Rich Communication Services

Mobile Messaging Service

Rich Communication Services (RCS) ist ein Standard für Mobile Messaging Service der Mobilfunkindustrie, entwickelt vom Network 2020 Programm der GSMA, des Industrieverbandes der internationalen Mobilfunkanbieter.[1] Die Entwicklung des Standards wurde im Wesentlichen von Mobilfunk-Netzbetreibern, Systemtechnik-Anbietern, Endgeräteherstellern und Branchenlösungsanbietern vorangetrieben. RCS ist keine Chat-App, sondern ein infrastrukturbasierter Dienst.

Bis 2015 wurden RCS-Dienste nur von wenigen Netzbetreibern angeboten, im deutschsprachigen Raum von der Deutschen Telekom und von Vodafone. Seit der Übernahme von Jibe Mobile durch Google[2] stieg die Verbreitung von RCS weltweit. Google beendete seine Entwicklung von Messaging-Diensten (Allo, Hangouts, Google Talk) auf Basis von XMPP und proprietärer Technologie zu Gunsten von RCS und bietet mit Android Messages eine Implementierung des RCS Universal Profile unter dem Label Chat. Dies wurde von Google und Samsung, die ihre eigene Implementierung als Samsung Messages beisteuern, im September 2018 bekannt gegeben. Auch wenn RCS (und Googles Chat-Initiative) ein Dienst der Netzwerkanbieter bleibt, und besonders wegen fehlender Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in der Kritik steht, bietet es mit der gewachsenen Unterstützung großer Plattformanbieter inzwischen eine ernstzunehmende Alternative zu proprietären Messaging-Diensten wie WhatsApp und iMessage mit ähnlichen Möglichkeiten.[3][4][5][6][7]

Der Standard ermöglicht unter anderem Kurznachrichten, Chat, Gruppen-Chat, Video zuzuschalten und die Übertragung von Ortsangaben, Sprache und Dateien.[8] Nicht alle Funktionen, die im Standard definiert sind, werden von jedem Netz und jedem RCS Client angeboten; nur die Services, die zwei Kommunikationspartnern zur Verfügung stehen werden auch im Client angeboten. Die Kosten für die Nutzung von RCS sind wie bei SMS, MMS und Telefonie anbieterabhängig.[9] RCS soll eine Alternative zu mobilen Instant-Messenger-Diensten wie WhatsApp, Line, Signal (Messenger), Apple iMessage und Facebook Messenger bieten.

Die europäischen Netze verwendeten ursprünglich den gemeinsamen Markennamen 'joyn', dies wurde jedoch in einem frühen Stadium wieder aufgegeben.

Verfügbarkeit und Unterstützung in DeutschlandBearbeiten

Alle Hersteller von Android-basierten Smartphones bieten heute RCS als Funktionalität der nativ integrierten "Nachrichten" oder "Messages" Applikation. Diese verwendet auch SMS (und in einigen Netzen auch MMS) in Fällen, wo RCS nicht von allen Kommunikationspartnern verwendet wird. Für ältere Android-Geräte, die noch nicht RCS unterstützen, bietet Google die App "Messages"[10] im Playstore an.

Einige Netzbetreiber bieten zusätzlich RCS-Apps zum Download unter "message+" an.

Die Netze der Telekom und Vodafone in Deutschland gehören zu den RCS-Pionieren. O2 Deutschland bietet ebenfalls (wieder) RCS-Dienste für seine Kunden an, so dass im Prinzip jeder Kunde eines Mobilfunkanbieters in Deutschland RCS Services nutzen kann, wenn der Service Provider und das Smartphone RCS unterstützt.

RCS-Dienste können auf dem Smartphone genutzt werden, wenn eine RCS-fähige App auf dem Handy installiert ist (das kann auch die native "Nachrichten" oder "Messaging" App auf dem Gerät sein), der Netzbetreiber RCS-Dienste anbietet und für die Subskription freigeschaltet hat.

Applikationen in DeutschlandBearbeiten

Alle aktuellen Android-Smartphones unterstützen RCS nativ. Google bietet mit seiner App „Messages“ RCS-Unterstützung für aktuelle Android-Smartphones zusammen mit dem „Messages for web“ als Web-Zugang zu den persönlichen Nachrichten an.[11][12]

In der Vergangenheit wurde RCS durch eigene Apps der Mobilfunkanbieter realisiert, die inzwischen aber weitgehend überflüssig geworden sind und teilweise eingestellt wurden. So unterstützte die Telekom den RCS-Standard mit der App „Telekom Message+ (RCS)“ auf Android und iOS. Die Entwicklung wurde am 1. Januar 2019 eingestellt. Vodafone bot für iOS die App „Vodafone Message+“ und für Android die App „Vodafone Call+ & Message+“ an. Die Apple-Variante wurde am 18. April 2018 aus dem Apple Store entfernt.[13] Auch die Android-App ist zwischenzeitlich nicht mehr im Google Play Store erhältlich. O2 bot seine App „o2 Message+Call“ für iOS sowie in einer Beta-Version für Android an. Für O2-Kunden verschiedener Drillisch-Marken wurde dieser Dienst zum 1. Juli 2017 gekündigt.[14]

Entwicklung und HistorieBearbeiten

Die Entwicklung der ursprünglichen Rich Communication Suite begann 2008 auf Initiative Nokias und wird seither vom internationalen Branchenverband der GSM-Provider (GSMA) vorangetrieben. Nach 2011 wurde das Produkt in „Rich Communications Suite enhanced“, abgekürzt RCS-e, umbenannt und der Markenname "joyn" eingeführt. Die gestiegene Bereitschaft der GSM-Mobilfunkunternehmen, in diese neue Technologie zu investieren, liegt vor allem an den neuen Over-the-top- Messengern - der Netzbetreiber-Dienst SMS ist mit 160 Zeichen Text nicht mehr wettbewerbsfähig gegenüber multimediafähigen Diensten.

In Deutschland war die Einführung von der Deutschen Telekom, Vodafone und O2 ursprünglich für Ende 2011 geplant, verschob sich jedoch mehrmals.[15] Die offizielle Premiere fand auf dem GSMA Mobile World Congress 2012 statt.[16] Nachdem Vodafone den Dienst im April 2012 gelauncht hatte, folgte die Telekom Deutschland und bot den Dienst seit dem 5. März 2013 im Beta-Stadium an. Anfang April 2014 veröffentlichte die Telekom neue Apps für die Nutzung von Joyn, später folgte eine Umbenennung in message+. Bei O2 sollte Joyn ursprünglich bereits 2013 gestartet werden, eine App mit entsprechenden Funktionen erschien jedoch erst im August 2015 (im Beta-Stadium).[17][18] E-Plus wollte anfänglich (noch vor der Übernahme durch O2) die Entwicklung abwarten,[19] künftig soll die Nutzung der O2-App auch für E-Plus-Kunden möglich sein.[17] Swisscom hat den Start für 2019 angekündigt. Mit Stand April 2019 wird RCS von weltweit 76 Telekommunikationsunternehmen angeboten.[20]

Im Juli 2015 wird RCS um eine Enriched Calling[21] Funktionalität ergänzt. Enriched Calling ermöglicht es, RCS-Nachrichten in Verbindung mit einem Anruf zu verbinden, um zum Beispiel dem Angerufenen einen Anrufgrund zu übermitteln oder während des Gespräches ein Foto oder Dokument auszutauschen.

Mit dem Universal Profile[22] 1.0 soll 2016 eine vollständige Kompatibilität aller RCS-Implementierungen weltweit erreicht werden. Dies ist insbesondere wichtig, um RCS Clients auf den verschiedenen Endgeräten kompatibel zu allen Netzen weltweit zu machen. U.a. wird hier das Chatprotokoll OMA-CPM als weltweiter Standard definiert, mit einer Übergangsphase für das in Europa verwendete SIP Simple Protokoll.

Eine weitere Neuerung, die mit dem Universal Profile 2.0 eingeführt wird, ist 'Messaging as a Platform' (MaaP).MaaP bietet Unternehmen die Möglichkeit, RCS als Kommunikationskanal mit ihren Kunden zu nutzen. Das Universal Profile 2.0 definiert die neuen Funktionen erstmals in 2017[23], erste Kampagnen werden zum Mobile World Congress in Barcelona im Februar 2018 vom US-amerikanischen Netzbetreiber Sprint[24] und anderen erstmals präsentiert. Zum MWC 2019 wurden MaaP Services und Demos von verschiedenen Netzbetreibern und Kunden aus Nordamerika, Europa und Asien präsentiert[25].

Seit 2017 führt die GSMA "RCS Business Messaging Labs" auf globaler Ebene durch, um für die Nutzung von Messaging as a Platform zu werben[26].

Bis heute (Stand Januar 2020) sind mehr als 360 Millionen Smartphones mit RCS aktiv[27]. Die deutschen Netzbetreiber haben bislang keine Zahlen zu den RCS-Nutzern veröffentlicht, aber durch die native Implementierung auf allen Android-Smartphones dürfte die Marke von 10 Millionen aktiven RCS-Smartphones bereits überschritten sein.

Technische MerkmaleBearbeiten

RCS greift auf bestehende Standards der 3GPP und Open Mobile Alliance (OMA) zurück. Die lizenzfreie Nutzung des GSM-Standards und die ständige Erweiterung um Zusatzfunktionen macht die Nutzung von RCS für Mobilfunknetze attraktiv.

Ein Gerät mit RCS-Fähigkeit muss zunächst vom Mobilfunknetz konfiguriert werden, bevor die RCS-Dienste zur Verfügung stehen. Dieser Prozess läuft automatisch ohne Interaktion mit dem Nutzer. Nach der Konfiguration stellt RCS dann fest, welche Kontakte in der Kontaktliste für Chat-Kommunikation zur Verfügung stehen, und welche RCS-Dienste an beiden Endpunkten der Kommunikation zur Verfügung stehen. Dabei wird aus Gründen von Datenschutz und -Sicherheit die Kontaktliste nicht auf einen zentralen Diensteserver geladen, sondern verbleibt auf dem Gerät[28].

RCS Dienste (wie beschrieben im Universal Profile 2.3[29])

  • Provisionierung des Endgerätes
  • Feststellung von Diensten und Verfügbarkeit der Kontakte
  • Chat
  • Dateiübertragung
  • Group Chat
  • Audio Messaging
  • Messaging auf mehreren Endgeräten eines Nutzers
  • Nutzung der Sprachtelefonie auf Endgeräten
  • Nutzung von IP Videotelefonie auf Endgeräten
  • Enriched Calling
  • Messaging as a Platform
  • Sicherheit gegen Angriffe von Malware
  • Verhalten des Endgerätes zur Verwendung von IP Diensten wenn Datendienste nutzerseitig de-aktiviert wurden
  • Nutzer-Settings für RCS
  • Nutzung von Sprachtelefonie und IP Videotelefonie auf mehreren Endgeräten eines Nutzers (ohne technische Spezifikation)

Rich Business Messaging - Messaging as a PlatformBearbeiten

Die RCS Messaging-Funktionen sollen nicht nur Nutzern auf dem Smartphone zur Verfügung gestellt werden, sondern auch Geschäftskunden, die mit ihren Kunden kommunizieren möchten. Mit dem RCS Universal Profile 2.0 wurden speziell dafür neue Funktionen entwickelt und standardisiert, die in der GSMA-Spezifikation RCC.71 im Kapitel "Messaging as a Platform" dokumentiert sind und in den Folgeversionen der Spezifikation verfeinert wurden:

Chatbots

  • Chatbot Profil
  • Chatbot Verifikation
  • Anonymisierung des Nutzers gegenüber dem Chatbot
  • Chatbot Verzeichnisse
  • Deep Links
  • Vermeidung von Spam und unangemessenen Inhalten
  • Rich Cards und Karusell-Anordnung
  • Antwortvorschläge und Aktionen / Chips

Während die Kommunikation zwischen Smartphones heute (Stand Januar 2020) weitgehend in Tarife eingebündelt ist (="SMS Flat"), ist die gewerbliche Nutzung von Netzzugängen kostenpflichtig. Darüber hinaus hat sich ein Ecosystem gebildet[30]:

  • Netzbetreiber vermarkten den Netzzugang zu SMS und RCS
  • RCS Systemtechnikanbieter, die RCS Produktionsplattformen für Netzbetreiber anbieten
  • Aggregatoren, die den Versand in die verschiedenen Netze übernehmen, Kampagnen durchführen und an Geschäftskunden vermarkten
  • RCS Client Entwickler und Endgerätehersteller mit eigenen Clients

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. GSMA: Rich Communications, abgerufen am 17. September 2012
  2. Jibe, a Google company. Abgerufen am 29. Januar 2020 (englisch).
  3. Googles Android Messages: Angriff gegen WhatsApp und Co. durch die Hintertür RCS. In: heise.de. Abgerufen am 15. März 2019.
  4. Samsung Messages vs Android Messages: Comparison of Features. In: guidingtech.com. Abgerufen am 15. März 2019 (englisch).
  5. Samsung and Google Collaborate on RCS Messaging for Android – Samsung Global Newsroom. In: news.samsung.com. Abgerufen am 15. März 2019 (englisch).
  6. Exclusive: Chat is Google’s next big fix for Android’s messaging mess - The Verge. In: theverge.com. Abgerufen am 15. März 2019 (englisch).
  7. Daniel Berger: Google will mit „Chat“ die SMS ersetzen und pausiert die Entwicklung von „Allo“. In: heise.de. 20. April 2018, abgerufen am 15. März 2019.
  8. GSMA: Rich Communications Specifications (Memento des Originals vom 23. September 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gsma.com, abgerufen am 17. September 2012
  9. GSMA: Rich Communications Commercialisation (Memento des Originals vom 23. September 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gsma.com, abgerufen am 17. September 2012
  10. Messages by Google. Abgerufen am 29. Januar 2020.
  11. Android Messages App von Google
  12. Web-Zugang zur Android Messages App
  13. Weitgehend unbemerkt: Vodafone und o2 stellen ihre Messenger ein. In: iphone-ticker.de. 23. April 2018, abgerufen am 26. August 2019.
  14. Markus Weidner: o2 stellt Message+Call ein. 21. Mai 2017, abgerufen am 25. März 2018.
  15. Ingo Pakalski: Netzbetreiber starten neuen Handydienst. In: golem.de. 22. Januar 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  16. Angela Göpfert: Die SMS ist tot, es lebe die App! tagesschau.de, 27. Februar 2012, archiviert vom Original am 4. Juli 2012; abgerufen am 27. Februar 2012.
  17. a b Albert Fetsch: Die neue O2 Message+Call App: Jetzt mit dem Smartphone im WLAN telefonieren. In: Telefonica-Blog. 11. August 2015, abgerufen am 11. August 2015.
  18. Markus Weidner: o2 startet mit WLAN-Calling per Smartphone-App. In: Teltarif.de. 11. August 2015, abgerufen am 11. August 2015.
  19. Meike Lorenzen: Telekom verschiebt offiziellen Joyn-Start. In: Wirtschaftswoche. 28. Januar 2013, abgerufen am 5. Januar 2014.
  20. Markus Städeli: Whatsapp und Co. erhalten ernsthafte Konkurrenz. In: nzzas.nzz.ch. 13. April 2019, abgerufen am 14. April 2019.
  21. GSMA Enriched Calling. Abgerufen am 29. Januar 2020.
  22. GSMA RCS Universal Profile. Abgerufen am 29. Januar 2020.
  23. The GSMA announces availability of Universal Profile Version 2.0 for Advanced RCS Messaging. In: Future Networks. 19. Juli 2017, abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  24. News from Sprint at Mobile World Congress 2018 | Sprint Newsroom. Abgerufen am 29. Januar 2020 (englisch).
  25. Demos & Case Studies. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  26. RCS Business Messaging Labs & Seminars. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  27. RCS. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  28. RCS Documentation. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).
  29. RCS Universal Profile 2.3. Abgerufen am 29. Januar 2020.
  30. The RCS Ecosystem. In: Future Networks. Abgerufen am 29. Januar 2020 (amerikanisches Englisch).