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Der Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI) war der Spitzenverband der industriellen Unternehmerverbände in der Weimarer Republik.

GeschichteBearbeiten

Der Reichsverband entstand am 4. Februar 1919 aus dem Zusammenschluss des Bundes der Industriellen, des Centralverbandes deutscher Industrieller und des Vereins zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands. Offiziell wurde er am 12. April 1919 in Berlin gegründet.

In Zusammenarbeit mit dem Heereswaffenamt wurde 1926 die geheime Rüstungsorganisation Stega gegründet.

In der Weltwirtschaftskrise war der Reichsverband stark zerstritten: Der rechte Flügel, wo sich viele Schwerindustrielle und kleinere Unternehmer fanden, optierten gegen jede weitere Regierungsbeteiligung der SPD und gegen jede weitere Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften. Sie wollten die Weimarer Republik zu einem Autoritäten Staat umgestalten, wie es Reichskanzler Franz von Papen mit seiner Idee eines „neuen Staats“ 1932 versuchte. Das schloss eine Zusammenarbeit mit der NSDAP nicht aus, erklärte Anhänger Adolf Hitlers wie der Schwerindustrielle Fritz Thyssen gab es in dieser Gruppe aber nur wenige. Im Oktober 1930 wurde auf Initiative des Bergbauvereins die „Wirtschaftspropagandistische Abteilung“ im RDI eingerichtet, welche unter anderem die Arbeitsgebiete „Wirtschaftsprogramm der politischen Parteien, insbesondere der nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“ und „Das Wirtschaftssystem des Faschismus“ hatte.[1] Dominierend im RDI war aber der eher gemäßigte Flügel, der für eine Fortsetzung der Kooperation mit der Linken und für eine Unterstützung der Regierung Brüning eintrat. Hier fanden sich viele Unternehmer der Chemie-, der Elektro- und der Fertigwarenindustrie. Diesem Mehrheitsflügel des RDI gehörte auch Gustav Krupp von Bohlen und Halbach an, der von Oktober 1931 bis 1934 den Verband leitete.[2] Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten warf Thyssen Krupp und der Verbandsleitung vor, bislang „immer und zu jeder Zeit ,Schleppenträger' des bisherigen Systems“ gewesen zu sein und der NSDAP stets ablehnend gegenübergestanden zu haben. Dies müsse sich nun ändern.[3] Nachdem Thyssen bereits am 23. März 1933 den Anschluss des RDI gefordert hatte, vereinigte sich der RDI schließlich mit dem Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände am 19. Juni 1933 zum Reichsstand der Deutschen Industrie.

OrganisationBearbeiten

Der RDI bildete die Dachorganisation für ca. 1.000 Fachverbände, die in 27 Fachgruppen organisiert wurden. Neben der Mitgliederversammlung waren der Hauptausschuss und das Präsidium die wesentlichen Gremien des Verbands.

PräsidiumBearbeiten

Vorsitzende des Präsidiums waren:

Geschäftsführende Präsidialmitglieder waren:

Die Zahl der Präsidiumsmitglieder betrug anfangs 16, ab 1923 36 Mitglieder. Weitere bekannte Präsidiumsmitglieder waren: Robert Bosch, Alfred Hugenberg, Paul Reusch, Paul Silverberg, Carl Friedrich von Siemens, Ernst Borsig, Hugo Stinnes, Julius Deutsch (AEG), Max Fischer (Carl Zeiss Jena), Hans Kraemer, Abraham Frowein, Rudolf Frank, Otto Moras und Philipp Rosenthal. Von der Gründung 1919 bis zur Auflösung 1933 war Jacob Herle einer der Geschäftsführer des RDI, in dem er den rechten Flügel anführte.

LiteraturBearbeiten

  • Fritz Günther, Manfred Ohlsen: Reichsverband der Deutschen Industrie (RDI) 1919–1933. In: Dieter Fricke (Hrsg.): Die bürgerlichen Parteien in Deutschland, Handbuch der Geschichte der bürgerlichen Parteien und anderer bürgerlicher Interessenorganisationen vom Vormärz bis zum Jahre 1945. Bd. 2, Leipzig 1968, S. 668–671.
  • Reinhard Neebe: Großindustrie, Staat und NSDAP 1930 - 1933. Paul Silverberg und der Reichsverband der Deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 45), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, ISBN 3-525-35703-6 (Dissertation A Universität Marburg, Fachbereich Geschichtswissenschaft, 1980, 314 Seiten DNB 213227002 ©2003 PDF-Version des Buches unter: Volltext online PDF, kostenfrei, 314 Seiten, 6,6 MB).

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reinhard Neebe: Großindustrie, Staat und NSDAP 1930–1933. Paul Silverberg und der Reichsverband der Deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 45). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981, ISBN 3-525-35703-6, S. 117 (online, Zugriff am 14. September 2007).
  2. Hans-Peter Ullmann: Interessenverbände in Deutschland. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-11283-X, S. 142 ff.
  3. Udo Wengst: Der Reichsverband der Deutschen Industrie in den ersten Monaten des Dritten Reiches. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 28 (1980), Heft 1, S. 98 (online, Zugriff am 16. Januar 2018).