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Richard zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg

deutscher Unternehmer und Chef des Hauses Sayn-Wittgenstein-Berleburg
Benedikte und Richard (2010)
Familienwappen des Fürstenhauses zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg

Richard Casimir Karl August Robert Konstantin Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (* 29. Oktober 1934 in Gießen; † 13. März 2017 in Bad Berleburg)[1][2] war ein deutscher Unternehmer und als Chef des Hauses Sayn-Wittgenstein-Berleburg auch Chef des Gesamthauses Sayn-Wittgenstein.

FamilieBearbeiten

Richard war das älteste von fünf Kindern von Gustav Albrecht Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1907–1944) und seiner Frau, der schwedischen Gräfin Margareta Fouché d’Otrante (1909–2005).

Adelsrechtlich wäre er der 6. Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg gewesen, jedoch hat er mit Rücksicht darauf, dass sein Vater seit 1944 in Russland vermisst war und dessen Tod nie nachgewiesen werden konnte, den (rechtlich seit 1919 ohnehin abgeschafften) Fürstentitel nie geführt. Seitdem sein Vater im Jahr 1969 offiziell für tot erklärt worden war, war Richard das Oberhaupt des Hauses Sayn-Wittgenstein-Berleburg und des Gesamthauses Sayn-Wittgenstein. Sein vollständiger Name war: Richard Casimir Karl August Robert Konstantin Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, 6. Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, Graf von Sayn, Herr zu Homburg, Vallendar, Neumagen und Neuenhemsbach.[2]

Auf der Hochzeit der damaligen niederländischen Kronprinzessin Beatrix von Oranien-Nassau mit dem deutschen Diplomaten Claus von Amsberg lernte Richard seine zukünftige Frau kennen. Am 3. Februar 1968 heiratete er auf Schloss Fredensborg Prinzessin Benedikte von Dänemark (* 29. April 1944), zweite Tochter von König Friedrich IX. (1899–1972) und Königin Ingrid (1910–2000).

Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor:

LebenBearbeiten

Richard besuchte das Gymnasium und studierte Rechtswissenschaften in Tübingen. Seit 1955 war er Mitglied des Corps Suevia Tübingen. Nach seinem Studium trat er in die Wittgenstein-Berleburg’sche Rentkammer mit Sitz auf Schloss Berleburg ein; die Rentkammer verwaltet ca. 13.000 Hektar Wald und etwa 150 Grundstücke im In- und Ausland, sowie Firmenbeteiligungen. Die Nachfolge des Unternehmers ist seit 2017 strittig, nachdem sein Cousin Ludwig Ferdinand sich für berechtigt hält, beim Amtsgericht Bad Berleburg das väterliche Testament anzugreifen.[3][4][5] Das AG Bad Berleburg hat diese Berechtigung in erster Instanz zurückgewiesen.[6][7]

Wisente im RothaargebirgeBearbeiten

Im Jahr 2003 hatte Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg die Idee, Wisente im Rothaargebirge wieder anzusiedeln. Im März 2010 wurde dann das Natur- und Artenschutzprojekt „Wisente im Rothaargebirge“ offiziell gestartet. 2013 wurden die ersten Wisente aus einem Gehege der Wisent-Wildnis am Rothaarsteig freigelassen.[8]

In Bezug auf den Rechtsstreit zwischen Waldbauern aus dem Sauerland und dem Trägerverein des Wisentprojektes sagte Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg im September 2015: „Wenn die es schaffen, die Wisente, die jetzt draußen rumlaufen, abzuschaffen, dann kann es gut sein, dass ihre Höfe brennen. Das wissen die auch ganz genau. Ich zünde sie nicht an, aber ich weiß, wie es geht.“ Dies führte zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Siegen wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten (§ 126 StGB). Der Prinz entschuldigte sich später öffentlich und persönlich bei den Sauerländer Waldbauern. Im Dezember 2015 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Zahlung von 5000 Euro an das Kinderhospiz in Olpe ein.[9]

Ehrungen und AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Johannes Burkardt und Ulf Lückel: Das Fürstliche Haus zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Werl 2005, ISBN 3-9810315-0-4

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Christoph Vetter: Trauer um Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Westfalenpost, 14. März 2017, abgerufen am 14. März 2017.
  2. a b Traueranzeige Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. (Nicht mehr online verfügbar.) Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. März 2017, ehemals im Original; abgerufen am 17. März 2017.@1@2Vorlage:Toter Link/lebenswege.faz.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Pressemeldung Kanzlei Jochen König, Duisburg sowie Leiter der Rentkammer Berleburg, Johannes Röhl vom 1. August 2018, abgedruckt in der Westfalenpost, Lokalausgabe Wittgenstein vom gleichen Tag.
  4. Christoph Vetter, Westfalenpost vom 1. August 2018: https://www.wp.de/staedte/wittgenstein/familienstreit-in-wittgenstein-um-das-erbe-von-prinz-richard-id214989751.html letzter Zugriff: 23. Oktober 2018, 09.20 h
  5. Lars-Peter Dickel: Familienstreit im Fürstenhaus beschäftigt das Amtsgericht. Streitwert wird auf eine halbe Milliarde Euro taxiert. Hintergrund ist eine Auseinandersetzung um ein 76 Jahre altes Testament. Westfalenpost vom 5. Februar 2019, S. PBB 1.
  6. AG Bad Berleburg (Az. 2 Lw 3/17)
  7. Westfalenpost (PBB) vom 7. Mai 2019: Erste Entscheidung um Fürstenerbe.
  8. Eine grüne Heimat für die sanften Riesen. Wisent-Herde in Bad Berleburg soll noch im Frühjahr ausgesetzt werden. dapd-Bericht auf Welt Online, 22. Februar 2013, abgerufen am 14. März 2017.
  9. Wittgensteiner Wutrede: Verfahren eingestellt. Wochenblatt für Landwirtschaft & Landleben, 15. Dezember 2015, abgerufen am 14. März 2017.