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Sachbuch

Buch, das ein bestimmtes Sachthema für das breite Leserpublikum verständlich darstellt

Ein Sachbuch ist ein Buch, das ein bestimmtes Sachthema plausibel und sprachlich verständlich darstellt. Teils wird der Begriff Sachbuch synonym zum englischen „non-fiction“ verwendet und bildet dann das Gegenstück zur Belletristik im weiteren Sinne, entsprechend der „fiction“ im Englischen (von lateinisch „fictum“, erfunden).

Im Gegensatz dazu richtet sich ein Fachbuch an die Spezialisten eines bestimmten wissenschaftlichen oder auch etwa handwerklichen Faches.

Inhaltsverzeichnis

DifferenzierungBearbeiten

Sachbücher, Lehrbücher und Fachbücher unterscheiden sich grundsätzlich in ihrer Zielsetzung.

Nachschlagewerke, Enzyklopädien, Schulbücher, Musikbücher oder Reiseliteratur, auch Almanache zählen in der Regel zu den Sachbüchern.

Buchhandlungen, Bibliotheken und Verlage teilen ihre Sachbücher ganz unterschiedlich in Abteilungen und Schwerpunkte ein; es gibt keine einheitliche Systematik der Warengruppen. So passt ein Buch über die Digitalfotografie in das Regal Kunst/Fotografie ebenso wie in die Abteilung Computer/Bildbearbeitung.

Hier eine Auflistung der wichtigsten Sachbuchgattungen:

  • Politik
  • Pädagogik / Erziehung
  • Philosophie
  • Psychologie
  • Geschichte
  • Religion
  • Naturwissenschaft
  • Essen und Trinken (Kochbuch)
  • Freizeit und Hobby
  • Natur, Garten, Tiere, Jagd, Wald
  • Gesundheit, Medizin, Lebenshilfe, Ratgeber
  • Nachschlagewerke wie Lexika oder Wörterbücher
  • Lehrbuch, Schulbuch
  • Reisebücher, Atlanten
  • Computer, Informatik
  • Wirtschaft, Beruf
  • Technik, Architektur, Handwerk
  • Kunst, Fotografie, Grafik, Musik, Film
  • Verkehr und Verkehrsmittel
  • Esoterik
  • Biografie

Das auflagenstärkste deutsche Sachbuch war (und ist) Götter, Gräber und Gelehrte von C. W. Ceram, das, obgleich es sich „Roman der Archäologie“ nannte, das Sachbuch als literarisches Genre populär machte. Als auflagenstärkstes Sachbuch aller Zeiten gilt in den USA die Autobiografie von Lee Iacocca: Iacocca – eine amerikanische Karriere. Weiters ist das Guinness-Buch der Rekorde das weltweit am häufigsten verkaufte urheberrechtlich geschützte Buch.

AbgrenzungBearbeiten

Die germanistische Definition ist umstritten. So grenzt die Poetologie des Sachbuchs die Ratgeberliteratur gerne aus und nimmt nur das sogenannte erzählende Sachbuch in die Kategorie auf (siehe Weblink). Es wird an verschiedener Stelle auf Sergej Tretjakow und seine Begriffsprägung der „Biographie des Dings“ hingewiesen. Für den Bereich der Bibliotheken gilt: Sachbücher sind „… Titel, die weder Kinderbücher noch Comics sind, bei denen also der informierende, analysierende oder reflektierende Charakter, nicht der erzählende oder sprachschöpferische Charakter im Vordergrund steht. […] Sachbücher im weiteren Sinn beziehen sich auf eine außerhalb des Werks vorausgesetzte Wirklichkeit, die freilich rein gedanklicher Natur sein kann.“[1] Im Buchhandel gilt eine engere Definition, die Ratgeber, Schule und Lernen (Lehrbücher), Wissenschaft und Reise nicht miteinschließt (s.u.).

Eine andere Möglichkeit zur Unterscheidung zwischen Belletristik/(fiction) und Sachliteratur (non-fiction) ist die Frage nach der Richtigkeit der dargebotenen Informationen. Diese stellt sich für Belletristik nicht.

Belletristik (fiction):

  • Grundfrage: „gut oder schlecht?“

Sachliteratur (non-fiction):

  • Grundfragen: „gut oder schlecht?“ + „richtig oder falsch?“[2]

Es wird allgemein zwischen Sachbuch und Fachbuch unterschieden, wobei die Abgrenzung nicht immer klar erfolgen kann. Beispielsweise kann ein Buch, das psychologische Themen abhandelt und sich an Ingenieure und Wirtschaftsleute wendet, sowohl als Sachbuch betrachtet werden, da die Zielgruppe keine Psychologen sind, jedoch auch als Fachbuch, da dennoch Kernthemen der Zielgruppe, wie Arbeitssicherheit behandelt werden. Die Einordnung hängt unter anderem davon ab, welche Kompetenzen der Autor seinen Lesern zubilligt.

HandelBearbeiten

Rund jedes dritte verkaufte Buch kann als Ratgeber bezeichnet werden. Ein wesentlicher Teil wird heute über amazon.com und andere Internet-Anbieter verkauft. Doch noch immer macht der stationäre Buchhandel den größten Umsatz mit Ratgebern bzw. Sachbüchern, wenn auch tendenziell leicht rückläufig. In den letzten Jahren wird dafür zunehmend in den sogenannten „Nebenmärkten“ –  also in Geschäften, die nicht zur Buchbranche gehören, wie z. B. Baumärkten, Apotheken, Reformhäusern – ein wachsender Anteil von thematisch zum jeweiligen Warenangebot passenden Sachbüchern verkauft.

Der Anteil der Sachbücher am Gesamtumsatz verkaufter Bücher ist sehr stark von der Art des Einbandes abhängig. Im Bereich der Hardcover-Bücher (fest „gebundene“ Bücher) liegt der Anteil der Sachbücher bei 84 Prozent, hingegen bei den Softcover-Büchern (Taschenbücher oder auch Paperback genannt) nur bei 14 Prozent. Hier führt die Belletristik mit 54 Prozent.[3]

Anteil am Umsatz aller verkauften Bücher in Deutschland 2016: ca 86.000 Titel (davon 72.820 Erstauflagen)[4]

  • 31,5 % Belletristik
  • 16,5 % Kinder- und Jugendbücher
  • 52,0 % Sachbücher:
    • 14,5 % Ratgeber
    • 9,8 % Sachbuch i.e.S. (Definition gemäß Buchhandel)
    • 10,9 % Schule und Lernen
    • 5,7 % Reise
    • 11,1 % Wissenschaft:
      • 4,8 % Geisteswissenschaften, Kunst, Musik
      • 3,8 % Naturwissenschaften, Medizin, Informatik, Technik
      • 2,5 % Sozialwissenschaften, Recht, Wirtschaft

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Konrad Umlauf. Moderne Buchkunde : Bücher in Bibliotheken und im Buchhandel heute. Wiesbaden: Harrassowitz, 2005 (2., aktual. und neu gefasste Aufl.). S. 53.
  2. David Oels. ... was ein Sachbuch eigentlich ist. Arbeitsblätter für die Sachbuchforschung #20. Institut für Buchwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 2013. [1]
  3. Religion befeuert den Sachbuchmarkt. In: Die Welt. 22. Mai 2008, S. 27.
  4. Buch und Buchhandel in Zahlen 2016 (Börsenverein des Deutschen Buchhandels)[2] und [3] 1.9.2016

LiteraturBearbeiten

  • Oliver Gorus: Erfolgreich als Sachbuchautor. Von der Buchidee bis zur Vermarktung. 2., völlig überarbeitete Neuauflage. Gabal, Offenbach 2011, ISBN 978-3-86936-179-6.
  • Andy Hahnemann, David Oels (Hrsg.): Sachbuch und populäres Wissen im 20. Jahrhundert. Lang, Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-631-56132-4.
  • Sonja Klug: Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch … Der erfolgreiche Weg zum eigenen Sachbuch. Orell Füssli, Zürich 2002, ISBN 3-280-02623-7.
  • David Oels, Stephan Porombka, Erhard Schütz (Hrsg.): Sachbuch, kanonisch (Non Fiktion. Arsenal der anderen Gattungen 2/2007). Einleitung Auf dem Weg zu einem Sachbuchkanon: PDF-Version
  • Stephan Porombka: Wie man ein (verdammt gutes) Sachbuch schreibt. In: Non Fiktion. Arsenal der anderen Gattungen. 1/2006 (Die Popularität des Sachbuchs), S. 72–92 (PDF-Version)
  • Klaus Reinhardt: Vom Wissen zum Buch. Fach- und Sachbücher schreiben. Huber, Bern 2008, ISBN 978-3-456-84521-0.
  • Michael Schikowski: Immer schön sachlich. Eine kleine Geschichte des Sachbuchs 1870–1918, Bramann, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-934054-42-4.
  • Erwin Barth von Wehrenalp: Die gesellschaftliche Bedeutung des Sachbuchs. In: Peter Vodosek (Hrsg.): Das Buch in Praxis und Wissenschaft: 40 Jahre Deutsches Bucharchiv München: eine Festschrift. Harrassowitz, Wiesbaden 1989, ISBN 3-447-02901-3, S. 587–611 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: Sachbuch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen