Schloss Mosigkau

Schloss in Sachsen-Anhalt, Deutschland
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Schloss Mosigkau, Gartenfront mit Galeriesaal

Schloss Mosigkau wurde als Rokoko-Schloss in den Jahren 1752 bis 1757 im Herzen des Dorfes Mosigkau, acht Kilometer südwestlich von Dessau, als Sommersitz erbaut. Es gehört zu den letzten noch ganz erhaltenen Rokokoensembles Mitteldeutschlands. Sein Park gehört zum UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz. Im Museum Schloss Mosigkau und in der Orangerie finden regelmäßig Sonderausstellungen und Konzerte statt.

Architektur und EntstehungsgeschichteBearbeiten

 
Prinzessin Anna Wilhelmine (1715–1780)

Die unverheiratete anhaltische Prinzessin Anna Wilhelmine, Lieblingstochter des Fürsten Leopold I. von Anhalt-Dessau, war durch ihren Vater 1742/43 mit einer großzügigen Grundstücksschenkung von zwei Gütern und einer beachtlichen Apanage in die Lage versetzt worden, diese glanzvolle Schloss- und Gartenanlage errichten zu lassen. Die Zuwendungen sind beachtenswert, war doch das Fürstentum Anhalt-Dessau ein wirklicher Kleinstaat und erhielten auch weitere Kinder des Leopold I. von Anhalt-Dessau (insgesamt zehn eheliche Kinder) ähnlich umfangreiche Apanagen. Er machte seine Karriere als brandenburgischer Generalfeldmarschall, der die Armee reformierte und Schlachten gewann. In seinem eigenen Staat, den er samt hohen Schulden erbte, veranlasste er in seiner fast fünfzigjährigen Regierungszeit viele Reformen in den Bereichen Landwirtschaft, Steuern, Infrastruktur und Ansiedlung von Manufakturen, ferner kaufte er alle Rittergüter auf, sodass er bei seinem Tod der größte, wenn nicht alleinige Grundbesitzer des Fürstentums war. Ein Porträt zeigt Anna Wilhelmine, die Tochter des Fürsten mit der Dessauer Apothekerstochter Anneliese Föhse, mit etwas groben Gesichtszügen, doch feinem Lächeln; Schloss und Interieur sprechen für ihren Geist und ihr Kennertum.

Erste Entwürfe und Denkanstöße stammen vermutlich von dem Sanssouci-Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Der eigentlich Baumeister war der Dessauer Hofbaumeister Christian Friedrich Damm, den Anna Wilhelmine 1752 mit der Errichtung des Sommersitzes beauftragte. Um den Ehrenhof liegen Corps de Logis, Kavaliershäuser und Wirtschaftsbauten.

Innenausstattung und GaleriesaalBearbeiten

17 Räume sind teilweise im Originalzustand zu besichtigen. Im Vestibül des Corps de Logis ist eine zweiarmige Treppe, hier befindet sich der Gobelin Der Triumph der Kirche über den Götzendienst, nach einem Entwurf von Peter Paul Rubens um 1630 in einer Brüsseler Werkstatt gefertigt, und ursprünglich aus dem Stadtschloss in Dessau. Die Mitte der Gartenseite nimmt die Gemäldegalerie ein, prächtig stuckiert und beleuchtet von venezianischen Kristallkronen, mit fünf großen Glastüren ins Freie. Sie bildet den kulturhistorischen Höhepunkt, ist mit reicher Stuckatur verziert und beherbergt in vertieften Wandfeldern in einer in Deutschland einzigartigen originalen barocken (lückenlosen) Hängung bedeutende Gemälde überwiegend flämischer und holländischer Meister des 17. Jahrhunderts aus der „Oranischen Erbschaft“. Um in die Wandfelder zu passen, die von Pilastern in grünem Stuckmarmor gerahmt sind, wurden die Bilder teils geschnitten, teils angestückt. Eine vergleichbare Pflasterung war im 17. und 18. Jahrhundert allgemein üblich, ist jedoch in dieser Form nirgends mehr erhalten.[1] Zu den Werken gehören Zephyr und Flora von Peter Paul Rubens, Die Prinzen von Oranien von Anton van Dyck sowie Bildern von Jan Brueghel d. Ä., Jacob Jordaens, Hendrick Goltzius und Gerard van Honthorst.

Diese Bilder stammen ursprünglich aus der Sammlung der Amalie zu Solms-Braunfels (1602–1675), Gemahlin des Statthalters der Niederlande Friedrich Heinrich von Oranien und Mutter der Henriette Catharina von Nassau-Oranien, welche die Erbschaft nach Dessau brachte und ihrem Sohn Leopold I. hinterließ. Andere Teile der Sammlung kamen ins Residenzschloss Dessau, ins Schloss Oranienbaum und ins Gotische Haus Wörlitz. Das Schloss enthält außerdem eine umfangreiche Sammlung von Bildnissen anhaltinischer Fürsten, darunter viele von Georg Lisiewski und Antoine Pesne. Zu beiden Seiten der Galerie befinden sich je zwei Kabinette in friderizianischem Rokoko, mit Silberranken auf blauem und gelbem Grund, Marmorkaminen, eingelassenen Bildern und Supraporten, einer chinesischen Tapete und eingelegten Möbeln.

LustgartenBearbeiten

 
Schlosseinfahrt zwischen West- und Ostflügel der Orangerie
 
Gartenachse

Der Garten grenzt südlich an den Galeriesaal. In ihm befinden sich Heckenpartien mit der Kegelbahnlaube, ein Fischteich und ein Irrgarten. Anziehungspunkt des Rokokogartens ist die Orangerie am rückwärtigen Ausgang, zwei flankierende Bauten mit seltenen und teils jahrhundertealten Kübelpflanzen, die in den Sommermonaten den Hauptweg zu Schloss säumen. Die Statuen von Mars, Diana, Flora und eine Nymphe wurden 1951 aus dem Park des Herrenhauses Wust in den Park von Schloss Mosigkau gebracht.

GeschichteBearbeiten

Nach dem Tode der Schlossherrin im Jahre 1780 wurde ihrer Verfügung entsprechend im Schloss ein Stift für adlige unverheiratete Frauen eingerichtet, das bis 1945 bestand. Am Gebäude, der Einrichtung und den Wohnräumen, die von den Stiftsdamen ständig bewohnt wurden, sind danach keine Veränderungen mehr vorgenommen worden, wodurch das Ensemble im Originalzustand erhalten blieb. Die Damen hatten sich mehrfach geweigert, die Mosigkauer Bilder an die Regierung in Dessau zu verkaufen, und so blieb der kulturhistorisch bedeutsame Bestand in seinem ursprünglichen Zusammenhang erhalten.

Walther Pflug arbeitete ab Sommer 1945 an der Rettung und Wiederherstellung des Mosigkauer Schlosses. Vom Präsidenten des Landes Sachsen-Anhalt wurde er 1947 als Kurator des Schlosses eingesetzt und war erster Direktor des Mosigkauer Schlosses von 1951 bis 1954. Ab 1951 wurde das Schloss Museum für die Wohnkultur des Rokoko.

GemäldeBearbeiten

SonstigesBearbeiten

Der Hauptgürtelasteroid (39405) Mosigkau wurde nach dem Schloss benannt.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schloss Mosigkau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Eine vergleichbar lückenlose Hängung besteht in der Bildergalerie (Sanssouci), doch sind die Werke dort nicht geschnitten und in Wandfelder eingelassen, auch gemindert durch Kriegsverluste.

Koordinaten: 51° 48′ 21,5″ N, 12° 9′ 3″ O