Schroth Safety Products

Schroth Safety Products

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Rechtsform GmbH bzw. LLC.
Gründung 1946
Sitz Arnsberg, Deutschland und Pompano Beach, Florida
Leitung Martin Nadol
Mitarbeiterzahl ca. 230
Umsatz ca. 40 Mio. EUR
Branche Luftfahrt-Zulieferer
Website www.schroth.com
Stand: 31. Dezember 2019

Die Schroth Safety Products ist ein deutsch-amerikanisches Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Insassenschutzsystemen für Luft- und Landfahrzeuge spezialisiert hat. Die Entwicklungs- und Fertigungsstandorte befinden sich in Arnsberg, Deutschland sowie in Pompano Beach, Florida.

GeschichteBearbeiten

 
Zwei-/Dreipunkt-Sicherheitsgurt der Air Force One von Schroth

Gegründet wurde das Unternehmen am 12. Juni 1946 von Carl Friedrich Schroth (1909–1997) und Hildegard Schroth, geb. Tobler. Hildegard Schroth war Schneiderin und meldete einen Textilbetrieb bei der Militärregierung an. Sie nähte Kleidungsstücke und Filterschläuche für Fahrzeuggasgeneratoren. Besonders erfolgreich war ihre Motorradschutzkleidung. Carl Friedrich Schroth, der zuvor Betriebsleiter des Instandsetzungswerkes von Lueg in Bochum war, montierte Kinderwagen im Unternehmen. Das Geschäft florierte, deshalb wurde 1953 eine Halle am Siegenbittel im Ortsteil Hüsten bezogen.

Carl Friedrich Schroth war Rallyefahrer. Es störte ihn, dass sein Beifahrer nicht ordentlich die Karten lesen konnte, da er ständig im Sitz herumgeschleudert wurde. So beschloss Schroth aus Rollladenband und Mantelschnallen einen Halteriemen zu entwickeln. So wurde der erste deutsche Gurt, ein Hosenträgergurt, entwickelt.

Bis 1984 entwickelte sich das Unternehmen zum weltgrößten Hersteller von Hosenträgergurten. In den folgenden Jahren begann sich das Unternehmen umzuorientieren und sich vom Massenmarkt der Konsumprodukte zu entfernen. Im Jahr 1991 folgte der Einstieg in den Luftfahrtmarkt. Patente hält das Unternehmen unter anderem auf den Schroth-Drehverschluss für Flugzeuge. Als erstes Unternehmen produzierte es einen Drei-Punkt-Gurt mit Drucktastenverschluss für Luftfahrzeuge.[1]

Anfang des neuen Jahrtausends war Schroth mit seinen Produkten insbesondere in Nischenmärkten vertreten. So entwickelte das Unternehmen Sicherheitssysteme für Flugzeuge, Militärfahrzeuge und Fahrgeschäfte. In fast allen Airbus-Flugzeugen, MD-Helikoptern und zahlreichen Sportflugzeugen wurden Schroth-Gurte eingebaut. Auch für die Mercedes-Benz C-Klasse wurden Stützgurte gefertigt. Der Sportwagenhersteller Porsche bietet für die Modelle 911 GT2 und 911 GT3 ein sogenanntes Clubsport-Paket an, das 6-Punkt-Schroth-Gurte enthält. Auch für den Supersportwagen Carrera GT waren Schroth-Gurte ohne Aufpreis erhältlich. Im Rennsport werden außerhalb der USA 70 % der Teams ausgestattet. Im Jahr 2001 etwa verwendeten sieben Formel I-Teams Gurtsysteme der Firma.[2]

Ein Großteil des heutigen Umsatzes wird im Export realisiert. Besonders stark sind die Produkte des Unternehmens in der kommerziellen Luftfahrt vertreten; in diesem Markt wird auch der überwiegende Teil des Umsatzes generiert.

Im Bereich der kommerziellen Luftfahrt konzentrierte sich das Unternehmen lange auf Rückhaltesysteme für Piloten und Crew, seit 2005 kamen erste Aufträge auch für den Passagierbereich hinzu.[3] Im Jahr 2018 gelang es Schroth als erstem Hersteller, einen 3-Punkt-Gurt mit pyrotechnischem Gurtstraffer für den Einsatz auf Passagiersitzen in der Luftfahrt zu zertifizieren.[4] Schroth rüstet außerdem den Airbus A380 sowie den Airbus A350 mit einer Bremseinheit für die Cockpittür zum Schutz gegen die Auswirkungen einer Cockpit-Dekompression aus.[5]

Dabei verzeichnete das Unternehmen 2005 einen Umsatz von 14 Millionen Euro. Im Jahr 2007 waren es 20 Millionen Euro und im Jahr 2008 bereits 27 Millionen Euro.[6] Die Schroth-Gruppe bestand aus der Schroth GmbH Deutschland, der Schroth Safety Products Florida sowie als Immobilienverwaltung der Schroth GmbH & Co. KG. Der Eigentümer verkaufte das Unternehmen 2006 an einen amerikanischen Investor (Armor Holdings Inc.). Im Jahr 2007 wurde das Unternehmen in den Konzern BAE Systems Inc. integriert und gehört seit 2012 zum japanischen Automobilzulieferer Takata, einem Hersteller von Insassenschutzsystemen für Fahrzeuge.[7] Takata verkaufte das Unternehmen im Februar 2017 an die TransDigm Group.[8] Aus kartellrechtlichen Gründen musste TransDigm Schroth jedoch nach nur 11 Monaten wieder verkaufen. Seit Anfang 2018 befinden sich die Unternehmensanteile mehrheitlich im Eigentum des Private Equity Fonds Perusa Partners Fund 2, L.P.; ein Minderheitsanteil wurde im Rahmen eines Management-Buyouts durch das Schorth-Management erworben.[9]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Westfälische Rundschau Lokalausgabe 14. August 2005
  2. Westfälische Rundschau 28. Februar 2001 Lokalausgabe Neheim-Hüsten
  3. Westfälische Rundschau 10. August 2005 (Lokalausgabe Neheim-Hüsten)
  4. Westfalenpost vom 26. Februar 2018 (Lokalausgabe Neheim-Hüsten)
  5. Westfälische Rundschau 18. Januar 2008 (Lokalausgabe Neheim Hüsten)
  6. Westfalenpost vom 5. Dezember 2008
  7. Westfälische Rundschau vom 23. Dezember 2011
  8. TransDigm gibt die Übernahme des Geschäftssegments Luftfahrt der Takata Corporation bekannt, auf www.schroth.com, abgerufen am 19. Dezember 2017
  9. Westfalenpost vom 1. Februar 2018 (Lokalausgabe Neheim-Hüsten)

WeblinksBearbeiten