen TG) und darauf hin den Brunnen-Verlag Basel und die Buchhandlungen Bibelpanorama übernommen. Im Buchhandel firmiert Fontis unter dem Label Fontis – Brunnen Basel.[20] Die Gruppe war zuerst mit 13 Buchhandlungen in der Schweiz vertreten, 2018 waren es noch 10, beschäftigt etwa 90 Mitarbeitende und machte 2017 15 Mio. Euro Umsatz.[21]

LiteraturBearbeiten

  • Carl Heinrich Rappard: Fünfzig Jahre Pilgermission auf St. Chrischona. Basel 1890.
  • Carl Heinrich Rappard: Die Pilgermission zu St. Chrischona, 1840–1908. Schriften-Niederlage zu St. Chrischona, Basel 1908.
  • Hans Staub: Wir sind sein Werk: 125 Jahre Pilgermission St. Chrischona bei Basel. Brunnen-Verlag, Basel 1965.
  • 150 Jahre Pilgermission St. Chrischona 1840–1990. Brunnen-Verlag, Basel/Giessen 1990.
  • Michael Gross u. a.: 175 Jahre Chrischona 1840–2015. Jesus bewegt Chrischona bewegt uns. Chrischona Panorama, Bettingen 22. Februar 2015

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Namenswechsel: Pilgermission wird zu Chrischona International, chrischona.org, Meldung vom 15. Juni 2014.
  2. [1]
  3. a b c d inforel.ch: Pilgermission St. Chrischona, Evangelisches Gemeinde- und Missionswerk. In: inforel.ch. 5. April 2011, archiviert vom Original am 5. April 2011; abgerufen am 5. April 2011.
  4. a b Relinfo: Pilgermission St. Chrischona. In: relinfo.ch. 18. November 2004, archiviert vom Original am 5. April 2011; abgerufen am 5. April 2011.
  5. Michael Gross u. a.: 175 Jahre Chrischona 1840–2015. Jesus bewegt Chrischona bewegt uns. Chrischona Panorama, Bettingen 22. Februar 2015, Seiten 4–5 unten
  6. Zeitleiste zum Artikel Ursula Seebach: Erneuerung und Zuwachs als Chance. In: Chrischona Panorama. 1/2015, Sonderausgabe 175 Jahre Chrischona, S. 86
  7. Zeitleiste zum Artikel Ursula Seebach: Erneuerung und Zuwachs als Chance. In: Chrischona Panorama. 1/2015, Sonderausgabe 175 Jahre Chrischona, S. 87
  8. Lechaim – Haus des Lebens. In: dmh-chrischona.org. 4. Mai 2011, archiviert vom Original am 5. April 2011; abgerufen am 5. April 2011.
  9. Geschichte >> Willkommen. In: basecamp-prenzlau.de. 5. April 2011, archiviert vom Original am 5. April 2011; abgerufen am 5. April 2011.
  10. Soziale Stadt: „baseCamp“ in der Stadt Prenzlau | Stadtentwicklung. In: mil.brandenburg.de. 5. April 2011, archiviert vom Original am 5. April 2011; abgerufen am 5. April 2011.
  11. Frauen, die Spuren hinterlassen | Gießen | Gießener Zeitung. In: giessener-zeitung.de. 5. April 2011, archiviert vom Original am 5. April 2011; abgerufen am 5. April 2011.
  12. Geschichte des Diakonissen-Mutterhauses St. Chrischona (Memento vom 22. Oktober 2015 im Internet Archive)
  13. Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona: „Mit 90 gehören wir noch lange nicht zum Seniorenkreis“, idea.de, Meldung vom 12. Mai 2015.
  14. Eine Geschichte der Veränderungen, Chrischona Panorama 1/18, St. Chrischona März 2018, S. 18–19
  15. Direktoren der Chrischona International, chrischona.org, abgerufen am 5. Juli 2014.
  16. Michael Gross u. a.: 175 Jahre Chrischona 1840–2015. Jesus bewegt Chrischona bewegt uns. Chrischona Panorama, Bettingen 22. Februar 2015, Seiten 4–8
  17. Was ist Chrischona International?, chrischona.org, abgerufen am 7. August 2015
  18. Francke und Kawohl übernehmen Brunnen, Alpha und ChrisMedia, pro-medienmagazin.de, abgerufen am 15. August 2017.
  19. Fontis: Firmengeschichte, fontis-verlag.com, abgerufen am 22. Juni 2016.
  20. Der Brunnen Verlag Basel und Asaph fusionieren, bibelpanorama.ch, abgerufen am 22. Juni 2016.
  21. Karsten Huhn: Bücher – Der Trend geht zur frommen Praline, ideaSpektrum, Wetzlar 11. Oktober 2017, S. 24–27.