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Schlacht bei Lesnaja

Schlacht der Nordischen Kriege
Schlacht bei Lesnaja
Schlacht bei Lesnaja, das Gemälde von Jean Marc Nattier, (1717)
Schlacht bei Lesnaja, das Gemälde von Jean Marc Nattier, (1717)
Datum 9. Oktober 1708
Ort Lesnaja, Weißrussland
Ausgang Sieg der Russen
Konfliktparteien

Schweden 1650Schweden Schweden

Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Russland

Befehlshaber

Schweden 1650Schweden Adam Lewenhaupt

Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Peter der Große
Russland Zarentum 1699Zarentum Russland Alexander Menschikow

Truppenstärke
8.300 Mann[1] 12.000–14.500 Mann
Verluste

6.397 Tote, Verwundete und Gefangene[2]

1.111 Tote[2]
2.856 Verwundete

Die Schlacht bei Lesnaja war eine der entscheidenden Schlachten im Russlandfeldzug des schwedischen Königs Karl XII. im Großen Nordischen Krieg. Die Schlacht fand am 28. Septemberjul./ 29. Septemberschwed./ 9. Oktober 1708greg. in der Nähe des Dorfes Lesnaja (heute Teil von Mahiljou, Weißrussland) statt. Die russischen Truppen unter dem Kommando von Zar Peter I. und Feldmarschall Menschikow besiegten eine schwedische Armee unter dem Kommando von General Adam Ludwig Lewenhaupt. Die Gefechte dauerten von 8:00 Uhr morgens bis 20:00 Uhr abends.

Inhaltsverzeichnis

VorgeschichteBearbeiten

Schlacht bei Lesnaja
Lage des Schlachtfeldes

Lewenhaupt kommandierte eine der besten schwedischen Armeen, die in der Nähe der Hafenstadt Riga stationiert war und in den Vorjahren russische Vorstöße nach Kurland und Litauen erfolgreich abwehren konnte (u. a. Schlacht bei Jakobstadt, Schlacht bei Gemäuterhof). Im Sommer 1708 bewegte er seine Truppen auf Befehl des schwedischen Königs Karl XII. in südliche Richtung, um sich mit den Haupttruppen Karls zu vereinigen, die in Polen stationiert waren. Sein gesamtes Invasionsheer, mit dem der König im September 1707 von Sachsen aus nach Moskau marschierte, setzte sich zwischenzeitlich aus fast 70.000 Soldaten zusammen.[3]

Das schwedische Hauptheer litt unter erheblichen Versorgungsproblemen, da die russischen Truppen die Weite des Landes nutzten und sich stetig zurückzogen und dabei konsequent die Taktik der verbrannten Erde anwendeten. Karl erwartete daher dringlich die Truppen unter dem Kommando von Lewenhaupt sowie Nachschub an Munition und Ausrüstung, um danach den Feldzug in Richtung Moskau fortzusetzen.

Die Vorbereitungen für den Aufbruch von Lewenhaupts Truppen dauerten jedoch länger als erwartet und die notwendige Verstärkung verzögerte sich. Nach langen Wochen des erfolglosen Wartens entschloss sich Karl für die Invasion der Ukraine und gab seinen Truppen am 15.jul./ 16.schwed./ 26. September 1708greg. den Befehl zum Aufmarsch. Die Truppen Lewenhaupts waren zu diesem Zeitpunkt nur etwa 80 Meilen von der Position der Haupttruppen entfernt.

Die für die Russen günstige Wende der Ereignisse entging nicht der Aufmerksamkeit des Zaren Peter I. und er befahl den sofortigen Angriff auf die kleinere Armee der Schweden, bevor diese sich mit den Haupttruppen vereinigen konnte. Zusammen mit seinem engsten Vertrauten Menschikow, den er nach dem Sieg von Kalisch zum Herzog von Ingermanland erhoben hatte, übernahm der Zar selbst das Kommando über zehn Bataillone seiner am meisten erfahrenen Infanterie, zehn Dragonerregimenter und vier Batterien berittener Artillerie, zusammen 11.625 Mann. Die russischen Truppen sollten ein schnelles Manöver ausführen, um Lewenhaupts Truppen den Weg zur sicheren Rettung auf dem anderen Ufer des Flusses Sozh abzuschneiden. Das war keine Überraschung für Lewenhaupt und er befahl seinen Truppen die Vorbereitung zur Schlacht. Lewenhaupts Truppe bestand aus 7.500 Mann Infanterie und 5.000 Reitern, die einen Versorgungszug mit fast 1.000 Wagen begleiteten. Am 18. Septemberjul. erreichte Lewenhaupt den Dnepr. Der Übergang über den Fluss zog sich über eine ganze Woche hin, in der sich die Russen den Schweden näherten, um schließlich die Verfolgung aufzunehmen. Am 27. Septemberjul. wurden die Schweden beim Dorf Lesnaja eingeholt.

SchlachtverlaufBearbeiten

 
Schlacht bei Lesnaja

Am Tag der Schlacht kam es zu einem heftigen Schneesturm, der auch für russische Wetterverhältnisse (Ende September) sehr ungewöhnlich war. Die Truppen der Schweden erwiesen sich als unfähig, unter solchen Bedingungen zu kämpfen, wurden schnell desorientiert und desorganisiert, und Lewenhaupt befahl den Rückzug. Der Feldherr gab auch den Befehl, die für die Haupttruppen vorbereitete Munition und den Nachschub zu verbrennen. Die mit Kosaken verstärkten russischen Truppen beendeten die Schlacht mit der Gefangennahme von Hunderten schwedischer Soldaten.

In dieser Schlacht verloren die Schweden 6.307 Soldaten, mehr als die Hälfte davon wurde gefangen genommen. Der Rest der Truppen erreichte die schwedische Hauptarmee erst am 8.jul./ 9.schwed./ 19. Oktober 1708greg. in der Nähe des kleinen Dorfes Starodub, 60 Kilometer westlich des Nebenflusses Desna. Doch die Überreste der Armee Lewenhaupts erwiesen sich für Karl eher als Last denn als Verstärkung.

FolgenBearbeiten

Der Sieg bei der Schlacht von Lesnaja brachte eine große moralische Stärkung der Russen, denn die Truppen Lewenhaupts waren während der letzten neun Jahre unbesiegt und galten als beste und stärkste Kampfkraft der schwedischen Armee. Der Sieg stärkte das Selbstbewusstsein der russischen Truppen und trug bedeutend bei zum Sieg der Russen in der großen Schlacht bei Poltawa, bei der die schwedische Armee des Königs Karl XII. vernichtend geschlagen wurde.

Peter I. der Große nannte diese Schlacht später „Die Mutter der Schlacht von Poltawa“, welche sich genau neun Monate danach abspielte.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bengt Liljegren: Karl XII: En Biografi. Historiska media, Lund 2000, ISBN 91-88930-99-8, S. 162. (schwedisch)
  2. a b A. V. Agrashenkov, R. V. Tikhomirov u. a.: Sto velikikh bitv. Veche, Moskau 2004, ISBN 5-9533-0493-5, S. 222. (russisch)
  3. Bengt Liljegren: Karl XII: En biografi. 2000, S. 151.