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Reparatur

Vorgang, bei dem ein defektes Objekt in den ursprünglichen, funktionsfähigen Zustand zurückversetzt wird
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Unter Reparatur (von lateinisch reparare „wiederherstellen“) bzw. Instandsetzung wird der Vorgang verstanden, bei dem ein defektes Objekt in einen funktionsfähigen Zustand zurückversetzt wird. Im Militär ist die Instandsetzungstruppe oft eine eigene Truppengattung, in der Bundeswehr im Verbund der Logistiktruppe. Im Straßenbau ist die Instandsetzung eine bauliche Maßnahme im Bereich der Straßenerhaltung.

Inhaltsverzeichnis

ÜberblickBearbeiten

Eine Reparatur kann beispielsweise durch den Austausch defekter Teile, durch das Hinzufügen von Teilen oder durch eine Neuordnung von Teilen (zum Beispiel Zusammenkleben oder Schweißen) erfolgen. Bei modernen technischen Geräten und Maschinen sowie in Autowerkstätten wird außerdem in zunehmendem Maß die Elektronik oder die elektrische Steuerung durch Programme zum Gegenstand von Reparaturen oder vorbeugendem Service.

Eine spezielle Variante der Reparatur nennt man Debarieren. So bezeichnet man das Ausbessern von farblichen Abweichungen an Textilfertigwaren in Handarbeit.

Bei der Reparatur von Elektrischen Isolierungen verwendet man auch den Begriff Emplastrifikation.

Der Begriff der Reparatur ist auch Gegenstand des zertifizierbaren Qualitätsmanagements. Er war bereits in der DIN EN ISO 8402:1995-08, Ziffer 4.18 definiert und umfasst jede an einem fehlerhaften Produkt auszuführende Maßnahme, die sicherstellen soll, dass dieses die Anforderungen des beabsichtigten Gebrauchs erfüllen wird, obwohl es zunächst möglicherweise die ursprünglich festgelegten Forderungen nicht erfüllt.

Reparatur ist demnach eine Art der Behandlung eines fehlerhaften Produkts oder eines beschädigten Gegenstandes. Dabei kann in der Definition der nunmehr gültigen DIN EN ISO 9000:2000, Ziffer 3.6.9, eine Reparatur Teile eines Produktes beeinflussen oder auch verändern. Nach DIN 31051 ist die Reparatur Bestandteil der Instandhaltung.

In zunehmendem Maße wird auch Teleservice, d. h. die Fernwartung, im Rahmen der Instandhaltung genutzt. Durch Teleservice kann die Reaktionszeit der Servicetechniker verkürzt und die Qualität der Serviceeinsätze erhöht werden, z. B. indem der Techniker durch Ferndiagnose bereits weiß, welche Ersatzteile er zum Einsatzort mitnehmen muss.

Problematisch (und von einigen Autoren als geplante Obsoleszenz angesehen) ist der Umstand, dass manche modernen Produkte konstruktionsbedingt nicht mehr reparabel sind, beispielsweise weil sich Gehäuse nicht öffnen lassen oder Bauteile mit verhältnismäßig kurzer Lebensdauer (z. B. Akkus) nicht ausgewechselt werden können. Auch fehlende Ersatzteilversorgung durch den Hersteller oder notwendiges Spezialwerkzeug können die Reparierbarkeit verhindern bzw. unwirtschaftlich werden lassen.

Reparatur als Werterhaltung in der DenkmalpflegeBearbeiten

 
Reparatur an einem historischen Fenster
 
Entsorgung reparabler Fenster

Innerhalb der Denkmalpflege wird mit der Reparatur historischer Bausubstanz ein elementarer Auftrag des Denkmalschutzes erfüllt.[1] Die Reparatur von Bauteilen ermöglicht die substanzielle und kulturelle Werterhaltung von Baudenkmalen. Die Kultur der Reparatur[2] hat z. B. das Berufsbild Fensterhandwerker Anfang der 1980er Jahre in Schweden und seine Einführung in Deutschland um das Jahr 1999 hervorgebracht. Die Methode der Fensterinstandsetzung durch das Fensterhandwerk erhält historische, reparable Fenster im Sinne der Denkmalpflege. Bei der Herausbildung dieses Berufsbildes spielte auch die Kritik an der so genannten Wegwerfgesellschaft eine maßgebliche Rolle.[3] Bei der Reparatur der qualitativ hochwertigen historischen Fenster verwenden Fensterhandwerker historische Materialien und Techniken, denn diese sind für die lange Lebensdauer historischer Bausubstanz verantwortlich.[4]

MilitärBearbeiten

Im Militär ist die Instandsetzung oft eine Truppengattung. Die Instandsetzung ist für die Wartung, Instandsetzung und die Einsatzfähigkeit aller militärischen Ausrüstung, insbesondere Fahrzeuge, Waffen und Geräte, verantwortlich. Instandsetzende Einheiten finden sich in allen Teilstreitkräften und militärischen Organisationsbereichen sowie als organischer Teil anderer Truppengattungen. Im deutschen Heer und in der deutschen Streitkräftebasis ist die Instandsetzung eine Truppengattung innerhalb der Logistiktruppe.

TechnikBearbeiten

Arten von ReparaturenBearbeiten

Man unterscheidet zwei Arten der Reparatur an technischen Anlagen, Maschinen und Geräten:

  • Bei der Austauschreparatur werden verschlissene oder defekte Teile gegen Neuteile ausgetauscht. Sie wird bevorzugt in den Industriestaaten eingesetzt. Es sind Verträge und Garantie notwendig. Die ökonomischen Vorteile bestehen vor allem darin, dass bei einem hohen Umsatz billiges, kaum qualifiziertes Personal eingesetzt werden kann. Nachteilig sind hingegen der hohe Verwaltungsaufwand für Logistik und Transport, die hohen Kosten für den Kunden durch die Ersatzteile, was auch einen hohen Lagerbestand erforderlich macht und damit Kapital bindet. Auch sind die Teile stets nur befristet vorrätig. Im schlechtesten Fall kann dies zu einer Wegwerfgesellschaft führen.
  • Bei der regenerativen Reparatur werden defekte Bauteile oder Komponenten wieder instand gesetzt und weiterverwendet, z. B. durch das Nachdrehen von Bremsscheiben oder Laufbuchsen beim Auto. Diese Art der Reparatur wird vor allem in den Entwicklungsländern, den ehemaligen Ostblockstaaten sowie in Südeuropa praktiziert, wenn Material- und Ersatzteilmangel herrscht. Vorteilhaft sind die niedrigen Materialkosten. Außerdem ist das Vorgehen nicht vom Alter der Anlage/ des Geräts abhängig. Es kann sofort wieder in Betrieb genommen werden. Das ist auch umweltfreundlicher, da weniger Entsorgung und Neuproduktion nötig sind. Als Nachteile schlagen zu Buche, dass man hierzu relativ hoch qualifiziertes Personal und häufig Spezialwerkzeug benötigt. Dies mindert den Gewinn.

ArbeitssicherheitBearbeiten

Bei Reparaturen treten andere Gefahren auf als im normalen Betrieb. Häufig müssen Schutzabdeckungen entfernt werden, die im Normalfall gefährliche Maschinenteile verdecken. Daher gehört eine ordnungsgemäße Sicherung der Anlage zur Reparatur, beispielsweise durch Befolgen der Fünf Sicherheitsregeln.

RechtBearbeiten

EuroparechtBearbeiten

EU-weit einheitliche Vorgaben zur Reparierbarkeit von langlebigen Konsumgütern soll eine Novelle der Ökodesign-Richtlinie enthalten, die ab September 2021 in Kraft treten soll. Vorgesehen sind unter anderem Verpflichtungen der Hersteller, Haushaltsgeräte so zu gestalten, dass sie von Verbrauchern leicht selbst wieder instand gesetzt werden können, wenn sie kaputt gegangen sind. Dazu gehört auch eine Verpflichtung, die entsprechenden Ersatzteile für mehrere Jahre vorzuhalten. Vorgesehen ist hierzu eine Frist von sieben Jahren nach dem Ausscheiden des Geräts aus dem Markt. Die Ersatzteile müssen innerhalb von höchstens 15 Werktagen lieferbar sein.[5][6]

Deutsches RechtBearbeiten

Der Reparaturvertrag als eine zivilrechtliche Vereinbarung über die Reparatur einer Sache ist nach deutschem Recht im Bürgerlichen Gesetzbuch nicht als eigener Vertragstyp geregelt. Er handelt sich um einen Werkvertrag, weil der Werkunternehmer mit der Reparatur die Wiederherstellung eines bestimmten Zustands und somit einen bestimmten Erfolg als „Werk“ schuldet. Erst wenn dieser Zustand herbeigeführt worden ist, ist die Reparatur erfolgreich gewesen. Der Auftraggeber ist im Gegenzug zur Entrichtung des Lohns verpflichtet (§ 631 BGB). Bei einer mangelhaften Reparatur kann der Besteller werkvertragliche Mängelrechte nach Maßgabe von § 634 BGB beanspruchen.

Der Hersteller einer Ware ist grundsätzlich nicht dazu verpflichtet, Ersatzteile oder Werkzeuge zur Reparatur der Sache bereitzustellen. Die Parteien eines Kaufvertrags können aber im Rahmen der Vertragsfreiheit Vereinbarungen über Wartung, Ersatzteilbevorratung und Nachserienverfügbarkeit von Komponenten und Produkten schließen.

Wenn eine gekaufte Sache mangelhaft ist, steht dem Käufer gegen den Verkäufer ein Nacherfüllungsanspruch zu (§ 439 BGB). Umgekehrt hat der Verkäufer ein „Recht auf Reparatur“, das sich der Verkäufer häufig auch in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vorbehält. Dann ist der Käufer erst nach ausreichenden Bemühungen des Verkäufers oder bei dessen Unvermögen selbst zur Herstellung des vertragsgemäßen Zustands durch eigene Reparatur berechtigt. Hier unterscheidet sich das Kaufrecht bewusst vom Werkvertragsrecht, das in § 637 BGB ein Selbstvornahmerecht kennt.[7]

Recht auf ReparaturBearbeiten

Angestoßen durch den Nachhaltigkeitsdiskurs und die Debatte um die geplante Obsoleszenz von Produkten mehren sich in verschiedenen Ländern die rechtspolitischen Forderungen nach Einführung eines „Rechts auf Reparatur“ (englisch: right to repair). Diskutiert wurde dies vor allem für langlebige Konsum- und Anlagegüter wie Kraftfahrzeuge und Maschinen, die häufig infolge der Digitalisierung nur noch sehr schwer selbst zu reparieren sind, aber auch für elektronische Geräte, insbesondere für mobile Computer wie Tablets oder Smartphones.

Teils berufen sich Hersteller von Maschinen aber auf das Urheberrecht, um den Käufern das Ändern der Computerprogramme zu untersagen, mit denen eine Maschine betrieben wird. Aufsehen erregt hat insoweit vor allem der US-amerikanische Hersteller von Landmaschinen John Deere.[8] Japanische Gerichte haben entschieden, dass patent- und markenrechtlich geschützte Produkte repariert und beispielsweise Druckerpatronen wiederbefüllt werden dürfen, solange das für den Kunden in nachvollziehbarer Weise geschieht, so dass es nicht zu einer Täuschung über die Herkunft der Recycling-Patronen kommen kann.[9] Gleichwohl beharren manche Computerhersteller wie Apple darauf, Ersatzteile und Spezialwerkzeug, das zur Reparatur benötigt wird, nur an ausgewählte Werkstätten zu liefern, die folglich ein Monopol auf die Reparatur dieser Produkte haben.[7]

Hiergegen hat sich in den USA eine Bewegung gebildet, die sich für entsprechende Ansprüche von Käufern gegen den Hersteller ausspricht, Gebrauchsgüter selbst reparieren zu dürfen und dazu mit den erforderlichen Materialien und Informationen versorgt zu werden. Die Bundesstaaten Massachusetts, Nebraska, New York, Tennessee, Wyoming, Minnesota, Kansas und Illinois haben entsprechende Gesetzgebungsverfahren eingeleitet, gegen die erhebliche Lobbyarbeit betrieben wird.[10][11]

In Deutschland zählte die Reparierbarkeit von Computer-Hardware im November 2018 auf der „Bits-&-Bäume“-Konferenz an der TU Berlin zu den politischen Forderungen der Teilnehmer für mehr digitale Nachhaltigkeit.[12][13] Kurz darauf scheiterte eine Petition an den Deutschen Bundestag, in der verlangt worden war, ein Recht auf Reparatur für Elektrogeräte einzuführen. Hersteller sollten verpflichtet werden, Ersatzteile für zehn Jahre vorzuhalten. Nur die Linke und Bündnis 90/Die Grünen hatten sich für eine Überweisung des Vorschlags an den Deutschen Bundestag ausgesprochen, die anderen Fraktionen waren dagegen. Die Ablehnung wurde vom Petitionsausschuss unter anderem damit begründet, das Umweltbundesamt sei zu dem Ergebnis gekommen, es gebe keine „geplante Obsoleszenz“; deshalb könne diese Annahme auch nicht zum Ausgangspunkt für gesetzgeberisches Handeln gemacht werden.[14][15]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Stefan Krebs, Gabriele Schabacher: Kulturen des Reparierens. Dinge – Wissen – Praktiken. 1. Auflage. Transcript, Bielefeld, ISBN 978-3-8376-3860-8 (transcript-verlag.de – Open-Access-Veröffentlichung).

WeblinksBearbeiten

 Wiktionary: Reparatur – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Instandsetzung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz. Empfehlung zur Substanzerhaltung. (PDF; 143 kB).
  2. Bernhard Weidemann: Pfadfindertugend im Technik-Bereich – Deutsches Museum. In: ScienceBlogs. 8. September 2009, abgerufen am 30. Mai 2018.
  3. Allbäck, Sonja; Fredlund, Bertil: Windowcraft – Part One. In: Journal of Architectural Conservation. Volume 10, Number 2, July 2004, S. 53–66.
  4. Landesamt für Denkmalpflege Hessen: Bauberater-Fenster in Hessen. Arbeitsblatt I: Erhaltung und Ergänzung. Wiesbaden 2001/2005.
  5. Paul Vorreiter: Ökodesign-Richtlinie der EU – Schrauben für die Umwelt. Deutschlandfunk, 4. Januar 2019, abgerufen am 4. Januar 2019.
  6. Carsten Dierig: Ökodesign: Neue EU-Richtlinie will Elektrogeräte-Lebensdauer verlängern. In: DIE WELT. 11. Januar 2019 (welt.de [abgerufen am 14. Januar 2019]).
  7. a b Tim Jülicher: Right to repair? Apple und die Angst vor der Reparatur. In: Legal Tribune Online. 17. März 2017 (lto.de [abgerufen am 30. Mai 2018]).
  8. Johannes Merkert: Finger weg von deinem eigenen Traktor: John Deere wehrt sich gegen "Traktor-Modding". In: Heise Online. 22. April 2015, abgerufen am 30. Mai 2018.
  9. Christopher Heath, Mineko Mōri: Ending is Better than Mending – Recent Japanese Case Law on Repair, Refill and Recycle. In: Zeitschrift für japanisches Recht. Band 12, Nr. 23, 2017, S. 65 (zjapanr.de).
  10. Eike Kühl: Apple: Wer hat Angst vor dem Recht auf Reparatur? In: ZEIT ONLINE. 21. Februar 2017 (zeit.de [abgerufen am 30. Mai 2018]).
  11. Marvin Strathmann, Mirjam Hauck: Warum sich Apple gegen ein "Recht auf Reparatur" wehrt. In: sueddeutsche.de. 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 30. Mai 2018]).
  12. Marie-Charlotte Matthes: Bits & Bäume: Forderungen für mehr digitale Nachhaltigkeit. In: netzpolitik.org. 18. November 2018, abgerufen am 29. November 2018.
  13. Forderungen für gemeinwohlorientierte und datenschutzfreundliche Digitalpolitik. Chaos Computer Club, 18. November 2018, abgerufen am 29. November 2018 (englisch).
  14. Marie-Charlotte Matthes: Petitionsausschuss lehnt "Recht auf Reparatur" ab. In: netzpolitik.org. 28. November 2018, abgerufen am 29. November 2018.
  15. Götz Hausding: Kein Bedarf für 'Recht auf Reparatur'. In: Deutscher Bundestag (Hrsg.): heute im bundestag. 28. November 2018 (bundestag.de [abgerufen am 29. November 2018]).