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Schwarzkopftunnel

ehemaliger Eisenbahntunnel im Verlauf der Main-Spessart-Bahn

Der Schwarzkopftunnel ist ein rund 930 m langer, gerader zweigleisiger Eisenbahntunnel zwischen den Bahnhöfen Laufach und Heigenbrücken im Verlauf der Main-Spessart-Bahn bei Streckenkilometer 72,1–73,0. Nach dem Neubau der Spessartrampe wurde er am 15. Juni 2017 außer Betrieb genommen.

Schwarzkopftunnel
Schwarzkopftunnel
Portal des Schwarzkopftunnels in Heigenbrücken
Offizieller Name Schwarzkopftunnel
Nutzung Eisenbahntunnel
Verkehrsverbindung Main-Spessart-Bahn
Ort Schwarzkopf (Spessart)
Länge 926 Meterdep1
Anzahl der Röhren 1
Größte Überdeckung 118 Meter
Bau
Bauherr Königlich Bayerische Staatseisenbahnen
Baubeginn 1850
Fertigstellung 1854
Betrieb
Freigabe
  • 25. September 1854 (öffentliche Probefahrt)
  • 1. Oktober 1854 (Offizielle Einweihung)
Schließung 15. Juni 2017
Karte
Schwarzkopftunnel Karte.png
Karte des Tunnels
Lage
Schwarzkopftunnel (Bayern)
Red pog.svg
Red pog.svg
Koordinaten
Nordportal 50° 1′ 36″ N, 9° 21′ 43″ O
Südportal 50° 1′ 10″ N, 9° 21′ 10″ O

Geografische LageBearbeiten

Der Tunnel ist nach dem Schwarzkopf benannt, der sich mit 460 m ü. NN unmittelbar südöstlich über dem Tunnel auf der Wasserscheide zwischen Laufach und Lohrbach erhebt. Der Tunnel liegt mit 277 m ü. NN am Kulminationspunkt der Main-Spessart-Bahn, unterquert den Höhenzug der Eselshöhe und verbindet im Spessart das Lohr-Tal mit dem Laufach-Tal. An seinem westlichen Portal beginnt die Spessartrampe, die nach Laufach hin abfällt.

Der Tunnel quert mehrere Schichten Buntsandstein sowie den Zechstein. Seine maximale Überdeckung beträgt 118 Meter.[1]

GeschichteBearbeiten

Der Tunnel wurde zwischen 1850 und 1854 im Auftrag der Bayerischen Staatsbahn errichtet. Der Bau gestaltete sich aufgrund des reichlich anfallenden Bergwassers sehr schwierig. Er wurde nach einer Variante der deutschen Bauweise mit einem First- und zwei Sohlstollen vorgetrieben. Das Bergwasser wurde gefasst und zur Versorgung der Wassertürme in den Lokstationen Laufach und Aschaffenburg genutzt.

Anfang der 1980er Jahre war im Rahmen der Ausbaustrecke Aschaffenburg–Gemünden vorgesehen, die Steilstrecke mit dem Schwarzkopftunnel auf einer Länge von 18 km mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h zu umfahren.[2] Dieses und verschiedene andere großräumige Neu- und Ausbauvorhaben wurden später nicht weiter verfolgt.

Technische ParameterBearbeiten

Die Länge des Tunnels wird mit 926 m[3] oder 930 m angegeben.[4] Der Gleismittenabstand liegt bei 3,50 m.

Bis zur Elektrifizierung der Strecke hatte der Tunnel bei Kilometer 72,377 und 72,691 je einen senkrechten Abluftschacht, um die Abgase der Dampflokomotiven dank der Kaminwirkung schneller aus dem Tunnel abziehen zu lassen.[5] Bei der Elektrifizierung 1957 wurde die Tunnelsohle um 60 Zentimeter tiefer gelegt. Die Verstärkungsleitung der Oberleitung wurde aus Gründen des eingeschränkten Lichtraumprofils über den Tunnel hinweg geführt.[5] Um 1926 und um 1970 wurde der Tunnel saniert, da der Gebirgsdruck und eindringendes Bergwasser die Gewölbemauerung beschädigt hatten. Laut Main-Echo kam es auch 1991 zu einem Wassereinbruch in den Tunnel, woraufhin 1993 für sechs Millionen DM eine Betonschale errichtet worden sei. Nachdem sich 2010 ein Teil dieser Schale wieder gelöst habe, seien 300 Deckenanker gesetzt worden. Der Tunnel wurde mit einem elektronischen Messsystem überwacht.[6] Nach anderen Angaben habe es fortwährende Probleme mit der Gleislage gegeben. Im Winter hätten sich Eiszapfen gebildet.[7]

Mit einer maximalen Streckengeschwindigkeit von 70 km/h zählte der Schwarzkopftunnel zu den am langsamsten befahrenen Tunneln im Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn.

StilllegungBearbeiten

Ende der 1990er Jahre war geplant, nach Fertigstellung einer eingleisigen Umfahrung den Tunnel zu schließen und im Rahmen einer Generalsanierung auf ein Gleis zurückzubauen.[7]

Der bestehende Tunnel wurde laut Angaben der Deutschen Bahn aus wirtschaftlichen und technischen Gründen und aufgrund des absehbaren Neubaus der Spessartrampe in den letzten Jahren nicht mehr erneuert.[8] Nach Fertigstellung der neuen Spessartrampe wird der Schwarzkopftunnel verfüllt.[9] Das denkmalgeschützte Tunnelportal mit zwei bayerischen Löwen und der römischen Jahreszahl 1854 auf Seite von Heigenbrücken (Ostportal) bleibt erhalten.

Der Schwarzkopftunnel wurde am 15. Juni 2017 stillgelegt,[10] kurz nachdem 403 028 als ICE 621 nach Nürnberg gegen Mittag als letzter planmäßiger Zug den Tunnel durchfuhr.[11]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schwarzkopftunnel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

LiteraturBearbeiten

  • Rolf Syrigos: Magistrale Frankfurt/M–Nürnberg. Berg & Tal. In: eisenbahn magazin. Nr. 3/2013. Alba Publikation, März 2013, ISSN 0342-1902, S. 31–35.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Schild des Archäölogischen Spessart-Projekt e.V. in Heigenbrücken
  2. Helmut Maak: Die Bahnbaugruppe H/W Süd der Bahnbauzentrale. In: Der Eisenbahningenieur. Band 33, Nr. 6, 1982, ISSN 0013-2810, S. 269–278.
  3. Eisenbahnatlas Deutschland. Ausgabe 2009/2010. Schweers + Wall, o. O. 2009, ISBN 978-3-89494-139-0, S. 78.
  4. Das Tunnelschild gibt eine Länge von 930 Metern an.
  5. a b Planfeststellungsbeschluss ABS Hanau – Nantenbach Umfahrungsspange Schwarzkopftunnel (PFA 3). EBA-Außenstelle Nürnberg, 12. März 2012
  6. Wie sicher ist der Schwarzkopftunnel?. In: Main-Echo (Onlineausgabe), 9. November 2010.
  7. a b Rolf Syrigos: Spessart ohne Schiebung. In: Eisenbahn Magazin. Band 36, Nr. 1, 1998, ISSN 0342-1902, S. 18 f.
  8. Schwarzkopftunnel zwischen Laufach und Heigenbrücken wird ab 2017 umfahren. (Nicht mehr online verfügbar.) Deutsche Bahn, 28. September 2012, archiviert vom Original am 25. März 2013; abgerufen am 15. Oktober 2012.
  9. rp: „Spessart-Basislinie“: Tunnel ausgeschrieben. In: Eisenbahn-Revue International 12/2012, S. 578.
  10. Deutsche Bahn AG: Mach's gut, alter Knabe! Nach 160 Jahren verabschiedet sich heute der #Schwarzkopftunnel im Spessart in seinen verdienten Ruhestand. Ade! In: @DB_Presse. 15. Juni 2017, abgerufen am 15. Juni 2017.
  11. Wolfgang Zitz: Die ultimativ letzten Züge auf der Spessartrampe (m2B). 15. Juni 2017, abgerufen am 29. Juni 2017.