Hauptmenü öffnen

Scheuerle Fahrzeugfabrik

Unternehmen zur Fertigung von Schwerlasttransportern
Scheuerle Fahrzeugfabrik GmbH

Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1869
Sitz Pfedelbach, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Dirk Jahn[1]
Mitarbeiterzahl 450 (2015)
Branche Schwerlasttransporter (Maschinenbau)
Website www.scheuerle.de

Scheuerle-Seitenträgerbrücke STB 1000 – die weltweit größte ihrer Art mit 620 Tonnen Nutzlast
Selbstfahrender Scheuerle-Schwerlasttransporter
Scheuerle-SPMTs bewegen eine Schiffsektion
Von Zugmaschinen bewegter Scheuerle-Schwerlasttransporter im Einsatz beim Transport eines Anlagenbauteiles für die chemische Industrie

Die Scheuerle Fahrzeugfabrik GmbH ist ein Unternehmen zur Fertigung von Schwerlasttransportern. Sitz des Unternehmens ist Pfedelbach im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

1869 gründete Christian Scheuerle eine Schmiede in Pfedelbach. Sein Enkel Willy Scheuerle gilt als Pionier in der Entwicklung von Sonderfahrzeugen für den Schwertransport. Seine Entwicklungen aus den 1940er Jahren bilden noch heute das Grundprinzip vieler moderner Schwerlastfahrzeuge. 1949 verkaufte Scheuerle den ersten modernen Tieflader. Dieser war mit mechanisch lenkbaren Fahrwerken und einem mechanischen Achsausgleich ausgestattet. Im darauf folgenden Jahr nahm man die Produktion eines Baukastensystems von allradgelenkten Tiefladerkombinationen vom Zweiachs- bis zum Vielachsfahrzeug für 10 bis 100 Tonnen Nutzlast auf.[2] Ein hydraulischer Achsausgleich für den Transport von Nutzlasten bis zu 500 Tonnen wurde 1957 eingeführt, der Zusatzantrieb des Schwerlastfahrzeugs mit eigener Kraftquelle folgte 1958. Im Jahr 1972 brachte Scheuerle die elektronische Vielweglenkung auf den Markt.

FahrzeugeBearbeiten

Das erste bedeutende internationale Projekt war 1960 der Transport des Felsentempels Abu Simbel in Ägypten auf Schwerlastfahrzeugen des Unternehmens.

Ein Baukastensystem mit hydraulisch abgestützten Pendelachsen bis 250 Tonnen wurde 1981 eingeführt, wobei die Einzelfahrzeuge für vollelektronische kontrollierte Modultransporter 1983 für mehrere tausend Tonnen Nutzlast eingeführt wurden. Die automatisch angetriebenen, fahrerlosen Transportsysteme für schwerste Lasten gab es 1986 und ein Jahr später konnten 1.800 Tonnen Nutzlast auf der Straße transportiert werden. Ab 1991 entwickelte man unter anderem einen selbstfahrenden Transporter mit einer Tragfähigkeit von 700 Tonnen Nutzlast.

2004 wurde zum ersten Mal eine integrierte Öl- und Gasplattform von 14.350 Tonnen in England bewegt, hierbei war der Einsatz von 500 Achslinien notwendig.

Im Jahre 2009 wurde eine Spezialanfertigung von selbstfahrenden Modultransportern (SPMTs) mit 516 Rädern an den Australian Marine Complex geliefert. Zum Transport von 80 m langen U-Booten werden insgesamt 24 Fahrzeugeinheiten hintereinander gekuppelt. Am letzten Fahrzeug des jeweiligen Verbundes wird dann die Antriebseinheit (englisch Power Pack Unit, PPU) angekuppelt. Diese beherbergt den Energielieferanten, einen Dieselmotor mit einer Leistung von 350 kW bzw. 476 PS. Die drei Antriebseinheiten erzeugen 1.428 PS, um den Koloss von insgesamt mehr als 3200 Tonnen in Bewegung zu setzen. Die Dieselmotoren treiben Hydraulikpumpen an, die Drucköl für den Fahrantrieb, die Lenkung und das Heben und Senken der Fahrzeugplattform erzeugen.[3]

Im Jahr 2010 baute Scheuerle die weltgrößte Seitenträgerbrücke (STB 1000) für den Straßentransport mit einer Nutzlast von 620 t. Im November / Dezember 2010 konnte die Multilift-Gruppe mit der STB 1000 das erste Großprojekt verwirklichen: die Überführung des größten von Siemens gebauten Transformators von Nürnberg nach Wilhelmshaven.[4]

Auf Scheuerle-SPMTs wurde 2012 von Almajdouie Logistics eine 4.891 Tonnen schwere Verdampfungsanlage in Saudi-Arabien transportiert. Insgesamt 172 Achslinien SPMTs von Scheuerle kamen zum Einsatz.[5]

Im Jahre 2014 übergibt TII Group Europas größte Seitenträgerbrücke mit 550 Tonnen Nutzlast. Die STB 550 hat ein Verhältnis von Nutzlast zu Eigengewicht von 5,2 bei Berechnung mit Lastverteiler.[6]

2016 stellt Scheuerle den weltweit stärksten Zusatzantrieb für modulare Plattformwagen (PowerBooster) mit 1.000 PS Leistung vor.[7]

2017 präsentiert die Scheuerle Fahrzeugfabrik den E-SPMT Light und drängt damit in die E-Mobilität.

Eigentümer und BeteiligungenBearbeiten

Der Industrielle Otto Rettenmaier aus Heilbronn erwarb die Fahrzeugfabrik 1987. 1994 wurde die Holding Transporter Industry International (TII) für das Transportergeschäft als Eigentümer gegründet. Im folgenden Jahr wurde der französische Schwerlasttransportbauer Nicolas S.A. und 1996 der italienische Tiefladerhersteller Capperi übernommen. Im Jahr 2000 trennte sich das Unternehmen von 80 Prozent der Capperi-Anteile. Zu TII gehört seit dem Jahr 2004 auch das Ulmer Unternehmen KAMAG Transporttechnik.[8]

2015 wird die TII India gegründet, die unter der Marke TIIGER Schwerlasttransporter für den indischen Markt herstellt.[9]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Impressum
  2. Wirtschaftswunder Fernverkehr. In: Last & Kraft. Sonderedition 2/2005, S. 39.
  3. Hercules auf 516 Rädern. In: Hohenloher Zeitung. 29. Mai 2009, abgerufen am 2. Juni 2016.
  4. Groß, größer, am größten! SCHEUERLE baut die größte Seitenträgerbrücke der Welt für den Straßentransport. 21. Oktober 2010, abgerufen am 30. Juli 2015.
  5. Mit SPMTs von Scheuerle zum Weltrekord. b4bbaden-wuerttemberg.de, 22. Dezember 2012, abgerufen am 30. Juli 2015.
  6. TII Group übergibt Europas größte Seitenträgerbrücke an Collett Transport – Ratio 5,2/Faktor 6,6 – und beeindruckt mit technischer Überlegenheit im SPMT-Bereich. (Nicht mehr online verfügbar.) 2. Juli 2014, archiviert vom Original am 3. Juli 2015; abgerufen am 30. Juli 2015.
  7. Revolutionizing heavy transport efficiency. 16. Januar 2016, abgerufen am 29. August 2017.
  8. Zugehörigkeit zur TII Group
  9. “Make in India” – die TII Group übernimmt Zivilsparte des indischen Herstellers TRATEC. b4bbaden-wuerttemberg.de, 8. August 2015, abgerufen am 22. März 2017.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Scheuerle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 49° 10′ 55,3″ N, 9° 30′ 26,7″ O