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Saturnalia. Kopie einer Skulpturengruppe von Ernesto Biondi im Botanischen Garten von Buenos Aires (1909)

Die Saturnalien waren zunächst nur ein römischer Festtag zu Ehren des Gottes Saturn, der als Herrscher des urzeitlichen goldenen Zeitalters galt. Ursprünglich ein Fest, das mit dem Abschluss der Winteraussaat in Verbindung stand. Damit waren die Saturnalia das größte römische Bauernfest. Im Jahre 217 v. Chr. im Verlauf des zweiten Punischen Kriegs wurde es als Ritus nach griechischem Vorbild, graeco ritu umgestaltet. Seit jenem Jahr ist ein Opfer und ein großes Gelage (lectisternium) am Saturntempel bis tief in die Nacht hinein mit karnevalesken Zügen an den Saturnalien belegt.

Livius nannte als Anlass für die Saturnalia die Dedikation des Saturntempels im Jahr 497 v.Chr, so stand das Gründungsdatum im Zusammenhang mit dem Saturntempel auf dem Forum Romanum. Die festliche Zeit war in den Fasti Antiates maiores aufgeführt.

Verlauf der festlichen AktivitätenBearbeiten

Die Feiern begannen mit einem Opfer vor dem Tempel des Saturn und einem öffentlichen Mahl. Öffentliche Einrichtungen waren während der Saturnalien geschlossen. Die Tempel veranstalteten öffentliche Speisungen. Es war üblich, sich zu den Saturnalien zu beschenken. In privaten Gastmähler mit zum Teil exzessiven Trink- und Essgelagen wurden Spottgedichte und Rätsel vorgetragen. Römische Bürger legten die Toga ab und trugen bequeme Tuniken. Die Teilnehmer der Saturnalien setzten sich Pillei auf, Filzkappen, die sonst nur von freigelassenen Sklaven getragen wurden.[1] Es wurde ein Saturnalienfürst (Saturnalicus princeps) gewählt, teilweise wurde dieser auch rex bibendi („König des Trinkens“) genannt. Dieser Name deutet auch auf den stark gesteigerten Weinkonsum während der Festtage hin. Nicht nur der Wein wurde während der Festtage in großem Maße getrunken, es war auch offiziell das Würfelspiel um Geld erlaubt und es konnten Festgeschenke, apophoreta, verlost werden. Auch sonst lockerte sich die Moral während der Feiertage erheblich. Die „Aufhebung“ der Standesunterschiede war ein wichtiger Aspekt der Saturnalien; so wurden auch Sklaven an diesem Tag von ihren Herren wie „Gleichgestellte“ behandelt, ja teilweise wurden die Rollen sogar (scherzhaft) umgekehrt, so dass die Herren ihre Sklaven bedienten. Während der Saturnalien beschenkte man einander mit kleinen, zum Teil aber sehr wertvollen Geschenken.

Er wurde ursprünglich als EN-Tag am 17. Dezember gefeiert und wechselte nach der julianischen Kalenderreform den Tagescharakter auf einen NP-Status. Die Saturnalien fanden erst nach 45 v. Chr. als mehrtägiges Fest zwischen dem 17. und 23. Dezember Anwendung, das später allerdings bis zum 30. Dezember ausgedehnt wurde.

RezeptionBearbeiten

Von Martin Persson Nilsson[2], Alexander Hislop u. a. m. wird eine Beziehung zu dem christlichen Weihnachtsfest hergestellt.[3][4]

An einigen deutschen Hochschulen (zum Beispiel Köln und Kiel) werden heute traditionell „Saturnalien“ als studentisches Fest veranstaltet, bei dem man in der Vorweihnachtszeit mit den Dozenten „abrechnet“.[5]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Saturnalien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Die Römischen Saturnalien, www.carnuntum.at [1]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karl-Wilhelm Weeber: Alltag im alten Rom. Ein Lexikon. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 1998, S. 216.
  2. Martin Persson Nilsson: Saturnalia. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II A,1, Stuttgart 1921, Sp. 201–211.
  3. Alexander Hislop: Von Babylon nach Rom. Der Ursprung der römisch-katholischen Religion. CLV, Bielefeld 2002, ISBN 978-3-8939-7377-4
  4. Jörg Kraus: Metamorphosen des Chaos: Hexen, Masken und verkehrte Welten. Königshausen & Neumann, Würzburg 1998, ISBN 978-3-82601-424-6, S. 162 f.
    Hans Förster: Die Anfänge von Weihnachten und Epiphanias: eine Anfrage an die Entstehungshypothesen. Bd. 46 Studien und Texte zu Antike und Christentum, Mohr Siebeck, Tübingen 2007, ISBN 978-3-16149-39-97, S. 57 f.
  5. Ankündigung der Saturnalien (Memento vom 26. Dezember 2016 im Internet Archive), Inst. f. Altertumskunde der Philosophischen Fakultät der Univ. zu Köln