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Shëngjin

Hafen und Badeort in Albanien
Shëngjin
Shëngjin (Albanien)
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Koordinaten: 41° 49′ N, 19° 36′ O

Basisdaten
Qark: Lezha
Gemeinde: Lezha
Höhe: m ü. A.
Fläche: 53,4 km²
Einwohner: 8091 (2011)
Bevölkerungsdichte: 0 Einw./km²
Telefonvorwahl: (+355) 0215
Postleitzahl: 4503
Luftaufnahme aus einem Flugzeug

Shëngjin (albanisch auch Shëngjini, italienisch San Giovanni di Medua) ist eine kleine Hafenstadt und ein Badeort im Nordwesten Albaniens am Adriatischen Meer. Der Name Shëngjin bedeutet übersetzt Sankt Johann.

Shëngjin gehört heute zur Gemeinde Lezha. Bis 2015 war Shëngjin eine eigenständige Gemeinde (komuna), die neben der Stadt noch vier Dörfer umfasste. Die Gemeinde hatte 8091 Einwohner (Volkszählung 2011).[1] Die Lokalbehörden gaben über 11.500 Einwohner (2012) an, wovon etwa ein Drittel auf die Stadt selber fielen.[2]

GeographieBearbeiten

Shëngjin liegt am Nordrand einer weiten Bucht im Drin-Golf am Adriatischen Meer sieben Kilometer nordwestlich von Lezha, der Hauptstadt des Qarks.

Entlang der flachen Küste südlich der Stadt erstreckt sich der lange Strand Plazhi i Shëngjinit mit zahlreichen Hotels, Ferienwohnungen und Restaurants. Östlich und nördlich von Shëngjin zieht sich der bis zu 561 m ü. A. hohe Höhenzug des Mali i Rencit über mehrere Kilometer an der Küste entlang. Dieser fällt steil zur Küste ab. Am Fuße des Hügels befinden sich der Hafen und das Ortszentrum. Rund zweieinhalb Kilometer nördlich liegen die großen Sanddünen Rana e hedhun aus Alluvialsand.


Lagune von Shëngjin

Südlich von Shëngjin liegen mehrere Lagunen und das Flussdelta des Drin. Die Region ist als Naturreservat Kunë-Vain geschützt. Auf engen, geschotterten Wegen kann die Lagunen-Landschaft gegen eine Gebühr mit privaten Fahrzeugen erkundet werden.

Eingeklemmt zwischen Lagunen, Meer und Hügel ist Shëngjin einzig von Lezha aus auf einer schmalen Straße zwischen der Lagune und den Hügeln erreichbar. Entlang der Küste nach Norden oder Süden gibt es keine Straßen. Die Gemeinde Shëngjin umfasste einen langen Streifen Land entlang der Küste. Auf dem Hügel nördlich des Hauptortes gehörten die Dörfer Mali i Rencit und Mali i Shëngjinit zum Gemeindegebiet, in der Lagunen-Gegend südlich Ishull i Shëngjinit und Ishull i Lezhës. Gerade in den beiden letztgenannten Orten haben sich seit dem Ende des Kommunismus viele neue Bewohner angesiedelt, so dass zwei Drittel der Einwohner der Gemeinde in den vier Dörfern wohnten (gemäß Angaben der Qark-Behörden).[2]

GeschichteBearbeiten

Schon in römischer Zeit benutzten die Bewohner des antiken Lissus (Lezha) Shëngjin als Hafen. Julius Cäsar soll hier im Krieg gegen Pompei gelandet sein. Damals hieß der Ort Nimphaeum. 1313 wurde er erstmals als San Giovanni di Medua schriftlich erwähnt. In osmanischer Zeit verlor Shëngjin wie auch Lezha an Bedeutung, denn der Handel in der Region konzentrierte sich auf das im Norden befindliche Shkodra und die Buna-Mündung bzw. Ulcinj in Montenegro.

Am 5. Dezember 1915 wurde der damals von Serben besetzte Hafen vom Kreuzer Novara und weiteren Schiffen der k.u.k. Kriegsmarine beschossen.

Shëngjin war bis Ende des 20. Jahrhunderts ein verschlafenes Dorf. Noch in den 20er Jahren war die Einwohnerzahl zweistellig.[3] 1927 wurde der Ort, der zu osmanischer Zeit Şingin hieß, offiziell in Port Wilson umbenannt;[4] es fehlen aber Hinweise, dass der neue Name auch gebraucht wurde.

Die Marine Albaniens hatte während der kommunistischen Zeit in Shëngjin einige Boote stationiert und einen schiffbaren Bunker erstellt.[5]

Im Dezember 2006 brannten mehrere Öltanks ab. Mehrere Tausend Liter Öl flossen in die angrenzende Lagune und bedrohten die Tier- und Pflanzenwelt sowie die für den Tourismus wichtigen Strände. Im darauf folgenden Sommer waren aber keine Schäden mehr direkt erkennbar.[6]

WirtschaftBearbeiten

 
Strand mit Hotels und Appartementhäusern

Die Hafenstadt erfährt seit dem Ende der 1990er Jahre eine starke Wandlung. Mit dem Badetourismus kam Geld ins Städtchen, so dass viel gebaut und investiert werden konnte. Der Strand lockt im Sommer viele Albaner aus dem Kosovo an, seitdem hier zahlreiche Hotels, Ferienwohnungen und Gaststätten entstanden sind. Der Sandstrand ist sehr flach und wird von Pinienbäumen begrenzt.

Der Hafen ist nach jenem von Vlora der drittgrößte des Landes, hat aber wirtschaftlich keine sehr große Bedeutung, obwohl er der einzige nördlich von Durrës ist, dem größten Hafen Albaniens – im Jahr 2009 wurden Güter im Umfang von 369.000 Tonnen umgeschlagen.[7] Es wird wenig Fischerei betrieben und auch Erdöl wird für verschiedene albanische Tankstellen-Unternehmen an Land gebracht, die dann dort in großen Tanks gebunkert werden. In den Jahren 2015/16 wurde das Hafenbecken ausgegraben und ein Fährterminal erbaut.[8] Ein Aufschwung setzte aber nicht ein und die angekündigten Fähren nach Bari und Ancona verkehrten aber nie regelmäßig. Es fehle auch eine leistungsfähige Straßenanbindung.[9]

Die albanische Marine betreibt immer noch einen Stützpunkt im Hafen.[10]

EhrenbürgerBearbeiten

Im feierlichen Rahmen erhielten am 30. Juli 2012 folgende Persönlichkeiten für ihre Verdienste um die Stadt Shëngjin das Ehrenbürgerrecht:[11]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Shëngjin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ines Nurja: Censusi i popullsisë dhe banesave / Population and Housing Census – Lezhë 2011. Rezultatet Kryesore/Main Results. Hrsg.: INSTAT. Pjesa/Part 1. Adel Print, Tirana 2013 (instat.gov.al [PDF; abgerufen am 14. April 2019]).
  2. a b Njesia administrative Shëngjin. In: Këshilli i Qarkut Lezhë. Abgerufen am 29. April 2019 (albanisch).
  3. Teki Selenica: Shqipria më 1927. L'Albanie en 1927. Shtypshkronja Tirana, Tirana 1928 (die Einwohnerzahl wird in dieser Quelle mit lediglich 14 Personen angegeben).
  4. ALBANIA: Port Wilson. In: Time. 19. September 1927, ISSN 0040-781X (time.com [abgerufen am 17. Dezember 2016]).
  5. Die westliche Einfahrt (41° 48′ 38,3″ N, 19° 34′ 50,5″ O) ist gut auf dem Foto Datei:Shëngjin (WPWTR16).JPG oben links bei den beiden kleinen Wellenbrechern erkennbar. Die beiden östlichen Eingänge (41° 48′ 42,7″ N, 19° 35′ 5,7″ O) liegen links vom Kriegsschiff im Haupthafenbecken.
  6. Shëngjin, Öltanks werden von den Flammen eingenommen. Die Einwohner in der Nähe des Feuers werden evakuiert. (Nicht mehr online verfügbar.) Peshkupauje.com, 18. Dezember 2006, ehemals im Original; abgerufen am 1. August 2012 (albanisch).@1@2Vorlage:Toter Link/arkivi.peshkupauje.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. Shqipëria në Shifra, Albania in Figures 2010. (Nicht mehr online verfügbar.) Statistisches Institut Albaniens, archiviert vom Original am 4. März 2016; abgerufen am 20. Dezember 2015 (albanisch, S. 38).   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.instat.gov.al
  8. F.N.: Europort Shëngjin, a pharaonic project rewarded with a nice obelisk (and no investment). In: Ship2Shore.it. 14. März 2016, abgerufen am 4. April 2018 (englisch).
  9. Christoph Kersting: Albanien vor der Parlamentswahl: Nagelprobe in Tirana. In: Deutschlandfunk. 19. Mai 2017, abgerufen am 4. April 2018.
  10. John Pike: Albania - Forcat Detare - Naval Forces. In: www.globalsecurity.org. Abgerufen am 17. Dezember 2016 (englisch).
  11. Sejdiu, Mesić und Moisiu werden zu Ehrenbürgern von Shëngjin erklärt. Radio Televizioni i Kosovës, 30. Juli 2012, abgerufen am 1. August 2012 (albanisch).