Salento

Halbinsel in Italien

Der Salento ist der Name einer 100 km langen und 40 km breiten Halbinsel im äußersten Südosten Italiens und wird oft auch als Absatz des italienischen Stiefels bezeichnet.

Salento
Ostuni.jpg
Ansicht der Stadt Ostuni
Geographische Lage
Karte von Salento
Koordinaten 40° 20′ N, 18° 0′ OKoordinaten: 40° 20′ N, 18° 0′ O
Gewässer 1 Adriatisches Meer
Gewässer 2 Ionisches Meer
Länge 100 km
Breite 40 km

Administrativ gehört die Halbinsel zur Region Apulien und umfasst die Provinz Lecce sowie Teile der Provinzen Tarent und Brindisi. Ältere Namen für die Halbinsel sind Iapygia, Messapia, Calabria und Sallentina. Südlichster Punkt des Salento ist die Punta Ristola. Im Osten trennt die Straße von Otranto den Salento von der Balkanhalbinsel.

Die bedeutendsten Städte des Salento sind Lecce, Brindisi und Otranto.

GeschichteBearbeiten

Aus vorgeschichtlicher Zeit sind Höhlenfunde (Grotta Zinzulusa) gemacht worden und Dolmen und Menhire als Reste der frühen Bauernkultur erhalten. In der Antike wurde das Gebiet von den Messapiern bewohnt, einem illyrischen Volksstamm, der seine Unabhängigkeit in Kriegen gegen die griechische Siedlung Taras (Tarent) verteidigen musste. Herodot berichtet von einem Krieg um das Jahr 474 v. Chr. zwischen Taras und der Lega Peuceta (einem Bündnis aus dem Gebiet um Bari), die dabei von der Lega Messapica unterstützt wurde. In diesem Konflikt konnten die Messapier nach mehreren Kriegsjahren noch die Oberhand behalten, ab ca. 280 v. Chr. erlangte jedoch die Römische Republik in ganz Unteritalien die Vorherrschaft (siehe Tarentinischer Krieg).

Zwischen dem neunten und dem zehnten Jahrhundert wurde der Salento oft von den Sarazenen angegriffen. Im Jahr 927 besetzten die Muslime die Stadt Taranto, die nur vierzig Jahre später vom byzantinischen Kaiser Nikephoros II wieder aufgebaut wurde. Nach der Eroberung durch die Normannen wurde die Grafschaft Lecce gegründet und 1088 das Fürstentum Taranto. Insbesondere Lecce, Geburtsort des Normannenkönigs Tankred, entwickelte sich während des Mittelalters zur Hauptstadt der Halbinsel Salento, damals auch Terra d’Otranto genannt.

Von dieser Zeit zeugen die Festung Castello Aragonese in Otranto, das Schloss in Acaya und zahlreiche Stauferburgen. Gut erhalten ist auch der Wehrturm Torre Moro in Galatone, der zum befestigten Bauernhof „Masseria Vasce“ gehörte, sowie auch die kleine Kapelle San Pietro in Vicolo.[1]

SpracheBearbeiten

Der italienische Dialekt, der im Salento gesprochen wird, unterscheidet sich völlig von jenen Mundarten, die im Rest Apuliens gesprochen werden. Vielmehr ähnelt er mit seinen offenen Vokalen dem sizilianischen Idiom.[2] Ein bekanntes Lied in diesem Idiom ist Lu pisci spada von Domenico Modugno, eine tragische Liebesgeschichte zweier Schwertfische.

Daneben gibt es auch einige griechische Sprachinseln, die vermutlich durch eine mittelalterliche Migration entstanden sind (siehe auch Griko). Die Griechen siedelten vor allem im salentinischen Städtedreieck Gallipoli, Nardò, Otranto (alles griechische Namen). Um 1500 bestand die Griechengemeinschaft aus 24 Gemeinden; bis zum Ende des 18. Jahrhunderts schrumpfte sie auf 15. Heute gibt es nur noch acht Ortschaften der alten Graecia salentina, in denen das Griko im heutigen Dialekt existent ist: Sternatia, Martignano, Calimera, Corigliano, Zollino, Martano, Castrignano und Soleto.[3]

ArchitekturBearbeiten

Auch in der Architektur unterscheidet sich der Salento vom restlichen Apulien. Die traditionellen Wohnhäuser sind nach griechischer Art gebaut, d. h., sie sind weiß gekalkt und haben ein Flachdach. Die historischen Stadtzentren dagegen sind hauptsächlich im Lecceser Barock erbaut, mit typisch salentinischen Details wie der überbordenden Fassadenbemalung von Palazzi und Kirchen. Das beliebteste Baumaterial war die pietra leccese, ein Gestein mit einer warmen rötlich-gelben Farbe.

Im übrigen Apulien ist der typische historische Baustil im Gegensatz zum Salento vorwiegend spanischer Barock bzw. romanisch.

LiteraturBearbeiten

  • Linda Safran: The Medieval Salento. Art and Identity in Southern Italy, University of Pennsylvania Press, 2014.
  • Angelo Massafra: Campagne e territorio nel Mezzogiorno fra Settecento e Ottocento (= Nuova biblioteca Dedalo. 39). Edizioni Dedalo, Bari 1984, ISBN 88-220-6039-3, S. 289 ff.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tipps und Sehenswürdigkeiten für einen Besuch von Galatone. Abgerufen am 6. Juni 2018.
  2. Gerhard Rohlfs: Vocabolario dei dialetti salentini (Terra d’Otranto). Band 1: A–M (= Bayerische Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-Historische Klasse. Abhandlungen. Neue Folge, Heft 41, ISSN 0005-710X). Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1956.
  3. Isabebella Oztasciyan Bernardini: Greek Language and Culture in South Apulia. Proposals for teaching Greek. In: Alicia Morales Ortiz, Cristóbal Pagán Cánovas, Carmen Martínez Campillo (Hrsg.): The Teaching of modern Greek in Europe. Current Situation and new Perspectives. Universidad de Murcia, Murcia 2010, ISBN 978-84-8371-938-1, S. 129–141, hier S. 132 ff.

WeblinksBearbeiten

Commons: Salento – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Salento – Reiseführer