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Sophie von Hatzfeldt, retuschierte Porträtfotografie, um 1860/61
Sophie von Hatzfeldt; zeitgenössisches Gemälde
Porträt mit Hermelinpelz und Zigarre

Sophie Josephine Ernestine Friederike Wilhelmine Gräfin von Hatzfeldt-Wildenburg-Schönstein, geb. Gräfin von Hatzfeldt-Trachenberg (* 10. August 1805 in Trachenberg; † 25. Januar 1881 in Wiesbaden) war eine deutsche Sozialistin und Lebensgefährtin Ferdinand Lassalles.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Um Familienstreitigkeiten zwischen den Linien Hatzfeldt-Trachenberg und Hatzfeldt-Wildenburg zu beenden, zwang man Sophie 1822 zur Heirat mit ihrem brutalen und gewalttätigen Vetter aus der Linie Wildenburg, Edmund von Hatzfeldt-Wildenburg-Weisweiler, einem vermögenden Mann mit Wohnsitzen auf Schloss Kalkum bei Düsseldorf, Schönstein und Schloss Crottorf. Auch die Geburt ihres Sohnes Paul im Jahr 1831 konnte den Grafen nicht von seinen Ausschweifungen abhalten. Schon um 1830 wollte sie sich scheiden lassen, ihre Brüder Hermann Anton von Hatzfeldt und Maximilian von Hatzfeldt-Trachenberg versagten ihr jedoch jede finanzielle Unterstützung. Seit 1846 betrieb sie die Scheidung selbst und wurde dabei von dem späteren Arbeiterführer Ferdinand Lassalle unterstützt, den sie durch Vermittlung des Obersten Archibald Graf von Keyserling (1785–1855) kennenlernte. Der Prozess, den Lassalle auch zu Propagandazwecken der Arbeiterbewegung nutzte, zog sich bis 1854 hin und fand vor sechs Gerichten statt.

Seit 1848 lebte die „rote Gräfin“ mit Lassalle in Düsseldorf zusammen und war dort während der Märzrevolution politisch aktiv. Auch nach ihrer Scheidung 1851 lebte sie bis 1856 mit Lassalle zusammen; danach zog sie nach Berlin, blieb aber in engem Kontakt mit ihm. 1861 trafen beide in Italien Giuseppe Garibaldi. 1862 lebte sie in Zürich und reiste mit Wilhelm Rüstow durch Süddeutschland.

Nach dem Tod Lassalles 1864 sah sie sich als seine geistige Erbin, gab seine nachgelassenen Schriften heraus und war in dem von Lassalle gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein ADAV tätig, wo sie indessen schnell in Konflikt mit vielen männlichen Mitgliedern der Arbeiterbewegung geriet. Im Jahr 1867 gründete sie als Abspaltung vom ADAV den Lassalleschen Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (LADAV). Der Präsident dieses streng zentralistischen Vereins war Fritz Mende. Nach der Wiedervereinigung des LADAV mit dem ADAV im Jahr 1869 zog sich die Gräfin aus der Politik zurück. Nachdem sie sich mit ihrer Familie wieder ausgesöhnt hatte, lebte sie auf dem gräflichen Gut zu Frauenstein oder in Heddernheim, später in Wiesbaden.

FamilieBearbeiten

Eltern und GeschwisterBearbeiten

Der Vater war Fürst Franz Ludwig von Hatzfeldt. Ihre jüngere Schwester Clara (1807–1858) war mit August Ludwig von Nostitz verheiratet, ihr jüngerer Bruder Maximilian von Hatzfeldt-Trachenberg (1813–1859) wurde preußischer Diplomat und Gesandter in Paris.

Ehe und NachkommenBearbeiten

Sophie und Edmund von Hatzfeldt-Wildenburg heirateten am 10. August 1822. Sie wurden 1851 geschieden und hatten drei Kinder:

VerwandteBearbeiten

Sophies Enkel war

Ihr Ururenkel ist

Ihre leiblichen Nichten und Neffen waren:

Ihre Stiefnichte war

VeröffentlichungenBearbeiten

  • Ferdinand Lassalle, Nachgelassene Briefe und Schriften, 6 Bde., Stuttgart 1921–25:
    • Bd. 3: Der Briefwechsel zwischen Lassalle und Marx nebst Briefen von Friedrich Engels und Jenny Marx an Lassalle und von Karl Marx an Gräfin Sophie Hatzfeldt, Stuttgart 1922.
    • Bd. 4: Briefwechsel mit Gräfin Sophie von Hatzfeldt, Stuttgart 1924.

LiteraturBearbeiten

  • Hans Wolfram von Hentig: Hatzfeldt, Sophie Josepha Ernestine Gräfin von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 67 f. (Digitalisat).
  • Manfred Gebhardt: Sophie von Hatzfeldt. Ein Leben mit Lassalle. Neues Leben, Berlin 1991, ISBN 3-355-01290-4.
  • Arno Herzig: Sophie von Hatzfeldt (1805–1881). In: Schlesische Lebensbilder. Band 7, Stuttgart 2001, S. 215–219.
  • Helmut Hirsch: Sophie von Hatzfeldt – In Selbstzeugnissen, Zeit- und Bilddokumenten dargestellt, Schwann, Düsseldorf 1981, ISBN 3-590-34101-7.
  • Ders.: Zuflucht auf Schloß Trachenberg. Eine Episode aus dem Leben der Gräfin Sophie von Hatzfeldt. In: Schlesien. Vierteljahresschrift für Kunst, Wissenschaft und Volkskunde. Band 26, 1981, S. 216–221.
  • Ders.: Sophie von Hatzfeldt (1805–1881). In: Rheinische Lebensbilder, Band 10. Hrsg. von Wilhelm Janssen. Rheinland Verlag, Köln 1985, S. 121–140.
  • Antje Kahnt: Düsseldorfs starke Frauen – 30 Portraits Droste, Düsseldorf 2016, ISBN 978-3-7700-1577-1, S. 49–54.
  • Christiane Kling-Mathey: Gräfin Hatzfeldt, Bonn 1989 (zugl. Diss.)
  • Isidor Momma: Die Gräfin Sophia von Hatzfeldt und der Professor Isidor Momma. Campmann in Comm., Düsseldorf 1848. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Karla Nieraad: "Ich habe mich entschlossen, jetzt hervorzutreten." Über Gräfin Sophie von Hatzfeldt im Schatten Ferdinand Lassalles. Stadthaus Ulm, edition stadthaus, Band 19, Ulm 2016, ISBN 978-3-934727-43-4.
  • Britta Stein: Der Scheidungsprozeß Hatzfeldt, Münster 1999 (zugl. Diss.)

QuellenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sophie von Hatzfeldt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien