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Semah-Tanz

Der Semah (von arabisch samāʿ: hören) ist ein ritueller Tanz der Aleviten. Er gehört zu den zwölf Pflichten in der Cem-Veranstaltung, der spirituellen Versammlung der Aleviten. Zum Semah werden spirituelle Lieder gespielt und gesungen. Der Semah ist auch ein Element der Trancetänze bei Sufi-Bruderschaften (Bei den persischen Sufis bezieht sich der Begriff Semah bzw. Sama (Samāʿ) als mystische Aufführung auf ein durch Musik, Gesang, Tanz und Gestik herbeigeführtes Gottgedenken[1]).

Die Musik wird vom usul (Rhythmus/Metrum) aksak bestimmt. Die Tänzer und Tänzerinnen wechseln zwischen langsamen und schnellen Schritten sowie zwischen kreisförmigen und zum Mittelpunkt ausgerichteten Bewegungen. Charakteristisch sind Drehbewegungen um die eigene Achse, womit eine Vereinigung des Menschen mit Gott und der Natur angestrebt wird. Dabei zeigt die Handinnenfläche der rechten Hand nach oben und die linke Handinnenfläche zum Boden. Das sich Drehen in einer Kreisbahn und um die eigene Achse symbolisiert Drehbewegungen der Planeten in ihrer Umlaufbahn um die Sonne, aber auch die ewigen Kreisläufe des Lebens und der Natur. Außerdem werden beim Tanzen die Tanz- und Flugbewegungen des den Aleviten heiligen Kranichs (türkisch turna) nachgeahmt.[2]

In den Texten geht es sowohl um Allah, den Propheten Mohammed, dessen Vetter Ali und Hızır, als auch um den Menschen selber: Man solle immer an das Gute im Menschen glauben, um nicht vom richtigen Weg abzukommen.

Der Semah wird auch „Kranichtanz“ (turnalar semahi) genannt, weil der Kranich, der in türkischen Volkserzählungen häufig vorkommt, weite Strecken zwischen seinem Heimatland und fernen Regionen zurücklegt und so als symbolischer Mittler zwischen Liebenden und von Menschen zu Gott erscheint.[3] Es besteht eine Verbindung zu alten schamanistisch-spirituellen Tänzen im zentralasiatischen Tengrismus.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nasser Kanani: Traditionelle persische Kunstmusik: Geschichte, Musikinstrumente, Struktur, Ausführung, Charakteristika. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, Gardoon Verlag, Berlin 2012, S. 240-245
  2. Semah (Alevi Toplumu Alevitische Gemeinde ATAG e. V.)
  3. Mehmet Kara, Ersin Teres: The Crane as a Symbol of Fidelity in Turkish and Japanese Cultures. Millî Folklor, 2012, S. 194–201, hier S. 196