Hauptmenü öffnen

Das Schloss Beichlingen liegt in der Ortschaft Beichlingen etwa 9 km nördlich von Kölleda in Thüringen.

Schloss Beichlingen
Schloss Beichlingen, 2006

Schloss Beichlingen, 2006

Alternativname(n): Burg Beichlingen
Entstehungszeit: um 1000
Erhaltungszustand: Renaissanceschloss
Ständische Stellung: Adlige, Grafen
Ort: Beichlingen
Geographische Lage 51° 14′ 6″ N, 11° 15′ 37″ OKoordinaten: 51° 14′ 6″ N, 11° 15′ 37″ O
Schloss Beichlingen (Thüringen)
Schloss Beichlingen

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Anfänge bis 1945Bearbeiten

Nördlich und südlich des jetzigen Schlosses sind umfangreiche ur- oder frühgeschichtliche Wallanlagen erhalten, die deutlich über die spätere mittelalterliche Burg hinausreichen.

Die Burg Beichlingen wurde wahrscheinlich von König Heinrich I. zum Schutz einer wichtigen Pass-Straße zum Unstrut-Tal angelegt. Sie war wohl ursprünglich Reichsgut. Erstmals wurde Beichlingen 1014 als Burg in einer Schrift von Bischof Thietmar von Merseburg erwähnt. Während einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen König Heinrich IV. und dem Markgrafen Dedo II. wurde die Burg erobert und zerstört. In den Folgejahren wurde sie wieder aufgebaut und war um 1080 Mitgift und Wohnsitz der Gräfin Kunigunde von Weimar-Orlamünde. Diese war zunächst mit einem russischen Fürsten verheiratet und danach mit Kuno von Northeim, der sich Graf von Beichlingen nannte und 1103 ermordet wurde. Nach dem Tod ihres dritten Ehemannes, Graf Wiprecht von Groitzsch, im Jahr 1124 gelang es Kunigunde nur mit Mühe, den Besitz bis zu ihrem Tod 1140 zu behaupten. Vermutlich erbte ihre Tochter Mechthild aus erster Ehe bzw. deren Sohn den Besitz. Ab 1141 wurde ein Graf Friedrich von Beichlingen als Herr auf Beichlingen und Gründer des Beichlinger Grafengeschlechts genannt, er war wahrscheinlich der Sohn Mechthilds mit einem Grafen Günther aus dem Haus der Sizzonen.

Ab 1330 begann der wirtschaftliche Niedergang des Beichlinger Grafengeschlechts. Im Jahr 1519 musste schließlich Graf Adam von Beichlingen die Burg und den größten Teil der Grafschaft an Hans von Werthern aus Wiehe (Thüringen) verkaufen. Bald darauf nahm Dietrich von Werthern, Sohn des Hans von Werthern, seinen Wohnsitz auf der Burg Beichlingen. Dietrichs Sohn, Wolfgang von Werthern, ließ gemeinsam mit seinen Brüdern die desolate Burganlage wieder aufbauen.

 
Schloss Beichlingen um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Nachfolgende Generationen der Wertherns bauten die Burg weiter aus und um. Ab 1588 verpflichtete Johann von Werthern namhafte regionale Künstler zur Ausgestaltung der Burg. Um 1650 investierte Friedrich von Werthern erhebliche finanzielle Mittel, um die Schäden an der Burg zu beheben, die der Dreißigjährige Krieg hinterlassen hatte. In den nachfolgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wurde die Burg entsprechend dem Zeitgeschmack von der 1840 in den Grafenstand erhobenen Familie von Werthern immer mehr zum Schloss umgestaltet. 1901 bis 1904 erfolgte eine grundlegende Umgestaltung der Innenräume. Die Familie von Werthern-Beichlingen hat viele bedeutende Persönlichkeiten im Staatsdienst und hochdekorierte Offiziere hervorgebracht. Eine Reihe von Mitgliedern der Adelsfamilie wurde von Kaisern im Amt eines „Reichserbkammer-Türhüters des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ bestätigt. Diese waren dafür verantwortlich, dass die jeweilige Kaiserwahl in Frankfurt geheim stattfand.

1945 bis jetztBearbeiten

 
Innenhof zwischen "Neuen Schloss" und "Hohen Haus", 2018
 
Schlosshof, Blick zur Schlosskirche, 2018

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Schlossanlage nicht beschädigt. Ab 1944 wurden in den Schlossgebäuden Flüchtlinge einquartiert. 1945 gehörte Beichlingen zunächst zur Besatzungszone der USA. Das Schloss wurde von Angehörigen der US-Armee als Kommandantur genutzt. Nach der Übergabe an die Rote Armee und die Eingliederung in die Sowjetische Besatzungszone wurden Schloss und Herrschaft Beichlingen im Rahmen der sogenannten Bodenreform entschädigungslos enteignet. Die gräfliche Familie -der Graf war 1940 in Frankreich gefallen- hatte vor Einrücken der Roten Armee das Schloss verlassen. Anschließend wurde das Schloss teilweise geplündert.

Von 1946 bis 1951 war im Schloss zunächst eine Lehrerbildungsanstalt untergebracht. In den Jahren 1952 bis 1955 nutzte die DDR das Schloss als Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen. Von 1955 bis 1962 war im Schloss die Schule der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe untergebracht. Danach erfolgte von 1962 bis 1969 die Nutzung als Fachschule für Veterinärtechniker. 1969 wurde diese Fachschule in die Ingenieurschule für Veterinärmedizin umgewandelt. Ab 1970 wurden für diese Schule zahlreiche Gebäude des Wirtschaftshofes umgebaut oder abgerissen und durch Neubauten ersetzt, die das Aussehen des Wirtschaftshofes grundlegend verändert haben: „Massive bauliche Eingriffe“. „Heute und sicher noch einige Zeit bleiben die durch artfremde Nutzung der Schlossanlagen entstandenen großen Schäden und die Verluste an der historisch gewachsenen Bausubstanz.“[1]

Schloss Beichlingen war seit den 1970er Jahren im "Ernstfall" als zentrales Isolierungslager des MfS für den Bezirk Erfurt vorgesehen.[2]

Nach der deutschen Wiedervereinigung kam das Ende für die Ingenieurschule, sie wurde 1992 geschlossen. Bereits 1991 hatte sich ein Förderverein zur Rettung und Erhaltung von Schloss Beichlingen gegründet. Seit 2001 ist das Schloss wieder in Privatbesitz, der Förderverein kann seine Arbeit aber fortsetzen.

Heutiges SchlossBearbeiten

 
Schloss Beichlingen

Der Schloss-Komplex besteht aus dem „Lehnshaus“ mit dem „Kalten Tor“ als Durchfahrt, dem „Hohen Haus“ als ältestem Bauteil aus dem 13. Jahrhundert mit wertvollen Renaissance-Räumen, dem „Neuen Schloss“ mit schönen Renaissance-Portalen und -fenstern, der Schlosskapelle und einem Internatsgebäude aus der DDR-Zeit. Die aus Bruchsteinen errichtete Schlosskirche wurde im 17. Jahrhundert durch einen Nordflügel erweitert und ist durch einen seltenen „Kirchengang“, eine überbaute Fachwerkbrücke, mit dem Schloss verbunden. Im Inneren haben sich Stuckaturen im Stil der Spätrenaissance und die barocke Ausstattung mit einer wertvollen Stuckdecke erhalten. Das Hohe Haus besitzt eine reiche Ausstattung mit unverfälschter originaler Bemalung der Holzwände und -decken sowie Stuckfassungen der Portale, die biblische Motive darstellen. Dies ist die aus dem Jahre 2007 stammende Schilderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die unter anderem die Restaurierung der Schlosskapelle, der Schlosskirche und der Alten Brennerei gefördert hat.[3]

PersönlichkeitenBearbeiten

 
Grabmal für Georg Graf von Werthern-Beichlingen auf dem Weißen Berg
 
„Lehnshaus“ mit „Kaltem Tor“
  • Graf Georg von Werthern (1700–1768) war Politiker in Diensten des Kurfürsten von Sachsen/Königs von Polen und des Herzogs von Sachsen-Weimar, „Reichserbkammer-Türhüter“.
  • Graf Johann Georg Heinrich von Werthern (1735–1790) war preußischer Kriegsminister in den letzten Jahren von Friedrich II., dem Großen
  • Graf Georg von Werthern (1816–1895) war preußischer Diplomat, als solcher Botschafter Preußens im Königreich Bayern. Er war ein „Pionier des nationalen Gedankens“ und hatte große Verdienste an der Einbeziehung Bayerns in das Deutsche Reich. Sein Grabmal befindet sich auf dem Weißen Berg bei Schloss Beichlingen.
  • Graf Thilo von Werthern-Beichlingen (1914–1986), Offizier, 1941 Ritterkreuzträger, war (seitdem sein Bruder Ottobald 1942 gefallen war) letzter Besitzer von Schloss und Gut Beichlingen. Seine Frau Walpurgis von Werthern, geb. Prinzessin zu Stolberg-Wernigerode, verwaltete den Familienbesitz bis zur Enteignung 1945.
  • Elisabeth Gräfin von Werthern, geb. Gräfin von Wedel, (1916–2009) war die Ehefrau eines der letzten Besitzer von Schloss Beichlingen. Ihr Ehemann Wolfgang fiel 1940 im Frankreich-Feldzug, die junge Mutter wurde Witwe. Sie zog 1944 auf das für diesen Fall vorgesehene Nachbarschloss Großneuhausen. Nach ihrer Flucht von dort vor der Roten Armee 1945 mit einem Treck wurde sie eine herausragende Persönlichkeit in der frühen Bundesrepublik Deutschland. Sie war über 33 Jahre die erste Geschäftsführerin der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn von 1951 bis 1984, deren Ehrenmitglied sie dann wurde. Die Gräfin war Trägerin des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Elisabeth („Betta“) Gräfin Werthern verstarb im Alter von 92 Jahren am 24. Januar 2009 in Freiburg und wurde am 4. April 2009, nach einer Feier in der Schlosskapelle Beichlingen, auf dem dortigen Familienfriedhof beigesetzt.

LiteraturBearbeiten

  • Lothar Bechler: Schloß Beichlingen. Visionen trotz Nebel. In: Bruno J. Sobotka (Hrsg.): Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Thüringen. Theiss, Stuttgart 1995, ISBN 3-8062-1123-X.
  • Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. 2. Auflage. Jenzig, Jena 2003, ISBN 3-910141-56-0.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lothar Bechler: Schloß Beichlingen. Visionen trotz Nebel. In: Bruno J. Sobotka (Hrsg.): Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Thüringen. Theiss, Stuttgart 1995.
  2. Gerlinde Sommer: Gefangen hinter Schlossmauern. Zu DDR-Zeiten war Schloss Beichlingen als zentrales Isolierungslager für missliebige DDR-Bürger vorgesehen. Thüringische Landeszeitung, 30. Januar 2016
  3. denkmalschutz.de/schloss_beichlingen

WeblinksBearbeiten

  Commons: Schloss Beichlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien